Bär hebt Big Vermögens-Verwalter aus der Taufe

Tochter Infidar mit WM Partners und Bruder von „Yello“-Meier fusioniert – neuer Player mit 5 Mrd. Assets.

Die Zürcher Privatbank Julius Bär mischt die Szene der externen Vermögensverwalter (EVV) auf. Mit einem Coup schafft Bär einen nach Assets und Beratern grössten EVV-Player auf dem Platz.

Die bisherige Bär-Tochter Infidar und die Zürcher Vermögensverwalterin WM Partners mit Balthasar Meier, dem Bruder des Musikers und Unternehmers Dieter Meier von der weltbekannten Yello-Band, werden fusioniert.

Unter Führung von Julius Bär entsteht ein neues Schwergewicht im Markt der Externen Vermögensverwalter. Infidar und WM Partners bringen zusammen rund 5 Milliarden Kundenvermögen und 50 Kundenberater und Assistenten auf die Waagschale.

Bär hat den Lead. Die Partner von Infidar als bisherige Minderheitsaktionäre werden von der Privatbank ausbezahlt, die WM Partners werden vollständig übernommen und integriert.

Die neue Tochter gehört zu 100 Prozent Julius Bär, tritt aber im Geschäft als unabhängige Vermögensverwalterin auf.

Julius Bär nahm gestern Abend auf Anfrage Stellung. „Julius Bär, die führende Private-Banking-Gruppe der Schweiz, bestätigt, dass sie mit WMPartners in fortgeschrittenen Verhandlungen ist mit dem Ziel WMPartners und Infidar zusammenzulegen“, sagte Sabine Jaenecke.

Dadurch soll „einer der führenden unabhängigen Vermögensverwalter in der Schweiz entstehen“, meinte die Bär-Frau weiter.

Laut einem Insider soll der Deal in wenigen Wochen offziell stehen. Es gehe nur noch um ein paar Steuer- und andere Administrativfragen.

Gemäss Bär-Sprecherin ist noch offen, wie der neue EVV heissen wird. Sowohl der Name einer der beiden bisherigen Einheiten als auch ein völlig neuer sei denkbar, hiess es.

Die wohlhabende Unternehmer-Familie Meier dürfte einen stolzen Teil ihres Vermögens in der WM Partners haben. Zukünftig könnte dieses Geld von der neuen Bär-Tochter betreut werden.

Dass Julius Bär gross ins Geschäft der unabhängigen Vermögensverwaltung einsteigt, entspricht einem Trend. Dieser ist getrieben durch verschärfte Vorschriften und dem Versuch der Banken, gute Vermögensberater mit Drang nach Unabhängigkeit bei der Stange zu halten.

Zu reden gab der Fall mehrerer Clariden-Leu-Seniors, die zusammen die Zürcher Metropol Partners gründeten. Statt bei der Integration von 2012 ins Mutterhaus CS zu wechseln, gingen sie eigene Wege.

Um nicht auf einen Schlag mehrere Milliarden Assets zu verlieren, rollten die CS-Chefs den Ex-Clariden-Beratern den roten Teppich aus.

Sie stellten ihre Infrastruktur mit Büros und Telefonen zur Verfügung und offerierten attraktive Preise, um die Kundenassets auf der Grossbanken-Plattform verbucht zu behalten.

Heute geschäften die Metropol-Partner aus einer Liegenschaft in der Nähe des Paradeplatzes, in dem auch die CS viele Büros besetzt. Zusammen bilden sie eine enge Partnerschaft.

Ob die Rechnung für die CS aufgeht, bleibt offen. Klar ist, dass sie die Vermögen nicht mehr unter den wertvollen Privatkunden ausweisen kann.

Julius Bär geht andere Wege. Mit der 100-Prozent-Tochter stellt die Privatbank sicher, dass sie die Kunden-Milliarden unter eigener Verwaltung behält.

Dank dem Zukauf der WM Partners kann sie ihre Assets under Management (AuM) im Private Banking sogar ausbauen.

Im Kleinen gelingt Bär, was einst bei der Clariden Leu ebenfalls als Option geprüft worden war.

Olivier Jaquet, der im Frühling 2011 für ein halbes Jahr Chef der Clariden Leu war, wollte aus der CS-Tochter eine unabhängige Vermögensverwalterin machen.

Die Idee dahinter war, das Beste aus der Welt der Banken und der Vermögensverwalter zu vereinen: viel Kapital dank der grossen Mutter, tiefe Kosten dank weniger Vorschriften und mehr Freiheit dank eigenständigem Auftritt im Markt.

Der Plan scheiterte, die CS zog der Clariden Leu den Stecker, Jaquet musste gehen. Wenig später erhielt Jaquet von Bär-CEO Boris Collardi die Chance zum Neustart.

Als Berater nahm Jaquet das EVV-Geschäft von Julius Bär unter die Lupe. Die Arbeiten schloss er vor einigen Monaten ab. Im Sommer wurde Jaquet neuer Chef der Liechtensteiner Centrum Bank.

Ob die jetzt anstehende Gross-Vermögensverwaltung von Bär auf Jaquets Arbeiten zurückgeht, ist nicht bekannt.

