„Scharfer Zinssprung kommt erst nach grossem Aktiencrash“

Weil die Notenbanken lieber zuwarten als vorauszugehen, geben die Börsen die Impulse, sagt Marktanalyst Hermann Stern. Er hat in den letzten 36 Monaten 300’000 Franken in Aktien investiert, nun sichert er sich ab mit Gold- und Strom-Titeln.

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11 Kommentare zu “„Scharfer Zinssprung kommt erst nach grossem Aktiencrash“

  1. Sehe es ähnlich – SMI dürfte nächstens einmal 10% „abspecken“ und Gold dürfte den Ausbruch über US$ 1365 schaffen. Die Goldminentitel dürften wieder Bestandteil der Anlagen institutioneller Anleger werden und dies in einem vergleichsweise kleinen Sektor. Zudem sind die Minentitel teilweise (noch) nicht dem Goldpreis gefolgt.
    Die SNB Aktien rückt die SNB in die Nähe des Preisgeschehens von Kryptowährungen. Dies scheint mir auch ein Botschaft zu sein über den umtriebigen Hedgefund (3. Klasse) dieser heutigen SNB. Da wurde ja noch nicht das letzte Kapitel geschrieben. hm! Und was wenn der SFr. gegenüber dem Euro und dem US$ steigen würde? Mindestens die langfristigen Charts lassen eine solche Annahme zu. Natürlich stimmt Sterns Aussage überhaupt nicht (und das scheint ihn nicht zu beissen), dass das Aufkaufen von Finanzwerten in Fremdwährung den SFr. geschwächt hätte. Es sollte sich doch vielleicht eine Monatschart anschauen (US$ und Euro). Das Thema der selektiven Wahrnehmung! Wünsche dem Stern, dass er vielleicht doch noch etwas Cash macht und nicht mit seinem Aktienportefeuille auf die Nase fällt (der Herr Doktor. scheint mir ein Krämer zu sein…) Er ist ja schon ein sehr braver (typischer? CHer-)Mann, so will mir scheinen…. p. Montevideo

    • 1,00 EUR = 1,18 CHF

      https://www.boerse.de/devisen/EUR-CHF/EU0009654078

      Das ist Höchststand seit 3 Jahren.

      Der Aufwärtstrend des Euro (200-Tage-Linie) ist weiterhin intakt.

      Letztlich muß die SNB länger als die EZB eine expansive Zentralbankpolitik mit Negativzinsen betreiben, um die aufgekauften Fremdwährungen zukünftig wieder mit Gewinn veräußern zu können.

    • Am Beispiel Japan sieht man auch, daß eine Gesellschaft mit Nullzinsen längerfristig nur noch ihr wirtschaftliches Niveau halten kann, aber nicht mehr prosperiert.

      Sollte auch hier allen zu denken geben, die in Politik und Notenbank ihr Heil in Nullzinsen suchen.

  2. Im Gefolge eines Aktiencrashs hat es noch nie Zinssprünge nach oben gegeben, weil so die Entwicklung der Realwirtschaft abgewürgt wird.

    Keine Zentralbank kann sich eine solche Politik leisten.

    Sollten die Aktienmärkte wirklich nach unten korrigieren, werden die Zentralbanken allfällige Zinserhöhungen aussetzen, damit der Negativtrend nicht noch verstärkt wird.

    Im übrigen werden moderate Zinserhöhungen durch die Zentralbanken nur getätigt, wenn dies im Einklang mit dem Wirtschaftswachstum (=Konjunkturerholung) passiert.

    Dass Aktienmärkte bei anziehender Konjunktur adaptive Zinserhöhungen durch temporäre down-Korrekturen antizipieren ist eine Markttatsache und von daher auch völlig normal. Denn nur schon die Umlagerung in Festverzinsliche entzieht dann dem Aktienmarkt Gelder, die so in den Bondmarkt fliessen. Dieser Prozess ist nicht erratisch, sondern akkommodierend.

