Bei Vontobel läuft im Private Banking null&nix

Stillstand beim Neugeld, während Bär und Grossbanken zulegen – Stars auf Payroll kosten, ohne zu liefern.

Die Zürcher Privatbank Vontobel hätte alle Trümpfe in der Hand: Solidität dank Familie, Vertrauen dank kleiner Grösse, Stabilität dank langjährigem Management.

Doch statt die Vorteile zu nutzen, versinkt die Bank im Dornröschenschlaf. Julius Bär zog grössenmässig längst auf und davon, die beiden Grossbanken sind weiterhin Vermögensmagnete.

Und Vontobel? Dort läuft in der Paradesparte Private Banking nichts. An der Gotthardstrasse etwas abseits vom emsigen Paradeplatz herrscht der grosse Stillstand.

Dieser manifestiert sich an einer einzigen Zahl, die wie eine unglückliche Chiffre über dem ganzen Unternehmen hängt: 0,7 Milliarden.

So wenig frische Vermögen reicher Kunden haben die Zürcher in der langen Zeit von Januar bis Juni an Land gezogen. Es ist bei Lichte betrachtet – nichts.

Mit diesem Rinnsal verharrt die Bank mit dem klangvollen Namen, der wie gemacht wäre für einen steten Aufstieg im Geschäft mit dem Managen von Privatkundenvermögen, bei gut 30 Milliarden verwalteten Assets.

Lokalkonkurrentin Julius Bär und das Genfer Aushängeschild Pictet haben ein Vielfaches davon, auch die völlig neu aufgestellte Basler Safra Sarasin ist im Private Banking deutlich grösser.

Was ist los mit der Bank Vontobel? Warum gelingt ihr kein Wachstum im prestigeträchtigen und konservativen Private Banking?

Die Antwort ist so einfach, wie sie banal klingt: It’s the people, stupid.

Der Chef der Vontobel-Bank heisst Zeno Staub, ein Banker, der vom Äusseren her wohltuend anders ist als viele seiner eitlen Counterparts.

Staub ist studiert, witzig, loyal. Er fährt keine teuren Schlitten, sondern liebt das Kochen zuhause mit seiner Frau.

Ein Mann, wie gemacht für eine Bank namens Vontobel – denkt man.

Der Eindruck täuscht. Staub liefert nicht. Er stagniert. Weil er auf die falschen Pferde setzt.

Im Private Banking hat er vor einiger Zeit den Chef ausgewechselt. Statt einem ausgewiesenen Private Banker zu vertrauen hat er mit Georg Schubiger einen Operations-Manager von einer Skandinavien-Bank installiert.

Schubiger hat Prozesse etabliert, Köpfe ausgewechselt, den Gewinn stabilisiert. Gleichzeitig sind gute Leute wie Duri Prader als Chef Private Banking Schweiz abgesprungen.

Die Neuen, die Schubiger geholt hat, haben bisher vor allem eines gebracht: zusätzliche Kosten auf der Payroll.

Stellvertretend für eine ganze Generation frisch verpflichteter Seniors steht Jean-Pierre Stillhart, ein Ex-UBS-Berater, der in der Finanzkrise zur Bank Rothschild gewechselt hatte und nun seit bald 2 Jahren für Vontobel aktiv ist.

Stillhart performt nicht. Er hat zwar grosse Versprechen gemacht, doch diese bisher nicht erfüllt. Seine Sportler-Beziehungen brachten der Vontobel-Bank kaum etwas.

Ein Muster scheint sich zu wiederholen. Als bei der UBS die Luft dünn wurde, wechselte Stillhart zur Bank des Barons mit dem klangvollen Namen.

Als dort 5 Jahre um waren – damals wurden im Schweizer Private Banking oft fixe Boni für diese Zeitspanne zugesichert –, zog Stillhart wie ein Reisläufer ein Haus weiter.

Bei Rothschild hiess es offiziell stets, dass Stillhart gut gearbeitet habe und man seinen Weggang bedauern würde. Auch bei Vontobel ist offiziell nichts Negatives zu hören.

Doch hinter den Kulissen sieht es anders aus. Die Kundengelder, auf die man bei der Familienbank seit der Verpflichtung Stillharts gehofft hatte, sind weitgehend ausgeblieben.

Stillhart ist einer von vielen „Stars“, die Vontobel an Bord geholt hat. Es stellt sich die Frage, ob die Strategie der Bank Vontobel, im Private Banking mit Einzel- und Teamtransfers endlich vorwärtszukommen, aufgehen wird.

