Swisspartners: „King of Wrapper“ kriegt US-Deal

Martin Egli war gross im Policen-Schwarzgeld – Freikauf durch Kundenverrat – Swiss Banking sieht uralt aus.

Im Schatten der CS-Krise zieht die kleine Swisspartners ihren Kopf aus der US-Steuerschlinge. Am Wochenende wurde bekannt, dass der Zürcher Assetmanager mit 4 Millionen Dollar davonkommt.

Der Deal zeigt zweierlei. Erstens: Es geht nicht um Gerechtigkeit, sondern nur um die Ziele der USA. Zweitens: 106 Schweizer Banken, die sich schuldig bekennen, sind die Deppen im Umzug.

Mit den Swisspartners lassen die Amerikaner nicht etwa kleine Würstchen springen. Die Firma hat es im Steuergeschäft faustdick hinter den Ohren.

Zur Swisspartners-Gruppe gehören zwei Versicherungen; eine mit Sitz in Vaduz, eine auf den Cayman Islands in der Karibik.

Über die beiden Gesellschaften war die Swisspartners gross im Wrapper-Business. Gemeint sind Lebensversicherungen, welche Wertpapiere, die bei einer Bank liegen, „umhüllen“.

Der Trick der Wrapper war, dass während der Laufzeit von beispielsweise 10 Jahren die Erträge formell nicht dem Kunden, sondern dem Anbieter der Struktur gehörten; also dem Versicherer.

So wurde die Verjährung erreicht. Wenn das Vermögen mit den thesaurierten, sprich aufgelaufenen, Erträgen dann dem Kunden zurückbezahlt wurde, war es frei von allfälligen Altlasten.

Die Wrapper sind seit langem ein grosses Thema im Ausland-Feldzug gegen das Schweizer Schwarzgeld. Kürzlich sind als nächste Eskalationsstufe die Lebensversicherer ins Visier geraten.

Die Wrapper der Swisspartners sind im März 2008 auf dem Radarschirm aufgetaucht. Damals erfolgte mit der Zumwinkel-Affäre – dem Liechtensteiner Schwarzgeld des Ex-Postchefs Deutschlands – der Startschuss im Schwarzgeld-Crash.

Die „Wirtschaftswoche“ berichtete vom Schweizer Whistleblower Rudolf Elmer, der die Swisspartners beschuldigen würde. (Gemäss Wikileaks handelt es sich um einen „falschen“ Eintrag.)

Laut Swisspartners-Chef Martin Egli würden Elmers Vorwürfe „jeglicher Grundlage“ entbehren, schrieb das Magazin damals. Swisspartners, so die „Wirtschaftswoche“ mit Bezug auf Egli, habe sich an sämtliche „steuerliche und aufsichtsrechtliche Bestimmungen“ gehalten.

6 Jahre später zeigen Egli und seine Swisspartners grosse Reue. Egli & Co. machten in Washington einen Bückling wie noch kaum ein Institut im laufenden Steuerkrieg zuvor.

„The extraordinary cooperation of Swisspartners has enabled us to identify U.S. tax cheats who have hidden behind phony offshore trusts and foundations“, jubilierte die Nummer 2 im US-Justizamt, James Cole.

Über 100 US-Kunden wurden von Eglis Swisspartners offengelegt. Der Deal wurde von den USA als starker Wink mit dem Zaunpfahl genutzt.

„As today’s announcement shows, we receive information about U.S. taxpayers with undisclosed accounts from many sources, some of which are not public“, doppelte Cole’s Steuerchefin Kathryn Keneally nach. „For many accountholders, the time to come forward voluntarily to avoid criminal prosecution has run out.“

Martin Egli, ein Bigshot der Zürcher Finanzszene, der bisher erfolgreich im Versteckten operieren konnte, war wenig heilig, um sich und seine Swisspartners vor US-Strafverfolgung zu retten.

Das Nachspiel in der Schweiz wegen allfälligen Gesetzesverletzungen nehmen Egli und seine Mitstreiter offensichtlich in Kauf.

Laut NZZ hat der eidgenössische Datenschützer schwere Vorbehalte gegen die Datenlieferung. Diese könnte gegen Schweizer Gesetze verstossen.

Als Vermögensverwalterin untersteht die Swisspartners nicht dem Bankgeheimnis. Sie muss aber andere Vorschriften wie das Spionageverbot und den Datenschutz beachten.

