Widmer-Schlumpf killt Externe Kundenberater

Monster-Regulierung stellt Unabhängige unter Generalverdacht, entmündigt Kunden, sagt Hans Geiger.

Wenn die Finanzministerin die Welt und den Finanzplatz verbessern will, lanciert sie ein Vernehmlassungsverfahren. Das geschieht zurzeit häufig.

Da ihre Sachen meist nicht nur sehr wichtig, sondern auch sehr dringend sind, wird die Vernehmlassung im Eilverfahren durchgepaukt, damit die Betroffenen und die politischen Akteure keine Zeit haben, die Vorlage sorgfältig zu prüfen.

Mit einem politischen Kuhhandel wird das Projekt dann durch das Parlament navigiert.

Für die Einführung eines unnötigen Finanzdienstleistungsgesetzes – das Finanzdepartement  (EFD) von Eveline Widmer-Schlumpf nennt es  FIDLEG – hat sich die Finanzministerin etwas Neues ausgedacht. Es gibt  gar keine Vernehmlassung.

Stattdessen läuft ein kreatives Verfahren, bestehend aus einem Hearingbericht und einem schriftlichen Hearingverfahren. Die Zeit zwischen der Publikation des Hearingberichtes und dem Abschluss des Hearingverfahrens betrug rekordkurze 29 Arbeitstage. Eine Zumutung.

Was wird auf den 32 Seiten vorgeschlagen?

Gemäss EFD sollen im FIDLEG auf sechs verschiedenen Gebieten neue Vorschriften erlassen werden. Der Gipfel ist der Vorschlag einer „zivilrechtlichen Beweislastumkehr“.

Macht ein Kunde eine Verletzung von Regeln durch einen Finanzdienstleister geltend, muss er diesen Vorwurf nicht beweisen. Stattdessen muss der Finanzdienstleister darlegen, dass dies nicht der Fall ist.

Damit wird der gesamten Finanzbranche implizit unlauteres Geschäftsgebaren unterstellt. Falls in einem Streitfall eine Ombudsstelle zum Schluss kommt, dass „der Anspruch des Kunden wahrscheinlich berechtigt ist“, soll der Finanzdienstleister dem Kunden die Prozess- und Gerichtskosten für eine Klage gegen sich selbst bezahlen, und zwar auch dann, wenn der Kunde vor Gericht verliert.

Damit würden im Bereich der Winkeladvokaten massiv neue Arbeitsplätze geschaffen – zumindest dann, wenn es trotz dieser Vorschriften noch Finanzdienstleister geben sollte, die irgendwelchen Kunden Dienstleistungen anbieten würden.

Wahrscheinlich ist die zivilrechtliche Beweislastumkehr ein Ablenkungsmanöver und eine Nebelpetarde des EFD. Alle Teilnehmer am 29-Tage-Hearingverfahren werden sich auf die Nebelpetarde konzentrieren. Dabei übersehen sie – so das mögliche Kalkül – den schlimmsten und unnötigsten Vorschlag.

Zu den bisher von der FINMA beaufsichtigten 618 Unternehmen sollen nämlich „mehrere Tausend noch nicht beaufsichtigte Finanzdienstleister“ einer Aufsicht unterstellt werden;  darunter auch die externen Vermögensverwalter (EVV).

Weshalb das nötig sein soll, wird nicht erklärt. Ernsthafte Probleme haben die EVV im Gegensatz zu den grossen Banken dem Finanzplatz nicht beschert. Das Obligationenrecht, das Strafgesetz, und – wenn man will – das Geldwäschereigesetz genügen vollauf als rechtliche Grundlagen des Vermögensverwaltungsgeschäftes.

Wahrscheinlich will der Bundesrat einfach die unsinnigen MIFID-Vorschriften der EU kopieren und dem von Angela Merkel nach dem G-20 Treffen vor bald 5 Jahren verkündeten Etatisten-Grundsatz folgen, der da lautet: „Unser Ziel ist es, dass alle Marktteilnehmer, alle Produkte und alle Märkte wirklich überwacht werden.“

Was würde die prudenzielle Beaufsichtigung für die EVV bedeuten?

