„Das System ist genau gleich anfällig wie vor 10 Jahren“

UBS und CS müssten in einer nächsten Grosskrise erneut vom Steuerzahler gerettet werden, sagt Hans Geiger. Wenn Panik ausbricht, nützen all die schönen Massnahmen nichts – einzig viel Eigenkapital würde helfen.

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9 Kommentare zu “„Das System ist genau gleich anfällig wie vor 10 Jahren“

  1. Warum aufregen, in Zukunft brauchts keine Banken mehr. Google, Apple, Amazon & co. machen das viel besser, die Banken sind technologisch träge Dinosaurier, die in einem freien Markt in Zukunft keine Chance mehr haben. Faktisch sind auch die meisten Banken wie viele andere Firmen, die am Zapf des Gratisgeldes hängen, auch lediglich Zombie Firmen, die man eigentlich abstellen müsste.

  2. Der Bankkunde hat nicht begriffen, dass eine Bankbilanz grundsätzlich illiquid ist, egal wie viel oder wenig Eigenkapital vorhanden ist. Schon das alleine dieser Umstand macht die Sache in einer massiven Krise/GAU kompliziert. Kommt es zur Massenpanik und alle wollen ihr Geld ist das nicht möglich, die Bank schliesst die Tore und das war’s. Die welche Aktien haben was eigentlich ihr Eigentum ist, können dann wahrscheinlich auch nicht mehr viel damit anfangen und die anderen kommen
    auch nicht mehr an ihr Schliessfach. Der Einlegerschutz
    ist dann nicht mehr als eine Floskel. Tschüss Vermögen, rette sich wer kann und erster in der Reihe ist.

  3. Treffende Analyse: Einfach erklärt und auf den Punkt gebracht.

    Zwei Dimensionen, wobei die systemische die nach wie vor ungelöste ist. Versuche, diese mittels Regelung des Derivatgeschäftes in den Griff zu bekommen, sind nicht zuletzt am massiven internationalen Widerstand der Banken und an der analytischen Überforderung, dieses „Absicherungsnetzwerk“ zu entflechten gescheitert.

    Leider wird dem Anleger dieses systemische Risiko auch in den jeweiligen Produkteprospekten oder Produkteinformationen nicht kommuniziert (Unterlassung??).
    Und dort liegt die Schwachstelle und der Auslöser für eine nächste Krise, sofern die Eigenmittelvorschriften nicht DRASTISCH erhöht werden. Dass dann die Gewinne der Banken schrumpfen ist eine Binsenwahrheit.

    Kein Unternehmen kann es sich auf Dauer leisten, mit nur 12% Eigenmitteln ein Kontraktvolumen, das z.B. 12’000 Mal (Kumulativer Hebelfaktor in der gegenseitigen Vernetzung: 1000) grösser ist zu generieren. Dies ist virtuell und surreal.
    In der gegenseitigen Verlinkung führt dieses kumulierte Dominospiel zu einem kapitalen Systembruch mit noch weitreichenderen Auswirkungen auf Wirtschaft und Stabilität als die Finanzkrise, deren Folgen bekanntlich von 2007-2016 gedauert haben!
    (Grund: der internationale kumulierte Schuldenstand ist heute um Faktoren höher als vor der ersten Finanzkrise.)

  4. Schärfere Kapitalvorschriften sind reine Symptombekämpfung. In Zeiten wie vor 10 Jahren geht eine Bank dank mehr Eigenkapital nicht Montagabend pleite, sondern erst Donnerstagmorgen.

    Bravo.

    Also: Trennbankensystem einführen und Bilanzpumpen gnadenlos kaputt gehen lassen.

    • @ C. Ponzi

      Und wie wollen Sie denn ohne Eigenmittelerhöhung „Bilanzpumpen gnadenlos kaputt gehen lassen“?

      Ponzi hat mit jeweils neuem fremdem Geld (Cash Einlage) die hohen Renditeversprechen eingelöst. Und genau so machen es noch immer die Investmentbanken. Anstelle der cash-Einlage ist neuerdings die Buchgeldschöpfung mittels Lombardierung getreten; sprich kreditfinanzierte Derivate. Der Hebeleffekt ist dadurch ja noch grösser geworden als im System Ponzi, der mit cash-Einlagen gearbeitet hat.

