Die Rolls-Royce-PK des Raiffeisen-Bosses

Mit 570 000 Franken Sozialleistungen gibt sich Pierin Vincenz fast das Dreifache von ZKB-Scholl.

Superstar Pierin Vincenz gerät mit seiner Notenstein Privatbankentochter in den US-Steuerstrudel. Doch selbst wenn die ganze Raiffeisen-Gruppe wegen dem Kauf des Wegelin-Geschäfts angreifbar würde, kann deren Chef persönlich ruhig schlafen.

Der Grund liegt in einer Risiko-Abfederung der Sonderklasse. Vincenz verfügt über eine proppenvolle Pensionskasse mit Extra-Zuschüssen weit über dem CEO-Schnitt.

Der Chef des Regionalbankenverbunds weist für 2011 Vorsorge- und Sozialversicherungsleistungen von 570’455 Franken aus. Im Vorjahr waren es 530’110 Franken.

Vincenz kriegt damit fast 3 Mal soviel wie Martin Scholl von der Zürcher Kantonalbank.

Der Chef des grössten Staatsinstituts wurde letztes Jahr mit 203’233 Franken Pensionskassenleistungen abgespiesen.

Selbst die CEOs der beiden Grossbanken müssten neidisch in die Raiffeisen-Zentrale nach St.Gallen blicken, wenn es um ihre PK- und übrigen Sozialleistungen geht.

Brady Dougan von der CS hatte 200’000 Franken Vorsorgegelder erhalten, bei UBS-Chef Sergio Ermotti waren es 150’816 Franken Arbeitgeberbeiträge an Vorsorgeeinrichtungen.

Die Raiffeisen-Gruppenzentrale betont, dass es sich beim exorbitanten PK-Zustupf für den obersten Chef um Beiträge sowohl der Firma als auch des Begünstigten handle.

„Die Sozialleistungen liegen bei allen Raiffeisen-Mitarbeitenden zwischen 25 und 30 Prozent und stammen zu 60 Prozent vom Arbeitgeber und zu 40 Prozent von den Arbeitnehmern“, sagt Sprecher Franz Würth.

Die üppige PK kommt bei Vincenz zu einem Salär hinzu, das weit über jenem von Kantonalbanken-Chefs liegt.

Ohne PK belief sich die Entschädigung des Raiffeisen-Chefs für 2011 auf hohen 1,9 Millionen Franken. Beim Zürcher Martin Scholl, der die grösste und wichtigste Kantonalbank leitet, betrug das vergleichbare Basissalär inklusive Bonus 1’450’000 Franken.

Scholl verdiente weniger als im Vorjahr, Vincenz mehr.

Dabei hatte Vincenz Mässigung versprochen. Sie war die Folge von Kritik im Verbund der über 300 Raiffeisen-Regionalbanken. Deren Chefs war die Entschädigung ihres Oberbosses in den falschen Hals geraten.

Die SonntagsZeitung hatte Ende 2008 von 3 bis 4 Millionen Gesamtentschädigung für CEO Vincenz berichtet. Dies sei ein „fürstliches Gehalt“, meinte die Zeitung.

Die öffentliche Schelte führte bei Vincenz zum Umdenken. Er verordnete sich eine Obergrenze von jährlich 2 Millionen.

Hinter der runden Zahl steckte offenbar Kalkül. Sein aktuelles All-inclusive-Salär sprengt den 2-Millionen-Rahmen jedenfalls locker. Grundsalär, Bonus und PK-Vergütungen summieren sich bei Vincenz auf 2,47 Millionen.

Für Pierin Vincenz und seine Raiffeisen ist die Welt trotzdem in Ordnung.

„Als das neue Vergütungsmodell vom Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz beschlossen wurde, wurden die Sozialleistungen explizit von der Lohnobergrenze ausgeschlossen“, begründet Vincenz-Sprecher Würth.

Raiffeisen-intern hat Vincenz kaum Widerstand gegen seine Entschädigungspolitik zu befürchten.

Unter seiner Führung hat die Raiffeisen-Gruppe ein Salärsystem eingeführt, das die gesamte Spitze vergoldet. Auch dort erfolgt der Geldregen durch die PK-Hintertür.

