Finanzausbildung ist ein gesellschaftspolitisches Thema

Grundausbildung in Finanzfragen – im angelsächsischen Raum „Financial Literacy“ genannt – ist seit der Finanzkrise zu einem viel diskutierten Thema geworden. Dies sowohl in der Finanzindustrie als auch bei Konsumentenschützern, Regulatoren und damit auch in Politik und Öffentlichkeit. In den USA ist die Thematik weit oben in der Prioritätenliste des Weissen Hauses. So weit oben, dass Barack Obama den April des letzten Jahres zum „Financial Literacy Month“ deklariert hat, mit dem erklärten Ziel, „to improve the understanding of financial principles and practices (of all Americans)“. 

Nun mögen wir bei uns der Meinung sein, Finanzwissen sei in der Schweiz breiter gestreut als andernorts, weil die Bankendichte hier grösser ist als in den umliegenden Ländern. Leider hat aber die wirtschaftliche Bedeutung des Banksektors relativ wenig mit dem Verständnis der Bevölkerung für finanzielle und generell wirtschaftliche Fragestellungen zu tun. Und anders als oft vermutet, finden sich die entsprechenden Ausbildungslücken auch nicht nur im Bereich tieferer Einkommensschichten mit vermeintlich tiefer Schulbildung. Beschränkte Kompetenz in Geld- und in Finanzfragen ist ein ausgesprochen breit gestreutes Phänomen und kann durchaus als gesellschaftspolitisches Problem gesehen werden.

Auch die Finanzindustrie selbst ist nämlich nicht gefeit vor entsprechenden Wissens- und Ausbildungslücken. Das ist auch nicht weiter verwunderlich. An nicht wenigen Orten wurde bei der Ausbildung der Bankkader in den letzten Jahren nämlich weniger auf eine solide Basisausbildung in Anlage- und Finanzfragen als vielmehr auf Verkaufskompetenz wert gelegt.

Es erstaunt deswegen auch nicht, dass auf den unterschiedlichsten Stufen und in den unterschiedlichsten Bereichen immer wieder auf die wildesten Träumereien und Finanz-Scharlatanerie hereingefallen wird. Noch mancher weiss selbst, dass es dazu nicht unbedingt Fussball-Präsidenten braucht, die sich als Devisenhändler versuchen. Die Medien sind voll von (Un)Fällen, in welchen die schiere Unfähigkeit einfachste Fragen zu stellen und einfachste Zusammenhänge zu verstehen zu dramatischen Vermögensverlusten, zum Aufbau ungewollter und unverstandener Verschuldungssituationen und nicht selten zu Schicksalsschlägen geführt hat.

Wir sind der Meinung, dass dieser Problemstellung nicht einfach mit noch mehr Regulierung und/oder Konsumentenschutz zu begegnen ist, auch wenn zusätzliche Regulierungen immer schon die typische Reaktion auf Finanzkrisen und Finanzskandale gewesen sind und wahrscheinlich immer sein werden.

In vielen Fällen würde bereits eine einfache  Basisausbildung in Geld- und Finanzfragen zur Entwicklung eines gesunden Gefühls beitragen dafür, was an diesen Märkten möglich ist oder nicht und wie und wo Gefahrenpotentiale zu orten sind.

Deswegen ist eine verbesserte Ausbildung breiter Bevölkerungsschichten in Geld- und Finanzfragen nicht nur eine notwendige Bedingung für das Wiedererlangen eines glaubwürdigen Finanzsektors, sondern geradezu ein gesellschaftspolitisches Thema. An vielen Orten wird zum Thema „Financial Literacy“ geforscht, und es wird intensiv darüber nachgedacht, ab welcher Schulstufe – wenn überhaupt – Wirtschaftsthemen und/oder Kenntnisse in Geld- und Finanzfragen in die Lehrpläne aufgenommen werden sollten. Ohne Zweifel werden aus diesen Überlegungen über kurz oder lang intelligente Projekte entstehen. Nur dauert das alles ein bisschen lange.

Aus diesen Überlegungen ist der unabhängige, universitätsnahe Internet Start-Up fintool.ch entstanden. Eine videobasierte Lernplattform auf Basis von Kurzvideos. 3-5 minütige Spots – wir nennen sie „StreetVideos“–, bei welchen die Zuschauer über die Präsentation einfacher Grafiken in praktische Themen der Geldanlage und des generellen Umgangs mit Geld, Wirtschaft und Finanzen eingeführt werden.

