Wo ist Richie?

Philipp Rickenbacher macht sich rar bei den Julius Bär-Beratern. Umso enttäuschter sind diese über dessen neues Bonusmodell.

Philipp Rickenbacher heisst bei vielen Bär-Bankern kurz „Richie“. Der vor bald 2 Jahren überraschend an die Spitze der grössten Privatbank gelangte Rickenbacher bleibt für viele ein Gespenst.

Wo ist Richie?, lautet eine gängige Frage unter den Kundenberatern. Von ihrem Ex-Ex-Chef Boris Collardi waren sie es sich gewohnt, ständig angerufen zu werden.

Was zu reden gab. Collardi soll „heisse“ Kunden seinen Lieblings-Beratern empfohlen haben. Bei der Zürcher Staatsanwaltschaft sind dazu Hinweise eingegangen, eine Untersuchung ist offenbar nicht eingeleitet worden.

Rickenbacher ist 180 Grad das Gegenteil von Collardi. Er sucht keinen Kontakt, statt dessen brütet er mit seinen Beratern von McKinsey, wo er einst selbst war, über Strategien und Modelle.

Ein Resultat solcher Denkübungen ist das neue Bonusmodell. Die Bank betont, dass dieses nicht aus der Küche von McKinsey stammt.

Nichtsdestotrotz gibt die zukünftige Berechnung des Leistungsanteils unter den Bär-Beratern viel zu reden. Die Idee war, dass der neue Modus transparent, einfach und fair sein soll.

Richie, das Gespenst (LinkedIn)

Effektiv, sagt ein Private Banker, könne nun keiner mehr nachvollziehen, wie sein Bonus entstehe.

„Es gibt viel zu viele Komponenten“, meint er im Gespräch. „Am Ende ist unklar, wie viel man wofür erhält.“

Dem widerspricht die Bank.

„Das neue Vergütungsmodell bietet den Kundenberatern eine attraktive Vergütung, Transparenz und Kontrolle und stellt alle regulatorische Anforderungen sicher“, sagte eine Bär-Sprecherin auf Anfrage.

„Es besteht aus vier Elementen – ein finanzielles und drei nicht-finanzielle Elemente, beispielsweise Projektziele, Kundenzufriedenheit“.

Daher sei es „im Kern einfach verständlich“. „Bei den finanziellen Zielen fokussiert das Modell auf Vermögenswachstum, Erträge und Kosten und ist somit im Einklang mit unserer Strategie der nachhaltigen Profitabilität.“

Der Gesprächspartner bleibt bei seiner Meinung. Und er sagt, dass am Ende jene, die viel Ertrag für die Bank generieren, den Löwenanteil kriegten.

„Ab 2 Millionen Einnahmen schenkt das neue Bonussystem ein“, so der Bär-Banker.

Dafür brauche es ein grosses „Buch“, will heissen, viele Kunden mit eindrücklichen Vermögen.

Umgekehrt komme ein Berater mit 150 Millionen betreuter Kundenassets nie auf einen grünen Bonus-Zweig.

Die Bär-Sprecherin meint dazu:

„Das neue Bonus-Modell bedeutet ‚Vergütung für Leistung‘ (Pay for Performance): Es gibt eine transparente, direkte und progressive Beteiligung zwischen Rentabilität und variabler Vergütung, im Einklang mit den besten Interessen der Kunden.“

„Wir sind überzeugt, dass das neue Bonusmodell erfolgreichen Beratern weiterhin ein gutes, leistungsorientiertes Gehalt bietet.“

Ende Februar erhalten die Bär-Angestellten ihren Bonus für 2020 – zum letzten Mal nach dem alten Modell.

Laut internen Ankündigungen dürfte der gesamte Bonus tiefer ausfallen als im 2019. Die Bank wollte sich dazu nicht äussern.

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Kommentare

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  1. Richie is getting richer, while his bank is going down the drain. This man is completely incapable of leading anyone. A true fail.

  2. Da die Boris Collardi Voruntersuchung bei der Staatsanwaltschaft Zürich III zu verjähren droht und angezeigte Untersuchungen und Zeugenbefragungen (gemäss diesem Bericht oben) wohlmöglich trotz klaren Zeugenhinweisen nicht vorgenommen werden, wurde nun Herr Beat Oppliger (Leitender Oberstaatsanwalt, Zürich) darüber ins Bild gesetzt.

    Er hat als zuständiger Oberaufseher, gestern, den 17.01.2021, die höfliche Bitte erhalten, sich darum zu kümmern.

  3. Umgekehrt komme ein Berater mit 150 Millionen betreuter Kundenassets nie auf einen grünen Bonus-Zweig.

    Unfassbarer Satz hahahahah. Logisch sollte ein RM mit „NUR“ 150 Millionen betreuter Assets“ nicht einen hohen Bonus erwarten. Ausser er bringt unfassbare Revenues. Aber genau das ist es – der RM soll doch rausgehen und auf unwiederstehliche Art und Weise Kunden an Land ziehen und SIe gut betreuen, dann wachsen seine Assets dann schon und somit auch sein Bonus. Also alles logisch meine Herren, nicht weinen.