Chef Zeno Staub kündigte vor genau 2 Jahren an, mit 600 Millionen in der Kriegskasse auf Akquisitionstour zu gehen. Vor einem Jahr sagte Staub dann als Erster, dass wegen dem US-Steuerkonflikt etwa ein Drittel der Schweizer Banken die Lichter löschen würde.

Staub hat früher als andere helvetische Banken-CEOs erkannt, was es geschlagen hat. Genutzt hat er seine Weitsicht nicht.

Bei allen Banken und Kundenbüchern, die in letzter Zeit auf den Markt gekommen sind, machte Vontobel Zweiter.

Morgan Stanley ging an die Basler Safra, HSBC an die Liechtensteiner LGT, BSI an die Brasilianer Pactual, Leumi an die Zürcher Bär, Valartis an die Genfer Cramer.

Als ein Topteam der ehemaligen Sal. Oppenheim weg von der neuen Mutter Deutsche Bank wollte, langte ebenfalls die Fürstenbank LGT zu, die Hyposwiss-Teile gingen an Ausländer.

Trotz der Pleiteserie hält Staub seinem Mann für die Akquisitionen die Stange. Claudio Frehner darf weiter alles prüfen, was zu kaufen wäre. Ob er jemals einen Kauf empfehlen wird?

Nun zerrinnt auch noch das viele schöne Akquisitionsgeld. Weil die Raiffeisen als wichtigste Kundin abspringt, kauft die Vontobel für 270 Millionen eigene Aktien der Genossenschaftsbank zurück.

Damit hat Zeno Staub nur noch gut 300 Millionen in seiner Kasse, um einen Konkurrenten zu erwerben oder Kundenvermögen in Form von Assetdeals zu übernehmen.

Statt die Prüfung von Deals seinen Untergebenen zu überlassen, müsste Staub das Steuer selbst in die Hand nehmen.

Das scheint gegen die Überzeugung des Vontobel-Chefs zu sein. Lieber lässt er seine Vertrauten ungestört schalten und walten.

Bei der Vontobel-Tochter Swiss Wealth Advisors hat sich Staubs Distanz gerächt.

Die Vermögensverwaltung für versteuerte US-Kunden war eine viel beachtete Erfolgsstory, trotzdem musste der Verantwortliche von Bord. Nun schart der neue Chef seine Buddies aus der Credit Suisse um sich.

Staubs fehlendes Feeling für die richtigen Leute könnte die Bank Vontobel teuer zu stehen kommen. Sie ist in eine Ergebnisflaute geraten.

Schuld daran ist der Einbruch im Investmentbanking, jener Paradesparte, die bisher stets die Schwächen des Private Bankings überdecken konnte.

Im ersten Halbjahr brach nun der Gewinn im Trading um 13 Prozent ein. Vor dem Hintergrund neuer Regulatorien und Skandale dürfte das erst der Anfang eines langen Rückgangs ein.

Um den Halbjahresgewinn zu halten, musste Zeno Staub in die „Trickkiste“ greifen. Er reduzierte die Rückstellungen um sage und schreibe 84 Prozent.

Für die Zukunft verspricht das nichts Gutes.

Kommentare

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  1. Stillstand, äääh Stillhart hat grosse Klappe und meint andere belehren zu müssen. Selbst etwas tun kennt er nicht.

  2. @Gretchen: Ihr Kommentar ist, enstschuldigen Sie bitte, völlig unqualifiziert. Ich selber musste bei Vontobel einen detaillierten Businessplan einreichen, der sehr genau geprüft und durchaus kritisch hinterfragt wurde. Nicht nur wurden realistische Neugeldziele vereinbart, auch die Ertragsseite wurde genau angeschaut.

  3. Meine Erfahrung ist, dass Vontobel an realistischen, bodenständigen Businessplänen von gestandenen Anlageberatern im Markt gar nicht interessiert ist. Sie stellen, wie die meisten anderen Banken auch, lieber Anlageberater aus dem Markt ein, die unrealistische (geschönte) Businesspläne bei ihrer Bewerbung präsentieren. Der Bewerber kann ja alles sagen, wie er es will, die Vontobel kann es ja gar nicht nachprüfen bezüglich der Zahlen. So kosten die Jungs viel und bringen wenig. Schade für all die Performer in der Vontobel Bank. Diese müssen die neuen Blender dann nämlich durchfüttern mit ihren Erträgen.

  4. Swiss Private Banking meets „anything goes“? Wer vergleicht schon ernsthaft Vonti mit Baer? Ist wie Sprüngli vs. Toblerone, oder etwa nicht?