Regelmässig erscheinende Videos – geplant sind aktuell zwei Produktionen pro Woche – werden auf der einen Seite über eine spezielle Internetseite (www.fintool.ch) kostenfrei angeboten und strukturiert. Auf der anderen Seite ist geplant, durch einen gezielten Push-Mail-Service (den „Abonnenten“ werden die neuesten Videos bei Erscheinen ebenfalls kostenfrei automatisch in ihre Mail-Box gelegt) für eine rasche Verbreitung neuer Videos zu sorgen. Des Weiteren sollen die Videos beispielsweise über News-Plattformen einem breiten Publikum zur Verfügung gestellt werden, damit eine möglichst grosse Verteilung sichergestellt werden kann.

fintool.ch soll mit seinen Lehrvideos zunächst einmal „Herrn und Frau Jedermann“ ansprechen – „Financial Literacy“ eben. Es versteht sich aber von selbst, dass bei einem solchen Projekt auch eine in Finanz- und Anlagefragen etwas erfahrenere Klientel – beispielsweise aus der Finanzindustrie selbst – Interesse anmelden wird. Aus diesem Grund werden für etwas komplexere Fragestellungen der Geld-, Finanz- und Anlagetheorie sogenannte „Tech-Videos“ produziert. In diesen werden spezifische Themen für ein finanzaffines Publikum vertieft dargestellt und in ihren technischen Verfeinerungen präsentiert. Diese finden sich dann in speziellen Gefässen wiederum auf der Internetseite.

fintool.ch versteht Geld- und Finanzausbildung zunächst als gesellschaftspolitisches Thema. Eine Ausbildung, für die sich die Adressaten vielleicht gar nicht a priori interessieren. Eine Ausbildung, die in dem Sinne eine Bringschuld der Finanzindustrie oder der Wirtschaft generell ist. Sie soll unabhängig, wissenschaftlich fundiert, aber trotzdem in verständlicher Sprache, modern und unprätentiös daherkommen.

Irgendeinmal werden wir erkennen, dass ein Minimum an Grundwissen in Wirtschafts-, Geld- und Finanzfragen zum Rüstzeug gehört, welches die Gesellschaft jungen Menschen mit auf ihren Weg geben sollte. Bis wir soweit sind, sollten die Wirtschaft und insbesondere die Finanzindustrie die offensichtlichen Lücken zu füllen versuchen.

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15 Kommentare zu “Finanzausbildung ist ein gesellschaftspolitisches Thema

  1. Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Heri,

    in der Tat!.

    Die sogenannte Wirtschaftswissenschaft ist längst in allen Punkten widerlegt, da braucht es keine weitere Forschung. Das stört die Professoren und ihre Auftraggeber aber nicht. Die belegen weiter ihre Thesen mit den Annahmen ihrer Modelle oder fabulieren von der “Neutralität des Geldes”, obwohl das wohl niemand ernsthaft glauben wird. Die “Neutralität des Geldes” oder andere Dogmen der VWL wissenschaftlich zu diskutieren, ist ungefähr so, als wollte man die Wundergeschichten der Bibel mit den Erkenntnissen der Physik widerlegen. Da macht man sich eigentlich nur lächerlich, weil jeder weiß, dass diese Dogmen halt den herrschenden Interessen dienen und von keinem intelligenten Menschen ernst genommen werden.

    Würden die Professoren ihre Lehren und deren Herleitung in klaren Worten vortragen, würden sie selbst von den dümmsten Studenten dafür auf der Stelle ausgelacht. Die Professoren umgehen dieses Problem, indem sie ihre Zirkelschlüsse in umständlichen Formeln verbergen, so dass die Studenten bis zur letzten Prüfung damit beschäftigt sind, die mathematische Darstellung überhaupt zu verstehen. Der Professor kann immer behaupten, die Annahmen des Modells und die zirkuläre Argumentation wären jetzt nicht das Thema, sondern die Berechnung der Kurve. Darum gibt es gegen die Modellbau-Dogmen der VWL keinen Aufstand der Studenten, solange die Professoren die Studenten mit unnötig komplizierten Formeln und der Diskussion von Kurven und Schnittpunkten von jedem grundsätzlichen makroökonomischen Gedanken abhalten können.