Klar ist, dass sich Bär ein grosses Kuchenstück des EVV-Marktes sichern will. Statt die bisherige Beteiligung an Infidar zu verkaufen, übernimmt Bär eine Mitbewerberin und geht in die Offensive.

Infidar-Chef Markus Gonseth wollte sich gestern nicht zur neuen Playerin äussern. „Wir sagen schon seit längerem, dass wir wachsen wollen“, meinte Gonseth lediglich. „Das kann aus eigener Kraft sein, aber auch durch Übernahmen.“

Infidar sei ein starker Bewerber in einem Markt, der „in Bewegung“ geraten sei.

Balthasar Meier von der WM Partners liess einen Anruf unbeantwortet.

Julius Bär will später vertieft informieren. „Weitere Informationen werden mitgeteilt wenn die Transaktion abgeschlossen ist“, meinte die Bär-Sprecherin.

Kommentare

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  1. Was macht dir JB wenn rauskommt wieviele Retros diese zwei unabhängigen EVV ihren Kunden nie offengelegt, weitergegeben haben? Ja vielleicht hilft ja gerade deshalb so eine Fusion weil alle Angst vor der dunklen Vergangenheit haben? Besser eine neue Struktur gründen…

  2. So weit ich mich erinnere, meldete doch 2012 Infidar noch über alle Kanäle der Kommunikation 7+Mrd AuM als „Grösster EVV der CH“. Nun ist man nach der erfolgreichen Fusion 5 Mrd. schwer. Sollte der Junior Partner auch nur 1,0 Mrd schwer sein, dann müsste man den Grössten EVV fragen wie man aus 7 in einem Jahr 4 machen kann. Oder waren die 7 stets frei erfunden? Tja, mit der Wahrheit von Zahlen, mit Management für die Zukunft und Unternehmertum tun sich die Bänkler der Infidar nachweislich schwer.
    Mindesten eine der glorreichen Führungsmannschaften hat sich hier den Ruhestand wegen Unvermögen gut verdient. Wir werden bald sehen wer das Ruder übernimmt und wer hier obsolet wird.

    • WM Partner meldet auf der HP 2 Milliarden Assets – somit müssen die 7 Milliarden auf 3 geschrumpft sein!

    • Gonseth, immer wieder am Drücker. Die alten Seilschaften funktionieren bestens. So wird alles anders, damit es so bleibt, wie’s immer war.

  3. Sehr vertrauenswürdig, wenn eine Bank hinter einem EVV steht…

    wäre zudem noch interessant herauszufinden, über welche Bank sämtliche Transaktionen nun abgewickelt werden – die Bär muss wohl weiter fleissig Kommissionen „generieren“…

    • @ Bill Gats no
      Hatten Sie Einblick in die Bücher?
      Ob die Fusion Sinn macht oder nicht kann ich nicht beurteilen.
      Jedoch finde ich die Behauptung, der neue Laden wäre nicht profitabel ziemlich an den Haaren herbeigezogen.
      5 Mia AuM auf 50 Mitarbeiter (inkl Assistenten) macht nach Adam Riese 100 Mio Assets pro Mitarbeiter (inkl Assistenten). Von dieser Zahl träumt mancher Private Banker. Und darauf zwischen 0.5% und 1% RoA pro Jahr… Man rechne

    • @Sparschwein
      Also 100 Mio. Assets pro Mitarbeiter ist bei einem EVV im tiefmargigen Geschäft also wirklich nicht viel. EVV Berater unter 250 – 300 Mio. können nach Abzug der Back-Office-Kosten und Assistenzkosten nicht profitabel für die Bank arbeiten. Im EVV Bereich sind 1% RoA völlig unrealistisch, max. 0.6 % und das auf 100 Mio, da arbeiten sie nie im Leben kostendeckend.

    • Anmerkung: Ich würde mit 100 Mio. Assets und einem RoA von 0.60% bereits rentabel arbeiten!

    • also 100 mio a 0.60 % macht 600’000 minus 50% Assistenz minus Büro- und administrativkosten macht insgesamt rund minus 200’000 = Verdienst des RM rund 400’000 im Jahr (Bundesrat verdient 450’000). Wieviel Lohn soll’s denn sein für einen Anlageberater/Vermögensverwalter ?

    • @Bill Gats no
      Wenn heutzutage jemand 100 Mio AuM (und mehr) bieten kann, dann würde er von jeder Bank mit Handkuss genommen werden (siehe IP Artikel von gestern z.B).

      Weiss nicht woher Du Deine zahlen hast, aber da kannst du jeden Private Banker fragen, welcher Dir das gerne bestätigt.

      Uebrigens lag der durchschnittliche Ertrag pro Mitarbeiter im Private Banking CH 2012 bei 439’000 Stutz. Nachzulesen in der „International Private Banking Study 2013“, welche vor 2 Wochen von der Uni Zürich veröffentlicht wurde.

      Also wenn die Zahlen grob überschlagen werden, dann kommt man pro Mitarbeiter (INKLUSIVE Backoffice) auf rund 100 Mio AuM.
      Auch bei „nur“ 0.5% Marge profitabler als manch andere Bank…