Die 7-köpfige Geschäftsleitung erhielt 7,8 Millionen, hinzu kommen stolze 3,2 Millionen PK- und übrige Sozialleistungen. Das entspricht eindrücklichen 29 Prozent. Bei Normalsterblichen machen Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Leistungen bei PK, AHV etc. maximal 25 Prozent aus.

Im Schnitt erhielt 2011 jeder Raiffeisen-Topshot über anderthalb Millionen, nur unwesentlich weniger, als der Chef der führenden Kantonalbank, ZKB-CEO Martin Scholl, als „Grand total“ nach Hause getragen hat.

Bisher blieben die PK-Extras der Raiffeisen-Bosse unter dem Radar. Das könnte sich mit den unter Vincenz aufgetürmten Risiken ändern.

Neben der Notenstein-Tocher und ihrem allfälligen US-Problem hat die Raiffeisengruppe ihre Bilanz ausgeweitet. Diese stieg 2011 um 6 Prozent.

Besonders aggressiv verhält sich der Genossenschaftsriese in seiner Kernsparte. Die offenen Hypotheken wuchsen um 7,5 Prozent.

Nicht Schritt halten konnte der Gewinn. Er sank um 5 Prozent.

Mit anderen Worten: Vincenz kauft sich Marktanteile. Unter dem Strich erhöhen sich dadurch die Risiken.

Augenfällig wird der expansive Kurs im Eigenhandel, wo die Grossen UBS und CS ihre Risiken herunterfahren.

Nicht so Vincenz, der 2011 die Aktien- und Zins-Investments auf eigene Rechnung ausgebaut hat. Einzig bei den Devisen stand er auf die Bremse.

Für Vincenz zahlte sich der riskante Kurs persönlich aus. Für die Genossenschafter, die am Ende mit einer Nachschusspflicht haften, steht die Schlussabrechnung noch aus.

Weitere Artikel zum Thema: Frau des CEO sitzt bei Raiffeisen mit am Steuer; Raiffeisen-„Bulle“ gibt US-Nonsense von sich

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19 Kommentare zu “Die Rolls-Royce-PK des Raiffeisen-Bosses

  1. Dann zahlt halt Raiffeisen eine Busse an die USA. Na und? Habt ihr wirklich das Gefühl, Raiffeisen hätte nicht genug Eigenkapital dafür? Damit zeigt ihr nur, dass ihr wirklich keine Ahnung habt. Wenns für die UBS nur 700 Mio. US$ gekostet hat, wirds für Raiffeisen, welche um ein X-faches kleiner ist sicher nicht teurer. Also wo liegt das Problem? Oder zahlt ihr etwa die Busse?

  2. Wie ein altes Sprichwort sagt: „Neid und Missgunst sind die höchsten Formen der Anerkennung.“ Solche Aussagen der „Konkurrenz“ bekräftigen mich weiterhin Raiffeisen-Genossenschafter zu sein! Es gibt keine Alternative zu Raiffeisen. Weiter so Herr Vincenz!

    • Ganz richtig Geno, ich sehe das genau so! Notenstein ist die einzige Bank in der Schweiz ohne US Kunden und Raiffeisen auf dem richtigen Weg mit ihrer Strategie. Faire Beratung, gutes Preis-/Leistungsverhältnis – tolle Bank! Und Herr Vincenz kann nicht soviel falsch gemacht haben, siehe Geschäftsentwicklung der letzten 10 oder 15 Jahren, das nennt man wohl eine Erfolgsgeschichte!

    • Raiffeisen hat keine US-Kunden? Die Realität sieht etwas anders aus. Das wurde von Raiffeisen selber bestätigt. Und wer die Entwicklung der Raiffeisen-Gruppe auf eine einzige Person zurückführt, verkennt den Leistungsausweis der einzelnen Genossenschaften…

  3. Die Genossen werden sich freuen was da fuer lukrative Poeschtlis mit Luxus-Pfruendlis in ihrem sozialistischen Unternehmenskonstrukt zu ergattern sind. Vergoldete Karrieren nach getaner Gewerkschafts-, Politik-, NGO und Verbands- Knochenarbeit?

