Panikmache der SNB und Deflationsgespenst

Immer und immer wieder rechtfertigt unsere Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre masslosen Devisenbestände mit der angeblichen Deflationsgefahr in unserem Lande. Selbst unsere Bundesrätin rechtfertigte den Euro-Mindestkurs von 1.20 am G-20 Gipfel in Moskau gegenüber den anderen Teilnehmern mit der angeblichen Deflationsgefahr. Was ist Deflation? Gemäss Lesart der SNB ist dann von (…)

Immer und immer wieder rechtfertigt unsere Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre masslosen Devisenbestände mit der angeblichen Deflationsgefahr in unserem Lande.

Selbst unsere Bundesrätin rechtfertigte den Euro-Mindestkurs von 1.20 am G-20 Gipfel in Moskau gegenüber den anderen Teilnehmern mit der angeblichen Deflationsgefahr.

Was ist Deflation? Gemäss Lesart der SNB ist dann von einer Inflation zu sprechen, wenn der Konsumentenpreisindex in einem Jahr 2 Prozent und mehr steigt. Sinngemäss handelt es sich also um eine Deflation, wenn die Preise pro Jahr 2 Prozent und mehr fallen.

Als die SNB im Jahre 2010 ihre massivsten Euro-Käufe tätigte, stiegen die Preise in der Schweiz durchschnittlich um 0,7 Prozent. Die Schweiz war also weit weg von einer Deflation. 2011 stiegen die Preise erneut um 0,2 Prozent und erst 2012 gingen die Preise leicht zurück (-0,7 Prozent). Für dieses Jahr wird ein leichter Preisrückgang von -0,1 Prozent prognostiziert. Für 2014 wieder ein Plus von 0,3 Prozent (Bundesamt für Statistik).

Was ist denn so schlimm an einer Deflation? Jedermann ist doch froh, wenn die Preise leicht zurückgehen. Alles wird ein bisschen günstiger. Weshalb also die Panik?

Um Licht in die kopflosen Euro-Käufe der SNB zu bringen, müssen wir in der Wirtschaftswissenschaft etwas zurückblicken. Was uns hier begegnet, ist abermals eine unglaubliche Oberflächlichkeit –   ja sogar Liederlichkeit – in der Analyse der Volkswirtschaftslehre.

Blenden wir zurück in die 1950er Jahre: 1958 schrieb der neuseeländische Professor A. W. Phillips einen bahnbrechenden Beitrag in der Zeitschrift Economica. Phillips lehrte an der London School of Economics and Political Science.

In seinem Artikel zeigte er einen empirischen Zusammenhang zwischen der Veränderungsrate der Nominallöhne und der Arbeitslosigkeit (über 100 Jahre in England). Ein Jahr später reduzierten Samuelson und Solow in der American Economic Review diesen Zusammenhang zu einem „Trade-off“ zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit.

Die Aussage der „modifizierten“ Phillips-Kurve ist somit folgende:

Ist die Arbeitslosigkeit tief, so ist die Inflation hoch und umgekehrt. Bei hoher Arbeitslosigkeit ist die Inflation tief (bis hin zur Deflation). Grafisch wird die Phillips-Kurve in einem Koordinatensystem eingetragen, mit der Inflation auf der Achse nach oben und der Arbeitslosigkeit auf der Achse nach rechts.

Die Kurve verläuft im Koordinatensystem von links oben und nach rechts unten, wobei sie nach innen leicht gekrümmt ist.

Ganz rechts aussen, also bei hoher Arbeitslosigkeit, kann die Phillips-Kurve unter die Achse nach rechts fallen. Das heisst, in diesem Bereich kommt es zu fallenden Preisen beziehungsweise zu Deflation.

Dieser negative Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit (Austauschbeziehung, „Trade-off“) wurde insbesondere in der Wirtschaftspolitik von John F. Kennedy und seinen keynesianischen Nachfolgern zu einem „menue of choice“ (Samuelson war Wirtschaftsberater von Kennedy).

Die Politiker konnten auswählen zwischen „etwas mehr Inflation“ oder „etwas mehr Arbeitslosigkeit“.

Erst die Erdölschocks der 1970er Jahre „widerlegten“ den vermeintlichen Trade-off der Phillips-Kurve. Die Zeit der Monetaristen, insbesondere von Milton Friedman, war gekommen. Dieser bekämpfte die Phillips-Kurve vehement: Gemäss monetaristischer Lehre konnte die Arbeitslosigkeit weder kurzfristig noch langfristig bekämpft werden. Konklusion: Der Staat solle die Wirtschaft vollkommen den Marktkräften überlassen.

Was war geschehen?

Bei einer genauen Analyse der originalen Schrift von Phillips zeigt sich, dass diese nur oberflächlich gelesen wurde. Phillips betonte ausdrücklich, dass seine Kurve nur stimmt in den Jahren, in denen die gesamtwirtschaftliche Nachfragekurve sich veränderte bei stabilem Angebot.

Phillips betonte explizit, dass seine Kurve nicht stimmt in den Jahren mit Angebotschocks, also in Jahren mit hohen Importpreisen, Missernten undsoweiter.

Da die Phillips-Kurve nur stimmt in den Jahren, in den die gesamtwirtschaftliche Nachfrage verändert wird bei stabilem gesamtwirtschaftlichem Angebot, folgt, dass es sich bei der Phillips-Kurve um eine gesamtwirtschaftliche Angebotskurve handelt:  Bei stabiler Angebotskurve wird die Nachfragekurve verschoben. Logische Konsequenz: Sämtliche Schnittpunkte liegen auf der stabilen Angebotskurve.

Diese Angebotskurve, die Phillips-Kurve, hat eine „negative“ Steigung, weil „Arbeitslosigkeit“ der negative Ausdruck für „Beschäftigung“ ist (das heisst, sie hat eine umgekehrte Steigung zu den üblichen Angebotskurven).

Setzt nun ein Angebotsschock ein, so wird die Angebotskurve (Phillips-Kurve) selber nach oben verschoben. Das Resultat ist Stagflation. Inflation und Arbeitslosigkeit steigen miteinander. Die schlechteste aller Welten.

Genau das geschah in den 1970er Jahren. Die damaligen Erdölschocks führten zu Inflation, verbunden mit steigender Arbeitslosigkeit. Die Phillips-Kurve wurde übereilig „totgesagt“.

Hätte man die Arbeit von Phillips richtig studiert, so hätte man erkannt, dass die Stagflationsschübe der 1970er Jahre die Phillips-Kurve keineswegs widerlegten, sondern im Gegenteil diese untermauerten.

Die Angst aber blieb bis heute bestehen: Sinkende Preise bedeuten angeblich immer eine hohe Arbeitslosigkeit. Genau diesen Trugschluss begeht unsere Nationalbank.

Dass dies nicht zutrifft, zeigen auch folgende einfachste Überlegungen.

Jede Leserin und jeder Leser hat bestimmt schon von Angebot und Nachfrage gehört. Eine Marktwirtschaft wird bestimmt von Angebot und Nachfrage.

Die gesamtwirtschaftliche Nachfragekurve (Nutzenkurve) verläuft von links oben nach rechts unten. Die Angebotskurve (Kostenkurve) von links unten nach rechts oben.

Angebots- und Nachfragekurve ergeben in einem Koordinatensystem ein grosses X.

Wird die Nachfragekurve nach unten (links) verschoben, so fallen die Preise und das BIP fällt auch, beziehungsweise die Arbeitslosigkeit steigt. Hier haben wir es also mit einer gefährlichen Deflation zu tun.

Wird hingegen die Angebotskurve nach unten (rechts) verschoben, so fallen die Preise und das BIP steigt, auch die Beschäftigung steigt.

Es gibt also zwei Arten von Deflation: eine „gute Deflation“ und eine „schlechte Deflation“. Das folgt aus der umgekehrten Steigung von Angebot und Nachfrage.

Die gute Deflation ist verbunden mit steigendem BIP und steigender Beschäftigung. Das ist die beste aller Welten. Darin befindet sich die Schweizer Wirtschaft heute: hohes BIP, hohe Beschäftigung. Sie ist das Resultat eines günstigen Angebots (unter anderem tiefe Importpreise, tiefe Zinsen).

Es liegt eine Verschiebung der Angebotskurve nach unten und rechts vor.

Die schlechte Deflation ist verbunden mit fallender Beschäftigung beziehungsweise steigender Arbeitslosigkeit (gemäss Phillips-Kurve). Sie resultiert aus einem Nachfragerückgang, das heisst aus einer Verschiebung der Nachfrage nach unten.

Es liegt eine Verschiebung der Nachfragekurve nach unten und links vor.

Leider hat unsere Nationalbank diesen Zusammenhang nicht begriffen. In seinem Referat vor dem Club of Rome behauptete der damalige SNB-Chef Philipp Hildebrand:  „Unter Deflation ist ein als Folge eines Nachfrageeinbruchs andauernder  Rückgang des Preisniveaus zu verstehen.“  („Die Schweizerische Nationalbank und die Finanzkrise“, Philipp M. Hildebrand, Vortrag vor dem „Club of Rome“, 20. Januar 2011, S. 6)

Die Worte von Hildebrand belegen, dass er die Ursache der heutigen Deflation in der Schweiz offenbar nicht verstanden hat. Die SNB hat nicht erkannt, dass wir es in der Schweiz nicht mit einer „schädlichen Deflation“ zu tun haben, sondern mit einer „nützlichen Deflation“.

Wir haben eine „nütztliche Deflation“, welche die SNB keineswegs zu bekämpfen hat, ja nicht bekämpfen darfGenau genommen stiegen ja die Preise sogar in den Jahren 2010 und 2011. Die Aussagen von Hildebrand ergeben somit auch aus dieser Sicht keinen Sinn.

