Massenabgang bei Vaduzer VP Bank

Chefs von CS und Sarasin schlagen um sich – Boston-Berater schaffen Chaos – Grossrausschmiss in Zürich.

Das Projekt der Liechtensteiner VP Bank heisst „Apollo“. So wie die Mondrakete der Amerikaner. Statt auf den Mond rast die VP-Apollo Richtung Boden.

„Apollo“ verlaufe chaotisch, heisst es aus Kreisen der Nummer 3 im Ländle. Die Berater der beauftragten Boston Consulting würden führungslos herumirren.

Die Folgen sind einschneidend. Bei der VP Bank herrscht in diesen Wochen grosses Flugwetter.

Laut einer Quelle sei es massenhaft zu Abgängen gekommen. In Luxemburg, wo die VP Bank ihre Fonds emittiert, sei der Chef zusammen mit Mitstreitern und Kunden von Bord gegangen.

In der Tochter in Zürich sei der Abbruch noch dramatischer. Dort habe die Bankleitung in Vaduz Tabula rasa gemacht und 9 langjährige Kundenberater auf die Strasse gestellt.

Die Turbulenzen würden gute Leute kopfscheu machen, heisst es. Eine Top-Fondsfrau habe soeben zu einer Versicherung gewechselt.

Selbst in der Zentrale würden hohe Abgänge anstehen. Der Chef des Fondsgeschäfts sei ebenso auf dem Absprung wie weitere Seniors.

Ein Sprecher der VP Bank bestätigte gestern 6 Entlassungen in der VP Bank Schweiz. Grund sei die „anhaltend herausfordernde Markt- und Finanzplatzsituation“, unter der alle Banken leiden würden.

Die VP Bank würde ihr „Geschäftsmodell gezielt“ anpassen. Die Umstrukturierung führe zu „personellen Massnahmen“.

Bestätigt wird auch „Apollo“. Das Projekt sei die Folge einer Analyse von „Trends, Herausforderungen und Chancen in der Wealth-Management-Industrie“.

Mit „Apollo“ würde nun die Strategie überprüft, wie man im Vaduzer Stammhaus in Zukunft die Kunden betreuen wolle.

Schlagwörter sind „klare Positionierung“ im Private Banking und bei den Externen Vermögensverwaltern, Straffung der Produktpalette und Kosten senken.

Was nach klarer Richtung tönt, verläuft in der Realität offenbar unkontrolliert. „Die VP Bank rast ungebremst nach unten“, sagt eine Quelle.

Die Rede ist von schwachem Neugeldzufluss. Selbst kleinere Player im Fürstentum wie die Centrum Bank oder die Kaiser Partner wären erfolgreicher beim Anziehen neuer Kundenvermögen.

Zudem würden die Kosten aus dem Ruder laufen. Laut der Auskunftsperson würde der Graben zwischen Aufwand- und Ertragsseite grösser statt kleiner.

Die Verantwortung liege zuoberst. Dort hat die VP Bank vor Jahresfrist eine Blutauffrischung vollzogen.

Nach langer Suche über teure Headhunter machte sie Alfred Moeckli zu ihrem neuen CEO. Später kam als Leiter des Kundengeschäfts Christoph Mauchle dazu.

Moeckli und Mauchle erhielten von Fredy Vogt, dem Präsidenten der Bank, der zuvor deren Finanzchef gewesen war, den Auftrag, die VP neu auszurichten.

Moeckli hatte keinen Trackrecord als Private Banker. Er war Chef der Bank Zweiplus in Zürich, die nie richtig Fahrt aufgenommen hatte.

Zweiplus sollte die Billigtochter für die Retailkunden der Basler Sarasin und der einstigen AIG Privatbank werden. Als Zweitbein bot sich Zweiplus als Transaktionsbank für Externe an.

Vor 3 Jahren endete das Vorhaben in einem kleinen Knall. Sarasin und die AIG-Nachfolgerin Falcon gründeten ein Jointventure mit Ringier, einem Medienhaus.

Neu sollte unter der Ringier-Marke Cash.ch ein News- und Bankenverbund ein Publikum finden. Ein gutes Jahr später ging Moeckli von Bord.

Beim zweiten neuen VP-Kapitän, Christoph Mauchle, handelt es sich um einen ehemaligen Private-Banking-Chef der Credit Suisse.

Nach Umstrukturierungen landete Mauchle bei der CS im Abseits. Er war auf Jobsuche, als ihm die VP Bank die zentrale Position des Kundenchefs anbot.

Nun gilt Mauchle als die wichtigste Figur im neuen VP-Leitungsteam. Möglicherweise ist Mauchle der Projektvater von „Apollo“ und damit der Auftraggeber für das externe Berater-Mandat.

Nach einem Jahr bei der VP Bank erhöhen die Massenabgänge der jüngsten Zeit den Druck auf das Führungsgespann Moeckli-Mauchle.

