CS-Finanzchef lässt Deloitte Kosten schleifen

David Mathers setzt voll auf seine Ex-Beratungsfirma – miserabler Ruf in Internet-Mitabeiter-Foren.

Im Schatten von McKinsey hat sich eine zweite externe Beratungsfirma in der Credit Suisse ausgebreitet. Es ist die aus London heraus geführte Deloitte-Banken-Einheit.

Deloitte sei inzwischen überall in der CS, meinen mehrere Quellen. Es gehe um die Zerschlagung von Kosten. Die umstrittene Costcutterin Kirsty Roth ist eine Ex-Deloitte-Partnerin.

In der IT, im Finanzwesen und im Riskmanagement seien Deloitte-Berater zu Dutzenden am Werk, sagen diese Insider.

Die CS nimmt keine Stellung.

CS-Finanzchef David Mathers – er hat einst selbst kurz für Deloitte gearbeitet – hat einen engen Draht zu Kevin O’Reilly, zuständiger Partner für Finanzunternehmen bei Deloitte London. Das CS-Mandat wird vom irisch-amerikanischen Doppelbürger aus der englischen Hauptstadt heraus geführt.

O’Reilly wird von Weggefährten als ehrlich und professionell beschrieben. Kirsty Roth habe er einst bei der Beförderung zur Partnerin eine Ehrenrunde drehen lassen.

Die geschmierte Achse Mathers-O’Reilly ist für die Ausbreitung von Deloitte innerhalb der CS entscheidend. Finanzchef Mathers hat viele Aufgaben an sich gerissen und lässt diese mehr und mehr durch O’Reilly und seine Deloitte-Berater lösen.

Mathers trennte sich von Karl Landert als IT-Chef und übernahm die IT-Oberverantwortung in Form von mehreren Direktunterstellten selbst.

Das Gleiche passierte mit zuvor wichtigen Finanz- und anderen Service-Bereichen. Immer zerschlug Mathers bestehende Strukturen und setzte sich in den Driving seat.

Die Folge ist, dass es in der Zentrale der Grossbank nur noch zwei Leute gibt, die den ganzen Überblick haben. Neben Mathers ist das Konzernchef Brady Dougan. Beides sind Angelsachsen.

Mathers hat vermutlich eine der grössten Führungsspannweiten eines Schweizer Multis. Er führt mehr als 10 Direktunterstellte und kontrolliert faktisch die halbe Bank.

Statt mit erfahrenen internen CS-Leuten tut dies Mathers mit externen Deloitte-Beratern respektive mit Ex-Deloitte-Partnern wie Kirsty Roth. Diese fliegen aus London ein und fräsen mit ihren Kostensparprogrammen wie Heuschrecken durch die Bank.

Keine andere der globalen Beratungsunternehmen – PricewaterhouseCoopers (PwC), KPMG, Ernst & Young, Accenture und weitere – würde ähnlich aggressiv auf dem Schweizer Markt vorgehen wie die aus London heraus gesteuerte Deloitte, sagt eine andere Quelle.

Für das CS-Mandat hat Deloitte ganze Teams von Konkurrenz-Beratungsunternehmen abgeworben. Vor allem die auf dem Platz führende PwC musste Federn lassen.

Zu den bekannten Köpfen, die zu Deloitte wechselten, gehören die Ex-PwC-Leute Sven Probst und Philipp Lanz. Mit dem Wechsel zu Deloitte stiegen beide zu Partnern auf.

Wellen schlug der Wechsel von Ralph Schläpfer. Auch er ging von PwC zu Deloitte, wo er in die Geschäftsleitung kam.

Das Aufrüsten von Deloitte, das nicht zuletzt dank dem Grossmandat der Credit Suisse möglich ist, kontrastiert mit dem Ruf, den die England-Beratungsfirma bei Mitarbeitern und Kandidaten geniesst.

Auf der Firmen-Bewertungsseite Kununu.com schneidet Deloitte schlecht ab. „Der Name Deloitte löst selbst bei der Revisionsaufsichtsbehörde Nasenrümpfen aus“, hielt ein Deloitte-Angestellter Anfang Jahr fest.

„Die Gesellschaft schliesst in den Reviews regelmässig sehr schlecht ab, die enormen Qualitätsprobleme auf dem Schweizer Mark sprechen sich rasch herum.“

Das Kader würde „praktisch nur aus rezyklierten PWC-, E&Y- und KPMGlern“ bestehen, die „ihre Leistung nicht mehr erbringen“ würden, meinte der Verfasser. „Die wohl erfolgloseste Gesellschaft am Markt.“

Ein anderer Deloitte-Angestellter schrieb letzten Dezember: „Äusserst stümperhaftes Management. Wer kann, geht gleich zu PWC, E&Y oder KPMG. Dort wird ganz kräftig ins Personal investiert, bei Deloitte wird an jedem Ende gespart. Selbst bei Gruppenanlässen muss man die Snacks selber bezahlen.“

Ein ehemaliger Deloitte-Mitarbeiter meinte schliesslich im Februar dieses Jahres: „Deloitte hat nicht zu Unrecht die höchste Fluktuation in der Branche (deutlich über 20 Prozent). Auch die vielen offenen Stellen müssen einem zu denken geben.“

Deloitte verteidigt sich. Auf Kununu.com antwortete Personalchefin Andrea Bacca einem Ex-Praktikanten, der von „Stümpertum“ und „Spiessertum im Quadrat“ bei Deloitte Schweiz sprach.

