„Die Finma hat im Fall Vincenz versagt“

Dass die Behörde die Privatdeals nicht erkannt hat, ist weniger entscheidend, meint Hans Geiger. Aber nie hätte die Aufsicht zulassen dürfen, dass die Frau des Ex-Raiffeisen-Chefs oberste Juristin der drittgrössten Schweizer Bank würde.

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18 Kommentare zu “„Die Finma hat im Fall Vincenz versagt“

  1. Machen wir uns doch nichts vor. Die Finma als Nachfolgerin der Eidg. Bankenkommission dient nicht der Aufsicht, sondern der Warnung vor Ungemach. Denken wir zurück, als der erste Crash publik wurde und der damalige Sprecher der Bankenkommission in einem Medieninterview nonchalant von einem leichten Blechschaden für die UBS sprach. Das grosse Versagen der Finma war abzusehen und ist lediglich die logische Konsequenz der längst bekanntgewordenen Komplizenschaft zwischen Behörden und Justiz mit den Grossbanken und der SNB. Bereits vor Jahrzehnten, als das Schweizervolk noch stolz auf SBV, SBG und andere Banken blickte, rieben sich Vertreter der amerikanischen Administration ungläubig die Augen, als sie Einsicht in Akten erhielten, welche aufzeigten, wie die involvierten Banken mit der Unterstützung der SNB und der Justiz sich nach schweizerischem Recht strafbare Handlungen (Arrestverstrickungsbruch und Pfändungsbetrug) zum Nachteil einer kleinen schweizerischen AG (Fall Panta AG) – die danach in Konkurs geriet – ungesühnt zuschulden kommen liessen. Sie lernten daraus, dass angeblich staatstragende Behörden sowie die Justiz in der Schweiz nicht unabhängig funktionieren, wie das Gesetz dies verlangt, sondern nach dem «Sali, sali»-Prinzip. Ist dies erst einmal bekannt und die Glaubwürdigkeit verloren, helfen Persilscheine nicht mehr.

  2. Gibt es eingentlich einen einzigen Fall in dem die Finma als Erste darauf gestossen ist. Die Finma ist sich so sehr gewohnt, dass Banken ihr mögliche Fälle melden, sodass die Finma selber bis zum heutigen Tag gar nicht gelernt hat, wie man Missständen auf die Spur kommt.

  3. Tja, wie soll der Branson der FINMA der Raiffeisen was untersagen wenn er selber mit der Assistentin das gleiche macht? Gäbe einen schönen Rohrkrepierer beim Rekurs sowie wieder eine Massregelung des Gerichts.

  4. Nach diesem video empfehle ich, dass herr prof. Geiger, svp mitglied seinem dafür als finanzminister zuständigen svp bundesrat als mal unter die „arme zu greifen“ damit hier etwas passiert.
    Vielleicht bei einer velotour, wenn er sonst keine zeit hat.

  5. Eine Aufsichtsbehörde reagiert in aller Regel erst, wenn ein Vorfall oder Schaden eingetreten ist.

    Präventive Handlungen sind aufgrund der gegebenen Informationsasymmetrie zwischen Verursacher und Aufsicht nur beschränkt möglich.
    Das weiss auch Herr Geiger aus seiner VR-Zeit bei Vontobel.

    Eine Aufsichtsbehörde hat nicht die gleichen Kompetenzen wie eine Staatsanwaltschaft, die offizialdeliktisch agiert und reagiert.

    • @ Risk taker: Bezüglich präventiver Maßnahmen bin ich einverstanden. Aber die Funktion von Legal & Compliance in der Hand der Ehefrau des CEO ist ein absolutes Nogo. Das hätte die FINMA keiner Bank bewilligen dürfen, schon gar nicht einer systemrelevanten. Bei einer systemrelevanten Bank handelte es sich bestimmt um ein „Geschäft von grosser Tragweite“. Damit fiel der Entscheid in die Kompetenz des Verwaltungsrates der FINMA (Art. 9 FINMAG).

    • Es ist ganz einfach meines Erachtens: „Systemrelevante Banken haben das SAGEN bei der FINMA“! Das ist mehr als klar und ich musste es auch schon mehrfach erleben.

    • Sehr geehrter Herr Geiger

      Besten Dank für Ihren Kommentar.
      Ich denke wir sind uns einig: da hat der „Bergler“ wohl voller Übermut und Überschätzung die rote Linie eigenständig verlassen, frei nach dem Motto: wem es nicht passt, der soll es mir direkt sagen.

      Bleibt nur noch nachzufragen, welches denn die Rolle des VR ist, der persönlich näher am CEO dran ist und eine primäre Aufsichts- und Nachfragepflicht hat. Und der dann – falls Dissens besteht – an die FINMA mit einer Anzeige gelangen müsste. Dies ist mein Verständnis vom Kontrollkreis und Dienstweg.