    NB Ja ich hab sie auch getroffen, die pompoesen Expat-Bankers in den US. Vielleicht sind sie fliessend in Wall Street speak, kennen VaR, Black Scholes Formeln, CDS und die ganze Finanzbuchstaeblisuppe auswendig aber hoffnungslos unbedarft wenn es darum geht ‚doing business in the US‘. Wie schon oefter hier geschrieben, Lektion Nummer eins: Dont mess with the IRS. Schon Al Capone hat das begreiffen muessen. Steuerdelikte in den US haben einen ganz anderen Stellenwert. Weiter sollten sie mit Begriffen wie joint and several, lifting corporate veil, misleading and deception und punitive damages auseinadersetzen sowohl die einschlaegigen „bounty hunting“ Moeglichkeiten studieren.

  4. Die Gattin als Chefin der Rechtsabteilung überwacht ihn bei seinen Spielchen. Sowas geht wirklich nur in der Schweiz. Für mich ist klar, welche Bank demnächst an einem „Tropf“ hängt. Welcher das auch immer sein mag (Staat oder Genossenschafter).

  5. Wirklich komisch. Kein einziger Kommentar zum Verschwneder und Abzocker Vincenz. Um das geht es hier liebe Leute.
    Seine (Un-)fähigkeit und Überheblichkeit steht hier nicht zur Debatte (Notenstein etc.)

  6. Machen wir uns doch nichts vor: wenn Wegelin sich weiterhin den US-Behörden verweigert, werden die USA Druck auf Notenstein und damit indirekt auch auf Raiffeisen machen. Wir werden sehen, wohin das führt. Ich sehe dunkle Wolken am Horizont, liebe Raiffeisenkunden und -genossenschafter.

    • Schwarzmalerei – schon mal gesehen dass Notenstein eine eigenständige AG ist, welche mit den Genossenschaften absolut nichts zu tun hat? Somit auch keine Haftung von Genossenschaftern.
      –> ABER wir Steuerzahler haften für gewisse andere Institute, welche wirklich auf dem Radar sind.

      Eigentlich geht es in diesem Artikel um das anscheinend überhöhte Salär 🙂

    • @A. Schmid
      Aber das Aktionariat von Notenstein ist Raiffeisen Schweiz. Wir haben ja bei Wegelin jetzt erlebt, wie die USA gegen die Inhaber der Firma sich eingeschossen haben. Nur schon drohende Bemerkungen der USA können gefährlich werden. Auch das haben wir schon mit der anfänglichen Drohung einer Anklage gegen Wegelin erlebt. Notenstein wird im Fokus bleiben. Die Verflechtungen zwischen Raiffeisen und Notenbank werden bestimmt immer grösser werden (Cashtransfer zu Raiffeisen, IT, Produkte, etc.). Gefällt mir gar nicht.

  7. Die Vincenzens sind geübt, Geld zu raffen, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt. Schon Vater Ständerat CVP Gion Clau Vincenz, GR, hat kräftig mit einer überrissenen Verkaufsprovision zugegriffen, als er im Auftrag Dritter eine Weinhandelsfirma in den Verkauf brachte.

    Es gibt im Bündner Oberland bescheidene Leute, die redlich durch ihre Hände Arbeit und Fleiss den Lebensunterhalt sicherstellen und auf korrekte und ethisch absolut vertretbare Art ihr Hab und Gut mehren. Es gibt aber auch andere, die wenig Skupel kennen. Erstaunlich am Fall des CEO der Raiffeisengruppe ist, dass von den in der Gruppe zusammengefassten Raiffeisen-Genossenschaften diesem Zulangen der Chefs kein Widerstand erwächst. Genossen unter sich, wie weiland z.B. in der DDR?

  8. Das Problem ist, dass der CEO von Notenstein einer der acht Teilhaber von Wegelin war und somit alle Entscheide bei Wegelin mitzuverantworten hat. Ob dieses Buebentrickli von Wegelin und Raiffeisen aufgeht wird sich weisen.