Ein Sprecher der Swisspartners-Mehrheitsaktionärin, der Liechtensteinischen Landesbank (LLB), verwies auf die Einhaltung aller Gesetze.

„Die Kooperation mit den US-Behörden und die Datenübermittlung erfolgte im Rahmen der gesetzlichen Rahmenbedingungen und gestützt auf anwaltliche Beratungen aus der Schweiz und den USA“, meint Cyrill Sele.

Helvetiens Datenschützer hat bisher nie durchgegriffen. Die Gefahr, dass Egli und seine Swisspartners nun in der Schweiz an die Kasse kommen, ist klein.

Und wenn schon: Ein Urteil im Inland wäre ein tiefer Preis im Vergleich zum Freipass des mächtigen und gefährlichen US-Justizamts.

Somit steht ausgerechnet Egli, der mit seinen Wrapper ein besonders umstrittenes Steuerprodukt vertrieben hatte, als cleverer Sieger da.

Die Gelackmeierten sind die vielen Schweizer Banken in der Kategorie 2 des US-Ablassprogramms. Sie müssen bis zu 50 Prozent der US-Vermögen abliefern.

Ob ihre Mitarbeiter danach frei reisen können, bleibt abzuwarten.

Bei der Swisspartners ist das offenbar geklärt. Man habe die Freiheit der Vermögensberater gegenüber den USA thematisiert, meinte der LLB-Sprecher gestern.

Wer seine Kunden verrät, der ist fein raus – so die Lehre aus dem Kapitel Swisspartners.

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18 Kommentare zu “Swisspartners: „King of Wrapper“ kriegt US-Deal

  1. Martin Egli = bigshot? Na ja. Zumindest beim lustigen „Kunden-Verpfeifen“ sind er und seine Angsthasen-Kollegen Moser, Rockstroh und Konsorten bestimmt Weltspitze. Was für Helden!

  2. @ueli meier,

    Sie schreiben Zitat:

    trauern sie doch nicht immer dem bankgeheimnis nach. die politik hat es weggewischt…. und dem druck der bankrotten staaten nicht standgehalten.

    Zitat Ende.

    Ignoranz pur! Ihre ist eine Bankrotterklärung!

    Punkt 1: Das Bankgeheimnis wurde von der arroganten und ignoranten Bankiervereinigung zerstört, welches in ihrem verbrecherischen Wahn die Schweiz als Nation in starker Mitleidenschaft gezogen hat. Die Konsequenzen sind noch nicht abschätzbar, und bestimmt, werden sie über den Bankensektor hinausgehen.

    Punkt 2: Bankrotten Staaten. Vielleicht wissen Sie das wir in einem Schuldgeldsystem leben.

    Die mahnenden Worte aus Medien und Politik, wir hätten über unsere Verhältnisse gelebt, wir müssten den Gürtel enger schnallen und wir würden zukünftigen Generationen Schulden hinterlassen (ihre Bankrotten-Staaten), müssen ein für alle Mal als absurde Lügen bloßgestellt und korrigiert werden. Wenn bei diesen Ermahnungen mit „wir“ wirklich wir alle gemeint sind, dann haben wir Schulden bei uns selbst – bezahlen deshalb Zinsen an uns selbst – und kassieren dafür Steuern von uns selbst. Dieses Nullsummenspiel gilt nicht nur für Steuern und Zinsen, sondern auch für eventuelle Rückzahlungen.

    Ein Beispiel soll dies verdeutlichen:

    Großinvestor Y hat ein Vermögen von drei Milliarden CHF: eine Milliarde auf dem Bankkonto, eine in Sachwerten und eine schuldet ihm der Staat, da Y einst für eine Milliarde CHF Staatsanleihen kaufte. Durch dieses Darlehen an den Staat ist er dessen Gläubiger. Als Steuerzahler ist er gleichzeitig aber auch selbst der Bürge für den Staat. Der Staat erhebt nun, um an das Geld für die Rückzahlung seiner Schulden zu kommen, beispielsweise eine Vermögenssteuer, bekommt dadurch eine Milliarde CHF von Y Bankkonto und zahlt damit seine Schulden an ihn zurück. Y Kontostand beträgt nun wieder eine Milliarde, seine Sachwerte sind auch noch da, aber seine Staatsanleihen sind verschwunden und mit ihnen die Schulden des Staates.