    • Da bin ich mit Ihnen einverstanden, doch sind es ja nicht nur die Zentralbanken, welche das Zinsniveau festlegen. Sollten die Aktienkurse einmal stark fallen, dann ist viel weniger Geld im Umlauf (d.h. viel Geld wurde „vernichtet“), und die Schuldner in Anleihen müssen nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage mittelfristig höhere Zinsen bezahlen, um noch an genügend Geld aus dem kleiner gewordenen Geld-Pool heranzukommen. Zinsen sind ja ein Mittel, um Kapital anzuziehen, also um Investitionen attraktiv zu machen. Die Zinsen sind so gesehen auch ein sehr gutes Mass für die Menge des investierbaren Geldes, das sich im Umlauf befindet. (und natürlich auf der anderen Seite auch für den Kapitalbedarf in der Wirtschaft)

      Jedenfalls geht der Gedanke, man könne die ZInsen mit aller Macht gegen die Kräfte des Marktes tief halten, mit hoher Sicherheit nicht weit genug. In guten Zeiten geht das, ja, doch in besonderen Zeiten können die Marktkräfte die Möglichkeiten der Zentralbanken übersteigen. Zudem sind die Bilanzen fast aller Zentralbanken ja bereits sehr gross. Das sprichwörtliche „Pulver“ wäre schon fast verschossen, sollte der Markt nochmals nach mehr Liquidität verlangen.

    • Die Frage, ob bei einem Crash à la Finanzkrise die Zinsen rein marktmässig nicht höher gegangen wären, lässt sich mit Fug stellen.
      Tatsächlich war 2007 zu Beginn der Finanzkrise der Interbankenmarkt illiquid hauptsächlich wegen des Vertrauenseinbruchs innerhalb der Bankenwelt. Dies war damals wohl einer der Haupt-Auslöser für das quantitative easing der Zentralbanken. Die Zentralbanken haben damit eine Depression abgewendet.
      Es ist aber zutreffend, dass bei Eintreffen einer weiteren Finanzkrise zum gegenwärtigen Zeitpunkt das Zinsniveau wesentlich tiefer ist als 2007 und somit – plakativ ausgedrückt – das Pulver bereits verschossen ist. Ob in diesem Fall die Realwirtschaft das ansteigende Zinsniveau ohne dramatischen Konjunktureinbruch übersteht ist volkswirtschaftlich eine offene Frage.
      Rein betriebswirtschaftlich – also mikroökonomisch gesehen – müsste dies – wie Sie treffend erwähnen – zumindest kurzfristig zu erratisch höheren Zinsen führen ohne dass dannzumal wirkungsvoll Gegensteuer im Ausmass von 2007 gegeben werden kann.

    • @ Financier:

      Es ist eben die Frage, in wie weit es auch in Zukunft noch vorteilhaft sein wird, sein Kapital in den aktuell annähernd zinslosen Währungen der westlichen Welt anzulegen, wenn neue, tendenziell starke Währungen von wirtschaftlich prosperierenden mit Zinsen zukünftig frei konvertierbar sein werden wie beispielsweise der chinesische Renminbi:

      2007: 11 CNY = 1 EUR
      2018: 8 CNY = 1 EUR
      Zzgl. die sicheren Zinsen von 10 Jahren

      Momentan sind die Währungen der westlichen Welt auch deswegen stark, weil viele Anleger aus Schwellen- und Entwicklungsländern ihre tendenziell schwachen Währungen mit Zinsen in jene des Westens tauschen, da ein besserer Werterhalt möglich ist:

      Vergleiche beispielsweise die Wertentwicklung der vergangenen 5 Jahre von RUB, BRL, TRY oder ZAR gegenüber einer beliebigen westlichen Währung.

    • @Anleger: Danke für die freundliche Bestätigung.

      @FX: Ja, China bietet hoffentlich noch viele lohnende Investments. Sie scheinen uns nur nicht als Investoren zu brauchen, da sie selbst gross genug sind. Wie Sie schreiben, zum CHF hat sich der CNY in den letzten 10 Jahren praktisch seitwärts bewegt—und das bei viel höheren Zinsen.

  3. Der japanische Aktienindex Nikkei 225 schwankte in den vergangenen 20 Jahren in einer Bandbreite zwischen 7.000 Punkten und 24.000 Punkten, wobei der Leitzins der Bank of Japan immer unter 1% lag:

    https://www.boerse.de/historische-kurse/Nikkei-225/JP9010C00002

    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/420102/umfrage/leitzins-der-zentralbank-von-japan/

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    „Spekulieren kann jeder.
    Es zur richtigen Zeit zu tun – das ist die Kunst.“

    André Bartholomew Kostolany
    * 9. Februar 1906 † 14. September 1999