„Ich bin über deine sehr negative Meinung über Deloitte erstaunt und beunruhigt“, meinte die Deloitte-Managerin. „Die Weiterentwicklung unserer Mitarbeitenden liegt uns sehr am Herzen, weshalb wir motivierte Personen aktiv fördern, ihnen zahlreiche interne und externe Weiterbildungen ermöglichen und ihnen neue Verantwortungsbereiche übertragen.“

Bei Deloitte habe man gute Aufstiegschancen, meinte Deloitte-Frau Bacca weiter. „Ebenso messen wir uns natürlich regelmässig an unseren Mitbewerbern und haben zum Beispiel erst kürzlich einen Big4 salary benchmark durchgeführt, in dem wir sehr gut abgeschnitten haben.“ Auch der Anteil von Frauen sei mit „über 40 Prozent“ hoch.

Insgesamt erreicht Deloitte Schweiz von Mitarbeitern nur die Note 2,67 vom Maximum von 5.

Besser schneidet Deloitte-Konkurrentin KPMG Schweiz ab. Auf Kununu.com erhält KPMG von Mitarbeitern die Note 3,54.

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Kommentare

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  1. Nun, offenbar hats auch die Revisionsbehörde mitbekommen, dass bei Deloitte abkassieren vor Qualität kommt. Nachdem Deloitte gegen gutes Honorar massive Bilanzfehler bei der Bewertung von Wertschriften nach IAS 39 durchgewunken hat und die Ergebnisse besser dargestellt hat, hat die RAB bei Deloitte vor 14 Monaten einen Orascom File-Review durchgeführt. Die RAB war über das tiefe Qualitätsniveau äusserst schockiert, der Mandatspartner und seine rechte Hand auf dem Job nun auf die Strasse gestellt. Die RAB zeigt Biss und das ist gut so!

  2. Der Unsinn von den Deloitte-Leuten kann nur umgesetzt werden weil CS-Untertanen in mittleren Kaderpositionen den diktierten Erguss umsetzen. Meistens sind es fast krankhaft ehrgeizige HSG-Absolventen oder Mitarbeiter mit einem „Master of Desater“-Titel. Nachhaltiges planen ist ihnen fremd. Kosten werden nur kurzfristig gesenkt. Hauptsache man macht etwas. Ein Konferenzcall mit Matters, Hilton oder Jenzer ist für sie schon der Ritterschlag.

  3. Generell ist es immer einfach über das Management da oben zu lästern. Was David Mathers aber bietet ist kaum vorstellbare Management-Inkompetenz. Noch schlimmer ist, dass dies offenbar toleriert wird. So hat Mathers vor einem Jahr die IT in eine Font-Office Divsion und eine Back-Office Division aufgeteilt. Auf dem Papier logisch, in der Realität sinnfrei. So waren wieder mal Heerscharen für Monate mit der Reorganisation beschäftigt. Anfang dieses Jahres hat er wieder alles rückgängig gemacht, nur 9 Monate danach. Da fehlen einem schlicht die Worte. In einer Satire könnte man es nicht besser machen.
    Wie ist es möglich, dass ein dermassen inkomptentes Verhalten akzeptiert wird? Da werden Millionen im zweistelligen Bereich für sinnlose Reorganisationen und Berater ausgegeben, während die CS alle zwei Monate hunderte von Mitarbeiter entlässt.

  4. Die immer wieder gern postulierte, in der Regel aber undifferenzierte, Beraterschelte nervt langsam. Hätten unsere Kunden, viele davon aus der Finanzindustrie, das Geschäft, die Prozesse, die Kosten und die personellen Overheads im Griff, bräuchte es uns nicht. Leider sieht die Realität anders aus. Gerade im Finanzsektor. Unglaublich was man da so alles zu sehen bekommt. Und wenn das Senior Management nicht dem Mumm hat, unpopuläre, aber notwendige, Massnahmen eigenverantwortlich zu beschliessen und konsequent durchzusetzen, dürfen die externen Berater ran. Klar lassen wir uns das gut bezahlen. Wir sind aber Teil der Lösung und nicht des Problems. Das geht oft vergessen. Leider.

    • Also stimmt’s doch: Mast-Manager und Wegelagerer. Das mit der Lösung und des Problems habe ich auch schon gelesen. Der Gemästete hat nachher Windeln gewechselt.