    Was technisch sehr logisch und einfach klingt, ist lediglich politisch schwierig, denn die Vermögen sind wie erwähnt äußerst ungleich verteilt. Das ist das Problem, welches die ganze Problematik auslöst.

    Fazit: Bevor Sie unreflektiert Politikern und Bankrotten-Staaten die Schuld zuweisen, um eine Bankrott – Argumentation aufzubauen; denken Sie über die Zusammenhänge nach, wer weiss, Sie könnten auf hochinteressanten Erkenntnissen stossen.

    • A propos hochinteressante Erkenntnisse. Doch noch eine Frage:

      Wenn ich 3 Mia. Vermögen habe, wieso genau sollte ich 1 Mia. dem Staat abgeben?

    • @Schorch,beziehen Sie sich auf die Höhe der Steuerbelastung? 1/3?

      Die Staatsschulden sind Kredite, welche sich der Staat bei Vermögenden besorgt. Diese Forderungen gegen den Staat werden die Vermögenden nicht mit ins Grab nehmen, sondern an ihre Erben (überwiegend steuerfrei!) weiterreichen. Diese Erben profitieren also von den Staatsschulden und können von den Zinseinnahmen sorgenfrei leben. Gekniffen sind die Erben mitteloser Bürger, diese dürfen mit ihren Steuern die Staatsschulden und damit die Einnahmen der reichen Erben bezahlen. Nicht alt gegen jung, sondern arm gegen reich ist das Problem.

      Es geht hierbei, nicht um Feinbildern! Wichtig: Sie müssen Regierung, Staat und Politikern getrennt betrachten! Wenn man mit Politiker Versagen und Bankrotten-Staaten argumentiert, sollte man zumindest intellektuel ehrlich sein, und hinzufügen, dass es sich um populistisches Geplapper handelt; UNS DASS IST EINER DER GRÖSSTEN PROBLEMEN IN UNSEREM LAND.

  3. Zitat Artikel:

    Wer seine Kunden verrät, der ist fein raus – so die Lehre aus dem Kapitel Swisspartners.

    Zitat Ende.

    Am Beispiel dieses Falles sieht man deutlich, dass die verantwortlichen Konzerne (Versicherungsbranche) und Politiker den kommenden Zusammenbruch ihrer Systeme bereits erwarten, denn die dafür erforderlichen Gesetze existieren schon heute, um so etwas zu verbieten.

    Ich gehe davon aus, dass wir etwas in der Versicherungsindustrie erleben werden, welches die Bankenproblematik in den Schatten stellen wird. Dass damit zum Teil rückwirkend in vertraglich garantierte Leistungen eingegriffen werden kann (siehe u.a. Kürzungen in PK), ist neben den rechtswidrigen Rettungspaketen für bankrotte Staaten und Banken (UBS) ein weiterer Beweis dafür, dass unser angeblicher „Rechtsstaat“ längst abgeschafft wurde und Rechtssicherheit nicht mehr besteht.

    Mit freundlichen Grüssen
    Albert Schweitzer

  4. Die Swisspartners kann sich bereits freuen auf die zahlreichen zivilrechtlichen Verfahren der unversteuerten Kunden unter den 110. Ich bin überzeugt, dass einzelne der unversteuerten Kunden Klage einreichne werden. Oliencoff lässt grüssen!

    • In der CH ist das Verletzen des Bank- und Versicherungsgeheimnis inzwischen ein Kavaliersdelikt.
      Ob dies die Bahamas und Liechtenstein mit den Versicherungs-Töchtern ebensfalls so sehen sei mal offen in den Raum gestellt.

    • von diesen 110 kunden werden nur sehr wenige wenn überhaupt einer klagen. warum sollten sie auch. die daten sind eh raus. bei 110 kunden und einer zahlung von 4.40 mio usd scheint es auch so zu sein, dass es sich vor allem um kleine kunden gehandelt hat und die werden ganz sicher nicht klagen. also kein problem für die swisspartners. trauern sie doch nicht immer dem bankgeheimnis nach. die politik hat es weggewischt…. und dem druck der bankrotten staaten nicht standgehalten.