Sie müssten den Kunden im Moment des Anlageentscheides von allen Finanzprodukten Prospekte und „Key Investor Documents“ (KID) zur Verfügung stellen, die vorab behördlich kontrolliert wurden.

Sie müssten beurteilen, ob ein Geschäft für einen Kunden geeignet und angemessen ist. Sie müssten diese Beurteilung schriftlich dokumentieren.

Es wäre also nicht mehr der Kunde, der einschätzen kann und muss, ob ein Produkt oder eine Dienstleistung für ihn geeignet ist, sondern der EVV. Dadurch würden die Kunden ihrer Sorgfaltspflicht entbunden und  entmündigt.

Als „Kundenberater“ unterstünden die EVV neuen Vorschriften.

Kundenberater müssten sich in ein öffentliches Verzeichnis eintragen lassen. Voraussetzung wäre der Nachweis einer genügenden Aus- und regelmässigen Weiterbildung auf den Gebieten der Fachkunde und der Verhaltensvorschriften. „Wer nicht über einen entsprechenden Registereintrag verfügt, darf nicht als Kundenberater tätig werden.“

Für die Schweiz ist FIDLEG unnötig. Für den Wirtschaftszweig der EVV wäre FIDLEG ein Todesurteil.

Das EFD nennt das „für alle Teilnehmer im Schweizer Finanzmarkt die gleichen Voraussetzungen schaffen“.

Ach ja, und dann steht auf Seite 2 des Hearingberichtes noch der folgende Satz: „Durch die neuen Vorschriften soll […] die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes gefördert werden.“

Kommentare

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

  1. Nicht nur Abzahlungskäufe, sogar Kaffeefahrten und Haustürkäufe werden vom CH-Gesetz besser abgedeckt als die ungleich gefährlicheren Finanzgeschäfte. Statt zu jammern und das Lied von der bösen Frau WS zu singen, würden sich die Banker besser freuen. Sie behaupteten ja schon immer, Profis mit Durchblick zu sein. Jetzt könnten sie es endlich mal beweisen.

    • Ich kann dem nur mit vollem Herzen zustimmen. Es ist nirgends so einfach seine Kunden zu belügen damit diese Geld anlegen und einem Vermögensverwaltungshonorare oder Provisionen zahlen, wenn man nicht einmal den Inhalt des Beratungsgesprächs schriftlich dokumentieren muss damit nachgewiesen werden kann was man gesagt hat. In der EU und in den USA ist man als Anleger wesentlich besser gegen Lügen und Betrügereien geschützt.

      Mir geht das ideologische rechtsbürgerliche Gejammer auf die Nerven und Typen wie Beat Kappeler oder Hans Geiger ganz besonders (OK der SVP-Matter ist noch schlimmer). Man muss ganz nüchtern analyisieren wie schwer es für einen Anleger ist zu seinem Recht zu kommen und den Schaden (Dunkelziffer) mit den Kosten der Regulierung vergleichen und die günstigste Regulierungsalternative auswählen.

  2. Produkte- und Servicehaftung muss sein. Für Finanzdienstleister genau so wie für alle anderen Wirtschaftsakteure. Über Nuancen und anscheinend Umkehr der Beweislast muss man debattieren können.

    So weit, so gut. Leider trägt aber alles was vom Departement EWS kommt, für viele in diesem Land, das üble Etikett der Verräterin. Der Blutdruck steigt automatisch und nicht immer kommt dabei bei den Reaktionen Rationales raus.

    Daher mea culpa für meinen früheren Post doch bleib ich bei meinem Hauptthema, dem Vorschlag der Abwählbarkeit der BundesrätInnen via Initiative durch das Volk. Dies als Alternative zu der umständlichen und sicher kostspieligen Direktwahl ohne klar voraussehbare Qualitätsverbesserung.