    Die VWL-Professoren argumentieren mit einem Trick, vergleichbar dem Gaukler, der das Publikum ablenkt, während er das Kaninchen aus dem Zylinder zaubert wie der Professor den Beweis aus dem Modell. Die VWL-Modelle mit ihren versteckten Annahmen und Voraussetzungen sind das Kaninchen im Zylinder, von dem mit äußerst schwierigen Berechnungen von Kurven und Schnittpunkten aus kompliziertesten mathematischen Formeln abgelenkt wird, bis die feierliche Präsentation des Kaninchens aus dem Zylinder erfolgt, also der ökonomische Trugschluss aus den Annahmen und Voraussetzungen des Modells. Die Professoren verbergen hinter diesem ausgefeilten mathematischen Formelschleier ihre völlig lächerliche zirkuläre und tautologische Argumentation. Die makroökonomische These, die mit den Annahmen und Voraussetzungen des ökonomischen Modells schon vorgegeben war, soll den Studenten als Ergebnis hoch wissenschaftlicher Rechnungen erscheinen.

    Mancher Student der VWL wird nach der Abschlussprüfung für den Rest seines Lebens das Gefühl nicht mehr los, dass er um alle wirklich wichtigen Fragen nach den Ursachen der Krisen und der Verteilung von Einkommen und Vermögen Semester für Semester nur herum gerechnet hat. Selten wird er zu dem für sich selbst vernichtenden Eingeständnis kommen wollen, dass mit der ausgefeilten Mathematik seiner Studienjahre nur alberne Zirkelschlüsse im VWL-Modellbau produziert wurden. Daher verbreitet sich die Erkenntnis des Schwindels nur schwer, denn wer sich erst einmal die ganze Mühe mit diesem Studium gemacht hat, will nicht auch noch dastehen wie der letzte Trottel.

    Bitte geben Sie „via“ Fintool.ch folgende unwiederlegbaren Tatsachen weiter:

    Punkt 1:

    Wirtschaftskrisen werden durch die Geldpolitik absichtlich verursacht. Es ist die einzige Aufgabe der VWL, dies zu leugnen und zu vernebeln und Dogmen zur Verschärfung von Krisen zu liefern. Krisen haben zwei Ziele, erstens die lohnabhängigen Arbeiter zu disziplinieren und die Löhne zu senken und die Sozialleistungen und Arbeiterrechte abzubauen, zweitens können die Insider der Geldpolitik mit ihren Informationen in jeder Krise gigantische Profite erzielen und weltbeherrschende Vermögen durch risikolose Spekulation gewinnen. Deswegen ist die Geldpolitik in der VWL (wie im Marxismus) kein Thema; die Professoren lehren Modelle, in denen Geld nur als Tauschmittel vorkommt (als Geldmenge mit Umlaufgeschwindigkeit); die Geschichte der Krisen darf nicht behandelt werden; alle Thesen werden durch zirkuläre Argumentation aus den Annahmen der Modelle abgeleitet; der mathematische Apparat soll wissenschaftliches Arbeiten vortäuschen und die zirkuläre Argumentation verbergen.

    Punkt 2:

    Absatzkrisen sind das einzige Mittel zur Senkung von Löhnen und Preisen. Die Wahrheit ist, dass Absatzkrisen von der Geldpolitik immer absichtlich herbeigeführt wurden, um durch Massenarbeitslosigkeit den Widerstand der lohnabhängigen Arbeiter gegen Lohnkürzung und Sozialabbau und die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen zu brechen. Die Geldpolitik würgt dabei die Güternachfrage mit hohen Zinsen und restriktiver Kreditvergabe ab. Die sinkende Güternachfrage bewirkt Massenarbeitslosigkeit, und die Massenarbeitslosigkeit zusammen mit der Absatzkrise für Güter sorgen dann für sinkende Löhne und Preise. Eine expansive Geldpolitik kann Krisen wieder beenden.

    Zur Zeit des Goldstandards, als die Notenbank zu einem festen Kurs Gold gegen ihre Banknoten herausgeben musste, wurden Krisen regelmäßig erzeugt, um eine boomende Konjunktur mit steigenden Preisen und Importen abzuwürgen, weil durch Importüberschüsse das Gold zu deren Bezahlung ins Ausland floss und so die Goldreserven der Zentralbank gefährdet wurden. Die Notenbanken lösten durch die Erhöhung ihrer Leitzinsen (verheerende) Krisen aus, die Firmen bankrottieren ließen und Millionen lohnabhängige Arbeiter ins Elend stürzten, aber dabei die Löhne und Preise herunter brachen, so dass es wieder zu Exportüberschüssen und damit steigenden Goldreserven kam. Ohne die gezielte Auslösung brutaler Absatzkrisen hätte der Goldstandard überhaupt nicht bestehen können. Absatzkrisen mit restriktiver Kreditpolitik zu inszenieren und durch expansive Kreditpolitik zu beenden, war seit über 200 Jahren die Grundlage der Zentralbankpolitik und die ganze Kunst der Notenbanker.

