UBS = Undercover Banking from Switzerland

Buch in Frankreich erinnert an Geheimdienstpraxis im US-Geschäft; war UBS Bank der Polit-Mächtigen?

Die Monsterwelle kommt näher. Zuerst erfasste sie die UBS in den USA, jetzt droht ihr Ähnliches in Frankreich.

Es ist die Welle, die das Schweizer Bankgeheimnis verschluckte und nun die verborgenen Geheimnisse an die Oberfläche spült.

Neuestes Kapital in der never ending Story ist ein Buch des französischen Journalisten Antoine Peillon. In „Ces 600 milliards qui manquent à la France“ schildert Peillon Praktiken des weltgrössten Vermögensverwalters im grenzüberschreitenden Kundengeschäft.

Journalist Peillon will Belege für geheime interne Schulungen und Anweisungen haben, welche die UBS zur Geheimdienst-Organisation machen würde.

Die Berater der Schweizer Grossbank sollten bei Kontrollen den Pin extra 3 Mal falsch eingeben, um ihr Handy zu sperren, lautete laut dem Journalisten eine interne Anweisung.

Man soll sich nie im Hotel aufhalten, wo die Kunden nächtigen würden, soll es weiter UBS-intern geheissen haben.

Auf den Visitenkarten standen laut dem Autor nur ein Name und eine Telefonnummer. Hinweise auf die UBS und die Tätigkeit des Beraters sollen hingegen gefehlt haben.

All das will der französische Journalist belegt haben. Seine Aussagen klingen glaubwürdig. Sie passen zu früheren Erkenntnissen rund um das lange Zeit lukrative US-Offshore-Geschäft der UBS.

Damit erhält die zentrale Frage neue Aktualität, ob die früheren UBS-Chefs doch noch an die Kasse kommen.

Schon auf ihrem ersten Steuer-Feldzug waren die US-Behörden bei der UBS ab 2007 nämlich auf verdächtiges Material gestossen, darunter vertrauliche Schulungsunterlagen und Hinweise auf mögliche illegale Praktiken. Doch die Schweizer Strafbehörden liessen sich davon nicht beeindrucken und legten die Hände in den Schoss.

Vor allem ein geheimes IT-System für das Offshore-Banking könnte für die damaligen UBS-Verantwortlichen explosiv werden. Betroffen wären unter anderen der Rechtschef und spätere Präsident Peter Kurer, die früheren CEOs Peter Wuffli und Marcel Rohner und die damaligen Offshore-Chefs Raoul Weil und Georges Gagnebin.

Sollten die Behörden das Computer-Programm ernsthaft unter die Lupe nehmen, würde sich die Frage stellen, ob die oberste Führung ein ausgeklügeltes System zur weltweiten Steuerhinterziehung entwickelt und perfektioniert hatte.

Ihre geniale IT-Eigenentwicklung tauften die UBS-Zuständigen Secure Travel Access Service (STAS). Obwohl dieses in der Schweiz seit über 2 Jahren öffentlich bekannt ist, zeigen sich immer noch viele Beobachter erstaunt darüber, wenn sie davon hören.

Das komplexe STAS-Programm muss mehrere Millionen Franken gekostet haben. Damit dürfte es als strategisches Projekt gegolten haben, welches erfahrungsgemäss auf oberer Stufe abgesegnet werden musste.

Ein Mitwissertum über STAS zu bestreiten, dürfte damit für die verantwortliche UBS-Spitze schwierig werden.

Die mit STAS ausgerüsteten Laptops der UBS-Offshore-Berater waren eigentliche James-Bond-Maschinen. Äusserlich erschienen sie harmlos, mit farbigen Powerpoint-Präsentationen und anderen Dokumenten, die im Fall einer polizeilichen Befragung problemlos schienen.

Wenn aber ein von den IT-Spezialisten präparierter USB-Stick eingeschoben wurde und auf ein bestimmtes Spiele-Icon doppelgeklickt wurde, öffnete sich urplötzlich ein neues Fenster. Dort konnte der Berater mehrere Passwörter eingeben.

Hatte der aus der Schweiz ins Ausland angereiste Berater auf diesem Weg drei Sicherheitsstufen überwunden, war er direkt mit dem Hauptcomputer in der Schweiz verbunden, wo sämtliche benötigten Kundendaten lagerten.

Wie gefährlich STAS für die UBS würde, wenn es in falsche Hände geriete, war den UBS-Verantwortlichen offenbar bewusst. Ihre IT-Cracks hatten einen Zünder eingebaut für den Fall, dass ein Berater mit seinem Undercover-Laptop in eine Kontrolle geraten würde.

Mit der Tastenfolge „XTAS“, was soviel hiess wie Löschen des Travel Access Service, wurde der gesamte Speicherbereich mit dem geheimen Programm und den heruntergeladenen Daten ausradiert.

Der harmlose Rest auf dem Disk blieb von der Selbstzerstörung bewusst unberührt; ein „nackter“ Computer hätte ebenfalls Verdacht wecken können.

Die Entwicklung dieses teuren Geheim-Computerprogramms könnte als Indiz gelten, dass die Verantwortlichen wussten, dass sie gegen lokale Gesetze verstossen würden.

