Too Big to Exist: Zerlegt UBS und CS

Citibank-Übervater Sandy Weill fordert Trennbanken-Comeback. Unbedingt, meint Bestsellerautor René Zeyer.

Das „Duo infernale“ Credit Suisse und UBS stellt zweifellos die grösste Gefahr für die Schweiz seit dem Zweiten Weltkrieg dar. Diese Bedrohung fängt bei den eigenen Mitarbeitern an, hört bei den Aktionären nicht auf, betrifft den Schweizer Steuerzahler und auch den Staatsbürger. Also uns alle.

Noch schlimmer: Das Gespann ist daran, den Wertekanon der Schweiz, ihr Image in der Welt, durch Missbrauch, Rechtsbruch, Beschränktheit und mangelnde Kompetenz ernsthaft zu beschädigen.

Zu Tausenden werden die Namen von Mitarbeitern an US-Behörden ausgeliefert. Abgesegnet vom Bundesrat ist das sogar legal. Während sich einzelne Chefs freies Geleit zusichern lassen und in den USA einen Deal für sich selbst aushandeln, um ihre zukünftige Reisefreiheit zu garantieren, ist dies das Ende jeder Fürsorgepflicht und Loyalität der Banken als grosse Arbeitgeber.

Die Aktionäre, also die eigentlichen Besitzer der UBS und der CS, mussten seit der Finanzkrise 1.0 zuschauen, wie ihr Investment in zwei vermeintlich stabile und traditionelle Schweizer Bankhäuser um mehr als 70 Prozent an Wert verlor.

Die Kurse dümpeln im Keller, genau gleich wie das Eigenkapital, und hoch sind lediglich die Risiken, die immer noch im Eigenhandel eingegangen werden. Das zeigt die hohe Kapitalbindung in riskanten Bereichen des Investmentbankings der beiden Institute.

Der Schweizer Steuerzahler wurde bereits ungefragt zur Kasse gebeten, als die UBS zum ersten Mal vor dem Abgrund stand. Vergessen wir nicht: Ins Verhältnis zum BIP gesetzt handelte es sich um die grösste Einzelbankenrettungsaktion aller Zeiten. Dabei musste der Staat das verspielte Eigenkapital wieder auffüllen, und seine Steuerzahler und Bürger gerieten in Geiselhaft.

Die existenzbedrohende Beihilfe zur Steuerhinterziehung von US-Kunden konnte anschliessend nur mit Notrecht und einer nachträglichen Legitimierung durchs Parlament notdürftig geflickt werden.

Wie absurd die von den Grossbanken betriebene Form des Investmentbankings geworden ist, lässt sich einfach mit zwei Zahlen belegen. So zahlte die UBS-Investmentbank von 2006 bis Ende 2010 an ihre Banker in diesem Bereich 34 Milliarden Dollar, obwohl die gleichen rund 20’000 Investmentbanker in der gleichen Zeit einen kumulierten Verlust von 45 Milliarden einfuhren. Kennt jemand ein irrwitzigeres Geschäftsmodell?

Die Verwicklung der beiden Banken in den Libor-Manipulationsskandal ist ein weiterer Grund, wieso ihre Weiterexistenz in der bisherigen Form jeden Staatsbürger mit tiefer Scham erfüllen muss.

Die Credit Suisse beweist eins aufs andere Mal, dass der Schutz des Allerheiligsten einer Bank, der Kundendaten und -namen, im Rahmen des modernen High-Tech-Bankings offenbar nicht möglich ist. Es handelt sich nicht um Hilflosigkeit gegen die kriminelle Energie von Einzelnen, sondern um Knauserigkeit bei Investitionen in IT-Sicherheit, weil da der Return on Investment nicht im Quartalsbericht ausweisbar ist.

Das alles legt einen Schluss nahe: Die leitenden Banker sind noch dümmer, unfähiger und geldgieriger, als man gemeinhin meint. Das sind zwar bedauerliche, aber auch ausserhalb der Finanzbranche existierende Eigenschaften. Besonders gefährlich werden sie jedoch bei den beiden Grossbanken, weil diese nicht nur den Finanzplatz, sondern die ganze Schweiz ins Elend stürzen können, sollten sie lediglich wenige Prozent ihrer weiterhin aufgeblähten Bilanzen in den Sand setzen. Denn dann ist die Bank blank.

Deshalb müssen die beiden Dinosaurier zumindest zerlegt werden, das Investmentbanking muss sofort abgespalten werden, bevor in der aktuellen Finanzkrise schwerster Schaden für die Schweiz entsteht. Selbst ein Banken-Dinosaurier wie Sandy Weill fordert das inzwischen.