  4. Der Bonus soll sich nach dem Aktienkurs richten und zwar gnadenlos und auch für die oberste Führungsetage, alles andere ist Müll und führt nur zu Querelen. „Pay for performance“ so ein BS habe ich schon lange nicht mehr gehört, für was denn sonst??? Der Typ wird sich so nicht lange halten können.

    • There is a simple formula which works mathematically and leaves little room for argument.

      Net New Money + Revenue + No Compliance Failures = Rising Share Price
      Unless you have a dishonest / crooked management, then it becomes a drag on the share price. What Rickie has not done is clean out toxic management and loss making underperforming business units (e.g. UK) who are the real problem. Instead good advisors have been pushed out.
      Zero Net New Money + Weak Revenue + Compliance Failures = Falling Share Price
      Maths doesn’t lie in the long run. Although even when there is a nuclear holocausts, unfortunately cockroaches seem to survive.

  5. Vielleicht bastelt Richie im stillen Kämmerlein an einem COVID-Solidaritätsfonds
    und lässt seinen und weitere Boni in diesen einfliessen. Julius Bär würde mit
    solcher Solidarität endlich auch einmal einen schönen Fussabdruck setzen.
    So blieben nicht nur Strafverfahren und gigantische Bussen sondern auch
    etwas positives aus dem stillen Kämmerlein von Richie in Erinnerung!!

  6. Was die McKinsey-Berater ausbrüten, ist alles nur heisse Luft und unbrauchbar. Auch diese Bonus-Modelle sind einseitig ausgelegt zu Gunsten des höheren Managements, vor allem das Entourage von Ritchie Ritch und ihm als CEO selber. Für die kleinen Mitarbeiter werden nur Brotkrümmel übrigbleiben, obschon sie immer mehr leisten müssen, vor allem auch in diesen Corona-Zeiten. Dies ist Raubritter-Kapitalismus und sind Zustände wie im alten Rom mit den Arbeitssklaven. Der alte Herr Bär, der immer sehr sozial eingestellt war allen gegenüber, würde sich im Grab umdrehen, wenn er von den jetzigen Zuständen der Nachfolgerbank wüsste!

  7. Neu Bezahlung auf Basis „Nettogewinn“ pro Kundenberater.

    Was zwischen Bruttoertrag (= Gebühren/Margen welche die Kunden bezahlten) und Nettogewinn alles von der Bank abgezogen wird, ist ziemlich intransparent. Hat nicht mehr viel mit unternehmerischem Denken seitens der RM zu tun, da die Bank abziehen kann was immer sie will, um den Nettogewinn pro Kundenberater zu verkleinern.

    Es profitieren hauptsächlich Kundenberater mit grossen (häufig geerbten) Kundenbüchern. Und bei der Verteilung von bestehenden Kunden bei Pensionierungen usw. zählt häufig nicht die Performance des Kundenberaters, sondern vielmehr die „gute Beziehung“ zum Vorgesetzten, welcher die Kunden verteilt…

  8. Es ist der 15. Januar 2021

    Liebe Staatsanwaltschaft (III) Zürich
    (Email: kanzlei.sta3@ji.zh.ch)

    Liebe FINMA
    (Email: info@finma.ch)

    Sie haben soeben ein Schreiben erhalten, wegen dieser <>, welche möglicherweise an Julius-Bär Kundenberater vermittelt wurden durch Boris Collardi, und die hier im Artikel erwähnt wurden und offenbar von Zeugen bereits bei der Staatsanwaltschaft zur genaueren Untersuchung gemeldet wurden,

    doch einmal von Behördenseite her genauer hinzuschauen.

    • In dieser leeren Klammer, da sollte es wohl ausgefüllt heissen:

      wegen dieser „heissen Kunden“

      (genommen von oben, vom ursprünglichen IP-Bericht)

  9. Dieser peinliche, lächerliche Rufname „Richie“ geht garnicht! Kunden zahlen horrende Bankgebühren bei Bär, damit sich der schwerreiche Richie reich nennen darf, unmöglich. Irgendwann nennen sie ihn noch Superrichie bei Bär, wenn er superreich wird. Die Bär Banker haben den Schlag noch nicht gehört, Kunden wollen dieses Reich Ding nicht mehr hören, Kunden wollen bescheidene Banker, diskrete, zurückhaltende anständige Menschen und keine „Richies“.

  10. „Wir sind überzeugt, dass das neue Bonusmodell erfolgreichen Beratern weiterhin ein gutes, leistungsorientiertes Gehalt bietet.“

    Ich bin sicher das es am ende immer weniger wird. Die Bank schafft es nicht innert 2 Wochen ein Konto zu eröffnen, weil Compliance die Primarschule des 60 Jährigen Kunden aus Argentinien Nicht im Google findet. Deshalb muss eine weitere Compliance Person hinzugeholt werden, der kein spanisch spricht.
    Der Grossteil der Boni bleiben nun bei Bettis Managment Team hängen, denn diese Strategen müssen ja auch überbezahlt werden.
    Fast alle guten Berater sind weg. Wie zum Teufel soll man da als Kunde zufrieden sein, wenn ständig ein neuer anruft.
    Boris mag seine Macken haben aber der heutige Zustand ist nicht zukunftsfähig.
    Die JB Aktie ist nur da wo sie ist weil der Markt sie dahingetragen hat. Das hat nichts mit gutem Managment bzw Leistung zu tun.