Wurde ein Berater im Ausland verhaftet, hatte er zudem Anweisung, sofort die UBS Security Line unter der Nummer 044 234xxxx anzurufen.

Die UBS war nicht die einzige, die das Undercover Banking aus der Schweiz heraus betrieben hatte. Doch die einst von hohen Militärs zur Blüte gebrachte Grossbank hatte das System wie kein anderes Institut perfektioniert.

Im neuen französischen Buch taucht nun erstmals ein weiterer brisanter Vorwurf auf.

Vermögende Franzosen, die das politische System der Republik gesponsert hätten und befreundete Politiker an die Macht bringen konnten, hätten Milliarden von Euro illegal auf UBS-Konten und bei weiteren Banken in der Schweiz und im Ausland versteckt.

Diese Kunden würden wegen ihren Spenden von den Behörden geschützt, und es gäbe trotz Indizien keine Ermittlungen gegen die Obersten in Frankreich, schreibt der Autor.

Der UBS-Whistleblower im US-Steuerkrieg Bradley Birkenfeld erhob schon vor Jahren ähnliche Vorwürfe. UBS-Freunde der Administration von George Bush hätten dafür gesorgt, dass nur kleine Kunden und der Whistleblower selbst an die Kasse kämen, meinte Birkenfeld.

Trotz 4’500 offengelegten US-Offshore-Kunden ist bisher keine bekannte Persönlichkeit im US-Fall als Steuersünder belangt geworden.

Die einzige Polit-Grösse von Rang und Namen mit offiziellem Konto in der Schweiz ist der voraussichtliche Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Mitt Romney hatte sein Geld bei der …. UBS.

Ein UBS-Sprecher dementierte im Westschweizer Fernsehen die Vorwürfe des französischen Autors Peillon. „Entgegen dem, was behauptet wird, hat die Bank nicht bei einem System zur Mithilfe für Steuerhinterziehung partizipiert“, sagte Jean-Raphaël Fontannaz.

Kommentare

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  1. Herr Schweizer, sind Sie Schweizer Bankangestellter? – Dann sollten Sie Angst bekommen. – Schweizer Banken, auch kleine, überlegen sich, viele Aktivitäten/Services in Zukunft von ausserhalb des „Höselerstandortes“ Schweiz aus zu führen bzw. offerieren. Ich weiss das aus Gesprächen mit Bankbesitzern (nicht Managern!). – Hat sich irgendeiner der Schlauberger in Bern ‚mal überlegt, welche Konsequenzen die „Weissgeldstrategie“ (diejenigen, die hier von „Strategie“ faseln, wissen wahrscheinlich nicht, was eine solche ist), wenn sie konsequent umgesetzt würde? – Was glauben Sie, wie schnell würden Handels- und Finanzierungsgeschäfte (eben gerade auch in der Industrie)dann noch umgesetzt werden können? – Oups, das gäbe aber eine Wachstumsdelle bzw. wohl eher einen Grossschaden. Und die Amis, die Brits, die Deutschen etc. lachen sich die Hucke voll!

  2. @ Peter Goln: Wer hat denn den Beweis, dass die Akquisition der Kunden in den USA stattfand? Eventuell war es nur die Betreuung bestehender Kunden. – Jeder Geschäftsreisende in einer kompetitiven Branche (Pharma, High Tech etc.) wird nur, wenn überhaupt, mit gesicherten Daten herumreisen, die auch öffentlichen „Diensten“ nicht zugänglich sind. – Kommen Sie in die reale Welt zurück, da wird „wirtschaftsspioniert“, und staatl. Behörden sind manchmal die Handlanger, insbesondere in den USA.

    • Guten Morgen die Herren. Daten schützen heisst nicht sie vor den amtlichen Stellen zu verstecken – und zwar systematisch. Zum Glück glaubt diesen Unsinn niemand mehr ausserhalb der Schweiz; Sie gehören da eher einer „aussterbenden“ Gattung an.

  3. Lieber Jean-Claude
    Die Banken haben jedoch bereits vor Jahren zugestimmt Kunden nicht mehr vor Ort zu aquirrieren und bezüglich Steuerflucht zu beraten.
    Wenn Mitarbeiter aus der Schweiz in entsprechenden Zielländern nun dennoch mit einem Berater Notebook unerwegs waren, war das keine Sicherheitsmassnahme für den Zugriff auf Kundendaten sonder effektiv eine Massnahme zur Tarnung von Kommunikationsmitteln wie man es aus alten Spionagefilmen kennt.

  4. Das hat doch nichts mit „Agententum“ zu tun, sondern mit den nötigen Mindest-Sicherheitsmassnahmen, die die Kundschaft von einer Bank erwartet. – Wer möchte denn schon, dass jeder Beamten-Löli einfach Zugriff auf Kundendaten hat? – Ach ja, Blümlein EWS vielleicht.

    • Na ja, ausserhalb unserer Grenzen sehen sie uns als Löli an – und da haben sie Recht. Wenn wir nicht bald aufwachen, dann kommen wir zu spät im uns selber neu erfinden – und das müssen die Banken hierzulande.