Überfremdung auf höchstem Niveau

Dieser Standpunkt wurde noch vor der Absetzung von Brady Dougen letzte Woche geschrieben. Trotzdem kann er noch erscheinen, da nicht alle Aussagen und Theorien dadurch falsch geworden sind. Was nicht mehr stimmt ist, dass Brady Dougan und seine Investmentbank die Schweizer Privatbank der CS zerstören können.

Wer im Hintergrund genau den Machkampf gegen ihn gewonnen hat, wissen wir nicht, er wurde aber von einem offenbar doch nicht so schwachen Verwaltungsratspräsidenten entlassen. Was immer noch Realität ist: Die Bank ist überfremdet. Was daraus wird, werden wir sehen.

Anfang März war eine SVP-Delegiertenversammlung. Themen natürlich die Erhaltung schweizerischer Werte, die Gefahr der Überfremdung und die zu lasche Haltung in der Flüchtlingspolitik.

Ich frage mich, wieso tritt diese Partei nicht einmal auch dort gegen Überfremdung an, wo sie der Schweiz auch wirklich schadet, nämlich bei den Grossbanken, inklusive ihren  Chefetagen. Die Credit Suisse kenne ich als IT-Mitarbeiter seit 30 Jahren aus eigener Erfahrung.

Die Schweizerische Kreditanstalt wurde Anfang der 1990er Jahre mit Rainer E. Gut zur Credit Suisse. Sie wurde zu einer grossen Holding, so wie das McKinsey der gesamten Schweizer Wirtschaft verordnet hatte, wie wir wissen auch der Swissair.

Die CS kaufte die First Boston, eine der renommiertesten US-Investment-Banken. Die Angelsachsen, die die Bank heute weitgehend führen, hinter einem Schweizer Alibi-Verwaltungsratspräsidenten, sind mehrheitlich ehemalige Investment-Banker dieser First Boston. Allen voran Brady Dougan, der die Bank seit 9 Jahren führt und in dieser Zeit alle wichtigen Posten mit seinen Leuten besetzt hat.

Natürlich gab es Versuche der Integration, in der Bank wurden diese Initiativen jeweils „One bank“ genannt. Alle Anläufe, die unterschiedlichen Firmenkulturen zusammen zu führen, sind kläglich gescheitert.

Dabei meine ich nicht einmal, dass Dougan auch heute noch kein Wort Deutsch spricht, alle Schweizer aber mittlerweile Englisch sprechen müssen, sondern sinnvolle Versuche. In der IT zum Beispiel, wo vor  rund 5 Jahren die gross angelegte Initiative „One bank IT“ lanciert wurde, die zum Ziel hatte, die komplett verschieden arbeitenden Informatik-Abteilungen der Private und der Investment Bank zwar nicht gleichzuschalten, aber doch wenigstens mit gleicher Methodik und gleichem Vorgehen zu synchronisieren.

Die Situation sieht heute so aus: Die Private Bank entwickelt und testet ihre Software in 4 verschiedenen Testumgebungen, hat CMMI als Standard eingeführt, ein Rollenmodell, wo Tester und Entwickler getrennt sind, der Produktionssupport eine eigene Organisation hat und vieles mehr.

Die Investment Bank ist überspitzt formuliert das pure Gegenteil geblieben, hat kein Rollenmodell, kein CMMI und weigerte sich, am neu aufgebauten Testrechenzentrum teilzunehmen.

Trotz immensem Aufwand wurde Software noch nie so schlecht getestet wie heute. Auch eine Konsequenz davon ist, dass die IT, die 12 Jahre von einem Schweizer Informatiker geführt wurde, nun von einem von Brady Dougan eingesetzten Investmentbanker aus den USA, Finanzchef David Mathers, geleitet wird.

Überfremdung auf höchstem Niveau. Wir werden alle erleben, dass die CS das erste Beispiel dafür sein wird, dass eine ehemalige Investment Bank aus den USA eine Schweizer Private Bank ausnimmt, die sie einst übernommen hat.