Kommen noch folgende Überlegungen hinzu:  Wollte   die SNB einen vermeintlichen Konjunktureinbruch in der Schweiz verhindern, so müsste sie auch hierzulande investieren und nicht im Ausland. Allein gesunder Menschenverstand macht dies schon deutlich.

Unsere SNB will aber mit Schulden in der Schweiz, die über 100 Mal (!) so hoch sind wie ihre Investitionen (Stand Dezember 2013) hierzulande unsere Wirtschaft ankurbeln. (Schulden in der Schweiz von über 450 Milliarden Franken stehen Investitionen von nicht einmal 4 Milliarden gegenüber.)

Solche Geldpolitik würde man eigentlich den Schildbürgern zuordnen.

Kommt hinzu, dass jedermann froh ist, wenn er seine Produkte zu einem guten, sprich hohen Preis, verkaufen kann. Wer freut sich nicht, wenn er sein Produkt teuer verkaufen kann?

Wir sollten uns also über den hohen Schweizerfranken mehr freuen, als diesen zu „verteufeln“, wie das unsere Nationalbank seit Jahren tut.

Werden viele Güter aus der Schweiz nachgefragt, so müssen diese in Schweizerfranken bezahlt werden. Deshalb steigt die Nachfrage nach Franken. Der starke Franken ist also nichts anderes als der Beweis für eine starke Nachfrage nach unseren Gütern.

Kommt weiter hinzu, dass der starke Franken die tiefen Zinsen in unserem Lande bewirkt. Alle profitieren davon, nicht nur die Exportindustrie und der Tourismus.

Kommt hinzu, dass der starke Franken für die tiefen Importpreise verantwortlich ist. Das dämpft die Inflation. Die SNB sollte sich darüber freuen.

Unsere Nationalbank bekämpft aber sich selbst.  Die SNB schwächt den Franken. Den Franken schwächen heisst, dem Franken schaden. Dem Franken schaden heisst, der Schweiz schaden.

Mit ihren masslosen Devisenkäufen geht die SNB nicht nur ein halsbrecherisches Risiko ein – nein, sie unterminiert damit auch ihren eigenen verfassungsmässigen Auftrag.

Einmal mehr zeigt sich auch hier: Die Volkswirtschaftslehre wird geprägt von liederlichen Analysen. Arrogantes Verhalten ihrer Exponenten verhindert zudem eine Weiterentwicklung in dieser Wissenschaft.

Ich kann den Schweizerinnen und Schweizern nur raten: Anstatt blind liederlichen Analysen vorwiegend aus dem angelsächsischen Raum zu vertrauen, sollte jeder den eigenen analytischen Fähigkeiten mehr Gewicht beimessen.

Kommentare

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  1. Kurze Zusammenfassung:

    a) Die SNB argumentiert, durch Geldschöpfung vergrössere sich die Notenbankgeldmenge.

    b) Die SNB argumentiert, durch Geldschöpfung könne sie ihre Zahlungsverpflichtungen vollkommen abbauen (Vortrag SNB-Chef Jordan, Basel).

    Der Widerspruch:

    Die Notenbankgeldmenge und die Zahlungsverpflichtungen der SNB sind ein und dasselbe (Fremdkapital).

    Geldschöpfung kann nicht einerseits eine Zunahme des Fremdkapitals der SNB und andererseits gleichzeitig eine Abnahme des Fremdkapitals der SNB bedeuten.

    Das widerspricht jeder Logik.

    Es gibt vereinzelte Leser hier auf Inside Paradeplatz, die das verstehen und auch kundtun. Das belegen diverse Voten.

    Konklusion:

    Die Notenbank kann durch Geldschöpfung ihre Zahlungsverpflichtungen nicht abbauen.

    Frage:

    Wer muss dann für die Zahlungsverpflichtungen der SNB im Betrag von über 450 Milliarden Franken aufkommen?

    Antwort:

    A) Der / die Steuerzahler/Innen

    B) Andernfalls die Kreditgeber der Nationalbank. Das sind die Geschäftsbanken. Die können deshalb Konkurs gehen.

    Je früher der obige Irrtum der Nationalbank erkannt und zugegeben wird, desto besser sind die Chancen, die von SNB heraufbeschworene Gefahr möglicherweise doch noch zu bannen.

    Freundliche Grüsse

    Marc Meyer

  2. Der wirre Unfug von SNB-Chef Professor Jordan

    Die abstruse und bizarrre Geldpolitik unserer Nationalbank zeigt sich auch an folgender Aussage von SNB-Chef Jordan:

    In seinem Vortrag vor der Statistisch-Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Basel behauptete er (S.13):

    Zitat:

    „Denn mit „Geld drucken“ kann Eigenkapital, wie gesagt, nicht nachhaltig aufgestockt werden. Die Geldschöpfung erlaubt lediglich, den Zahlungsverpflichtungen vollständig nachzukommen. Die Nationalbank hat auf Basis der heutigen Bilanzstruktur eindeutig kein strukturelles Bilanzproblem.“

    Zitat Ende

    Analysieren wird diese Aussage Punkt für Punkt:

    1.Was sind Zahlungsverpflichtungen der SNB?

    Der Hauptanteil der Zahlungsverpflichtungen besteht aus den Giroguthaben der Banken (350 Milliarden Franken).

    2.Wie sind diese Zahlungsverpflichtungen entstanden?

    Die SNB nennt es die sogenannte „Geldschöpfung“. Die Giroguthaben der Banken bei der SNB sowie die Banknoten ergeben zusammen die sogenannte „Notenbankgeldmenge“. Die steigt bei der „Geldschöpfung“.

    3.Was bedeutet der Ausdruck: „den Zahlungsverpflichtungen vollständig nachkommen“?

    Das heisst, die Zahlungsverpflichtungen vollständig abbauen.

    4.Der Widerspruch:

    Jordan behauptet also, dass durch die angebliche „Geldschöpfung“

    a)Die Giroguthaben der Banken bei der SNB zunehmen

    b)Die Giroguthaben der Banken bei der SNB abgebaut werden.

    Widersprüchlicher geht es nicht mehr! Was jetzt? Nehmen die Giroguthaben der Banken bei „Geldschöpfung“ zu oder ab?

    5.Jordan behauptet auch, negatives Eigenkapital der SNB könne aufgestockt werden durch Geld drucken (Emission von Notenbankgeld).

    Er betrachtet somit Banknoten und die Giroguthaben der Banken als Eigenkapital der SNB.

    6.Der Widerspruch: Auf S. 5 desselben Referats sagt Jordan:

    „Erstens besteht das Fremdkapital der SNB in der Regel hauptsächlich aus den in Verkehr gesetzten Banknoten und den Sichtguthaben der Banken bei der SNB, den sogenannten Giroguthaben.“

    Jordan kann sich offenbar nicht entscheiden, ob es sich bei Banknoten und den Giroguthaben der Banken um Fremd- oder Eigenkapital der Nationalbank handelt.

    7.In einer Fussnote auf S. 5 präzisiert er:

    „Diese Sichtguthaben entsprechen einem Kredit der Geschäftsbanken an die SNB.“ Das wäre dann wiederum Fremdkapital der SNB.

    8.Der Widerspruch:

    In ihrer vierteljährlichen Lagebeurteilung behauptet die SNB aber seit Jahren, sie würde eine „lockere Geldpolitik“ betreiben. Will heissen: Die SNB gewähre den Banken günstige Kredite zu tiefen Zinssätzen.

    Da handelt es sich bei den Giroguthaben der Banken bei der SNB (Notenbankgeldmenge, Geldschöpfung) dann plötzlich wieder umgekehrt um Kredite der SNB an die Geschäftsbanken („Lender of last resort“).

    9.Was ist ein strukturelles Problem in der Bilanz?

    Wenn der Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital zu klein ist.

    10.Der Widerspruch:

    Die SNB verlangt von den Grossbanken und der ZKB Eigenmittelanteile von 19 Prozent und keine Klumpenrisiken. Die SNB selber besitzt nur noch einen Eigenkapitalanteil von rund 10 Prozent, bei einem sehr hohen Klumpenrisiko (alle Wetten gegen Schweizerfranken).

    Dabei ist die SNB die systemrelevanteste Bank der Schweiz.

    Professor Jordan wurde von der Presse als „das Gehirn unserer Nationalbank“ gelobt. Ich frage mich: Gibt es denn bei der SNB niemanden, der diese Widersprüche erkennt und auch den Mut hätte, Chef Jordan, „das Gehirn“, darauf aufmerksam zu machen?

    Oder sind auch die Repressionen innerhalb der SNB zu gross, falls man es wagen würde, Kritik am Direktorium zu äussern.

    Und die Kontrollbehörden der SNB? SNB-Bankrat, Bundesrat, Parlament, FINMA?

    Die schlafen offenbar alle. Gute Nacht.

    Hoffentlich gibt es kein böses Erwachen. Nämlich dann, wenn das Eigenkapital der SNB in den negativen Bereich fällt und die SNB dieses dann nicht wieder aufstocken kann, durch „Geld drucken“, wie Jordan meint.

    Die SNB ist dann insolvent.

    Was geschieht dann? Möglicherweise werden die Banken ihre zinslosen Giroguthaben bei der SNB soweit noch möglich sofort abziehen.

    Die SNB muss dann versuchen, ihre Devisenanlagen über hochverzinsliche Schuldverschreibungen zu finanzieren. Das wird zu einem starken Zinsanstieg in der Schweiz führen.

    Die SNB wird dann den von ihr vielbeschworenen Immobiliencrash selber auslösen.

    Ferner werden die Steuerzahler die SNB rekapitalisieren müssen.