    Natürlich sollte neben bei erörtert werden, wie und vom wem das Geld hergestellt und im Umlauf gebracht wird!

    Grüsse
    Der Praktiker

  2. Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Heri,

    Zitat:

    Im übrigen wollen wir mit Fintool nicht “die Standards der Finanzindustrie erhöhen”, sondern einfach Ausbildung betreiben.

    weiter:

    Auch die Finanzindustrie selbst ist nämlich nicht gefeit vor entsprechenden Wissens- und Ausbildungslücken. Das ist auch nicht weiter verwunderlich. An nicht wenigen Orten wurde bei der Ausbildung der Bankkader in den letzten Jahren nämlich weniger auf eine solide Basisausbildung in Anlage- und Finanzfragen als vielmehr auf Verkaufskompetenz wert gelegt.

    Zitat Ende.

    Das ist starker Tobak!

    Mit Verlaub und Ihrem Projekt in allen Ehren.

    In Anbetracht dieser seit Jahrzenten bewussten Irreführung der Öffentlichkeit ist es ratsam, sich die Mechanismen in Erinnerung zu rufen, welche zur Finanzkrise geführt haben. Von zentraler Bedeutung sind die von der Finanzindustrie entwickelten strukturierten Finanzprodukte, insbesondere die mittels Verbriefung aus Krediten abgeleiteten Produkte wie CDO, MBS, CDS und ähnlichen.

    In den angebotsorientierten Modellen der Wirtschaftswissenschaften führt niedriger Zins zu mehr Investitionen und erhöhtem Konsum. Dieses Model kann auf die Kreditvergabe allerdings nicht angewendet werden. Die Kreditvergabe hängt von der Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers ab, nicht von der Höhe der Kreditzinsen. Kredite werden nicht vergeben, weil der Zinssatz niedrig ist, sondern weil der Kreditnehmer genügend Sicherheiten bietet, den Kredit zurück zu zahlen.

    Daraus folgt:

    1. Zinsbasierte Geldsysteme fördern den Wettbewerb zwischen allen Teilnehmern und verlangen von jedem Teilnehmer die Bereitschaft, sich die Zinsen für Kredite von anderen Teilnehmern zu „erstreiten“. Die Menschen werden dabei nicht – ihrer Natur entsprechend – als soziales Gruppenwesen, sondern nur als Einzelgänger oder als kontengestütztes Individuum – als Konkurrent – betrachtet.

    2. Die Zinsen in zinsbasierten Geldsystemen verstärken den Zwang zur Forderung nach unbegrenztem wirtschaftlichem Wachstum auch dann, wenn der tatsächliche Lebensstandard einer Gemeinschaft stagniert. In einem zinsbasierten Schuldgeldsystem, welches das Geld der Kreditsumme erst über die Geldschöpfung mit Krediten „erschafft“, wird über die Zinsen das Geld künstlich verknappt. Mit jeder Zinserhöhung, die für die Marktteilnehmer immer eine Zunahme der Kosten darstellt, wird der Konkurrenzkampf verschärft. Schließlich verschulden sich auch die Länder als Zusammenschluss organisierter Gemeinschaften kollektiv, so dass dieses Geldsystem letztlich zwingend die Konkurrenz und damit den wirtschaftlichen Kampf zwischen Volksgruppen oder Staaten fordert und unterstützt.

    3. In zinsbasierten Geldsystemen reicht allein das Erhöhen des für einen Kredit zurückzuzahlenden Geldbetrags nur um den Betrag der Zinsen schon aus, um für die bestehende Geldmenge ein entsprechendes Wachstum einzufordern. Je mehr Geld über Kredite geliehen wird, desto mehr Wachstum, also zusätzliches Geld, wird erforderlich, um das Geld für die Zinsen aufzubringen. Häufig wird dabei auch die Mehrheit der Teilnehmer zugunsten einer kleinen, potenten Minderheit belastet, da sie sich und ihre Bedürfnisse wesentlich öfter über Kredite als jene finanzieren muss. Dieser – meist als kleinere Kreditanträge vorliegenden – Nachfrage stehen die Guthaben des wesentlich kleineren Bevölkerungsanteils gegenüber. Dabei wird deutlich, dass in zinsbasierten Geldsystemen zwangsläufig eine Umverteilung des Geldes von den Kreditnehmern zu den Kreditgebern hin erfolgt.