  3. Jedes Mal, wenn von einer neuen Regulation die Rede ist, geht das Geheul los. Wir sind uns alle an die Produktehaftung gewöhnt, und deshalb stellen wir auch nicht übermässig Fragen beim Einkauf von Lebensmitteln, Autos, Flugreisen, etc. Für das Ergebnis vieler Finanzprodukte kann man logischerweise keine Herstellerhaftung verlangen. Also verlagert sich die Gewährleistung über die Sicherstellung einer adäquaten Beratung und Aufklärung: somit ist es vorbei mit Hokuspokus! Natürlich gibt es sehr unschöne Einzelheiten im Hearingdokument (zB Prozesskostenübernahme), aber vieles macht schon Sinn aus der Sicht unprofessioneller Kunden/Anleger. Es wäre gescheiter, man beteiligte sich bei der Entwicklung vernünftiger Bestimmungen, die den Formalismus nicht übertreiben, als sich generell gegen das Unvermeidbare zu stellen.

    • Absolut richtig! Die Gewöhnung an die „Banklagerndmentalität“ mit – im internationalen Vergleich – grossen Freiräumen (die Banker wissen was ich damit meine) hat viele unabhängige VV nicht nur übermütig gemacht, sondern auch oft zum Verlust der Bodenhaftung geführt. Oftmals waren zudem die Banken Prügelknaben, weil die unabhängigen Vermögensverwalter die Prüfung der Sorgfaltspflicht auf die Banken abschoben, und dies bedingt durch die bisherige Regelung noch mit Erfolg. Dass sich das ändert ist doch nicht falsch! Also nicht schon den Untergang des Finanzplatzes herbeiheulen und daraus wieder einen Polit-Case basteln.

  4. Das Geschäft für EVV wird anspruchsvoller, und das scheint gut so. EVV im heutigen Sinne wird es zukünftig sowieso nicht mehr geben. Dem muss nicht nachgetrauert werden.

    Um ein erfolgreiches Brokerage Umfeld zu schaffen täte ein Blick auf die Länder/Märkte gut, bei denen es eben erfolgreich betrieben wird. Kopieren / adaptieren ist ja nicht verboten.

    Die EU Richtlinien müssen wohl oder übel übernommen werden. Wer soll denn sonst noch Finanz-Kunde in der Schweiz sein, ausser die Schweizer selber.

    Die Chancen stehen aber eher hoch, dass EWS / FINMA das nicht auf die Reihe bringen.

  5. Wer ist weiter entfernt vom Geschehen und näher an der SVP als Hans Geiger … unglaubwürdiges blabla …man mag von EWS halten was man will … sie denkt strategisch klar und langfristig! Es ist einfach wirklich an der Zeit die Finanzintermediäre sehr eng und sehr genau zu regulieren, sowohl die Banken aber auch die EXVV!

  6. Bundesrätin Widmer offenbart eine bedenkliche Regulierungswut. Sie qualifiziert sich damit bestens für eine SP-Mitgliedschaft. Man kann sich fragen, was sie in einer bürgerlich-demokratischen Partei noch verloren hat. Oder will sie sich in 21/2 Jahren nochmals wählen lassen ? Mithilfe der SP und der Grünen ? Dann würde einiges verständlicher. Ihre eigensinnige Vorgehensart ist hingegen nicht neu: Damit ist sie schon einige Male bei ihren BR-KollegenInnen angeeckt.

    • Werter Herr Stamm, Sie verkennen, das. frau BR EWS aus dem felsigen Berg durch all die staatstragenden Linksparteien, sprich FDP, CVP, SP, GLP, GP et al unisono, nicht zu vergessen die Margaliengruppierung BDP, wiedergewählt werden wird, no doubt about it. Die staatstragenden Linksparteien wollen das, auch P. Müller und seine Adlaten, nur werden sie es nie und nimmer zugeben.

  7. Wenn die CH sich nicht eine Regelung wie FIDLEG zulegt (über die Details kann man diskutieren), dann werden mit Einführung von MiFID II keine europäischen Kunden in der CH gebucht werden können und sowohl Akquisition Neuer Kunden als auch Betreuung bestehender Kunden in Europa wird unmöglich.