    Gelingt das nicht innert nützlicher Frist, werden die kreditgebenden Geschäftsbanken ihre Kredite an die SNB (Giroguthaben) entsprechend abschreiben müssen. Das kann zu deren Konkurs führen.

    Hoffen wir, die SNB und das Direktorium um Jordan werden einsichtig und erkennen vorher, dass sie nicht unfehlbar sind.

    Mit freundlichen Grüssen

    Marc Meyer

  3. @ Linus Huber

    Re: Tollhaus SNB

    Sehr geehrter Herr Huber

    Sie schreiben auf dem Blog zu meinem Standpunkt einen offenen Brief an die Schweizerische Nationalbank (SNB) und adressieren diesen an Herrn Peter Kuster, Leiter des Ressorts „Redaktion und Lektorat“.

    Vergessen Sie’s! Sie werden nie und nimmer eine Antwort von der SNB erhalten. Die hat sich in ihr Schneckenhäuschen zurückgezogen und hofft nur noch eins: Dass der Euros doch noch steige und sie ihre masslosen Devisenbestände irgendwie loswird – mit einem „blauen Auge“ davonkommt.

    Weil Sie von der SNB nichts erwarten können, erlaube ich mir, hier meine Gedanken zu Ihrem Brief zu äussern:

    Sie erwähnen eine Aussage von Bankenprofessor Urs Birchler in der Arena vom 18. Oktober. Birchler beschwerte sich darüber, dass sich Angestellte von kontrollierenden Institutionen später von den kontrollierten Institutionen selber zu guten Konditionen anstellen liessen. Das sei eine Art Vetternwirtschaft, weil

    Zitat:

    „…die Objektivität und Unabhängigkeit in Entscheidungen (ob bewusst oder unbewusst) beeinträchtigt sein dürften…“

    Zitat Ende

    Wie sehr ich Ihnen Recht gebe!

    Nehmen wir gerade das Beispiel von Herrn Peter Kuster, dem Sie Ihren Brief hier schreiben. Peter Kuster war viele Jahre Leiter des Ressorts Volkswirtschaft bei der Finanz und Wirtschaft. Die Presse sollte ja eine Art Kontrollfunktion übernehmen.

    In seiner damaligen Funktion schrieb Kuster im Januar 2011 in der Finanz und Wirtschaft unter dem Titel:

    Zitat

    „Entzauberte Geldpolitik…Nun verlieren sogar die Notenbanken ihren Nimbus. Das ist gesund.“

    „Die Magie, die Notenbanken mit ihrem nur auf Vertrauen basierenden Papiergeld, der Herrschaft über den Leitsatz und der undurchsichtigen Geld- und Kreditschöpfung seit Jahrzehnten umhüllt, droht zu erlöschen…“

    „…deren Instrumente … waren über viele Jahre mit guten Gründen in den Giftschrank der Geldpolitik weggesperrt….Allerdings ist der Preis dafür hoch: ein immerwährender geldpolitischer Ausnahmezustand mit Fehlanreizen für die Kapitalverwendung…“

    „… aufgequollene, risikobeladene Notenbankbilanzen. Denn die Geldpolitiker verabreichten enorme Dosierungen. Wird der Ausstieg gelingen? … Obschon die Notenbanker weltweit Beruhigungspillen abgeben und beteuern, sie wollten eben sicher sein, dass die Wirtschaftserholung tragfähig ist, eilt die Zeit…“

    Zitat Ende

    Sehr geehrter Herr Huber. Ich denke, Herr Kuster hat Ihnen die Antwort auf Ihren offenen Brief hier bereits vor zwei Jahren in seinem Artikel gegeben!

    Traurig aber wahr: Herr Kuster hat das Lager gewechselt. Er gehört nun selber zur Notenbank und hilft dabei, deren Irrlehren zu verbreiten („…undurchsichtige Geld- und Kreditpolitik…“).

    Als Leiter des Ressorts „Redaktion und Lektorat“ wäre er an entscheidender Position, um das Direktorium auf Irrtümer und Widersprüche in ihren Vorträgen aufmerksam zu machen.

    Ein Beispiel:

    Am 28. September 2011 hielt der damalige SNB-Vize-Präsident des Direktoriums der Nationalbank vor der Statistisch-Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Basel einen Vortrag unter dem Titel: „Braucht die Schweizerische Nationalbank Eigenkapital?“

    Auf der Titelseite des Vortrags schreibt Jordan:

    Zitat:

    „∗Der Referent dankt … und Peter Kuster für die grosse Unterstützung bei der Vorbereitung dieses Referats.“

    Zitat Ende

    Dieser Vortrag ist durchsetzt mit Widersprüchen und Fehlern von Herrn Jordan. Hat Kuster diese übersehen?

    Jordan bezeichnet Banknoten in demselben Referat einmal als

    a)Fremdkapital und dann wieder als

    b) Eigenkapital der Nationalbank.

    Einen katastrophaleren Irrtum kann sich ein Notenbankdirektor nicht leisten!

    Er behauptet:

    a) Banknoten sind Fremdkapital der SNB.
    Wörtlich: „Erstens besteht das Fremdkapital der SNB in der Regel hauptsächlich aus den in Verkehr gesetzten Banknoten und den Sichtguthaben der Banken bei der SNB, den sogenannten Giroguthaben.“ (S. 5) Und er präzisiert in einer Fussnote: „Diese Sichtguthaben entsprechen einem Kredit der Geschäftsbanken an die SNB.“

    b) Banknoten sind Eigenkapital der SNB.
    Wörtlich: „Denn mit „Geld drucken“ kann Eigenkapital, wie gesagt, nicht nachhaltig aufgestockt werden. Die Geldschöpfung erlaubt lediglich, den Zahlungsverpflichtungen
    vollständig nachzukommen.“ (S. 13)

    Konklusion: Eigenkapital kann mit Geld drucken aufgestockt werden, wenn auch nicht nachhaltig. Eigenkapital kann aber nicht mit Fremdkapital aufgestockt werden. D.h. Jordan betrachtet Banknoten als Eigenkapital der SNB.

    Die Zahlungsverpflichtungen unserer Nationalbank bestehen zum weitaus grössten Teil aus den Giroguthaben der Geschäftsbanken bei der SNB (317 Milliarden). Das sind Zahlungsverpflichtungen der SNB. Diese sind durch sogenannte „Geldschöpfung“ entstanden.

    Und nun kommt unser Notenbankpräsident doch tatschlich daher und behauptet, die SNB könne durch zusätzliche Geldschöpfung, also durch noch mehr Kredite von den Geschäftsbanken in Form von Giroguthaben, ihre Schulden gegenüber den Geschäftsbanken, d.h. die Giroguthaben der Geschäftsbanken, abbauen!

    Durch die Aufnahme von zusätzlichem Fremdkapital will Jordan das Fremdkapital der SNB abbauen!

    Durch zusätzliche Giroguthaben der Banken will die SNB die Giroguthaben der Banken abbauen!

    Wo sind wir eigentlich? Ist unsere Nationalbank zu einem Tollhaus geworden?

    Herr Huber: Erwarten Sie keine Antwort von Herrn Kuster. Er weiss worum es geht. Das hat er mit seinem Artikel in der FuW gezeigt.

    Aber: „Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing.“

    Auch SNB-Chef Jordan war vor seiner SNB-Zeit einmal gegen die Anbindung des Frankens an den Euro. Jetzt setzt er sich sogar für die Untergrenze ein, die noch viel gefährlicher ist als eine Anbindung!

    Handelt unser SNB-Chef „Wider besseren Wissens?“

    Wer hat eigentlich „das Sagen“ bei unserer Nationalbank?

    Geheimtreffen? „Franken-Rütli“?

    Oder dann ist auch immer wieder diese „Angstmacherei“ mit dem angeblichen „Deflationsgespenst“: Die SNB habe die Schweizer Wirtschaft vor einem Absturz gerettet, das kommt auch in Ihrem Schreiben zum Ausdruck.

    Dabei wird übersehen, dass wir es in der Schweiz mit einer guten Deflation zu tun haben – einer Deflation, verbunden mit steigender Beschäftigung!

    Diese ist nicht zu bekämpfen!

    Der Kapitalexport der SNB ist nicht nur vollkommen unnötig, sondern zudem noch kontraproduktiv, da er die ausländischen Volkswirtschaften ankurbelt auf Kosten der Schweiz.

    Zudem ist der starke Franken das Resultat der starken Nachfrage nach Gütern aus der Schweiz. Das ist positiv zu werten und nicht zu bekämpfen!

    Die Geldpolitik unserer Nationalbank mit ihrem Mindestkurs sowie die Begründung der SNB dazu strotzen nur so von Widersprüchen!

    Sogar unser Bundesrat schwatzt der Notenbank deren Irrtümer nach. Er zählt den Notenumlauf der SNB fälschlicherweise zu den „liquiden Mitteln“ der SNB, obwohl dieser auf der Passivseite der SNB-Bilanz verbucht wird.

    Auch unser Bundesrat übersieht, dass die Giroguthaben der Banken bei der SNB sowie die Banknoten selber Fremdkapital der SNB darstellen (siehe Antwort des Bundesrates auf die SVP-Motion).

    Mit der Aufnahme von zusätzlichem Fremdkapital kann man das Fremdkapital nicht verringern!

    Sieht das unser Bundesart denn tatsächlich nicht ein?

    Und das Schlimmste: Unsere Nationalbank betrachtet sich selber als unfehlbar.

    Ich danke Ihnen für Ihren Brief auf diesem Blog und hoffe mit Ihnen, dass unsere SNB doch einmal ihre Irrtümer als solche erkennt und auch zugibt – bevor sie die Schweiz in den finanziellen Abgrund reisst.