  5. Also ich finde das die Kirsty ihre Sache (als Ex-Deloitte) ganz gut macht. Als alleinerziehende Mutter im teuren Wollerau zu Hause, muss sie ja irgendwie Geld nach Hause tragen – und wenn es dann noch bis zur Pension reicht – so what – würde sie sagen. Anglosächsische söldnermentalität – Deshalb sind die Anglo Firmen so toll und erfolgreich…….- alte Häuser saniert man nicht, sondern reisst sie ab und baut ein neues – Die einzige Ausnahme war und ist Apple. Der Unternehmer war allerdings weit längerfristig orientiert als all seine Unternehmens-Anglo-Kollegen es jemals sein werden – Der Erfolg spricht für sich.

  6. Auf der gegenüberliegenden Seite des Paradeplatz sieht es nicht anders aus. Der neue CIO der UBS hatte nichts besseres im Kopf als zu seinem Antritt nebst seiner bisherigen Deutschen Hausberater auch noch eine Batterie Deloitte Consultants an Bord zu nehmen! Was kostet die Welt! Ohne grosse Antrittsshow wäre man ja nur halb so gut.

    • Tja bei der SAP hat der Deutsche halt noch arbeiten müssen – war ihm ev. zuviel. Kenne übrigens noch andere deutschen Rosinenpicker, welche auch in der CS kräftig kassieren, aber wenig Arbeitsmoral und Wille – dass die Deutschen angelsächsiche Mentalitäten und Abstrusitäten übernommen haben, zeigt sich ja auch in ihrer Europa Politik – weshalb soll es dann in anderen Unternehmungen speziell der CS anders laufen. Grosse Worte, wenig Resultate, Rosinenpickerei und wenn es dann brenzlig wird – ab wieder nach Hause

  7. Nicht zu vergessen, dass Deloitte sehr hohe Tagesraten hat: 2’000 – 6’000 Franken pro Tag.
    Dazu kommen Reisespesen – pendeln zwischen London und Zürich ist nicht gratis.

    • kununu.com (Xing) ist bis anhin sicher noch keine zuverlässliche Referenz. Es wird aber in Zukunft definitiv ein nicht zu unterschätzendes Auswahlkriterium für echt bemühte und motivierte MA sein (ohne Ironie).

      Ich hätte beim Antritt in das jetzige KMU unbedingt die Kritiken lesen sollen 🙁

  8. die leut kommen, die leut gehen. such is life. ist doch nicht weiter der rede wert, wenn damit auch gleich werte, erfahrungen und fachkräfte verschwinden. hauptsache, die leut sichern sich ihre pfründe.

  9. Eine Bank ist nie besser als deren Berater! Daher hat auch die CS einen solchen Ruf! Selberschuld! Habe meine Bankbeziehung zu diesem Institut nach bald 29 Jahren endgültig beendet!

  10. na da haben sich anscheinend die richtigen getroffen. dtt und cs sind sich also immer ähnlicher. bei dtt hat uk seit langem übernommen und setzt ihren wenig inspirierenden und etwas machiavellistischen management stil eigentlich ganz konsequent um. dass da hin und wieder ein paar mitarbeiter geschliffen und an die wand geklatscht werden ist doch kein aufreger wert, sondern ganz bewusst teil der corporate culture.

  11. Bei welcher Big4 ist’s denn lustig zu arbeiten? Die Stimmung ist überall eher mies, weil auch im Consulting die Schlemmerjahre vorbei sind und Prüfung ist immer unter Druck. Fakt ist jedoch, dass Deloitte global (in UK und in USA mit Abstand) die grösste der Big4 ist und in der Schweiz das höchste Wachstum aufweist (von tiefem Niveau). Alles falsch können die daher nicht machen. Dass bei 170’000 Mitarbeitern (ja, fast so viele wie Nestlé!) nicht alle gute Stimmung haben, ist wohl klar.

  12. Kann mir einer sagen wie eine Bank behaupten kann die Kosten senken zu wollen, aber gleichzeitig teure Berater einstellt? (McKinsey= theoretisch orientiert, null Ahnung in der Praxis oder Deloitte= schlechter Ruf, mässiger Erfolg in der Schweiz)
    Jeder weiss dass die Deloitte ihre Mandate von den anderen Big3 abknöpft, indem sie bereit sind die Mandate für die hälfte der Fee’s auszuführen und somit nicht profitabel arbeiten können.

    • Das geht so: Berater kriegt ein Ziel von 2.2 Mia p.a. Kostensenkung (aufzeigen reicht). Dann liegen die 100 Mio Fees ja locker drin. Und weitere 50 Mio fürs Top Mgmt. Sind immer noch netto >2 Mia Einsparungen p.a.

      Realisiert wird das durch Bonuskuerzungen in den unteren Chargen, Abbau von Personal zu Tausenden (wobei die dann durch Leute in Polen ersetzt werden, womit netto nicht einmal ein Abbau resultiert – das alleine ist nochmal 10 Mio fuer die Supermanager wert!!), und Gebühren für die Kunden. Nach dem Kassieren dann schnell den Arbeitgeber wechseln oder zumindest nochmal radikal umorganisieren, damit die Vergleichbarkeit nicht mehr gegeben ist…

      Böse Zungen sollen angeblich dieses Vorgehen mit einem dreisten Banküberfall verglichen haben, wie kann man nur…