Die Schattenseite der Vermögensverwaltung

Lassen Sie sich nicht täuschen: Unter dem Strich sieht die Performance für das vergangene Quartal und das ganze 2012 bei Vermögensverwaltungen gut aus – aber nur dank den Aktien. Dass die Obligationen (k)einen Beitrag dazu beigetragen haben, wird von den Vermögensverwaltern oft verschwiegen und die Gefahr bei steigenden Zinsen unterschätzt.

Lassen Sie sich nicht täuschen: Unter dem Strich sieht die Performance für das vergangene Quartal und das ganze 2012 bei Vermögensverwaltungen gut aus – aber nur dank den Aktien. Dass die Obligationen (k)einen Beitrag dazu beigetragen haben, wird von den Vermögensverwaltern oft verschwiegen und die Gefahr bei steigenden Zinsen unterschätzt.

Vermögensverwaltungen sind schnell einmal zur Hand, wenn ein Kunde den Bank- oder Vermögensberater wissen lässt, dass er keine Zeit und Lust hat, sich um Geldanlagen zu kümmern. Es wird hoffentlich besprochen, in welche Risikokategorie investiert werden soll – und dann übergibt der Kunde das Zepter dem Vermögensverwalter, auf Gedeih und Verderben.

Schaut der Kunde danach noch genau hin? Es macht jedenfalls keinen Sinn, Obligationen in eine Vermögensverwaltung zu integrieren.  Zu spät realisieren die Kunden, dass die Gebühren für die Verwaltung die Zinsen der Obligationen beinahe auffressen. Diesen Teil können Sie problemlos in einem freien Depot zusammenstellen und haben für einige Zeit keinen Handlungsbedarf, bis die Obligationen einfach verfallen und zurückbezahlt werden. Dafür brauchen Sie, geehrter Kunde, beim besten Willen keinen teuren Vermögensverwalter.

Das heisst letztlich, dass nur noch die Vermögensverwaltung mit richtigen Aktien übrigbleibt. Dafür braucht man das nötige Kleingeld, sodass eine Vermögensverwaltung überhaupt Sinn macht.

Oder vielleicht doch nicht.

So schwer, wie Sie auf den Internetseiten der Banken nach guten Obligationen suchen, so leicht finden Sie die Werbung für Vermögensverwaltungen mit Anlagefonds. Was Ihnen da versprochen wird, grenzt an Täuschung, und über die Kosten werden Halbwahrheiten erwähnt.

Das beste Beispiel: Eine Kantonalbank führt die Gebühren für die Verwaltung auf, erwähnt aber mit keiner Silbe, dass die gewählten Anlagefonds mit dem TER (Total Expense Ratio) jährlich belastet werden. Vielfach habe ich schon erlebt, dass in solchen Fonds wiederum Anlagefonds sind, die nochmals TERs belasten. Auf Englisch heisst diese Fondskategorie: Fund of Funds. (Hat aber mit „Fun“ nichts zu tun.)

„7 Prozent Rendite seit Anfang Jahr“ heisst es – da muss ich ja blöd sein, mein Geld auf dem Sparkonto stehen zu lassen. Dass das gleiche Produkt in den letzten 5 Jahren nur 0,5 Prozent rentiert hat, weil es sich um die Strategie „Ausgewogen“ handelt und zur Hälfte in Aktien investiert sein muss, wird nicht erwähnt – und dass praktisch nur diese Aktien am 7-Prozent-Erfolg „schuld“ sind, auch nicht.

„Sie profitieren von unserer globalen, umfassenden Anlagenexpertise“, „Sie haben volle Kostentransparenz“, „Ihre Anlagen werden laufend überwacht““ – möchten Sie noch mehr lesen?

„Es liegt uns am Herzen, dass Sie sich mit der gewählten Lösung wohlfühlen …“

Genug. Ich kann Anlegern nur raten, Ihre bestehende Vermögensverwaltung bei Banken oder sogenannten unabhängigen Vermögensverwaltern zu überprüfen, und falls obige Produkte (Obligationen, Anlagefonds) darin enthalten sind, die Notbremse zu ziehen und das Mandat zu künden.