    Falls nicht, so hoffe ich, dass die Kontrollbehörden der SNB, d.h. der SNB-Bankrat, der Bundesrat, das Parlament und/oder die FINMA endlich einmal etwas kritischer der Nationalbank auf die Finger schauen und entsprechende Massnahmen ergreifen.

    Das wäre eine wünschenswerte Entwicklung im neuen Jahr.

    In diesem Sinne sende ich Ihnen freundliche Grüsse und wünsche Ihnen einen guten Rutsch ins Neue Jahr!

    Marc Meyer

  4. Offener Brief an die SNB vom 1. Nov. 2013

    Sehr geehrter Herr Kuster

    Es besteht allgemein die Meinung, dass die Zentralbanken durch ihre unkonventionellen Massnahmen weltweit die Wirtschaft vor einem unkontrollierten Absturz retteten. Dies mag in einem gewissen Sinne korrekt sein, jedoch wurden die Kosten für diese Aktionen noch nicht in Rechnung gestellt, sondern es besteht eine immer stärkere Abwendung von den Prinzipien der Freien Marktwirtschaft Richtung Planwirtschaft.

    Ein anderer Aspekt, welcher verständlicherweise nicht erkannt wird, liegt darin, dass die Zentralbanken höchstwahrscheinlich sehr wenig retteten, sondern die Aufweichung der Bewertungsgrundsätze für Banken eine bedeutend höhere Stellung in dieser Beziehung einnahm. Wenig erscheint in der Presse in Bezug auf die Veränderung der Bewertungsgrundsätze, wie z.B. die Aufhebung der „accounting rule FAS 157“ in den USA, welche das Risiko von weitverbreiteten Banken-Konkurses aufhob, indem dadurch verhindert wurde, dass die Banken aufgrund der „mark-to-market“ Regel ihre Verluste transparent machen mussten. Die unkonventionellen Eingriffe der Zentralbanken waren hauptsächlich darauf ausgerichtet, die teilweise fiktiven Preise dieser Assets der Banken im Markt wieder hochzukurbeln und den Banken Zeit zu geben, zu „gesunden“. Einzig aufgrund dieser Massnahmen war es den Banken möglich, sich gegen die Notwendigkeit zusätzlichen Eigenkapitals und stärkerer politischer Einmischung zu wehren. Der „Boost“ an wirtschaftlichem Wachstum durch diese zentralplanerischen Massnahmen der Zentralbanken fiel jedoch schwach aus, da Wirtschaftswachstum aufgrund des „Wealth Effect“ infolge höherer „Asset-Preise“ erstens nur vorübergehender Art sein dürfte und zusätzlich, empirisch belegt, sehr schwach ausfallen dürfte.

    Bedeutend stärker dürften sich die hohen Staatsdefizite verschiedener Staaten positiv auf das Wirtschaftswachstum ausgewirkt haben. Da jedoch die Verschuldung stärker als die Wirtschaft wuchs, handelt es sich hierbei um temporäre Vorteile, welche die Regeln der Nachhaltigkeit verletzen. Da in diesem Bereiche schrittweise eine Konsolidierungsphase in Gang gesetzt wird, dürfte das wirtschaftliche Wachstum in den nächsten Jahren eine grosse Herausforderung darstellen. Wenn das Kreditvolumen tatsächlich erlaubt ist zu schrumpfen, werden wir die Folgen der vergangenen Politik erfahren. Zu diesem Zeitpunkt dürfte unser Vertrauen in die Entscheidungsträger in den Zentralbanken und Regierungen stark strapaziert werden. Leider sind die meisten Entscheidungsträger meist einzig in einer Krise fähig zu handeln. Aus diesem Grunde möchte ich hier kurz einige Aspekte (Gedanken ohne etwelche Gewichtung) auflisten, welche man sicherlich zurecht hinterfragen darf.

    1. Unsere SNB (Schweizerische Nationalbank) versteht sich zu stark als Mitglied des Vereins der Zentralbanken und setzt sich zu wenig für die eigentlichen Interessen der Schweizerischen Bevölkerung ein. Sie würden sicherlich antworten, dass sich die SNB in einer schwierigen Situation die bestmögliche Reaktion zeigte, gerade mit Blick auf die Festlegung der Untergrenze des CHF. Im Grunde handelte es sich dabei aber um nichts anderes als um die Ausweitung der Bilanz, vergleichbar mit dem QE (Quantitative Easing) des FED (US-Notenbank), mit dem zusätzlichen Risiko der erhöhten Abhängigkeit von anderen Währungsräumen. Man kann in dieser Beziehung die Frage des Mechanismus sehr wohl hinterfragen, denn eine Währung kann auch in anderer Form verwässert werden als einzig durch den Zukauf ausländischer Staatsanleihen oder anderer teilweise mit höheren Risiken behafteten Papieren. Erstens wäre eine offizielle Erklärung der bewussten und willentlichen und durch den demokratischen Prozess legitimierten Verwässerung der Währung diesem Vorgehen wohl vorzuziehen, da dadurch die schweizerische Bevölkerung ihren Willen kundgegeben hätte. Desweiteren hätte solch eine Verwässerung nicht automatisch über das bestehende Bankensystem ablaufen müssen, sondern hätte durch gleichmässige Begünstigung unserer Bürger (gesellschaftsverträglich) dazu verwendet werden können, zugleich das Kreditvolumen zu reduzieren (Ersatz von Kreditvolumen durch Basisgeld), indem eine Gutschrift in erster Linie zur Schuldenreduktion zu verwenden wäre (Reduktion des hohen Hypothekarbestandes). Als weitere Vorteile bei solch einem Vorgehen sind die Reduktion der Macht der Banken (als Resultat reduzierter Kreditvolumina) und aufgrund des höheren Steueraufkommens eine starke Reduktion der Staatsverschuldung zu erwähnen. Damit wäre die Bevölkerung von den potentiellen negativen Auswirkungen dieser Geldpolitik (z.B. Geldentwertung, Umverteilung von unten nach oben und vom Sparer an den Schuldner) wenigsten vorab teilweise entschädigt worden. Die Ankündigung solcher offizieller Währungsentwertung hätte jegliche Spekulation in den CHF abrupt gestoppt. Dies soll nur ein Beispiel sein, dass auch andere Optionen zur Verfügung gestanden wären, wenn die SNB sich nicht verkrampft an die Dogmen der Zentralbanken gehalten und zugunsten der Finanzindustrie gehandelt hätte.

    2. Im Zusammenhang mit dem enormen Druck auf das Bankgeheimnis wurde von der SNB verschiedentlich die Abhängigkeit vom US-Clearing System erwähnt. Wenn die SNB im Sinne der Schweiz handeln will, muss sie sich mögliche Szenarien erarbeiten, sich von dieser Abhängigkeit lösen zu können. Genügend Staaten sind heute abgeschreckt von der amerikanischen Geldpolitik und eine Alternative zur „Weltherrschaft“ des US$ muss wenigsten ausgeortet werden. Ebenfalls ist es notwendig, sich mit etwelchen auf diesem Bereiche ähnlich gelagerten Zentralbanken (z.B. China, Indien, Südkorea, Australien, Russland) zu möglichen Zusammenarbeitsvarianten zu beraten, um Verhandlungsspielraum zu gewinnen. Dies wäre vorausschauende Politik zugunsten der Schweiz anstatt sich einzig auf die Schwierigkeiten der gegenwärtigen Abhängigkeit zu berufen.

    3. Wie Sie sicherlich wissen, wurde kürzlich eine Kommission ins Leben gerufen, um die Positionierung des Schweizerischen Bankenplatzes neu zu überdenken. Ich frage mich, warum solche strategischen Überlegungen nicht schon lange eingeleitet wurden und zwar bevor man schrittweise das Bankgeheimnis aufgab. Damals hätten alle Alarmglocken läuten sollen, aber man hat sich einzig auf die spezifischen Probleme fokusiert und war unfähig, die Situation in ihrer Gesamtheit einer Analyse zu unterziehen. Auch hier wäre eine Federführung der SNB sehr wohl angesagt gewesen, da sich dort wohl das grösste Heer von Oekonomen herumtummelt.

    4. Ich will hier gar nicht weiter auf die Auswirkungen der langfristigen inflationären Geldpolitik aufgrund fragwürdiger wirtschaftswissenschaftlicher Theorien und Modelle eintreten, obwohl diese weltweit angewendete Geldpolitik im Endeffekt Grund der grossen Ungleichgewichte, welche heute herrschen, sein dürften, da dies einzig durch eine massive Ausweitung des weltweiten Kreditvolumens ermöglicht wurde. Die heutige verstärkte Abwälzung der Kosten des Kreditrisikos auf die Währungen ist die Konsequenz vergangener fragwürdiger Entscheide im Bereiche der Geldpolitik. Leider fehlt auch heute noch das entsprechende Bewusstsein in den Zentralbanken, dass sie eine grosse Mitverantwortung an der Finanzkrise tragen, was sich in den heutigen Entscheiden weiterhin deutlich spiegelt.

    5. In der Arena vom 18. Oktober erläuterte Professor Urs Birchler der Uni Zuerich einen offensichtlichen Misstand, was unter dem „Revolving door“-Syndrom bekannt ist. Auch für die Oekonomen der SNB dürfte dieser Aspekt der Vetternwirtschaft (einer von vielen „moral hazards“) zutreffen, indem sich diese Leute nach einigen Jahren Arbeit in der Funktion von Aufsicht und Kontrolle von den kontrollierten Institionen zu guten Entschädigungen anstellen lassen, wodurch die Objektivität und Unabhängigkeit in Entscheidungen (ob bewusst oder unbewusst) beeinträchtigt sein dürften. Eine marginale Veränderung des Verhaltens der Aufsichtsbehörde FINMA scheint in Gang zu kommen, indem kürzlich die Bewertungsmodelle der UBS hinterfragt wurden. Diese Entwicklung ist zu begrüssen und zu fördern.

