Espirito Santo: Schweiz-Tochter knöcheltief drin

Über 50% der Kundenassets lagen in Schuldpapieren der maroden Gruppe – Finma über Ex-Vize involviert.

Die Schweizer Banque Privée Espirito Santo ist viel tiefer in den Skandal der portugiesischen Mutter verwickelt als bisher vermutet. Diese kostet den Steuerzahler 5 Milliarden Euro.

Im Kern des vermuteten Grossbetrugs stehen Schuldpapiere der Espirito-Santo-Mutter. Diese wurden in Wertpapiere „verpackt“ und den Kunden als scheinbar sichere Werte ins Depot gelegt.

Bei der Schweizer Tochter sollen über 50 Prozent aller Kundenassets in solche Schuldscheine der Espirito-Mutter investiert worden sein, sagt eine Quelle.

Die Finanzmarktaufsicht gab gestern ein Ermittlungsverfahren gegen die Espirito Schweiz bekannt. Diese musste im Juli auf Geheiss der Finma alle guten Kunden notfallmässig verkaufen und den Konkurs einleiten.

Laut der Finma geht es bei den Ermittlungen um den Vertrieb von Finanzprodukten. Die Espirito Schweiz bleibt der Aufsicht bis zum Ende ihrer Liquidation unterstellt.

Mitten drin steckt mit Jean-Baptiste Zufferey ein Finma-Schwergewicht. Der Freiburger Professor prägte die letzten zwei Jahrzehnte der Finanzaufsicht.

Der Fall Espirito Santo wird damit auch zu einem Fall Finma.

Zufferey gehörte zum Verwaltungsrat der Espirito Schweiz und war ein Vertrauter von Espirito-Übervater Ricardo Salgado. Zufferey bleibt als Liquidator der Schweizer Espirito Santo weiter in der Verantwortung.

Gleichzeitig war Zufferey ein einflussreiches Mitglied in der Aufsicht. Er gehörte zum innersten Zirkel der Bankenaufsicht des Finanzplatzes.

Zufferey war bereits dabei, als die Finma noch die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) war. Dort sass der Romand bis Ende 2008 auf dem Stuhl des Vizepräsidenten.

Als die EBK Anfang 2009 mit der Versicherungsaufsicht zusammengelegt und zur umfassenden Finanzmarktaufsicht (Finma) wurde, galt Zufferey als „Vater“ der Behördenfusion. Im neuen Finma-Verwaltungsrat wurde der Professor einflussreiches Mitglied.

Anfang Juli ging Zufferey nach 13 Jahren über Nacht von Bord. Von der Finma erhielt er zum Abschied eine Laudatio.

„Für seinen grossen Einsatz zugunsten unserer Behörde und die hervorragende Zusammenarbeit in all diesen Jahren möchte ich ihm herzlich danken – persönlich und im Namen meiner Verwaltungsratskollegen und der FINMA“, lobte ihn die Präsidentin, auch sie eine Professorin.

Zu Zuffereys persönlicher Verwicklung in den Espirito-Santo-Skandal fiel kein Wort. Als die Finma zwei Wochen später der Schweizer Espirito-Bank den Stecker zog, war Zufferey offiziell bereits kein Thema mehr.

Nun holt die Vergangenheit sowohl Zufferey als auch die Finanzaufsicht mit Wucht ein. Die Frage lautet: Was wusste Zufferey vom sich anbahnenden Skandal? Wie war seine Doppelrolle als Finma-Insider und Privatbanken-VR möglich?

Die Espirito-Krise war Ende letzten Jahres ein erstes Mal in der internationalen Wirtschaftspresse aufgetaucht. Spätestens ab diesem Zeitpunkt konnten die Verantwortlichen von den Problemen gewusst haben.

Selbst sieht sich der langjährige Bankenaufseher unschuldig.

„Unsere Bank war nach Schweizer Recht und Vorschrift geführt, seriös und gesetzeskonform“, meinte er kürzlich in der Handelszeitung. „Dass die Gruppe in die Krise geriet, bedauern wir, hat aber nichts mit unserer Privatbank zu tun.“

Wie jetzt die Finma-Untersuchung zeigt, ist das umstritten. Die Behörde muss aufzeigen, warum mehr als die Hälfte aller in der Schweiz verbuchten Kundengelder in Schuldpapieren der Mutter lagen.

Zufferey sass zusammen mit Espirito-Patriarch Ricardo Salgado und dessen Tochter Catarina im Verwaltungsrat der Espirito Santo Schweiz. In dieser Funktion trägt er vom Gesetz her eine spezielle Verantwortung.

Die grosse Gefahr für Zufferey und seine VR-Kollegen sind Verantwortlichkeitsklagen. Diese könnten je nach Ergebnis der Finma-Untersuchung gute Chancen vor Gericht haben.