Das „Duo infernale“ hatte immerhin vier Jahre Zeit, sichtbare Lehren aus dem Versagen in der Finanzkrise 1.0 zu ziehen. Geschehen, ausser der Fabrikation wohlklingender Wortblasen, ist nichts.

Viel erschreckender als Geldbussen im Rahmen von Ablasshändeln für vergangene Steuersünden ist das kontinuierliche Schleifen der Grundlagen des traditionellen Schweizer Bankings. Dieses beruht auf Tradition, Stabilität, Seriosität, Loyalität und Vertrauen. Im modernen „Banglisch“ sind das allerdings nur Soft Factors, also Werte ohne Wert, lediglich brauchbar für Geklingel auf Hochglanzbroschüren.

Um Himmels willen, denkt der erschreckte Schweizer Staatsbürger, das Zerschlagen der beiden Grossbanken wäre doch der Weltuntergang, zumindest das Grounding für die Schweiz. Falsch, das Prozedere für ihr Ableben mussten UBS und CS der US-Einlagesicherungsbehörde FDIC bereits vorlegen, ist also machbar; nochmals falsch, denn der grossartige Bankenplatz Schweiz trägt nur knapp 7 Prozent zum BIP bei. Ein bisschen weniger ist keine Katastrophe fürs Ganze.

Ein verlängertes Wochenende reicht sogar für die totale Abwicklung von UBS und CS, im Zeitalter des elektronischen Bankings kann der Zahlungsverkehr problemlos von einer Ersatzbank übernommen werden.

Das Verschwinden des Duos würde weniger Staub aufwirbeln als das Grounding der Swissair. Ohne diese heilige fliegende Kuh konnte die Schweiz problemlos weiterleben.

Kommentare

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  1. René Zeyer… Wow! Schaltet mal ein paar Stelleninserate; gibt sicher junge Journalisten auf Jobsuche; auf Profit ausgerichtete Bankenhetzer solltet ihr doch verzichten können…wertet die ganze Seite leider regelmässig ab…

    • ‚Bankenhetzer‘? Warum, wieso? No facts only B$.

      Die UBS und CS sind bereits Zombiebanken. Ohne Flüssiges von den US, dem Fed, wären sie schon lange weg vom Fenster. Ein Grund mehr schnellstens deren 80’000 Milliarden Derivaten Casinos abspalten.
      http://www.bloomberg.com/data-visualization/federal-reserve-emergency-lending/#/overview/?sort=nomPeakValue&group=none&view=peak&position=0&comparelist=&search=
      (UBS, CS anklicken)

      Und dass die US ein bail-out das nächste mal nicht gratis machen, wenn überhaupt, dafür sorgt die Politik. Die sind jetzt schon hopping mad, dass man den Ausländer geholfen hat – besonders jenen die ihnen noch mit Steuerbeschiss auf der Nase rum tanzen. Das geht beim neuen Kongress nicht mehr sonst kann Bernanke die Koffer packen. Und der CH werden die Ohren schlackern was da noch an Erpressungs-Potenzial vorhanden ist via Vermögen, Interessen der realen Schweizer Wirtschaft in den USA.

      Darum höchste Zeit die Angriffsflächen zu verkleinern, sich den Casinos zu entledigen und zum Beispiel separat in den US kotieren – den Amis diese Kuckuckseier schenken!

  2. Stopp!! Was betreibt denn da der Author für eine inkompetent-scheinende Banken-Hetze? Mitarbeiter der Grossbanken sind top, viele der besten Uni-Absolventen und Praktikern gehen zu diesen Banken mit guten Absichten, und wollen sowohl für die Kunden als auch für die Aktionäre das Beste. Das Problem liegt beim kurzsichtigen und inkompetenten Management, das als Reaktion auf die schwierige wirtschaftliche Lage die Berater zum Produkte-push zwingt. Eine Trennung der OneBank Banken ist unsinnig, da das klassische Investment-Banking den Unternehmer in seiner Tätigkeit begleitet und Hand-in-Hand mit dem Private Banking geht.

    • Sie meinen das ironisch, oder?
      Die ‚besten Uni-Absolventen und Praktiker‘ lassen sich ‚zum Produkte-push zwingen‘?

      Wann endlich melden sich Helvetia’s best & brightest beim Werkplatz Schweiz, um Exporte, realen Mehrwert zu schaffen anstatt von Millionenboni träumen bei volkswirtschaftlich wertlosem, ja allgemein-gefährlichem umetöggele in ihren nostro Casinos?