    Nachfolgend will ich zwei Aspekte, welche oft falsch verstanden werden, kurz erläutern.

    Niemand sah die Krise kommen, wirklich?

    Man hört immer wieder diese Aussage in öffentlichen Diskussionen, wohl um die Bevölkerung von der eigenen Unzulänglichkeit der entsprechenden Debuttanten abzulenken, denn es handelt sich um eine klare Falschaussage. Die Oesterreichische Denkschule beschrieb diesen Vorgang sehr wohl innerhalb der „Austrian Business Cycle Theorie“, welche aussagt, dass ein „Boom“ basierend auf einer excessiven und nicht nachhaltigen Kreditmengenausweitung in einem „Bust“ enden muss. Einzig der zeitliche Ablauf und das Erkennen des spezifischen Katalysators, welcher zum „Bust“ führen wird, ist schwierig vorauszusagen. Es gibt verschiedene Proponenten auch ausserhalb dieser Denkschule, welche entsprechende Warnungen bekannt machten, aber sämtliche wurden mehr oder weniger als sogenannte „Dauerwarner“, welche aus Prinzip gegen eine so schön florierende Wirtschaft wettern, belächelt. Ebenfalls findet man zahlreiche Beispiele von massiven Uebertreibungen in der Geschichte der vergangenen Jahrhunderte, welche allesamt in einem „Bust“ endeten (mit oder ohne Zerstörung der Währung). Es ist richtig, dass die gegenwärtigen Entscheidungsträger die Kreditblase nicht erkannten und jetzt diese neu aufzublasen versuchen, da sie nicht fähig sind, selbst aus der kürzlichen Vergangenheit zu lernen. Eigentlich ist es geradezu verwunderlich, dass nach solch einem Fiasko noch immer die gleichen oder gleichdenkenden Entscheidungsträger die entsprechenden Positionen einnehmen und dies diskussionslos akzeptiert wird. Die Medien haben hier klar ihren Auftrag der mit Nachdruck verfolgten kritischen Hinterfragung der politischen Entscheide nicht erfüllt.

    Ist der Mensch egoistisch?

    Natürlich ist er dies, denn es handelt sich um eine Eigenschaft, welche es ihm erlaubt, zu überleben, also eine Notwendigket. Wir müssen Gier und Egoismus nicht verurteilen, sondern diese menschlichen Attribute in unserem Selbstverständnis sowie in den Anreizen, welche durch Regierungsprogramme erzeugt werden, gebührend berücksichtigen. Wenn wir die Verantwortung für die Mitmenschen (Kinder, Eltern, Geschwister und andere Verwandte und evtl. sogar Freunde und Bekannte) an die anonyme Organisation des Staates delegieren, fördern wir im Endeffekt Egoismus, indem jeder in seinem eigenen Leben nur noch für sich selber verantwortlich zu sein scheint und die Verantwortung für das Wohlergehen der ihm eigentlich nahestehenden Menschen von sich weg delegierte und somit diese Verantwortung nicht mehr als persönliche Verantwortung wahrnimmt. Jedoch erzeugt solch eine Entwicklung eine Situation, in welcher jeder möglichst stark vom System (den staatlichen Programmen) zu profitieren versucht, da eine anonyme Verwaltung in keiner Weise die gleiche moralisch orientierte Kontrolle auf den einzelnen Bürger auszuüben in der Lage ist. Der Ruf des einzelnen Mitglieds leidet nicht, wenn er sich zu übervorteilen versucht, was hingegen innerhalb des Kreises der Familie, Verwandschaft und des Bekanntenkreises sehr wohl eine disziplinierende Funktion übernimmt. Dies soll nicht heissen, dass wir keine staatliche Hilfeleistungen in schwierigen finanziellen Notfällen bereitstellen sollen, sondern dass das System nicht in einer Form ausgebaut wird, in welchem diese Kontrolle auf der tiefsten hierarchischen Ebene (Familie) ausgehebelt wird. Einzig diese Kontrolle sichert eine möglichst angemessene und massgeschneiderte Lösung im Einzelfall und verhindert Auswüchse und Missbrauch, also eine Kontrolle, welche die notwendige Funktion der Nachhaltigkeit beinhaltet. Ein stark ausgebauter Sozialstaat mit hohen Anspruchserwartungen wird jedoch aufgrund der fehlenden und unmöglichen Kontrolle durch einen anonymen wie wuchernden Verwaltungsapparat aus diesem Grund scheitern, weil langfristig schrittweise das Prinzip der Nachhaltigkeit untergraben wird.

    Ich danke für die vergangenen positiven Reaktionen aus dem Kreise der Leser auf meine Ausführungen und verbleibe

    mit freundlichen Grüssen

    Linus Huber

  5. Herr Meyer

    Besten Dank für Ihren erneut guten Artikel.
    Ich glaube Ihnen, dass Sie sich wirklich für ein Geldsystem einsetzen wollen, das den Menschen dient und nicht die Menschen dem Geldsystem dienen wie es unsere global denkende und handelnde, selbsternannte Elite will.

    Ich weiss mit dem was ich jetzt schreibe wird der übliche Tenor von Verschwörungstheorie aufkommen, wie immer. Spielt keine Rolle.

    Im Grunde der Dinge läuft für die Elite alles nach Plan. Auch Herr Hildebrand hat seinen Job gemacht, wurde belohnt mit dem Einsitz bei Black Rock (das ging ja nahtlos), einer neuen Dimension der Geldmacht. Der Name sagt schon genug: Black Rock. Ob das Haliburten, Black Water, Raytheon, Goldman Sachs oder wie sie alle heissen ist, es sind immer die gleichen Kräfte am Wirken im Hintergrund. Mit der nun fast perfekten Ueberwachung sind sie kurz davor umfassende Aenderungen einzuläuten, während in der Esotherik-Szene immer noch vom gratis- und instant-Aufstieg geschwärmt wird, wo wir in eine Welt von Harmonie und Frieden eintreten werden. Für diejenigen die da nicht empfänglich sind gibt es andere Werkzeuge: Fussball, Ferien, Geld, Macht, Medien, Filme etc. Für jeden die passende Beruhigungspille.

    China wurde mit Absicht vom Entwicklungsland zum Produktionsland Nr 1. gedrängt. Den Planern muss klar gewesen sein, dass solche Entwicklung und solches Wachstum über kurz oder lang zu massiven Problemen führen muss. Das würde sich schon selbst regeln. Bis dahin aber war das Ganze perfekte Sklavenarbeit mit der kein Land der westlichen Zivilisationen mithalten konnte. Unser Sozialsystem, Umweltschutz, Versicherungen etc. haben halt seinen Preis. Firmen wurden nach Fernost gedrängt um mithalten zu können. In 2 Generationen ist unser Wissen, das alles hart erarbeitet wurde weg und wir sind wieder ein Entwicklungsland, auch dank Brot und Spiele für das Volk.

    Schmackhaft macht man es in dem man uns weiss macht, Du bekommst mehr fürs Geld also steigt Dein Reichtum und dir geht’s besser. Mir tun jeweils die Menschen leid, die diesem Denken verfallen und dem besten Preis hinterherrennen. Wohlverstanden diejenigen, die das nicht müssten, weil es Ihnen gut geht. Merken die nicht, dass sie das System noch anheizen und dabei sind das eigene Grab zu schaufeln ?

    Es ist klar wohin das Ganze führen soll: Es gibt am Schluss noch eine grosse Arbeiterschaft, die mehr schlecht als Recht durchkommt und dauernd ums Ueberleben kämpft. Zu wenig zum leben zu viel zum sterben. Die Menschen werden keine Energie mehr haben sich zu wehren. Die Bildung wird verbildet, nur noch Quantität in die Hirne gepumpt, keine Entwicklung mehr nur noch Konsum. Erfolgreich ist, wer sich im System bewährt. Daneben eine kleine Elite die herrscht und sich der globalen Konzern- inkl- Finanzkonzernen wie z.B. Black Rock bedient um das zu erreichen.

    Gerade heute wieder ein Artikel in der allerwelts-welt der doch schön zeigt wohin die Reise geht:
    http://www.welt.de/wirtschaft/article122920324/Spaniens-Schulden-naehern-sich-einer-Billion-Euro.html

    Man muss es wirklich gelesen haben:

    Spanien kappt die Löhne

    Spaniens Wirtschaft kämpft sich derzeit mühsam aus der langen Rezession heraus. Um fitter für den internationalen Konkurrenzkampf zu werden, kappen die Unternehmen Löhne und Preise. Deshalb dürfte die Inflation auch im nächsten Jahr niedrig bleiben.
    Citi-Analyst Guillaume Menuet erwartet für 2014 sogar ein Sinken der Preise um 0.4 Prozent. Der Durck auf Krisenstaaten in der Euro-Zone sei hoch, über niedrige oder sinkende Preise wettbewerbsfähig zu werden. „Deshalb ist es plausibel, dass die EZB im Frühjahr nächsten Jahres ihre Zinsen weiter senken muss.“

    Eine Verschuldung von 93% des Bruttoinlandsproduktes kann nicht getilgt werden, da muss man sich nichts vormachen. Das ist auch nicht das Ziel. Als Mittel zur Lösung sollen also die Löhne gekürzt werden, weil dadurch die Inflation nicht steigt ? Aha gut, Inflation ist bekannt bis ins gemeine Volk, also eine „Lösung“ dafür bringen und die Mehrheit ist ruhig. Schön zu wissen, dass wir weiterhin tiefe Inflation haben werden, nur nützen tut mir das nichts, wenn ich weniger verdiene. Das ist die Wahl zwischen Cholera und Pest. Wie dumm verkaufen die uns ?
    Ja klar sie senken die Zinsen weiter und nichts kommt in der arbeitenden Bevölkerung an. Die Kartelle kaufen mit dem Gratis-Geld weiterhin und in verstärktem Masse Realgüter weltweit ein und treiben die Preise in die Höhe. Spekulieren mit dem Schein-Geld noch intensiver mit Rohstoffen und lassen ganze Völker darunter leiden. Alles wird konzentriert, vorbei die Zeiten wo das mit Eroberungsfeldzügen passierte.