  5. Ob die Entscheidung von Vontobel, bei Akquisitionen zurückshaltend zu sein, richtig oder falsch ist: Das wird erst die Zeit zeigen. Tatsache ist, dass heute keine wirklich unproblematische Assets zu günstigen Preisen auf dem Markt sind.
    Was ich als Problem sehe, ist dass Vontobel offenbar immer noch auf vermeindliche Wunder-Akquisiteure setzt, die das Blaue vom Himmel versprechen aber nichts liefern (können). Das ist aber immer noch eine Branchenkrankheit, obwohl es eigentlich doch jeder besser weiss.

    • …viele untaugliche Akquise-Rezepte bei den Private Banker und Wealth Manager. Ganz klar
      der ROE Return On Energy bestimmt die Kosten für NNM New Net Money. Einfach RM / KB loszuschicken – gerade in D – ist enorm kostspielig. Zudem waren die Mitbewerber auch schon da. Auch VONT kommt in D mit deren Aktivitäten eigentlich ungenügend voran. (seit 2010 auf dem shake hand – Radar)
      NB: Und weil jeder im Sommer dann mal ein Golf-Turnierli oder sonst ein Watch-The-Lake-Event organisiert, bleibt man eben unter sich und hofft auf etwas share of wallet plus…

    • @robusto: Inhaltlich ein wenig ‚robuster‘ Kommentar – sorry, try again.

  6. Vontobel hätte gute Voraussetzungen um sich erfolgreich im PB weiter zu entwickeln (sowohl organisch als auch mit Zukäufen). Für mich auch unverständlich wieso die Tiefschlaf verharren.

  7. Zeno Staub bedient tatsächlich nicht die Klischees des typischen Privatbanken-CEOs. Er überzeugt mit Sachverstand und verzichtet auf blinden Aktivismus. So gesehen handelt er aus meiner Sicht richtig: er verzichtet auf übereilte Akquisitionen, er setzt auf neue Technologien (deritrade) und er entwickelt das Private Banking konsequent in die richtige Richtung. Wollen wir doch mal abwarten und sehen, wer am Ende auf der Gewinnerseite stehen wird. Ich setze auf Vontobel.

  8. Wenigstens sind die Zahlen von Vontobel nachvollziehbar und nicht gleich in mehrfacher Hinsicht ‚adjusted‘. Das ist mir alleweil lieber als die frisierten Zahlen, die uns in den letzten Tagen von der Bahnhofstrassen-Fraktion serviert wurden.

    • wer lesen kann ist im vorteil!
      im gegensatz zur baeren-konkurrenz, welche immer ‚adjusted‘ figures zeigt, macht vontobel dies wenn es ihnen gerade passt und sie beschönigen müssen. hier ein paar beispiele aus der medienmitteilung:

      1) „Es resultiert eine normalisierte Eigenkapitalrendite von beachtlichen 13.3 Prozent.“
      => diese wäre die rendite wenn das CET1 bei 16% liegen würde, wie eine fussnote im geschäftsbericht enthüllt; in wahrheit war die ek-rendite bei mikrigen 9.0%

      2) „Bereinigt um einmalige Faktoren hat sich die operative Performance gegenüber dem ersten Halbjahr 2013 nochmals um 12 Prozent auf CHF 91.1 Millionen verbessert.“
      => als einmaleffekt werden u.a. Währungsverschiebungen genannt; als ob dies nicht ein kerngeschäft einer bank wäre…

      3) „Es resultiert ein Gewinn vor Steuern von CHF 36 Mio. bzw. von CHF 50 Mio. unter Ausklammerung des Spread-Effektes.“

  9. @Backtovalues: Interessanterweise ist meine Wahrnehmung eine ganz andere. Ich habe Georg Schubiger, den Leiter Vontobel Private Banking, verschiedentlich persönlich getroffen und hatte eigentlich nie den Eindruck, dass er den direkten Kundenkontakt nicht sucht.

  10. Der Neugeldzufluss im PB von CHF 0.7 Milliarden entspricht einer Wachstumsrate von 4.5 Prozent, wenn ich richtig nachgerechnet habe. Stillstand sieht anders aus. Warum die ANZ-Gelder nicht als Neugeld ausgewiesen worden sind, verstehe ich allerdings auch nicht. Dann sähe das Ganze doch noch einmal ganz anders aus. Vontobel-CEO Staub ist möglicherweise einfach nicht so unverschämt und selbstverliebt wie seine Peers. Das finde ich persönlich aber nicht unsympathisch.

  11. Leider werden Top Positionen durch McKinsey oder HSG Kreise belegt.
    Ein Head PB der sich weigert Kunde zu sehen, fehl am Platz. Leider wird das Werk der Familie Vontobel zerstoert….

    • …das Werk der Familie zerstört?
      Das passiert anderen Ortes leider genauso.