Schon zuvor hatte die VP Bank mit einwilligen Personalien für Aufregung gesorgt.

Vom umstrittenen Zürcher Ableger der Basler Kantonalbank hatte sie ein ganzes Team übernommen. Deren Chef musste kurz darauf wieder von Bord.

Die Finanzaufsicht hatte ihn ins Visier genommen.

Kommentare

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  1. Am Schlimmsten wird es wohl bald um die LLB gestellt sein. Missmanagement, unqualifizierte Mitarbeiter en Masse – viel zu kleiner Bankenmarkt. Rette sich wer kann…

  2. Boston Consulting schaffen Chaos… hahaha! Da hat wohl der Top-Shot, Dr. Elmar Wiederin, der nach 30 Jahren BCG, sich kürzlich bei Kaiser Partner eingekauft hat, vorher noch schnell schlechte BCG Boys bei der Konkurrenz installiert.
    @Elmi, wenn sich Dein Investment auszahlt, fresse ich einen Besen!

  3. Kundenzufriedenheit ist am … Die Qualität (Portfoliomanagement, Beratung, Treuhand, etc.) haben enorm abgenommen. Welcher Banker ist noch so blöd und geht nach Liechtenstein arbeiten – schlechte Löhne und überforderte Chefs und möchtegern Patrons.

  4. Was hatten die Banken in FL und die meisten Auslandsbanken in der Schweiz ausser dem Bankgeheimnis und der damit eingehenden fragwürdigen Vertuschung von aus rechtlicher Sicht zumindest fragwürdigen Transaktionen zu bieten? Banking Excellence auf gar keinen Fall.

    Von daher verwundert es nicht, wenn nun eine Bank nach der anderen mehr oder weniger schnell die Segel streicht und die Mitarbeiter auf die Strasse stellt, da weder die Bank noch die entsprechenden Mitarbeiter fähig sind, das Geschäftsmodell zu ändern.

    Die fetten Jahre im Banking mit „steueroptimierten“ Geldern ohne jegliche Banking Excellence sind definitiv vorbei. Wenn das ein Bank-Mitarbeiter nicht selber merkt, dann verdient er es auf die Strasse gestellt zu werden.

  5. VP, Centrum, Kaiser Partner – alle Privatbanken in Liechtenstein – ausser LGT und LLB haben in Zukunft keine Erfolgsaussichten. Das Modell Liechtenstein ist im Banking sowie Trustgeschäft gescheitert. Die fetten Jahre sind vorbei, wo ohne grosse Mühe Kunden von selbst ins Ländle kamen.

    Oder, wieso in aller Welt, sollte ich als Russischer, Deutscher oder Dänischer Kunde in Liechtenstein ein Bankkonto haben??

    • LLB wird leider auch sinken… LGT ist nur Dank dem asiatischen Bereich einigermassen bei den Leuten – in LI werden jedoch auch kaum mehr Kundengelder gebucht.

    • Die Vorteile des Liechtensteiner-Bankenplatzes:
      -Stabile Sozial-, Rechts- und Wirtschaftsordnung
      – Politische Kontinuität
      – Liberale Wirtschaftspolitik
      – Liberale Gesetzgebung in den Bereichen Gesellschaftswesen und Steuern
      – Hohe Kapitalkraft der öffentlichen Hand
      – AAA-Länder-Rating durch Standard & Poor‘s
      – Wirtschafts-, Zoll- und Währungsunion mit der Schweiz
      – EWR-Mitgliedschaft mit freiem Personen-, Waren-, Dienstleistungsund
      – Kapitalverkehr innerhalb der EU
      – Moderne, europarechtskonforme Gesetzgebung in den Bereichen Sorgfaltspflicht und Geldwäschereibekämpfung
      – Breites Angebot an Finanzdienstleistungen
      – Hohe Dichte an spezialisierten Dienstleistungsunternehmen
      – Gesetzlich verankertes Bankkundengeheimnis
      – Leistungsfähiges Bankensystem
      – Finanzmarktaufsicht nach internationalem Standard

  6. Weiss jemand, ob bei den Leuten, welche jetzt von Bord gehen auch die Reste der umstrittenen BKB-Truppe dabei sind?

    Obwohl ihnen von der FINMA geradezu unglaubliche Gewährsmängel attestiert wurden, durften sie bekanntlich (mit Ausnahme ihres Cliquenchefs) an der noblen Adresse Bahnhofstrasse 3 in Zürich ungehindert weiter machen.

  7. Der Rauswurf von Kundenbetreuern in Zürich ist eine Sparmassnahme, um ein Deutschland-Team, das von der CS kam, zu finanzieren. Mit dem Zielmarkt DE sieht die Bank einen Silberstreifen am Horizont. So oder so, die russischen Freunde im Hintergrund werden VP schon nicht hängen lassen.