    Die Schweiz spielt da in einer Linie mit, ob wir nun in der Euro-Zone sind oder nicht. Darum dürfen wir uns darauf gefasst machen, dass es in nächster Zeit auch an unsere Löhne gehen wird. Bis jetzt waren wir noch verschont davon.

    Es ist Zeit inne zu halten, sonst wird es eng.
    Es liegt an uns Menschen, also denjenigen die noch Menschen geblieben sind, dem Einhalt zu gebieten. Ich wünsche allen meinen Mitmenschen eine besinnliche Zeit und viel Kraft für 2014. Arbeiten wir dafür, dass das Leben eben kein Konkurrenzkampf ist sondern ein gleichberechtigtes Nebeneinander, wo Werterfüllung anstatt Reichtum erstrebenswert ist.

    • @ Patrick Nöthiger

      Sehr geehrter Herr Nöthiger

      Besten Dank für Ihre Zeilen, die einerseits nachdenklich stimmen, andererseits aber auch mit den besten Wünschen für die gegenwärtige Adventszeit und das kommenden Jahr schliessen.

      Lassen Sie mich kurz auf drei Punkte Ihres Schreibens eingehen:
      a) Die Bedeutung der Wirtschaftswissenschaft für unsere Welt („Geldtheorie / Geldsystem“).
      b) Die Verschuldung Spaniens im Vergleich zur Verschuldung unserer Nationalbank.
      c) Die Definition von „billigem Geld“ bzw. von „Gratis-Geld“ oder „Schein-Geld“

      a)Es ist mir tatsächlich das Hauptanliegen, dass die Wirtschaftswissenschaft der Menschheit dient – nicht umgekehrt.

      Hitler ist an die Macht gekommen u.a. begünstigt durch Hyperinflation und Massenarbeitslosigkeit. Der „kalte Krieg“, die Berliner Mauer, war die gewaltsame Trennung zweier Wirtschaftssysteme: Planwirtschaft und Marktwirtschaft.

      Es ist tatsächlich so, dass die Wirtschaftswissenschaft eine unglaubliche Macht auf uns Menschen ausübt. Deshalb ist es von sehr grosser Bedeutung, dass die wirtschaftswissenschaftlichen Modelle keine fundamentalen Irrtümer aufweisen.

      Die Volkswirtschaftslehre ist aber eine noch vergleichsweise junge Wissenschaft und beinhaltet leider viele gravierende Irrtümer.

      Auf einige von diesen konnte ich auf Inside Paradeplatz hinweisen, insbesondere, was die Geldtheorie anbelangt. Aber es gibt noch weitere, schwerwiegendere Missverständnisse, die allerdings möglicherweise etwas zu komplex sind, um sie auf einem Blog erläutern zu können.

      Mein Anliegen hier in meinen Artikeln auf Inside Paradeplatz ist es, wenigstens auf die einfachsten Fehler in der Wirtschaftswissenschaft hinzuweisen zu können. Es sollen Denkanstösse sein. Damit ist die Hoffnung verbunden, dass die Gefahr gedämmt wird, dass Fehler in der Wirtschaftswissenschaft wieder Kriege begünstigen.

      b) Sie sprechen die Verschuldung Spaniens an, welche bald eine Billion erreichen soll, was sehr gravierend wäre. In diesem Zusammenhang möchte ich einfach darauf hinweisen, dass die offizielle Staatsverschuldung der Schweiz über 200 Milliarden beträgt. Dazu muss die Verschuldung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) noch addiert werden. Die SNB ist ein Staatsbetrieb und ihre Schulden gehören zu den Staatsschulden.

      Die Schulden der SNB betragen rund 450 Milliarden Franken. Addiert man die 200 Milliarden von Bund, Kantonen und Gemeinden dazu, so besitzt die Schweiz auch schon Staatsschulden von 650 Milliarden Franken. Nach Einführung der Schuldenbremse haben sich also unsere Staatsschulden innert kürzester Zeit mehr als verdreifacht – wegen der Nationalbank.

      Katastrophal ist, dass die SNB von diesen Schulden behauptet, es handle sich um Vermögen der SNB. Die Giroguthaben der Banken bei der SNB interpretiert die SNB als Kredite der SNB an die Banken („lender of last resort“) anstatt als Schulden der SNB bei den Banken.

      Da die SNB glaubhaft droht (letztmals an der vorgestrigen Pressekonferenz), dass sie „unbeschränkt“ weiter Euros kaufen werde, folgt, dass damit auch die Staatsschulden der Schweiz „unbeschränkt“ steigen werden.

      Wir sind also nicht viel besser als die Spanier. Und die grosse Gefahr besteht darin, dass wir bald noch grössere Schulden haben werden als Spanien.

      c)Sie sprechen das „Gratis-Geld“ oder „Scheingeld“ an. Es ist mir ein Anliegen, dass dieser Begriff klar definiert wird. Landauf und landab und auch weltweit wird behauptet, die Zentralbanken könnten durch angebliche Geldschöpfung beliebig Vermögen, „billiges Geld“, schaffen.

      In meinen Beitrag „Die SNB und das Märchen von der Geldschöpfung“ auf Inside Paradeplatz habe ich gezeigt, dass Zentralbanken durch Geld drucken keineswegs Vermögen schaffen, sondern im Gegenteil Schulden eingehen. Vermögen wird durch die Realwirtschaft geschaffen.

      In der Schweiz haben wir momentan viel „billiges Geld“, d.h. Kapital, das zu einem tiefen Zinssatz verfügbar ist.

      Warum?

      Das grosse Geldangebot in der Schweiz kommt aber keineswegs von der SNB, sondern es kommt von ausländischen Investoren, welche ihr Vermögen nicht mehr im eigenen Land investieren wollen, sondern in der Schweiz (wirtschaftlich und politisch sicherer; save haven).

      Das Geld stammt also beispielsweise aus Ländern wie Spanien, wo die Staatsanleihen eine zu tiefe Bonität aufweisen und riskant sind. Deshalb kommt dieses Geld in die Schweiz. Und weil viel Geld aus solchen und ähnlichen Gründen von überall her in die Schweiz fliesst, ist es hier billiger. Dafür wird es in Spanien usw. dadurch noch teurer.

      Darunter leiden aber natürlich Volkswirtschaften wie Spanien usw.

      Beim billigen Geld in der Schweiz handelt es sich also keineswegs um Geld, das von der SNB der Schweizer Wirtschaft günstig, d.h. zu einem tiefen Zinssatz zur Verfügung gestellt wird. Es handelt sich um hart erarbeitetes Geld von der Bevölkerung beispielsweise aus Spanien oder anderen hauptsächlich südeuropäischen Ländern. Bei uns billig. Dort hart erarbeitet und teuer.

      Mit freundlichen Grüssen und ebenfalls eine besinnliche Adventszeit wünscht Ihnen

      Marc Meyer

    • @Nicht-Allwissend

      Besten Dank!

      Wenn nur die SNB einmal einsichtig würde!

      Schönen Tag

      Marc Meyer

  6. Hallo Herr Dr. Meyer!

    Sie schreiben:

    > „Werden viele Güter aus der Schweiz nachgefragt, so müssen diese in Schweizerfranken bezahlt werden. Deshalb steigt die Nachfrage nach Franken. Der starke Franken ist also nichts anderes als der Beweis für eine starke Nachfrage nach unseren Gütern.“

    Der Franken wird auch dann stark, wenn z.B. Eurohalter Franken für Euro kaufen, dann aber gar keine Schweizer Produkte für die Franken kaufen, sondern nur die Franken halten.

    Ist es nicht eher ein solcher Vorgang, der die Intervention der SNB bewirkte?

    Freundliche Grüße!

    • @Hardy, der Student

      Hallo Hardy, der Student

      Besten Dank.

      Ausländische Marktteilnehmer können sowohl in Schweizer Konsum- als auch Investitionsgüter investieren.

      Mit freundlichen Grüssen

      Marc Meyer

  7. @Banker

    Leider muss ich Ihnen Recht geben.

    Die SNB tut nicht anderes, als die Fehlpolitik von Hildebrand kaschieren.

    Im Januar 1996 schrieb ich einen ganzseitigen Artikel in der Finanz und Wirtschaft und zeigte auf, weshalb die SNB ihre Auslandanlagen vermindern sollte zugunsten von Inlandanlagen (Bekämpfung der damaligen Arbeitslosigkeit in der Schweiz).

    Drei Monate später schrieb Hildebrand ebenfalls einen ganzseitigen Artikel in der FuW und propagierte genau das Gegenteil: Die SNB solle sich im Inland bei tiefen Zinsen verschulden und das so aufgenommene Kapital in hochverzinslichen Währungen im Ausland anlegen (hochriskante „currency carry trades“).

    Solche Geldpolitik ist Betrug an der eigenen Volkswirtschaft. Sie SNB sähe (bei Gelingen) gut aus auf Kosten der eigenen Wirtschaft.