    KIID und PIP sollten CH Banken heute schon anwenden, wenn sie nicht von europäischen Kunden in deren Heimatland verklagt werden möchten. Das das noch ein Thema ist, ist eher erschreckend.

    Insofern ist die Meinung von Herrn Geiger zwar nett, zerstört nur leider den Finanzplatz. Ach ja, das wirft er ja EWS vor..

    • Herr Meister hat absolut recht. Es geht aber nicht nur darum europäische Kunden in der Schweiz zu buchen, sondern generell um den Marktzugang zur EU, i.e. die Erzielung einer equivalenten Regulierung in der Schweiz. Im Grunde genommen geht es um Protektionismus der EU. Warum? Weil der Kuchen kleiner geworden ist und es ist schlussendlich wie früher in der Primarschule…wenn der Stärkste auf dem Pausenhof dein Butterbrot will, dann wird es schwierig!

    • …und nun sind es schon zwei Blogger mit Weitblick… Das wird hier langsam zu einer Expertenrunde!! Eine willkommene Abwechslung!! Und wieder: Bravo!!!! Dem ist nichts hinzuzufügen.

    • Das ist korrekt. Ich glaube aber auch, dass es Herrn Geiger nicht mal primär um das Gesetz per se geht (welches sich tatsächlich am europ. Umfeld anpasst, auch wenn das uns nicht so gefällt), sondern um die Art und Weise, wie es umgesetzt wird und es den Betroffenen fast keine Möglichkeit lässt, sich dazu zu äussern.

  8. Ohne die Vorlage gesehen zu haben faellt es mir schwer diese zu beurteilen.
    Aber eine Verantwortung, den Kompetenznachweis und die Ueberwachung im Anlagegeschaeft scheint mir keine schlechte Idee zu sein. Grundsaetzlich. In den USA, UK, DE geht es auch, und zwar auch fuer KMU. Details, z.B. Verfahrenskostenuebernahme, moegen ueberzogen sein. Kann eine Professionalisierung der Anlageberatung schlecht sein? Wuerde dies nicht zur Vertrauensbildung in die Branche beitragen?

  9. EVVs sind wesentlich schlechter ausgebildet als moderne RMs. Sie nahmen in der Vergangenheit als Bank-RM „ihre“ Kunden wie Weihnachtsgänse aus. Dabei schufen sie nie einen Nutzen (Schuld war immer „die Bank“ oder „das Management“). Wegen ihrer miserablen Ausbildung und damit auch verminderten Entwicklungsfähigkeit mussten sie die Banken verlassen. Einige freiwillig andere weniger. Sie nahmen einige „ihre“ Kunden zum EVV mit. In der Bank dürfen derweil die von ihnen belächelten Neu-RMs aufräumen. Es schadet nicht, wenn diese Finanzzampanos besser überwacht werden.
    EWS verhält sich im Grunde so wie es jeder EVV tut: Sie denkt nur an sich!

    • ja genau… LOL die ausbildung auf den banken kenn ich auch noch: ein wochenende auf dem bürgenstock, wo dann zusammen kumbaya gesungen wird und dem linken nachbarn ans rechte ohr gefasst wird. zur vertrauensbildung 🙂
      @ölin sfeuer: sorry, aber den mist glaubst du nicht mal selbst…

    • Dazu kann ich nur eines sagen: Selten einen solchen Schwachsinn als Kommentar hier im Forum gelesen!

    • @Ölin Sfeuer: Genau so ist es! Banker sind meist weit besser ausgebildet als eVVs. Hier sprechen wir ja nicht von internen „fühlsch mi, gspürsch mi“ Weekends, sondern CAS, DAS, MAS Lehrgängen an Hochschulen, AZEK, Swiss Banking School und was es alles gibt.

    • Wir dürfen angesichts Ihres obigen Kommentares wohl getrost davon ausgehen, dass der wie von Ihnen geschilderte durchschnittliche eVV wohl immer noch wesentlich besser ausgebildet ist als Sie.