    Fazit:

    In der derzeit global bestehenden monetären Monokultur ist mit einem zinsgetriebenen Schuldgeldsystem auch der Zwang zu einem stetigen Wachstum enthalten. In jeder endlichen Welt muss ein solcher stetiger Wachstumszwang zwangsläufig in eine Katastrophe führen!

    Sie schreiben Zitat:

    Irgendeinmal werden wir erkennen, dass ein Minimum an Grundwissen in Wirtschafts-, Geld- und Finanzfragen zum Rüstzeug gehört, welches die Gesellschaft jungen Menschen mit auf ihren Weg geben sollte. Bis wir soweit sind, sollten die Wirtschaft und insbesondere die Finanzindustrie die offensichtlichen Lücken zu füllen versuchen.

    Zitat Ende.

    Schliesst Fintool u.a. diese Lücken?

    Grüsse
    Der Praktiker

    • Zu ihrem ersten Fazit liesse sich lange diskutieren. Zu Ihrer Frage: Wir werden die Lücken nicht schliessen können, versuchen aber in diese Richtung zu gehen.

  3. Das ist ja amüsant. Der langjährige VRP der VALARTIS BANK will die Standards der Finanzindustrie erhöhen. Ausgerechnet!

    • Verehrte Frau Niggli,
      sie haben sicher mitbekommen, das ich schon eine Weile nicht mehr bei Valartis bin. Im übrigen wollen wir mit Fintool nicht „die Standards der Finanzindustrie erhöhen“, sondern einfach Ausbildung betreiben. Vielleicht haben Sie eines meiner Bücher zum Thema Anlagen gelesen, dann wissen sie, dass wir mit Fintool nicht Unähnliches vorhaben – einfach über andere Kanäle. Wenn sie keines der Bücher haben, schicken Sie mir Ihre Adresse – Sie kriegen dann eins.
      Freundliche Grüsse
      Erwin Heri

    • Es liegt mir fern, Ihnen persönlich nahe zu treten, Herr Heri. Allerdings ist ein gutes halbes Jahr nach landläufigem Verständnis auch noch nicht gleichbedeutend wie „eine „Weile her“…
      (vgl. HR Kt. Zürich, Streichung als VRP der VALARTIS BANK AG per 16.10.2013; oder HR Kt. Zug, VALARTIS GROUP, Streichung als VRP per 7.10.2013)

      Wer sich in der Branche etwas auskennt oder gar die Gelegenheit hatte, einen kurzen Blick in die internen Kontroll-Abläufe der VALARTIS BANK zu werfen, dem sträuben sich ganz einfach die Nackenhaare! Weiss der Teufel, wieso die FINMA (gibt’s die eigentlich noch?) hier nicht schon eingegriffen hat. Der olle Stenbolt war doch immerhin mal ein rotes Tuch…

    • @Sandra Niggli: Seien Sie etwas gnädig. Dem VR bei Valartis sind enge Grenzen gesetzt. Herr Stenbolt schaltet und waltet, wie’s ihm beliebt. Darum steht die Bank ja auch am Rande des Abgrunds.

  4. Sehr geehrter Herr Heri
    Was ist Ihre Botschaft? – Meinen Sie, dass mit mehr Finanzausbildung eine Verhaltensänderung erzielt wird? Wenn ja, beim wem? Meinen Sie, dass mehr Finanzausbildung das „Giersyndrom“ und allenfalls kriminelle Rest-Energie einzelner Finanzplatzakteure beseitigt? Meinen Sie, dass der nicht aufgeklärte (dumme?!) Kunde die Finanzkrise mit-verursacht habe? Meinen Sie, dass aufgeklärte Kunden, die die Finanzabläufe und Finanzprodukte rein analytisch nachvollziehen sich anders verhalten würden? Meinen Sie, dass mit Aufklärung die nächste Finanzkrise verhindert oder gemindert werden könne?
    Ich lese aus Ihrem Bericht direkt keine Botschaft und keine Absicht. Eine Klärung wäre wertvoll. Besten Dank.

    Freundliche Grüsse
    Mathis

    • Viele Fragen, Herr Mathis,
      lassen Sie mich versuchen, einige Antworten zu geben.
      Ja, ich glaube, dass sich bei vielen Anlegern Verhaltensänderungen ergeben, wenn sie mehr über die Funktionsmechanismen an den Märkten wissen.
      Kriminelle Energie gehört in einen anderen Fragenkomplex. Keineswegs glaube ich, dass der Kleinanleger der Auslöser der Krise war. Allerdings hätte besseres Verständnis für das Verhältnis zwischen Risiko und (erträumtem) Ertrag einige vor grossem Schaden bewahren können – das gilt aber nicht nur für Kleinanleger! Mit Aufklärung wird sich auch die nächste Krise nicht verhindern lassen. Dazu empfehle ich Ihnen einen hervorragenden Artikel zu Finanzkrisen im neuesten ECONOMIST. Echt lesenswert.

