Vontobel-Strategiechef weg – nach 11 Wochen

Christian Gmünder gibt nach Hausdurchsuchung auf – Chef Zeno Staub hatte Freund trotz Straffall geholt.

Gestern morgen packte Christian Gmünder sein Bündeli. Nach 11 Wochen und 2 Tagen war für den einstigen McKinsey-, Raiffeisen- und Sarasin-Mann Schluss bei Vontobel.

Gmünder blieb keine andere Wahl. Als Ex-Bigboss der Sarasin war er diesen Frühling mitten in den Fight zwischen Sarasin-Milliardärskunde Maschmeyer und der Basler Bank geraten.

Ein Sprecher der Vontobel bestätigt, dass Gmünder „aus persönlichen Gründen“ per sofort ausgeschieden sei.

Der Abgang erfolgte noch in der Probezeit, für Gmünder gibt es keine Entschädigung.

Gmünder war nach dem kürzlichen Rücktritt von Eric Sarasin der letzte Mann im gigantischen Straffall um systematisch doppelt eingestrichene deutsche Verrechnungssteuer, der noch aktiv war.

Nach seinem Rücktritt Anfang Jahr bei der Sarasin fand Gmünder schnell Unterschlupf bei seinem „Freund“ Zeno Staub. Der Vontobel-CEO und Gmünder kennen und schätzen sich seit Jahren.

Gmünder begann im September seinen neuen Job als Strategiechef der Bank. Er kam mit seiner zurückhaltenden Art und dem grossen Wissen intern gut an, heisst es bei den Zürchern.

Dass er ein Problem mit seiner Sarasin-Vergangenheit hatte, hatte Gmünder Zeno Staub auf den Tisch gelegt. Trotzdem wollte Staub seinen Ex-HSG-Studienfreund unbedingt bei sich.

Erst als vor 4 Wochen die Polizei bei Gmünder zuhause aufkreuzte, seinen Haushalt auf den Kopf stellte, Computer und Dokumente beschlagnahmte, dämmerte es im Vontobel-Headquarter an der Zürcher Gotthardstrasse.

War Gmünders Wahl vielleicht doch ein Fehler?, fragte sich nun Zeno Staub, nachdem die SonntagsZeitung auf den Zug aufsprang.

Der Chef der mittelgrossen Privatbank, der für alles eine Erklärung zu haben schien, wusste für einmal keine Antwort.

Staub himself hatte Gmünder unbedingt haben wollen – trotz dessen Problem mit der Justiz. Als seine Anstellung direkt unter dem Vontobel-CEO zum Thema wurde, war längst klar, dass die Sarasin-Geschichte eskalieren könnte.

Im Frühling hatte Carsten Maschmeyer, ein deutscher Draufgänger-Unternehmer, der schon beim Verkauf seiner Türklinken-AWD die Swiss Life ausgetrickst hatte, die Sarasin-Chefs eingeklagt.

Gmünder geriet als Ex-Operations-Chef der Sarasin mitten im Sturm. Das wusste Zeno Staub spätestens seit Anfang April.

Damals schrieb die Bilanz in einer Titelstory von „Operation Gipfelsturm“ unter Leitung von Gmünder. Gipfelsturm war 2010 die Initialzündung, um mit dem deutschen Steuerschlupfloch gross Kasse zu machen.

Dass Zeno Staub, der immer als super-intelligent und down to earth beschrieben wird, trotz diesem Umstand auf Gmünder setzte, hat einen simplen Grund.

Staub findet Gmünder super. Nach dem Studium in Sankt-Gallen hatten die beiden 2004 einen intensiven Austausch.

Es ging um den Kooperationsvertrag zwischen der Bank Vontobel und der grossen Raiffeisen. Dieser wird in Kürze von einem Schiedsgericht beurteilt, nachdem er auf Ende 2017 bereits gekündigt worden ist.

Vor 10 Jahren war die Welt zwischen den beiden Partnern noch in Ordnung. Auf Vontobel-Seite verhandelte Zeno Staub, der damals Finanzchef war, bei Raiffeisen war es Christian Gmünder.

Beide Seiten frohlockten. Doch möglicherweise war es Gmünder, das das bessere Ende für sich und seine Raiffeisen behalten konnte.

Der frühere Berater der Elite-Firma McKinsey soll für seine Genossenschaftsbank jedenfalls besonders vorteilhafte Konditionen errungen haben, heisst es in Finanzkreisen.

Sicher ist, dass Gmünder bei Staub gut dastand. Staub, der bei Vontobel 7 Jahre später das CEO-Steuer übernehmen würde, war vom Verhandlungspartner angetan.

Als Gmünder bei Sarasin von Bord ging, nachdem dort die neuen Chefs des Safra-Clans immer stärker auch operativ das Ruder an sich rissen, machte ihm Staub ein Traumangebot.