      Ich denke, dass die FINMA überfordert ist, wenn sie von sich aus bei den systemrelevanten Banken auch noch die familiären- und partnerschaftlichen Verstrickungen der Geschäftsleitungsmitglieder – sozusagen mit Aussensicht und eigeninitiativ – beaufsichtigen müsste.

      Nach Durchsicht der Kommentare zum Thema FINMA – auch in andern Blogs – bin ich zur Ansicht gelangt, dass die Erwartungen an diese Aufsichtsbehörde zum Teil mangels Alternative viel zu hoch sind. Es sei denn, man dehne die Überwachungskompetenzen explizit auf die familiären- und andern sozialen Beziehungen aus.

      Und nochmals: Es ist die hehre Pflicht des VR (auch gemäss OR) in Unabhängigkeit zum CEO den Mut zu haben, kritische -und unangenehme Fragen zu stellen und primäre Massnahmen anzuordnen. Ich denke, dass dies selbstredend gemäss jedem Pflichtenheft bei systemrelevanten Banken der Fall ist. Sonst ist es höchste Zeit, dies zu regeln.

      Freundliche Grüsse
      F.H.

    • Say what? IP hat als erstes Medium überhaupt auf diese eklatanten Missstände hingewiesen. Vor etwa zwei Jahren. Ich weiss aus zuverlässiger Quelle, dass IP auch bei der Finma gelesen wird, täglich. Nur leider glauben die Samichläuse dort, es sei alles Satire, wo es doch der bittere Ernst ist.

  6. Das war doch aber praktisch: Der gmögige Herr Vinzenz konnte seiner Frau beim Abendessen sagen, ob sie am nächsten Tag frei nehmen solle damit sie ja nicht in ein ethisch-moralisches Dilemma gerät wenn der Gatte wieder einen Deal in petto hatte (ja, ja, noch immer gilt die Unschuldsvermutung). Der Mann dachte eben an alles, sehr schlau, oder ?

  7. Der Heuchler Vincenz der das Bankgeheimnis mit alt Bundesrätin Widmer-Schlumpf abschaffen wollte genau dieser Vincenz beruft sich für seine undurchsichtigen Deals jetzt auf eben dieses Bankgeheimnis. Was ist denn das für ein Typ dieser Vincenz.

  8. Der CEO und die Chefin Compliance sind verheiratet miteinander ! Das geht nun aus Copliancegründen gar nicht ! Dass die FINMA sas zugelassen hat zeigt nur, wie wenig die FINMA vom Bankgeschäft versteht !

    • Das war allerdings ein happiger Lapsus von der Finma. Dort hat man daraus hoffentlich gelernt. Wir dürfen der Finma aber zugestehen, dass sie auch mal einen Fehler macht. Niemand ist perfekt.

    • Werter Hr Stamm, Ihr Obrigkeitsglaube in Ehren, aber ich liste zwecks einfacheren Verständnisses mal auf, in welchen fällen die FINMA rechtzeitig und akkurat eingegriffen, auf Warnzeichen reagiert und Schaden verhindert hat:
      – ööhm…..
      – ääähh….
      – hmmm….
      – ……

      Die Aufzählung ist definitiv abschliessend!

      Freundliche Grüsse & schönes Erwachen irgendwann

    • Herr Stamm,
      Max Blunt hat völlig recht. Die Daseinsberechtigung der FINMA ist uns Bürgern das Gefühl zu vermitteln, dass der Finanzsektor kontrolliert und überwacht wird. Das ist etwa so glaubwürdig wie wenn der Metzgereiverband, die Lebensmittelverodnungen schreibt und deren Durchsetzung kontrolliert.

  9. Intel-Chef Brian Krzanich tritt zurück, weil er eine Beziehung mit einer Angestellten geführt hat. Damit habe er nach Angaben des Unternehmens gegen den Verhaltenskodex verstoßen.

    Der Chef des Computerchip-Herstellers Intel hat überraschend seinen Rücktritt eingereicht. Wie das Unternehmen mitteilte, verlässt Brian Krzanich den US-Konzern, weil er eine Beziehung mit einer Mitarbeiterin aus der Intel-Belegschaft führte. Damit habe der 58-Jährige gegen firmeninterne Vorgaben verstoßen.

    … und dabei ging es weder um Compliance, noch um persönliche Bereicherung!

    Wann lernt die Raiffeisen endlich etwas dazu?

    Krzanich werde mit sofortiger Wirkung als Vorstandsvorsitzender und Mitglied des Verwaltungsrats vom bisherigen Finanzchef Robert Swan abgelöst, teilte der Konzern mit. Es handele sich zunächst um eine Übergangslösung.

    Eine interne Untersuchung habe ergeben, dass die Beziehung zwar einvernehmlich war, Krzanich habe damit jedoch gegen den Verhaltenskodex verstoßen. Der 58-Jährige ist seit 1982 für Intel tätig, 2015 war er zum Vorstandschef ernannt worden.