      Wie unten geschrieben, ‚Investmentbank‘ ist eine perfide Augenwischerei. Man pocht auf das Nützliche um schädliches gambling zu kaschieren.

      Wie viele andere hat sogar einer der Ur-Väter der Finanzkatastrophe, Greenspan, begriffen: Too big to fail is too big.
      http://www.washingtonsblog.com/2012/07/top-bankers-call-for-break-up-of-giant-banks.html

    • Leider wurden diese „Top-Leute“ falsch eingesetzt; d.h. zum Produkte-push gezwungen. Der überwiegende Teil der Hedge-Funds, der strukturierten Produkte und wie sie alle heissen (inkl. absolute Return,CDO’s und CDS) haben keine reale Wertschöpfung gebracht. Produziert wurde virtuelles Geld; ähnlich wie dies die Finanzalchemisten taten… Es ist ja niedlich, wenn die Investmentbanker den Unternehmer begleiten – wie Sie das so prosaisch ausdrücken. Es geht hier nicht um den wertschöpfenden Teil des Investmentbankings, sondern um jenen, der „Luft“ kreierte. Diese Top-Leute könnten in der produzierenden Industrie mehr leisten. Ingenieure und Physiker gehören in die Realwirtschaft, wo sie nicht der Geldillusion erliegen. Wir haben in der Finanzwirtschaft immer noch eine Grundmentalität die Gambling mit Wertschöpfung verwechselt…

    • Weise Worte, Mathis!

      Zum Beispiel braucht es auch unbedingt Nachschub von erfahrenen Fachleuten für vitale Sicherheitskontrollen und Unterhaltsarbeiten für die AKW’s – weltweit.

      Stillgelegt heisst noch lange nicht sicher. Ganz im Gegenteil. Vielleicht kommt man einmal zur Einsicht, dass weiter laufen lassen die bessere Option wäre als vor sich hin korrodieren, heisse Brennstäbe im Zwischenlager, die AKW Betreiber verteufeln, die letzten Spezialisten vertreiben – aber alles schreit nach ‚unabhängigen‘ Experten. Wo sollen die denn herkommen?

      Da verstehe ich dann auch wieder den Physiker, Ingenieur, IT Fachmann wenn sie im Banken Casino anheuern anstatt für Risikoevaluation im AKW – nur um sich von den Linken und Rechten anmotzen lassen, womöglich als abhängig erklärt und in die Wüste geschickt zu werden.

      Off topic werden sie sagen? Dachte ich auch bis mir ein eben solches Beispiel, Zusammenhang erklärt wurde.

  3. Es wäre höchste Zeit, dass die beiden Grossen endlich einmal ihre Spartenrechnung auch und insbesondere zuhanden der Aktionäre konkret offenlegen. Die Aktionäre erwarten konkrete Antworten zur Frage:“Wieviel Eigenmittel in % der Gesamtbankunterlegung bindet das Investmentbanking und welches ist der Brutto-Gewinnbeitrag des Investmentbanking in % des Gesamtbank-Bruttogewinns. Dies bitte vor Quersubventionierung durch das Private Banking. Ferner die Durchschnittslöhne p.a. je Sparte. Gemäss unbestätigten Quellen sollend diese im Investmentbanking bei 300T und beim Privatebanking bei 170T gelegen haben (vor Bonus). Alle Zahlen sodann im Durchschnitt der letzten 5 Jahre. Erst auf dieser Grundlage liessen sich dann allfällige (evtl. auch überfällige) Massnahmen ableiten…

  4. SchweizerInnen, lebt ihr gerne unter einer Lawinenwechte, die euch jederzeit begraben kann?

    Unheimlich, die fast kriminelle Fahrlässigkeit mit der akute wirtschaftlich tödliche Gefahren in unserem Land von der Politik, den grossmäuligen Meinungsmacher und Medien ignoriert werden aber jeder Hafenchäs als Skandal aufgebauscht wird.

    So um die 80 000 Milliarden Derivatenkontrakte, etwa fünf mal das BIP der USA, sind auf den Nebenbilanzen der CS und UBS. Geringste Bewertungsabweichungen, Margeneinforderungen der Gegenparteien, eingefrorene Liquiditätspipelines, wie gehabt, und Schweizland ist Island oder schlimmer.