Gmünder sollte ihm, Staub, endlich zum Durchbruch als unternehmerischen Bankier verhelfen. Dafür brauchte es den Kauf einer Privatbank.

Dort zeigt sich die ganze Schwäche von Staub als CEO.

Staub sprach die ganze Zeit von einer prall gefüllten Kriegskasse für Zukäufe im Private Banking. Doch während Bär, Safra, UBP und wie sie alle heissen laufend Deals tätigten, machte Staub stets Zweiter.

Nie schlug er zu, nie machte er das Rennen, immer war ihm die Braut zu teuer, zu gefährlich, zu unpassend.

Aktuell passiert ihm das Gleiche mit der englischen Coutts. Wie immer war diese, als sie sich selbst zum Kauf ausschrieb, auch ein Thema bei Zeno Staub und seiner Vontobel.

Doch statt die Bank zu prüfen, hiess es voreilig, ein Kauf käme nicht in Frage.

Gmünder hätte mit seinem Wissen aus der Beratungszeit und seiner 12-jährigen Erfahrung im Banking der Vontobel und ihrem unglücklich agierenden Chef an der Akquisitionsfront endlich zum Durchbruch verhelfen sollen.

Nun endet „Operation Gmünder“, bevor sie richtig startete. Die Belastung rund um den Sarasin-Justizfall wurde innert kürzester Zeit zu gross.

Allen war klar: Staub muss bei Gmünder rasch die Reissleine ziehen. Doch selbst das schaffte der Spitzenbanker, der offenbar ein Problem mit unangenehmen, mutigen Entscheiden hat, nicht.

Es sei Gmünder schliesslich gewesen, der von sich aus den Bettel hingeschmissen habe, sagt eine Quelle.

„Er ging von allein, weil er Vontobel nicht schaden wollte“, meint die Auskunftsperson.

Zurück bleibt Zeno Staub – und das Malaise, dass Vontobel nicht vom Fleck kommt.

Kommentare

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  1. Wie bitte???? „Der frühere Berater der Elite-Firma McKinsey soll für seine Genossenschaftsbank jedenfalls besonders vorteilhafte Konditionen errungen haben, heisst es in Finanzkreisen.“

    Diese Finanzkreise würde ich gerne mal sehen!!! Finanzidioten würde ich persönlich diese Leute betitteln, welche den Kooperationsvertrag vorteilhaft für Raiffeisen sehen…

  2. Diese Personalie ist für Zeno Staub ein Desaster. Denn erstmals ist er nicht nur von aussen kritisierbar, sondern verliert auch gegenüber seinen Angestellten sein Gesicht. Staub tut gut daran sich wieder auf seinen scharfen Intellekt zu verlassen und die persönlichen Beziehungen und Vorlieben sein zu lassen. Strategiefragen sind sowieso Chefsache, um die richtigen Entscheide zu fällen, braucht er keine nicht-haltigen McKinsey-Restrukturierungs-Freaks, sondern solide Analysten und eine eigene Vision.

  3. Also den Zeno Staub wegen seiner Zurückhaltung im Akquisitionsgeschäft abzustrafen ist ja echter Quatsch.

    Man weiss genau, dass viele Akquisitionen nicht viel bringen und in erster Linie die Egos der Kaufenden und die Kassen der Verkaufenden aufblähen.

    ZS hat also völlig recht, äusserst selektiv vorzugehen. Einer der wenigen, der sich nicht mit Akquisitionen grösser machen muss als er ist.

    • Sehe ich genauso. Finger weg von übereilten und in der Regel wenig nachhaltigen Akquisitionen.

    • Grundsätzlich richtig.
      Aber auf der anderen Seite braucht Vontobel mittelfristig mehr Volumen auf die Plattform und hat somit Handlungsdruck. Darum wird auch Vontobel früher oder später eine Akqusition machen müssen, auch wenn diese dann vielleicht etwas zu teuer und noicht risikofrei ist.

  4. Aha, schon wieder hat ein ex McKinsey „versagt“! Wie lange geht es denn noch bis ihr merkt, dass diese ex Consultants nicht so viel auf der Kante haben und dass diese besser „Consultants“ bleiben. Schnuppern und Umsetzen sind zwei verschiedene Tätigkeiten!

    • Ich könnte es nicht treffender umschreiben. Danke. Nur beim Schreiben der Honorarrechnungen versagen sie nie.

    • Das haben Sie treffend gesagt, Herr Meier. Ich verstehe sowieso nicht, warum eine Unternehmung teure und zumeist unwissende „Consultants“ beschäftigt, statt eigene Leute aufzubauen!

    • wie sagte Nuhr neulich so schön sinngemäss.
      Berater kosten zwar zuerst mal Geld, man spart aber dann die Heizkosten resp. ersetzt sie mit der heissen Luft.