    • Was hat die USA davon wenn Sie Herr Künzi hat? Die USA wollen Namen von Steuersündern und Geld – mehr nicht!
      Ansonsten müssten wir uns bei anderen Banken wohl viel mehr Gedanken machen wie bsp. der ZKB, BLKB, SGKB, CS

    • @A.Schmid
      Warum haben denn alle anderen Teilhaber nicht zu Notenstein gewechselt? Dann könnte Konrad Hummler weiterhin seinen Anlagekommentar schreiben und seine Bank betreiben.
      Ich gebe Ihnen aber recht, die Risiken bei anderen Banken, auch sehr kleinen Privatbanken, sind nach wie vor hoch.

  9. Leider hat es in diesem Bericht einige Falschangaben, welche man ganz einfach aus dem Geschäftsbericht herauslesen kann:
    – keine US Risiken mit Notenstein, da nur das NICHT-US Geschäft gekauft wurde und bei Wegelin genügend Haftungssubstrat vorhanden ist
    – der Gewinn aus dem Hypothekargeschäft ist gestiegen (Beteiligung Vontobel verlor an Wert aufgrund des tieferen Aktienkurses, was zu tieferem Ergebnis führte)
    – etc…

    Schade!

    –> woher diese Zahlen von wegen Vergütung stammen, scheint mir ein Rätsel, soviel habe ich dann aus dem Geschäftsbericht doch nicht herauslesen können.

    • @P. Meili
      Sie haben aber nicht wirklich das Gefühl, dass die US Staatsanwälte die Raiffeisen in Ruhe lassen werden? Das windige Notenstein-Manöver wird nur klappen wenn die Wegelin fähig und willens ist die (vermutlich sehr hohe) Busse an die USA zu bezahlen. Wenn nicht, wird bei Notenstein bzw. Raiffeisen angeklopft.

    • Man bedenke: UBS kam mit rund 700 Mio. davon und hatte ein x-faches an US-Assets unter Verwaltung. Da gehe ich davon aus, dass geschätze 500 Mio. für diese 1.50 Mrd. Assets mehr als reichen wird! Da kann sich Herr Hummler danach immer noch ein ruhiges Leben leisten…

      Und wenn sogar der Blick seine Falschmeldungen berichtigt, kann es nicht so schlimm sein – ein Auszug:
      US Richter sprach nicht von Raiffeisen
      Wirbel um eine Falschmeldung von Radio DRS. Am vergangenen Donnerstag berichtete der USAKorrespondent Beat Solltermann von der zweiten Anhörung zum Fall Wegelin vor einem Gericht in New York. Da erneut kein Vertreter der Bank erschien, soll der Richter zum Staatsanwalt gesagt haben: «Wie steht es mit dem Bankteil, den Wegelin an Raiffeisen verkauft hat? Liesse sich da etwas herausholen? » Auch BLICK zitierte den Radiobeitrag über die angebliche Nennung von Raiffeisen vor einem US-Gericht. Doch er stimmt nicht. Wie die «Sonntags-Zeitung» berichtet, kommt der Name Raiffeisen im Gerichtsprotokoll nicht vor. Vielmehr fragte der Richter den Staatsanwalt, ob Wegelin noch aktiv sei. Worauf dieser antwortete, die Bank habe kurz nach der Anklage einen Grossteil ihres Geschäfts an eine Bank mit dem Namen Notenstein verkauft was übrigens nicht stimmt, der Verkauf fand vor der Anklage statt. Korrekt ist also, dass der Staatsanwalt die Raiffeisen- Tochterfirma Notenstein genannt hat. DRS-Reporter Soltermann räumt auf Anfrage ein, dass der Beitrag «unpräzis» gewesen sei: «Der Richter hat nicht Raiffeisen gesagt. Aber der Name Notenstein wurde genannt. Insofern ist es in der Sache richtig.» Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz sieht das anders. Am Wochenende sagte er zur Zeitung «Sonntag»: «Der Richter hat nur Notenstein namentlich genannt, nicht aber Raiffeisen. Das sieht für mich nicht nach einer Drohung gegen Raiffeisen aus.» Zudem sei alles, was die USA wollten Geld, Daten und Verantwortliche bei Wegelin.