    • Es gibt für mich nur 2 Möglichkeiten: Ölin Sfeuer hat seeeeehr schlechte Erfahrungen gemacht oder ist einfach nur neidisch … armer Ölin Sfeuer!

      Oder will er nur provozieren?

      Wie auch immer – er ist nicht zu beneiden! Zufriedene Mitmenschen äussern sich anders 😉

    • Bitte ignoriert diesen Troll…

      Als Troll bezeichnet man im Netzjargon eine Person, die Kommunikation im Internet fortgesetzt und auf destruktive Weise dadurch behindert, dass sie Beiträge verfasst, die sich auf die Provokation anderer Gesprächsteilnehmer beschränken und keinen sachbezogenen und konstruktiven Beitrag zur Diskussion darstellen. Ein gelegentlich gebrauchtes Synonym ist Twit (engl: Dummkopf).

  10. Wir koennen uns auch permanent selber in den Fuss schiessen – der Finanzplatz CH mit seiner Peripherie ist zwar nur ein Standbein der CH Wirtschaft, aber nicht ein Unwesentliches – zudem macht der absolute Grossteil des Personals / Akteure seit Jahren einen guten Job im Sinne der Kunden & Banken…

    Lieber weniger regulieren, dafür umsetzen & kontrollieren.

    NB im Ausland ist teilweise (noch) nicht mal Basel II umgesetzt, dank den Technokraten in Bern sind wir auch bald soweit – neue Regeln aber keine Zeit für’s Umsetzen; und für die FINMA wird es damit auch nicht einfacher ergo sinnlos…

  11. Zivilrechtliche Beweislastumkehr:
    Ist dies der Anfang dazu, dass die Angeklagten ihre Unschuld beweisen müssen und nicht mehr die Ankläger (Staatsanwälte) ? Dieses Recht wird in den USA so praktiziert. Prost Schaaggi!

  12. Es braucht eine Oberaufsicht über den Bundesrat. Da scheint es nur noch non Valeurs zu haben.
    EWS muss abgesetzt werden. Impeachment dieser wenig fähigen Frau.
    Pfui Deibel

  13. Frau Bunderätin würde gut daran tun, dieses Dossier mit Profis zu diskutieren. Es kann ja wohl nicht sein, dass diese Person NOCH mehr Schaden verursacht und die Schweiz weiter ins Abseits drängt! Diese Unterstellung ist eine Frechheit!

  14. Mittlerweile stellt EWS eine grössere Gefahr für die Schweiz dar als der IRS. Die Frau macht einen massiv überforderten Eindruck, agiert ohne erkennbare Weitsicht und versucht ihre Sache einfach durchzudrücken.

    Es ist zwar absehbar dass die EVVs auch von FINMA beaufsichtigt werden. Aber solche bürokratische Last bricht jedes KMU das Genick!
    Am Ende verbleib nur die Grossfirmen. Und die werden wohl unter Too-Big-Too-Fail fallen. Klumpenrisiko wird erhöht, der Steuerzahler darf blechen wenn was schief geht.

    Mit solchen Freunden braucht man keine Feinde mehr.

  15. Die Umkehr der Beweislast ist vor allem dort problematisch, wo es um „Gewöhnliches“ geht. Dem Durchschnittsanleger darf zugemutet werden, dass er den Unterschied und die Wirkungsweise der reinen Grund-Finanz-Elemente (z.B. Aktien, Obligationen, Geldmarktpapiere, Cash etc.) kennt. Handelt es sich jedoch um komplexe Finanzkonstruktionen (z.B. strukturierte Finanzkonstruktionen, Hedge Funds) oder um sog. „Anscheinsverprechen“ (z.B. Absolute Return Konstrukte, Konstruktionen mit sog. Kapitalschutz) so ist es zumindest aus der Optik der Verhältnismässigkeit und Verfahrensökonomie nachvollziehbar, die Beweislast beim Experten, Konstrukteur oder Berater anzubinden, da nur dieser über die Detailkenntnisse verfügt (oder verfügen sollte). Im Falle der nachweislich vorsätzlichen Falschberatung, bzw. der vorsätzlichen und wissentlichen Entgegennahme von dubiosen Geldern – auch bei Offizialdelikt – ist die Beweislast m.E. schon seit Jahren geregelt und darin wird sich nichts ändern. Das Hochkommen der ganzen Thematik „verdanken“ wir leider gewissen Banken und Finanzdienstleistern, bei denen sich im Gefolge der sog. „Finanzkrise“ herausstellte, dass Kunden wissentlich zum Kauf absehbar verlustreicher Konstrukte (z.B. CDO) animiert wurden. Die sog. Finanzkrise war nicht eine anonyme Marktkrise, sondern eine durch die globalen Marktpartner und Akteure (=Verursacher) herbeigeführte Krise, wohl wissend um die Dominowirkung nicht kontrollierbarer Risiken. Hier darf durchaus auch einmal die Verantwortung angesprochen werden