    Genau das tat Hildebrand, sobald er im Amt war. Er lag aber falsch und verspekulierte sich.

    Seither tut die SNB nicht anderes, als die massiven Fehlinvestitionen von Hildebrand im Jahre 2010 zu kaschieren. Es geht um nichts anderes als das.

    Das angebliche „Deflationsgespenst“ ist nur eine willkommene Ausrede.

    Mit ihrer Sturheit reisst die SNB noch die ganze Schweizer Wirtschaft in den Abgrund.

    Mit freundlichen Grüssen

    Marc Meyer

  8. Erstaunlich wie die Nationalbank die Fehlepolitik von Hildebrand weiter zieht. Keine Eigenständigkeit der „neuen“ Führung. Dass das Vorgehen der SNB unsere Währung an den Euro zu heften und Devisen diverser Art anzuhäufen, ohne diese wieder abzustossen in Zeiten in denen gute Gewinne möglich gewesen wären ist erschreckend Naiv und dumm. Als das Gold stieg hat man zur Tageswertbewertung umgestellt. Nur bloss, dass was rauf geht auch runter gehen kann. So wurden denn in den letzten Monaten massive (Buch)-Verluste generiert. Das gleiche passiert derzeit mit dem US$. Per 31.12.2013 dürfte die wohl katastrophalste SNB Bilanz publik werden, seit Bestehen der SNB. Auf Jahre können Bund und Kantone keine Zahlungen mehr erwarten. Bleibt zu hoffen, dass diese die Budgetierungen entsprechend vornehmen für 2014! Sonst gut Nacht Frau Seeholzer. Stolze Steuererhöhungen sind abzusehen :-(nur wegen der Sturheit und Dummheit der SNB!

  9. Deflation ist ein globales Problem:

    Vergleichen Sie hierzu die aktuellen Lagebeurteilungen der EZB und des Fed.

    In Japan hält sich die Deflation seit mittlerweile zwei Jahrzehnten hartnäckig.

    Es handelt sich daher nicht um ein rein schweizerisches Problem.

    Die aktuellen Geldpolitiken der OECD-Konjunkturlokomotiven sind auf die Verhinderung von Deflation ausgerichtet. Die Schweiz kann sich dem auch nicht entziehen. Zwischen Wechselkurs und Deflation besteht eine interdependente Beziehung. Die Richtung der Kausalität ist empirisch jedoch nicht eindeutig erklärbar.

    (PS: ich bin kein Vertreter der SNB und habe nichts mit Banken zu tun. Ich bin freischaffender Ökonom wie Sie Herr Meyer))

    • @“Züri-Essiggurke“

      Weshalb rechtfertigen Sie sich und legen explizit Wert darauf, dass Sie nicht zur Nationalbank gehörten?

      „Qui s’excuse s’accuse.“

      Ihr Kommentar tangiert die zentrale Aussage meines Artikels leider in keiner Weise.

      Deflation kann verbunden sein

      a) mit zunehmender Beschäftigung
      b) mit abnehmender Beschäftigung

      Das ist eine vollkommen neue Interpretation der Phillips Kurve. Das haben Sie aber leider nicht erkannt.

      Das sieht auch die SNB nicht ein, obwohl ich sie schon vor über 20 Jahren in meinem Buch „Arbeitslosigkeit – die grosse Verantwortung der Wirtschaftswissenschaft“ auf dieses Missverständnis bezüglich der Phillips Kurve aufmerksam gemacht habe.

      Die SNB ist offensichtlich einfach nicht lernfähig.

      Beide Arten von Deflation sind aus geldpolitischer Sicht völlig unterschiedlich zu beurteilen. Die Nationalbank übersieht das leider (wie auch Sie).

      In der Schweiz haben wir momentan keine Deflation. Die Preise waren lediglich vorübergehend leicht rückläufig, verbunden mit einer guten Beschäftigungslage.

      Die SNB beurteilt diese vorübergehend leicht rückläufigen Preise aber fälschlicherweise als gefährliche Nachfragedeflation, welche einen Konjunktureinbruch zur Folge habe (siehe Referat Hildebrand vor dem Club of Rome).

      Aufgrund dieser Fehlinterpretation hat die SNB über 450 Milliarden Franken in ausländische Währungen investiert. Sie hat diese mit unseren Staatsschulden finanziert.

      Die Schulden der SNB sind aus diesem Grund bereits heute mehr als doppelt so hoch wie die akkumulierten Schulden von Bund, Kantonen und Gemeinden zusammen.

      Zudem droht die SNB glaubhaft, dass sie „unbeschränkt“ weiter in ausländische Staaten investiere, falls der Franken weiter ansteigen sollte.

      All diese Schulden, für die wir Steuerzahler werden geradestehen müssen, sind nur deshalb entstanden, weil unsere Nationalbank (wie auch Sie) nicht in der Lage sind, zwischen den zwei verschiedenen Arten von Deflation zu unterscheiden.

      Kommt hinzu: Will die SNB eine drohende Depression in der Schweiz bekämpfen, so muss sie – ich wiederhole – muss sie in der Schweiz investieren und nicht im Ausland.

      Dass die SNB eine angeblich drohende Depression in unserem Land mit Auslandinvestitionen bekämpfen will erinnert mich – tut mir Leid – an die Schildbürger.

      Als „freischaffender Oekonom“, wie sich bezeichnen, sollten Sie das eigentlich einsehen.

      Kommt ferner hinzu, dass Sie mit keinem Wort auf meine Argumentation eintreten, wonach eine starke Nachfrage nach Gütern aus der Schweiz zu einer starken Nachfrage nach Franken führt. Deshalb steigt der Franken.

      Einmal mehr machen Sie es sich – liebe „Züri-Essiggurke“ – sehr einfach. Sie machen es sich erneut so einfach wie unsere Nationalbank selber.

      Einmal mehr stellen Sie einfach verschiedene Behauptungen auf, die keiner fundamentalen Analyse standhalten.

      Sie behaupten beispielsweise, zwischen Wechselkurs und Deflation sei die Beziehung nicht geklärt.

      Wie nur können Sie nur so etwas behaupten?

      Wenn die Nachfrage nach Franken hoch ist, so steigt dessen Wert. Der Wert einer Währung kann gemessen werden

      a) an seinem Wechselkurs (Aussenwert)
      b) an seiner Kaufkraft (Innenwert)

      Wenn also der Franken stark ist, so führt das

      a) zu einem festeren Wechselkurs in Relation zu anderen Währungen
      b) zu steigender Kaufkraft bzw. zu sinkenden Preisen

      Sie plaudern einmal mehr einfach etwas dahin – ob Sie nun zur Nationalbank gehören oder nicht (wie Sie mit Nachdruck beteuern), spielt überhaupt keine Rolle – Ihre Argumentation ist genauso liederlich wie jene unserer Nationalbank.

      Hauptsache: Die Nationalbank behält Recht und wahrt das Gesicht.

      Nein – liebe „Essiggurke“ – so nicht.

      Mit freundlichen Grüssen

      Marc Meyer

    • @Essiggurke

      Noch ein kurzer Nachtrag:

      Noch kurz ein Wort zu Ihrer Behauptung, die Richtung der Kausalität der interdependenten Beziehung zwischen Wechselkurs und Deflation sei empirisch nicht eindeutig erklärbar.

      Tatsache ist, dass unsere Nationalbank mit einer Steuerung des Wechselkurses die Deflation beeinflussen will.

      Zu diesem Zweck hat sie bereits 450 Milliarden Franken Staatsschulden aufgenommen.

      Ihr Votum widerspricht somit der Nationalbank diametral. Wie kann die SNB mit einer Beeinflussung des Wechselkurses die Deflation steuern, wenn die Kausalität dieser Beziehung gemäss Ihren eigenen Worten gar nicht geklärt ist?

      In Ihrem Eifer, die SNB habe immer Recht, bemerken sie nicht einmal, wie widersprüchlich Ihre eigene Argumentation ist.

      Ihre geldpolitische Argumentation ist genauso oberflächlich und widersprüchlich wie jene der SNB selber.

      Mit freundlichen Grüssen

      Marc Meyer

    • Danke für die Belehrung mit entsprechender Wertung.

      Leider ist Ihnen entgangen, dass die Philips-Kurve empirisch nicht mehr abgestützt ist. Sie erwähnen dies selbst auch, indem Sie schreiben, dass Deflation sowohl mit zunehmender als auch abnehmender Beschäftigung einhergeht. Sind Ihnen die Begriffe Dis-Inflation und Stagflation mit entsprechender Veränderung der Beschäftigung auch bekannt?

      Ihre Argumentation hat mich nicht überzeugt.

    • @Essiggurke

      In meinem „Standpunkt-Beitrag“ schrieb ich:

      „Setzt nun ein Angebotsschock ein, so wird die Angebotskurve (Phillips-Kurve) selber nach oben verschoben. Das Resultat ist Stagflation. Inflation und Arbeitslosigkeit steigen miteinander. Die schlechteste aller Welten.“

      Und nun kommen Sie und fragen mich, ob ich wisse, was Stagflation sei. Ihre Frage belegt, dass Sie meinen Text offenbar nicht einmal gelesen haben. Offensichtlich sind Sie gar nicht an einer konstruktiven Diskussion interessiert, sondern versuchen einfach, die Diskussion zu torpedieren.

      Dass Sie folgern, meine Argumentation habe Sie nicht überzeugt ist die logische Folgerung Ihres oberflächlichen Kommentars. Passt ins Bild von Ihnen und der Nationalbank. Und mit solch liederlicher Stellungnahme unterstützen Sie eine Verschuldung der SNB im Betrag von über 450 Milliarden Franken?