    • Primarschule in Argentinien sollte für Compliance nicht im Zentrum des Interesses stehen :). Aber es stimmt, mehr [an Information] ist oft mehr [an Glaubwürdigkeit].

  11. Ich gehe mal davon aus, dass mit dem neuen Modell die gesamte Geschäftsleitung der Bank keinen Bonus bekommen wird. Nur schon all die Abschreier auf Kairos usw. rechtfertigen einen Bonus Stop für diese Damen und herren für die nächste 5 Jahre.

    • Hire the banker, bring the client, fire the banker, squeeze the client. Total farce.
      Baer is famous for it.

      Of every 4 people you meet in Baer, two are idiots. The other two are ignorants.
      As long as Yves Charrue and Richie let such team leaders and incompetent business unit heads run divisions, Baer heads towards collapse.

  12. WESHALB geht die Staatsanwaltschaft Zürich III diesen

    ZEUGEN-HINWEISEN

    zu „heissen“ Kunden, welche Boris Collardi an seine Kundenberater weiterempfahl

    NICHT weiter nach ?

    Was für ZEUGEN-AUSSAGEN benötigt die Staatsanwaltschaft denn noch ?

    Reicht das Silbertablett dafür nicht ?

    • Man könnte unterstellen, dass Staatsanwaltschaft und Bank unter einer Decke stecken – bzw die Sta die Bank schützen will. Wie in einem schlechten US Krimi, bad corrupt cops..

    • Der wahre Grund ist, dass Staatsanwaltschaft/Finma und Bär unter einer Decke stecken – bzw zu eng verfilzt sind. „Richie“ (übrigens inadäquat/selbsherrlich/ lächerlich und hochpeinlich so einen „Richie“- Spitznamen zu haben) & seine McKinsey Freunde sind freundschaftlich ganz eng vernetzt mit Finma und Staatsanwaltschaft, seilschaften.

    • Was sollte die Staatsanwaltschaft denn hier überhaupt untersuchen??? liegt doch keine Straftatbestand vor, wenn man Kunden an seine Berater weiterempfiehlt…

  13. Lukas is right.
    I can confirm as a former Baer colleague.
    This man is totally invisible. Not interested in customers or advisors or general staff motivation. He hides behind a fortress of strategy sheets and his agenda is hidden. He just issues one sided edicts about matters when he has something to say (when yet another McKinsey review is completed). He even let’s bad managers and rotten apple business heads run the show like before. All he wants is to squeeze more numbers from fewer people and make cuts into advisors pockets where he can. He has never even properly visited international offices.

  14. Die Einen machen sich Sorgen um den Bonus, die andern um das täglich Überleben des Unternehmens in der Coronakrise! Banker sollte man sein….

    • not true. it is alive and kicking. has its problems but who hasn’t.
      and by the way there is a lot of workload in the banks today and people work hard and overtime. no short-time work, no state support and alike. the banks profits, salaries and taxes help the state to finance the support for those who are more affected.

  15. Wieso die Boni nicht streichen, die Bank ist ja auch langsam am Ende. Collardi sei Dank, jetzt versucht er Pictet an den Rand zu treiben.

  16. „Das neue Bonus-Modell bedeutet ‚Vergütung für Leistung‘ (Pay for Performance): Es gibt eine transparente, direkte und progressive Beteiligung zwischen Rentabilität und variabler Vergütung, im Einklang mit den besten Interessen der Kunden.“

    Seit wann sind Boni im Interesse der Kunden, liebe PR-Schwurbelabteilung?

    • „Rentabilität“ heisst, der Kunde wird maximal abgezockt. Ist doch im besten Interesse des Kunden, den weniger Geld auf dem Konto bedeutet weniger Negativzins!

      Ironie Off.

  17. Ein Chef wie alle … hier gilt das neue Chef-Prinzip:
    Bist Du nicht anwesend und auch nicht erreichbar, kannst Du an der neuen Hütte umbauen und musst keine geschäftliche Verantwortung (für Entscheidungen) übernehmen! Rohner und Collardi haben dies schon ab absurdum vorgelebt-

  18. Als „Ex-Grossbanker“ bin ich über die kurzen Wege bei JB angenehm überrascht. CEO, CIO und VR-Präsident sind auch für einen Normalo wie mich jederzeit erreichbar, involvierbar und ansprechbar.

    Das neue Bonusmodell zielt in die richtige Richtung und wird wohl zu tieferen Kosten führen.

    Herr Hässig, ihre „Fachberichte“ haben in letzter Zeit wenig Substanz.