Nach solcher Kritik gebührt ein Hinweis zu meiner Person: Seit einem Jahr bin ich als selbstständiger Ratgeber für Geldanlagen tätig. Dafür verlange ich ein Beratungshonorar, an den empfohlenen Anlage-Produkten verdiene ich hingegen nichts, und es gibt keine finanziellen Beziehungen zu irgendwelchen Finanzanbietern. Mehr auf www.alstrust.ch.

Kommentare

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  1. Sehr geehrter Herr Lauber, ich würde gerne mal ein Kundenportfolio von Ihnen sehen. Denn wie wir Wissen: Schlussendlich kochen wir alle nur mit Wasser!

    Interessant, dass sie diese quasi unabhängingen Berater erwähnen, zu diesen ich Sie ebenfalls zähle. Ich bin nämlich der Meinung, dass dier Performance von vielen Solchen durch das Zufallsprinzip zu Stande kommen (wie bei vielen Banken auch) und nicht etwa durch Systematik.

  2. Nehmen Sie z.Bsp. den Index SBIDGT der SWX (ein repräsentativer Obligationenindex): Performance über die letzten 5 Jahre bis heute: ca. +30%. Oder ein Anlagefonds: Pictet EUR Corporate Bond Fund (hedged to CHF) in CHF: Performance über die letzten 5 Jahre bis heute: ca. +30% (NAV, d.h. die Ausgaben des Fonds sind schon bezahlt). Versuchen Sie, die Leute durch einseitige Selektion von Daten in die Irre zu führen ? Geben Sie Ihre Quellen an. Woher stammen Ihre Zahlen ? Märssi denn, gell.

  3. Sehr geehrter Herr Lauber

    Ihr Kommentar reiht sich nathlos ein in den Trend des Banken-Bashings, zusätzlich angereichert mit einem Rundumschlag an die Adresse der unabhängigen Vermögensverwalter. Wahrscheinlich haben Sie mit allen Vermögensverwaltern (Banken, externe) ein Gespräch geführt, um zu einer Aussage wie „wird von Vermögensverwaltern oft verschwiegen und die Gefahr bei steigenden Zinsen unterschätzt“ zu kommen.

    Auch Ihre Aussage „Genug. Ich kann Anlegern nur raten, Ihre bestehende Vermögensverwaltung bei Banken oder sogenannten unabhängigen Vermögensverwaltern zu überprüfen, und falls obige Produkte (Obligationen, Anlagefonds) darin enthalten sind, die Notbremse zu ziehen und das Mandat zu künden“ gibt zu denken. Sprechen Sie nun von Obligationen in Form von Direktanlagen oder von Obligationenfonds? Und vielleicht war der Kunde ja mit der Leistung zufrieden!

    Wenn ich auf Ihrer Webseite die Anlagestrategien anschaue, benutzen Sie dort auch Obligationen! Zudem habe ich in der Download-Area bei den Anlagestrategien – Übersicht gelesen, dass Sie dort z.B. gemischte Anlagefonds empfehlen. Ich hoffe doch für Sie, dass Sie nicht Anlagestrategiefonds damit meinen, sonst haben Sie sich gerade selbst disqualifiert.

    Und wie ist es nun mit den Obligationen 2012? Haben diese zur Performance beigetragen oder nicht? Wenn Sie der Meinung sind, dass dies nicht der Fall war, dann schauen Sie mal z.B. unter http://www.fundinfo.ch einfach einige der von Ihnen verpönten Fonds in Schweizer Franken an, welche Erträge zwischen 2 % – 4 % (oder mehr) erreicht haben, und dies in einem Nullzins-Umfeld. Zudem propagieren Sie einen Fremdwährungs-Anteil von 20 %. Wie sieht es mit USD-/EUR-Obligationen 2012 aus?

    Lieber Herr Lauber, ich lese gerne Artikel von Kollegen aus der gleichen Branche, welche fundiert und informativ sind. Anstatt nur alle in die Pfanne zu hauen würde ich von Ihnen lieber wissen, wie Sie sich in diesem Umfeld positionieren und für Ihre konservativen Kunden anlegen. Wenn Sie ihren Kunden nur Cash empfehlen (Termingelder und KO können Sie in diesem Umfeld auch vergessen), dann ist Ihr Honorar auch verdammt hoch!

    P.S. Den letzten Absatz hätten Sie sich auch sparen können – als Gralshüter brauche ich Sie nicht! Es gibt noch weitere Anbieter in diesem Bereich, die sich gleich positionieren….