  5. Sehr geehrter Herr Professor Heri,

    Weder römisches Recht noch doppelte Buchhaltung und Bilanzierung sowie die aus beiden abgeleiteten Verhaltensregeln für die gesamte Menschheit der westlichen Welt können einer gründlichen Prüfung bestehen.

    Denkweisen des Altertums (Sklavenwirtschaft auf der Basis der Rechtsordnung) ebenso wie mittelalterliche Hütchenspiele der oberitalienischen Kaufleute (Verschleierung echter Geldflüsse durch „doppelte Buchungen“ unter Vernachlässigung der Identität von Zahlungsmitteln sowie involvierten Personen) werden heute in autoritären Bildungsinstitutionen unter Notendruck jungen Menschen als Weltbild aufgezwungen; so wirken heute Schulen und Hochschulen als Gehirnwäsche-Institutionen.

    Was ist von diesem Projekt zu halten?

    Eine „wissenschaftliche“ Disziplin, in der als oberstes dogmatisches Ziel die individuelle Bereicherung als Selbstzweck verkündet wurde (die sogenannten Wirtschaftswissenschaften), kann schon aus rein logischen Gründen keine nennenswerten Beiträge zum Gemeinschaftsnutzen mehr erbringen. In diesem akademischen Umfeld wurde und wird seit Jahrzehnten finanzielle Abhängigkeit von Geldgebern jedweder Art
    dankbar und freudig akzeptiert. Im Gegenzug erfolgt der freiwillige Verzicht auf eine unabhängige Meinung als entscheidendes Merkmal der „wissenschaftlichen Eliten“ dieser Fachbereiche. Die Fähigkeit zum kritischen Denken wurde dadurch gezielt verlernt und kann an den einschlägigen Bildungsinstitutionen von diesen Personen daher auch nicht mehr gelehrt werden.

    Oder werden an Unis folgenden Fragen offen erörtert wie:

    1) Wieso verschuldet sich der Staat bei den Privatbanken, wenn doch in Wahrheit nur er selbst über das Monopol der Geldschöpfung, das er an die Zentral- und Geschäftsbanken delegierte, verfügt?

    2) Wieso verschuldet sich der Staat überhaupt?

    3) Wieso zahlt der Staat für seine Schulden auch noch Zinsen?

    Und der Laie – durchschnittlich geschulter Mensch wird hinters Licht geführt, schon wenn man ihm vorgaukelt er „muss“ jeden Monat in Rentensysteme einzahlen die wie im Falle der Pensionskassen auf Ponzi Schema ähnlichen Konstruktionen aufbauen.

    Die Lücke an Unwissenheit der breiten Bevölkerungsschichten über diese strukturellen Zusammenhänge sollte geschlossen werden, – und sollte auch das Hauptanliegen, – der Grundausbildung in Finanzfragen sein.

    Freundliche Grüsse
    Zerschlagung!

  6. Grundausbildung in Finanzfragen … Financial Literacy … Sollten wir da nicht bei einigen ominösen „Experten“ anfangen?
    Nehmen wir doch jemanden der auch Verantwortung(?) hat in Ausbildungsfragen,
    z.B. Marco Curti: Verwaltungsrat der AZEK, ex CIO der ZKB:

    Am 15.9.2008 (!) im Cash Daily: „Wie geht es mit dem SMI weiter?“
    Marco Curti: „… ich gehe davon aus, dass es jetzt leicht nach oben geht, jedoch unter hohen Schwankungen. Kurzfristig dürfte auch die offenbar bevorstehende Rettung von Lehman Brothers für eine Entspannung sorgen.“
    Kein einmaliger sorgloser Ausrutscher. Es wäre müssig in diesem Kontext noch mehr Beispiele zu bringen. Es reicht zu wissen, dass der fast grenzenlose, an Charlatanerie grenzende oberflächliche Optimismus System hat:
    Marco Curti im Cash TV Interview vom 1.2.2010
    „Generell bin ich in meinem gesamten Leben eher optimistisch eingestellt, auch als … hö ehm … homo oeconomicus, ich gehe davon aus dass normal funktionierende Marktwirtschaften ein Trend haben zum Wachstum, ein Trend haben zu einem Gleichgewicht. Insofern bin ich auch an der Börse eher bullish eingestellt als bearish“.