  16. Wir brauchen definitiv keine neuen Vorschriften und Regulatorien – ABER: Die bestehenden sollten besser kontrolliert und umgesetzt werden. DAS würde schon reichen!
    Es gibt sicher einige EVV, welche der Branche (in erster Linie den Kunden) mangels Ausbildung oder nötiger Integrität schaden. Doch in welcher Branche gibt es das nicht?
    Übrigens: Ein Register mit „zertifizierten“ Kundenberatern ist den Aufwand nicht wert … Was ist eine Ausbildung schon wert, wenn man sich nicht laufend weiterbildet?

    Wenn man lange genug darüber nachdenkt, dann fragt man sich schon, was EWS sich dabei denkt und welche höhergesteckten Ziele da verfolgt werden …

  17. Klar und der EVV-Eintrag kommt direkt in die Hooligan-Datenbank – die ist ja eh halbleer.
    Und die andere Hälfte sind Bundesliga- oder gar Champions League-Vereins-Präsidenten, oder?
    Ob ein Investgeschäft für einen Kunden „geht“ weiss man schon heute, bei entsprechender Recherche und guter Beratung daraus.

  18. Man sollte endlich einmal die Parlamentarier in die Verantwortung nehmen welche die heutige Finanzministerin in den Bundesrat gewählt hat und die so wie es aussieht die Schweiz nie kraftvoll und endlich unsere Trümpfe gegenüber den anderen Nationen ausspielt und gleichzeitig Verantwortung übernimmt. Kommt mir vor dass sich die Szenen in der Bibel um Pilatus mit „ich wasche meine Hände in Unschuld“ heute wiederholt.

  19. „Ernshafte Probleme haben die EVV .. dem Finanzplatz nicht beschert.“

    Nun, ja: Die Aargauer ASE Investment AG; Tell Invest, Pfäffikon SZ; INFINA-Gruppe, St. Gallen usw. lassen grüssen.

    Auch einige ex-UBS-Banker sind als EVV in die Fänge der US-Justiz geraten.

    • Ein EVV muss sich entweder der FINMA direkt oder einer Branchenorganisation (SRO) wie VSV, VQF oder Polyreg anschliessen. ASE war bekanntlich keinem dieser SRO angeschlossen. Wahrscheinlich gilt dies auch für Tell-Invest (hatte keine Effektenhändler-Lizenz) sowie für INFINA-Gruppe. Für die Ueberwachung der Effektenhändler ist bekanntlich die FINMA zuständig. Wenn sich der Kunde nicht erkundigt, ob ein EVV ein entsprechendes „Gütesiegel“ hat und sein Geld dubiosen Organisationen überlässt, welche mit irrwitzigen Rendite-Versprechungen locken, kann dies nicht den seriösen EVVs angehängt werden, sondern nur der eigenen Dummheit.

      Zur USA müssen wir gar nichts mehr erwähnen. Sicher wurde die Hilfestellung der CH-Banken für US-Kunden übertrieben. Dies jedoch auf Geheiss des Managements und nicht des einzelnen Mitarbeiters. Die Chefs haben sich dafür gerne ausgekauft und überlassen die Probleme den ehemaligen Mitarbeitern. Solange die US jedoch so schöne Plätze wie Miami oder Delaware hat, sollte sie wirklich zuerst vor der eigenen Haustüre kehren!