    Warum warten? Leerverkäufe, synthetische Derivatenwetten, ohne wirtschaftlichen Nutzen, sollten dem Spielbankengesetz unterstellt werden. Absicherungsprodukte dem Versicherungsgesetz. Der Name ‚Investment‘ banking nur für eben solches zulässig, nicht fürs Casino und die Versicherungen um das Volk zu täuschen. Last but not least sollte dieser Handel nur von Firmen mit unlimitierter privater Haftung getätigt werden können, wie früher üblich.

    Das würde das Volumen, die Produkte automatisch auf ein vertretbares Mass und Risiko einschränken und kein ‚too big to rescue‘ mehr mit der unkapitalistischen, sozialistischen Haftung der Allgemeinheit für private Verluste.

  5. Hoffnungslos
    Leider ist zu befürchten, dass die Abzocker
    nicht von ihrer Strategie abweichen werden.
    Amies und Briten haben damit angefangen und jetzt sind die wenigen „Einheimischen“ Manager
    auch auf diesen Pfad aufgesprungen.
    Leidtragende sind Angestellte (das Fussvolk)
    und schon wieder die „ehrlichen“ Steuerzahler.

  6. Das Papier, das an die FDIC ging, wird wohl eher ein Schönwetterprospekt gewesen sein, da eine Aufspaltung in Realität sicherlich nicht in wenigen Tagen umzusetzen ist: Neben (teilweise) IT sind auch divisionsüberspannende Prozesse betroffen und geschweige von Sozialenkontakten, die ab und an gerne mal etwas zu offen reden.

    Ich lasse mich sehr gerne etwas besseres beleheren, aber bezweifle nochmals die Fähigkeit der Manager ihre eigene Bank vollumfänglich zu verstehen bzw. überblicken.

    • Das ist zu befürchten. Die IT-Investitions-aversen Investmentbanker werden wohl kaum Vorbereitungen auf so eine Aufspaltung treffen. Powerpoint ist ja bekanntlich geduldig: Auf dem Papier wird natürlich alles einfach und möglich aussehen. Das ist ja zum lachen: Die Banken beherrschen ihre IT nicht einmal im Normalbetrieb, wie soll das dann gehen bei so einer Aufspaltung? Hier geht nichts ohne Zwang von aussen…

  7. Transparenz ist der Schurken Feind und sie ist die Treibfeder hinter der Gesundung verschiedenster Aspekte unserer Gesellschaft.

  8. Schauen Sie sich doch einmal diese gelierten und in Beerdigungsanzüge hineingezwängten Youngsters an, wenn sie stinkwichtig und natürlich englisch parlierend durch die Bahnhofstrasse in Zürich stolzieren. Unter dem Schimpfwort „Banker“ verbirgt sich bereits alles. Dummheit, Arroganz, ignoranz, Selbstherrlichkeit und Unwissen. Trotz Hochschulabschluss aus St. Gallen, der ohnehin nichts wert ist.
    Macht nur weiter so!!

  9. Die Zeiten vor der Auflösung des Trennbanken-Systems in den USA haben es gezeigt, das waren die guten Zeiten! Karl Socher (NZZ vom 16.1.2010) hat hat überzeugend dargelegt, dass die Trennung zum Wohle aller wäre. Der Chef der MunichRe forderte die Trennung vor ein paar Wochen, jetzt verlangt das sogar Sandy Weill. Es ist traurig, dass vorallem die beiden Schweizer Grossbanken Schimpf und Schande über das Bankwesen, insbesondere das Swiss Banking, gebracht haben. Das Übel begann mit den paar Schweizern die für die CS und UBS nach USA durften und glaubten, das Investmentbanking zu verstehen. Die Amis haben sich immer lustig gemacht über Gut, Ospel, Mühlemann, Kurer, Rohner etc. und haben die an der Nase herumgeführt (schon zu FirstBosten und Warburg Zeiten). Aber das Geld hat gelockt und so haben die feinen Herren alle Skrupel abgelegt und wider besseres Wissen behauptet, das Investmentbanking sei für das Wohl der Schweizer Bank essentiell. Nun liegt das Ergebnis vor und es ist höchste Zeit, dass die Politik die Rahmenbedingungen vorgibt, die zum Wohle des Landes notwendig sind. Der Verrat der kleinen Angestellten passt ins Bild der selbstsüchtigen Bosse, nachdem schon die Kunden nach Lust und Laune verraten wurden. Wer kann solches Gesinde noch ernst nehmen!? Die Amis nehmen die und leider auch die Schweiz schon lange nicht mehr ernst. Die Zeche bezahlen wir.