  5. Ich kann mich noch sehr genau erinnern wie der Volkszorn über die gesteuerte Kampagne gegen den „Verräter“ Rudolf Elmer eskalierte. Das man ihn nicht noch aufknüpfen wollte ist gerade noch mal gut gegangen. Rudolf Elmer hat in allen Analysen Recht behalten und er hat die Wahrheit gesagt , nicht die „feinen Damen und Herren „der Finanz- und Medienwelt. Da wurde gelogen das sich die Balken biegen. Bis heute muss er um seine Reputation kämpfen. Er ist wirtschaftlich am Ende, aber die, die gelogen haben sind reich. Das ist ungerecht.Rudolf Elmer gehört auch wirtschaftlich entschädigt, denn er hat der Schweiz gutes getan. Er hat der Welt gezeigt das in der Schweiz auch viele gute Menschen leben die ihre Seele nicht nur dem Geld hinterher geworfen haben und für etwas mehr Gerechtigkeit auf der Welt einstehen.

    • rudolf elmer ist nichts als gemein, der sich selbst bereichern wollte. kann bitte mal jemand checken, ob dieser beitrag von rudolf elmer selbst unter falschem pseudoynm veröffentlicht wurde?

    • Lieber Herr Weisskopf, Jürgen Beck ist nicht mein Psyeudonym, Jürgen Beck ist eine reale Person soviel mir bekannt ist. Zu Ihrem Vorwurf der Bereicherung kann ich Ihnen nur sagen, dass mir seitens Kunden und der Bank Julius Bär Millionen von Franken offeriert wurden, um mein Schweigen zu erkaufen und ich die Offerten konsequent abgelehnte. Ich bin sogar in die Schweiz zurückgekehrt, um mich den Gerichtsverfahren zu stellen und den Schweizer/in zu zeigen, wie moralisch korrupt gewisse Banker und gewisse Strafverfolger und Richter sind. Viele unsere Banker und viele unsere Strafverfolger und Richter sind redliche Menschen, aber es gibt ein paar Ausnahmen, denen ich begegnet bin. Diese kennenzulernen, darauf hat unsere Gesellschaft ein Anrecht. Solche amoralischen und unethischen Menschen sind verantwortlich dafür, dass der Finanzplatz schwer belastet wird und der Ruf der Schweiz leidet. Vielleicht hilft Ihnen dies Herr Weisskopf, mich zu verstehen!

    • In jedem normalen Land würden Leute wie Elmer auf Jahrzehnte hinter Gitter wandern – und zwar wegen wirtschaftlichem Nachrichtendienst… Und das wäre noch die nette Variante.

  6. Es birkenfeldert immer häufiger, da es sich rechnet den Judas-Lohn einzufordern. Bei Swiss Partners war vom Weg des geringsten Widerstandes auszugehen, da der Laden inzwischen dicht gemacht, bzw. an die Mutter zurückverkauft wurde.

    Dass mit diesem Schritt die CS in die Bedrouille schlittert interessiert momentan keine Sau.

  7. Zur Doppelmoral:
    Zitat aus obigem Artikel:
    „Swisspartners, so die “Wirtschaftswoche” mit Bezug auf Egli, habe sich an sämtliche “steuerliche und aufsichtsrechtliche Bestimmungen” gehalten.“

    Auf der Homepage von Swisspartners alsdann zu lesen:
    „Unternehmerische Verantwortung
    Als grösster unabhängiger schweizerischer Vermögensverwalter sind wir der Ansicht, eine Vorbildfunktion innerhalb unserer Branche wahrnehmen zu müssen. Verantwortungsvolles Handeln im Finanzgeschäft, als Arbeitgeber und gegenüber der Gesellschaft ist die Basis unseres unternehmerischen Wirkens und gleichzeitig der Grundstein für unseren Erfolg.“

    http://www.swisspartners.com/structure/de/group-unternehmerische-verantwortung.php

    Schön zu lesen wie sich die Gesellschaft edlen Werten verpflichtet fühlt…

  8. Eine Schande, dass eine solche Firma überhaupt das Wort „Swiss“ in ihrem Namen tragen darf. Da sollte die Eidgenossenschaft künftig auch etwas besser schauen, was für Firmen dieses Wort verwenden dürfen, bevor wir im Duden damit als Synonym für Wirtschaftstricks landen.

    • @scary…
      Noch nicht gemerkt, daß die „Eidgenossenschaft“ schon seit geraumer Zeit dabei ist, sich selbst zu diskreditieren?
      Woher kommen die derzeit fast 50 Steuerdiscs
      in Deutschland?
      Das brave Bild von Alpenglühen und Emmentaler
      wird nicht mehr positiv gesehen.