      Nein, auch Ponzi sah die „Lösung“ dieses Hebelproblems nur in der Erhöhung der Einlagen und der steten Reduktion der Renditeversprechen. Alles andere ist Finanz-Alchemie.

      Wie sieht denn Ihre Lösung aus, C. Ponzi?

    • Wie gesagt: Auftrennung von Universalbanken in Geschäftsbanken (Älplermaggrone mit Öpfelmues) und Investmentbanken (Molekularküche), wie das bis vor 30 Jahren üblich war. Wurde nach der GFC breit diskutiert und von vielen für sinnvoll erachtet. Hatte politisch keine Chance.

      Wieviel Eigenmittel eine Investmentbank hat, könnte einem dann wurscht sein, weil man sie pleite gehen lässt, wenn sie keine Eigenmittel mehr hat.

      Oder:
      Die Wiedereinführung des Risikos in der Finanz-„Industrie“.

  5. Fußt das System heute nicht erneut überwiegend auf dem bekanntermaßen verlustreichen Glaubenssatz, daß die Immobilienpreise in Zukunft nicht sinken werden?

  6. Über die Analyse kann man getrost unterschiedlicher Meinung sein.

    Was sicher richtig ist, dass das System heute nicht wirklich stabiler ist. Es gibt wieder Blasen, nur anders gebaut und an anderen Orten. Dass Versicherungen und Hedging im Falle eines grossflächige Kollapses nicht mehr funktionieren ist auch offensichtlich.

    Die Folgerung noch mehr Kapital ist im Kern nicht falsch, in der Wirkung jedoch so nutzlos.

    Die Banken können 30% hartes EK halten. Wenn es nicht mehr als Liquidität in den Markt kommt, dann lassen die systemrelevanten Banken unter dem Schutz von Rettungsschirmen, etc. den Markt austrocknen. Sie verfügen ja über eine Zusatzgarantie gegenüber anderen Marktteilnehmern. Systemrelevanz = Rettung. DAS ist der Fehler im Marktdesign!

    Ergo braucht es einen Ansatz, der die harte Liq nach oben bewegt und den Zwang unter gewissen Rahmenbedingungen diese Liq in den Markt zu bringen, damit das System nicht mehr austrocknen kann. Das muss dann echte Liq sein und nicht unter Modellen herbeigerechnete theoretische Liq.

    Diese Aussage widerstrebt mir als freiheitsliebender Mensch. Wenn jedoch die Perversität diesen Stand erreicht hat, dann sehe ich keine echten Alternativen mehr.

  7. Das „System“ vor 10 Jahren und mehr war, daß amerikanische Banken verbriefte Hochrisiko – Hypothekenkredite („subprime mortgages“) bevorzugt an deutsche (Landes-)Banken verkauften.

    Typischerweise wurde von den Käufern eine Zweckgesellschaft außerhalb der eigenen Bankbilanz gegründet, die refinanziert beispielsweise mit den Mitteln von Tagesgeldsparern amerikanische Hypothekenverbriefungen erwarb, so daß der Bank bis zu 300 Basispunkte Zinsdifferenz als Profit (Anleihe zahlt 7% Zinsen, Tagesgeldsparer bekommt davon 4%) verblieb.

    Das neben den USA belegene Kanada und dessen Bankensystem wie auch das japanische Bankensystem blieben davon verschont, so daß alle kanadischen Bankaktien heute über den Höchstständen von 2007 notieren.

    Es wäre interessant zu erfahren, aus welchen Gründen die ebenfalls nach Zinsmarge strebenden Bankiers von Kanada und Japan damals keine amerikanischen Hypothekenverbriefungen erwarben. Zumal dies für japanische Banken mit dem zeitgleich abwertenden Yen extrem lukrativ gewesen wäre.

    Das Risiko heute besteht in nicht risikoadäquaten Zinsen für Staats- und Unternehmensschulden, wie es sich unlängst beispielsweise bei den italienischen Staatsanleihen gezeigt hat.