    Kein Wunder, dass er auch in Talkshows immer wieder offen verspottet wurde (z.B. Rene Zeyer bei TV Züri).

    Dass ein solcher Mann heute noch als Verwaltungsratsmitglied der AZEK toleriert wird ist erstaunlich.

    Erstaunlich auch, dass der Chef GD Dr. Philipp Halbherr das so lange toleriert hat. Halbherr im Übrigen selber auch in verantwortungsvollem Posten beim Swiss Finance Institute und am Finanzinstitut der Uni Zürich. Beides Institute die uns in Financefragen „belehren“ wollen, … in dieses Wespennest stechen wir dann vielleicht ein anderes Mal ….

  7. Guten Tag,

    Sie schreiben: Zitat:

    „Deswegen ist eine verbesserte Ausbildung breiter Bevölkerungsschichten in Geld- und Finanzfragen nicht nur eine notwendige Bedingung für das Wiedererlangen eines glaubwürdigen Finanzsektors, sondern geradezu ein gesellschaftspolitisches Thema. An vielen Orten wird zum Thema “Financial Literacy” geforscht, und es wird intensiv darüber nachgedacht, ab welcher Schulstufe – wenn überhaupt – Wirtschaftsthemen und/oder Kenntnisse in Geld- und Finanzfragen in die Lehrpläne aufgenommen werden sollten. Ohne Zweifel werden aus diesen Überlegungen über kurz oder lang intelligente Projekte entstehen. Nur dauert das alles ein bisschen lange.“

    Zitat Ende.

    Leider sieht die Realität so aus, dass vorgelegte Diplome und andere Bildungsnachweise nichts über die Kompetenz sagen! Die sogenannten Experten wurden und werden durch die vom Geldmonopol gesteuerten Bildungseinrichtungen niemels objektiv ausgebildet.

    Der Versuch, (wenn er der lückenlosen Aufklärung dient), ist lobenswert, wenn er dem „Normal Bürger“ vermittelt, dass dieses Zinssystem ganz klar zu massiven Kapitalumverteilungen führt, was man auch ohne Wirtschaftsstudium als ungerecht erkennen kann, denn die Zinserträge aus Kapitalvermögen sind ja grundsätzlich ohne jegliche Leistung des Eigentümers entstanden.

    Der weitaus grösste Teil der Menschen muss über den Konsumweg weit mehr Zinsanteile bezahlen, als er auf der anderen Seite an Guthabenzinsen erhält, falls dieser Teil überhaupt noch überhaupt über Sparvermögen verfügt.

    Die Instrumente dieser Geldwelt, – auf den sogennanten Märkte,- sind u.a. Hedgefonds, Optionsscheine, Private Equity, Zertifikate usw. Letzlich handelt es sich bei diesen Kapitalanlagenformen um Wetten auf Preisentwicklungen von Geld, Aktien und Waren. Diese zurzeit sehr massiv stattfindenden Spielarten des Geldsystems sind extreme Warnsignale für gewaltige Umbrüche einer Finanzära, die sehr schnell in einer Währungsreform enden könnte; eigentlich hätte es mathematisch schon vor 5 Jahren geschehen sollen.

    Wenn dieses Grundwissen und Infos, nur ansatzweise, vermittelt werden ist dieses Projekt eine positive Ausnahme.

    Mit freundlichen Grüssen
    Albert Schweitzer

  8. Sehr geehrter Herr Heri
    Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

    Die dramatischen Verfehlungen unseres Bildungssystems (Uni und FH inkl.) sind offenbar gewollt, oder wie will man sonst diese forcierte Zerstörung unseres einzigen Rohstoffs erklären?.

    In unserer Gesellschaft werden wir in einer künstlich geschaffenen Dualität gehalten und das funktioniert bei nicht denkenden Menschen sehr gut im Interesse des Systems. Die gemeinten Personen sind nicht dumm, sondern eher systemverstrahlt.