      Ist es nicht beschämend für unsere Nationalbank (SNB-Bankrat), dass sie nur noch über solch liederliche Fürsprecher verfügt wie Sie einer sind.

      Sie wissen (Du weisst), wovon ich spreche.

      mfG

      Marc Meyer

    • Nachtrag folgender Aussage von Herrn Meyer:

      „Tatsache ist, dass unsere Nationalbank mit einer Steuerung des Wechselkurses die Deflation beeinflussen will.

      Zu diesem Zweck hat sie bereits 450 Milliarden Franken Staatsschulden aufgenommen.“

      Antwort:

      1. Die Steuerung der Geldmenge, der monetären Basis, wird in der CH vorwiegend über das sog. „Repo-Geschäft“ vorgenommen und nicht über den Wechselkurs. Dies beeinflusst den Binnenwert des CHF. Hier geht es nur um den Geldwert im Inland.

      2. Bei der von Herrn Meyer erwähnten „Wechselkurspolitik“ geht es um den Mindestkurs gegenüber dem EURO. Hier geht es um den Aussenwert des CHF gegenüber dem EURO.

      3. Herr Meyer vermischt Geldpolitik und Wechselkurspolitik. Die von ihm genannte Zahl von 450 Mrd. (sie müsste noch verifiziert werden) ist sowohl auf die Ausweitung der monetären Basis im Inland zurückzuführen („Tiefzinspolitik“) als auch – zum überwiegend andern Teil – auf die Finanzierung der Devisenkäufe, vornehmlich EURO.

      4. Den Devisenkäufen stehen Franken gegenüber und den Repo-Geschäften die Giroguthaben der CH-Geschäftsbanken. Diese sind unter den Passiven geführt, und auf der Aktivseite durch entsprechende Assets gedeckt. Die Summengleichheit auf der Aktiv- und Passivseite ist selbstverständlich im Sinne der doppelten Buchhaltung gegeben.

      5. Dass durch diese Operationen die Bilanzsumme (natürlich auf der Aktiv- wie auch auf der Passivseite) entsprechend zunahm ist die logische Folge dieser Operationen. Diese Bestandesgrösse ist allerdings kleiner als das aktuelle BIP der CH. Die Stabilität der CH-Wirtschaft ist nicht gefährdet. Eine weitere Ausdehnung ist unter Umständen nötig und auch möglich, falls die allgemeine Lage dies erfordert. Dies nach interner Lagebeurteilung und im Einklang mit der Geldpolitik der der wichtigsten Industrieländer.

    • @“Essiggurke“

      Sie schreiben: Die Steuerung der Geldmenge, der monetären Basis, wird in der CH vorwiegend über das sog. “Repo-Geschäft” vorgenommen und nicht über den Wechselkurs.“

      Richtig: Gemäss Gesetz steuert die SNB die Zinsen in der Schweiz vorwiegend über die sogenannten Repo-Geschäfte.

      Auf diese Repos legen Sie hier in Ihrem Votum Gewicht. Zu Recht.

      Ihnen ist aber entgangen, dass die SNB keinen einzigen Franken in Repo-Vermögen in der Schweiz investiert.

      Die SNB verstösst damit nicht nur gegen die Bundesverfassung, sondern auch gegen das Nationalbankgesetz.

      Dem Bankrat der SNB ist deswegen die Erteilung der Décharge an der nächsten Generalversammulung zu verweigern.

      Mit freundlichen Grüßen

      Marc Meyer

      P.S.

      1, Eine Veränderung des Geldwertes schlägt sich sowohl auf den Aussenwert als auch Innenwert der Währung nieder. Sie können Geldpolitik und Wechselkurspolitik nicht voneinander trennen. Sie begehen denselben Fehler wie unsere Nationalbank.

      2. Sie nehmen Bezug auf die Lagebeurteilung der SNB. Diese findet erst heute in 1 Stunde statt. Sie schrieben Ihren Kommentar aber bereits gestern.

      SNB-Bankratspräsident Studer sowie SNB-Chef Jordan haben „ihren Laden“ offenbar überhaupt nicht mehr im Griff, dass solche Details bereits vorweg hier durchsickern.

      3. Sie vergleichen die Geldpolitik der SNB mit jener von Zentralbanken anderer Länder. Sie übersehen, dass diese Länder innerhalb ihrer Währungsräume investieren. Die SNB exportiert aber 450 Milliarden Franken ins Ausland.

      Ihre Analyse bleibt oberflächlich.

    • @Züri-Essiggurke

      Auf Grund der Kommentare hier habe ich den Eindruck, dass Sie als Ökonom etwas lernresistent sind. Herr Meyer gibt sich alle Mühe mit den Erklärungen.

      Eine kleine Anmerkung: Sie schreiben:
      „Den Devisenkäufen stehen Franken gegenüber und den Repo-Geschäften die Giroguthaben der CH-Geschäftsbanken.“

      Giroguthaben bei der SNB sind genauso Franken wie Banknoten. Dies ist gesetzlich so definiert und lässt sich buchhalterisch entsprechend nachvollziehen. Ihre Aussage ergibt keinen Sinn.

      Welche Absicht verfolgen Sie mit Ihren Kommentaren hier?

      Freundliche Grüsse,
      NichtAllwissend

    • Weshalb so aggressiv, Herr Meyer? Diskussionsteilnehmer, die sich erlauben eine andere Meinung zu haben, mit Ausdrücken wie „liederliche Fürsprecher“ einzudecken (eine unsachliche Attacke, die nicht auf die Argumentation, sondern auf die Person Bezug nimmt), gehört sich nicht im Rahmen einer zivilisierten Diskussion.

    • @moneymoney

      Akzeptiert

      Aber die Analyse dieses Fürsprechers der Schweizerischen Nationalbank („Essiggurke“) bleibt trotzdem liederlich.

      mfG

      Marc Meyer

    • @moneymoney

      Aber es gilt auch: “Man erkennt den Baum an seinen Früchten“.

      Sie sind für eine „zivilisierte Diskussion“. Gut.

      Noch unzivilisierter empfinde ich eine Diskussion, wenn man seine Arbeitsstelle verliert, weil man es wagt, die Schweizerische Nationalbank öffentlich zu kritisieren.

      Das hat mit Zivilisation und Demokratie überhaupt nichts zu tun – ist aber die Realität in unserem Lande. Darüber beschweren Sie sich aber nicht.

      Das ist Ausgrenzung.

      Warum wohl schreiben so viele Kommentatoren hier anonym? Ist es nicht ihre Befürchtung, dass sie ihre Arbeitsstelle verlieren, oder ihrer Karriere arg schaden, falls sie als Kritiker der Nationalbank bekannt werden?

      Ich kann es Ihnen nicht verübeln – ich habe es selber „am eigenen Leib“ erleben müssen. Da ist plötzlich die Person im Zentrum – nicht die Argumentation.

      Also bitte – moneymoney – geben Sie sich hier nicht so mimosenhaft. Unglaubwürdig.

      Und übrigens: „Essiggurke“ – ein bekannter „Oekonom“ – weiss, wie er „foulen“ kann. Er spielt praktisch ausschliesslich „auf den Mann“.

      Da beschweren Sie sich auch nicht.

      Und wenn ich Ihnen noch einen Rat geben darf:

      Bitte versuchen Sie einmal, das zu verstehen, was ich hier schreibe. Versuchen Sie einmal, nicht zum Vornherein der Nationalbank Recht zu geben – auch wenn möglicherweise Ihre berufliche Position anderes verlangt.

      Mit freundlichen Grüssen:

      Marc Meyer

  10. Ich bin mit den Details der Schweizer Volkswirtschaft nicht vertraut, aus der Entfernung erlaube ich mir jedoch folgende Wahrnehmung.

    Der einzige Grund, weshalb die SNB den Weg einer Wechselkursintervention eingeschlagen hat, kann doch nur sein, die heimische Exportwirtschaft vor einem Zusammenbruch zu schützen, sollte der CHF weiter steigen.

    Vor nicht allzu langer Zeit war der CHF/EUR Kurs bei 1,60. Jetzt wird er bei 1,20 aufgefangen. Das ist immerhin eine Aufwertung von rund 25%.

    Die Frage stellt sich schon, weshalb eine 25%-ige Aufwertung der Schweizer Volkswirtschaft offenbar noch nicht geschadet hat. Im Gegenteil, ich lese, dass die Schweiz einen Leistungsbilanzüberschuss von mehr als 10% des GDP fährt.

    Da passt irgendetwas nicht ganz zusammen. Es ist die Auswirkung des Wechselkurses auf die Leistungsbilanz des Landes, die es zu analysieren gilt. Da ist etwas, wo das freie Auge auf den ersten Blick nicht ganz erkennen kann, was vor sich geht. Dazu sollte die SNB Stellung nehmen.

    • @Klaus Kastner

      Richtig. Eine hohe Nachfrage nach Schweizergütern führt zu einer hohen Nachfrage nach Schweizerfranken, da die Schweizergüter in Schweizerfranken zu bezahlen sind.

      Das ist von blossem Auge klar ersichtlich. Logisch.

      Der Euro wurde emittiert 1999 bei 1.60. Jetzt, fast 15 Jahre später, sind wir rund 25 Prozent tiefer. Das ist nichts Weltbewegendes. Der Dollar hat ganz andere Abstürze erlebt.

      Die Panikmache der SNB ist unbegründet.

      Aber die SNB schweigt zu jeder Art von Denkanstoss. Sie zieht sich lieber in ihr „Schneckenhäuschen“ zurück.

      Dass sie die Schweiz an den finanziellen Abgrund bringt ist ihr offensichtlich weniger wichtig, als ihr Gesicht zu wahren.

      Mit freundlichen Grüssen

      Marc Meyer