Zufferey & Co. werden versuchen müssen, die Schuld auf die Portugiesen abzuwälzen. Wie üblich in solchen Fällen könnten sie behaupten, selbst Opfer betrügerischer Machenschaften geworden zu sein.

Doch als langjähriges VR-Mitglied wird es für Zufferey nicht einfach, dies glaubwürdig zu machen. Er hatte Einblick in alle wichtigen Geschäfte.

Kommentare

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  1. Genau darum braucht es TOP-Banker, um Schrott als Gold zu verkaufen und Anleger hüben und drüben über den Tisch zu ziehen.
    Dem Idioten eine Reise in die Hölle anzudrehen indem von karibischer Kreuzfahrt etc berichtest. Auch wenn es vielleicht verboten sein sollte – aber einen Teil Horten ist auch Hip.

  2. und noch viele andere Banken verkaufen constant „funny papers“ in Form von Derivativen, Bonds, usf.; so hat die Credit Suisse gleich drei Schweizer Franken Anleihen im Wert von hunderten von Millionen der Mickey Mouse Bank „African Bank“ welche soeben pleite ging verkauft; selbst die NZZ unterschlug dies im gestrigen Artikel dazu den kompletten Fall !

    • die Wurstfabrik ‚ Credit Salami ‚ist immer prominent dabei, wenn Triple-B-Schuldner und miesere einige hundert Millionen Franken am Schweizer Markt einsammeln. Die Prospekte sind meistens in English was 50 – 80 % der Zeichner dieser Schrottpapiere nicht verstehen.

      Die Derivate-Würste für die B.E.S. Schweiz AG, Genf, sind im Labor der Salami-Bank ausgegoren und hergestellt worden. Dass diese Papiere in die Depots der BES-Kundinnen und Kunden wanderten interessiert die Salami-Bank nicht im Geringsten. Sie war nur für die Herstellung verantwortlich, sicher nicht für den daraus entstandenen Total-Verlust, so das Presse-Kommunique der Wurst-Vertretung. Wie lange müssen wir solches Tun noch hinnehmen?

  3. Ist ja lobenswert, dass die Finma einen Untersuchungsbeauftragten eingesetzt hat. Wer immer das auch ist: man darf hoffen, dass wenigstens DER unabhängig ist.

    Kaum zu glauben ist hingegen, dass die Finma der Espirito Santo, trotz vermuteter Verstrickung in einen internationalen Betrug mit gigantischen Dimensionen, die freiwillige Liquidierung erlaubt. In anderen, mir bekannten und weit weniger spektakulären Fällen hat die Finma jeweils subito das Ruder übernommen und die bisherigen Organe vom Platz gewiesen. Ist dies als weitere „Höflichkeit“ gegenüber dem verdienten Zufferey zu werten?

    Ich hoffe, dass am Schluss wenigstens etwas Kleingeld übrig bleibt, wenn geschädigte Kunden die liquidierte Bank einklagen müssen.

  4. Da sind doch Interessenskonflikte bis zum geht nicht mehr! Ein einfacher Kundenberater darf keine selbständige Funktion haben bei der im geringsten die Bank involviert sein könnte (Interessen, Image, etc…)! Beim Herr Zofferey ist der Polizist und der Überwachte die selbe Person… eine gespaltene Persönlichkeit :-// Die beiden (Zofferey und Salgado) werden sich dieses Jahr wohl nicht mehr im Pine Cliff amüsieren können

  5. Mit Geld kann man viel Gutes tun, aber Geld macht aus Menschen nicht immer das Beste. Unser Blogautor Claude Del Don, seines Zeichens selber bei einer Privatbank tätig, hat ausgeleuchtet warum Ethik grundsätzlich nicht in das Wirtschaftsleben passt und was man dafür tun könnte. Dagegen wurde ja offenbar wieder genug getan.

    http://www.bankingundfinance.ch/geschaeftsmodelle-und-management/warum-ethik-nicht-in-die-heutige-wirtschaft-passt-und-was-wir-dafuer-tun-koennen-teil-13/

  6. Wie auch in anderen Fällen, werden folgende Worte zu hören und zu lesen sein: „… von nichts gewusst …“ und „… Ich / wir habe(n) eine weisse Weste …“ Fakt ist: Der Fisch stinkt einmal mehr vom Kopf her.

  7. Sorry, aber ein FINMA-Mitarbeiter/Kader darf nie und nimmer eine Funktion/Mandat bei einer Bank innehaben. Das stinkt zum Himmel und zeigt einmal mehr, dass die FINMA einfach nicht ernstgenommen werden kann. Hoffe, dieser Zufferey wird noch zur Rechenschaft gezogen und bei der FINMA hat das Ganze hoffentlich auch personelle Konsequenzen.