  20. Kleine Korrektur, es heisst:
    Key Investor Information Document (KIID), nicht KID.
    Nichts destotrotz scheint Frau EWS damit ein bürokratisches Monster nach dem Vorbild des Deutschen Beratungsprotokolls zu produzieren.
    Die FINMA tut mir jetzt schon leid, bei der Kontrollpflicht dieser Massnahmen.

  21. Lieber Lukas
    Anscheinend weiss EWS doch wo der Fisch stinkt. Du sagst die EVV hätten bisher keine Probleme beschert. Aber das liegt wohl eher daran das dieser stinkende Fisch zu glitschig ist. Da würde es vielleicht doch Sinn machen wenn die Reglen griffiger würden.
    Die Beweislast umkehr ist übrigends doch interessant, schliesslich basteln alle an Strategien wie sie ihre Altlastenrisiken bei den „Unkontrollierbaren“, „Unabhängigen“ deponieren können. Wenn diese im Falle eines Skandales auffliegen, wäre es doch für alle Hilfreich wenn sie auch automatisch zum Schuldigen erklärt würden. Und nicht die Banken welche dahinter stehen.

    • Ich bekomm den Eindruck nicht los, dass Sie nicht viel von Fischen verstehen…

  22. EWS hat immer schon, auch damals als sie in der Bündner Politik war, nur für sich und ihre Karriere gewirkt. Verrat an Kollegen und Parteikameraden machte ihr nichts aus. Wer ihr im Weg war, wurde „liquidiert“. Gleiches gilt für ihr Tun dem Schweizer Land gegenüber. Sie dient allen Parteien zu, die ihr zur Wiederwahl helfen, obwohl diese Parteien weit weg von den echten Landesinteressen sind. So ist klar, dass bei der SPS, die im Parteiprogramm EU-Beitritt, Umverteilung, Auflösung der Milizarmee postuliert, EWS Liebkind ist. Und da gibt es noch in bürgerlichen Kreise Unbedarfte, die sagen, „sie macht es gut!“ Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen.

    • Ja, ich sagte meinem Umfeld schon immer, Widmer-Schlumpf wird unseren Wohlstand, welcher über Jahrzehnte als kleines rohstoffarmes Land hart erkämpft wurde, innert kürzester Zeit massiv schmälern und die liberale Grundhaltung sowie Zusammenhalt der CH Bürger destabilisieren.

    • Wer stoppt EWS? Wieder einmal ist EWS undemokratisch, eigenbrötlerisch, hinterrücks, eben verräterisch unterwegs, immer nach dem Motto, was nützt es EWS persönlich. Die Schäden, die der Finanzplatz und die Schweiz dabei erleiden, tragen wir alle. EWS vernichtet unseren Wohlstand, damit ihre persönlichen Machtgelüste befriedigt werden. Der BDS fehlt mit nicht einmal 5% die demokratische Legitimation und ihr Parteipräsident Landolt steht im Solde der UBS. Wer braucht da noch Feinde, bei solchen Freunden?

    • Wir hatten solche KlassenkameradInnen. Hinterf%#?&g, verdreht wie Korkenzieher. Nur wurden die vom gesunden Klassenkörper ganz natürlich isoliert, abgestossen.

      Bundesratswahl durchs Volk. Nicht überzeugt wie gut das kommen würde. Doch was unbedingt nötig wäre: Abwahl durch Volksinitiative!

      Das wäre relativ unbürokratisch zu veranstalten. Auch die Damen und Herren der erlauchten Bundesversammlung würden dann etwas besser über die Bücher gehen. Weniger schädliche Politmauscheleien und mehr professionelle Auswahlkriterien. Inklusive des Englischen mächtig, darf man hier auch sagen, damit Milliarden Verträge und unsägliche Abkommensklauseln auch verstanden werden, von unserer Exekutive.