    Vor ein paar Wochen hatte ich ein wunderbares Gespräch mit einem alten Herrn. Sein Geist, sein Wissen und die Art der hochwertigen Kommunikation beeindruckten mich tief. Allein sein aufgeräumter Sachverstand zu den Themen Geschichte und Kultur waren gewaltig. Er zitierte Platon aber auch Goethe oder Schiller aus dem Stehgreif. Nach diesem langen für mich äußerst angenehmen Gespräch fragte ich diesen Herrn nach seinem Beruf. Seine Antwort verblüffte mich im ersten Impuls. Er war ein Landwirt und erzählte mir mit Stolz, dass er die mittlere Reife vor seiner Ausbildung absolvierte, nicht ohne hinzuzufügen, dass in seiner Jugend die Bildungssysteme noch diesen Namen verdienten. Mir schossen bei seinen Worten viele Gedanken durch den Kopf. Ich dachte an Unterhaltungen mit heutigen Abiturienten, die „den Faust“ nur zuordnen können, wenn ein entsprechender „Leistungskurs“ gewählt wurde.

    Die Dramatik geht bei normativen Wissenschaften wie die Wirtschaftswissenschaft oder Rechtswissenschaften, sind aus meiner Sicht keine Wissenschaft, sondern eine Ideologie oder Religion, die klare umverteilungspolitische Ziele zu verfolgen hat!

    In den volkswirtschaftlichen Fakultäten werden derweil die zukünftigen Wirtschaftsexperten mit einem gigantischen Volumen an Marktmodellen, Wirtschaftskreisläufen, Angebot-, Nachfrage- und Wettbewerbssituationen malträtiert, aber das Geldsystem wird dagegen mehr oder weniger nebenbei als „schlichtes Tauschmittel“ abgehandelt.

    Bis heute ist die offizielle Wirtschaftswissenschaft nicht in der Lage ein ökonomisch nachhaltiges Grundsystem zu präsentieren, aus deren Lehre man eine sinnhafte Verhaltensweise der Wirtschaftsteilnehmer ableiten könnte.

    Mit freundlichen Grüssen
    Neuordnung

  9. Ich finde es ausgezeichnet, dass Erwin Heri, das Thema aufgreift. Klar hat sich die Finanzindustrie hier nicht immer mit Lorbeeren bekleckert, ich bin jedoch erstaunt wie wenig viele Anlager überhaupt das Bedürfnis haben zu verstehen wie die Märkte funktionieren. Blind zu vertrauen errachte ich praktisch immer als naiv und fahrlässig, nicht nur im Börsenbereich. Ein Beispiel: An der Fondmesse 2014 hat Erwin Heri längere Zeit über „Financial Literacy“ gesprochen und aufgezeigt, dass es nicht darum geht irgendwelche Tipps zu erhaschen sondern die Funktionsweise Märkte zu verstehen. Die einzige Frage am Schluss aus dem Publikum: „Wie werden die Emerging Markets performen?“ Ich war etwas konsterniert! Ich hoffe sehr, dass Sie Herr Heri mit fintool die Leute erreichen!

  10. @Erwin Heri

    Lieber Erwin

    Es freut mich sehr, Dich hier auf Inside Paradeplatz wieder zu treffen. Wir haben ja zusammen studiert, Grümpelturniere bestritten usw.

    Du schreibst u.a.

    Zitat:

    „…es wird auf die wildesten Träume und Finanzscharlatanerie hereingefallen…“

    oder

    „…ungewollter und unverstandener Verschuldungssituationen…“

    oder

    „… Irgendeinmal werden wir erkennen, dass ein Minimum an Grundwissen in Wirtschafts-, Geld- und Finanzfragen zum Rüstzeug gehört…“

    usw.

    Ich kann Dir nur Recht geben.

    Aber wie kann man von der breiten Bevölkerungsschicht erwarten, dass sie sich in Finanzfragen auskennt, wenn selbst auf höchster Stufe die unglaublichsten Irrtümer verbreitet werden.

    Wenn z.B. eine Nationalbank behauptet, sie könne „Geld aus dem Nichts“ schaffen, so ist das genau „Finanzscharlatanerie“. Und wenn sich der Bundesrat und das Parlament dieser Argumentation anschliessen, so zeigt das die unverstandene Verschuldungssituation unserer Nationalbank.

    Auch sind die Universitäten nicht unschuldig. Sie sind teilweise unterminiert durch die Nationalbank: Wer die Nationalbank lobt, dem winkt ein lukrativer Job bei oder im direkten Umfeld der SNB. Wer die SNB kritisiert, der ist „weg vom Fenster“.

    Wie heisst es: „Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken“.

    Genauso verhält es sich in Wirtschafts-, Geld- und Finanzfragen: Zuerst müssen die Universitäten, die Nationalbank, die Politiker und Medien einmal kritisch hinterfragen, was sie tagtäglich an Finanzscharlatanerie verbreiten.

    Natürlich ist die Bevölkerung verwirrt.

    Viele Grüsse

    Marc