Es wird gleichsam die späte Rache der stolzen amerikanischen Investmentbanker für ihre Schmach in den 1990er Jahren. Ein Mittel sind zum Beispiel die absurd hohen Boni, die sogar den Reingewinn übersteigen und die vor allem die überdurchschnittlich vielen Management Directors beziehen, die in Amerika und England sitzen.

Auch die 2,8 Milliarden Busse konnte der Amerikaner Dougan nicht verhindern, vielleicht hat er sie sogar gewollt, auf jeden Fall hat er sich damit von jeglicher Verantwortung in den USA freigekauft. 2’000 Schweizer Mitarbeiter sind auf einer schwarzen Liste in Amerika, müssen allenfalls bei einer Einreise mit Verhaftung rechnen, nur der hauptverantwortliche CEO kann unbehelligt ein- und ausreisen.

Das sind keine Beispiele von Überfremdung, sondern für das Auswandern von Schweizer Vermögen in die USA. Die eigentliche Überfremdung erreichen die amerikanischen Investement Banker dadurch, dass sie das durch ihre Misswirtschaft und ihr Unvermögen verschuldete Defizit in der Schweiz mit Sparmassnahmen auffangen müssen.

In der zu teuren IT werden massenhaft, auf den ersten Blick billigere Inder eingestellt, und das Backoffice wird nach Polen ausgelagert, um teure Schweizer abzubauen. Das schadet der Schweiz und der schweizerischen Wirtschaft mehr als der Tamile oder Syrer, der aus wirklicher Not hier ist.

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12 Kommentare zu “Überfremdung auf höchstem Niveau

  1. Hmm, nun ja, es ist ja immer wieder erstaunlich wie Schweizer Manager von der Groesse des Marktes verfuehrt in den USA einkaufen. Man erinnere sich an DLJ, wo nach einem Jahr auch kein MD mehr dabei war (aber alle schoen Change of Control Bonis absahnten). Die PaineWebber, eigentlich ein Brokerunternehmen wo noch die Verkaeufer im AutoZueriWest sympathischer sind.
    CHMann muss sich einfach klar sein, die Jungs von der HBS, Chicago und Yale teilen hier den Kuchen untereinander auf. Die freuen sich, dass die CHBanker gutmuetig immer alle paar Jahre die soliden Balancesheets fuer Ihre Spielereien zur Verfuegung stellen. Hey, aber den Deutschen gings nicht anders …;)) DB, WestLB, HypoVerein, usw. haben auch mitmachen wollen und sind mit leerer Tasche nach hause gekommen.

  2. Tony Saller sollte man einen Blick ins Aktienbuch der CS werfen. Die CS ist keine Schweizer Bank! Und die Besitzer dürfen mit ihrem Eigentum machen, was sie wollen. Der Artikel ist extrem undurchdacht. Als wäre die Credit Suisse Volksvermögen! Und wenn die Amis die CS ausnehmen, und die Eigentümer das erlauben, ist es ok. Jeder darf mit seinem Eigentum machen, was er will. Saller spricht, als könnten „Schweizer“ (wer denn nun genau???) über in der Schweiz aktive Firmen, die Ausländern gehören, verfügen. Das ist absoluter Schwachsinn. Schweizer können dort ihre Konti und Depots aufheben und zu einer sogenannten „Schweizer Bank“ gehen. Was daran besser sein soll, steht in den Sternen.

    • Das einzig undurchdachte was ich hier lesen konnte, ist dein Beitrag, Xavier Zurbuchen. Bin nun auch schon über 20 Jahre in der CS IT tätig und die beschriebenen Zustände entsprechen zu 100% den Tatsachen. Orientiere dich besser vorher bei einem Fachmann.

    • Lieber Dani, woher weisst Du, ob ich ein Fachmann bin oder nicht? Tatsache ist, die Credit Suisse gehört nicht dem Schweizer Volk. Oder bestreitest Du das? Tatsache ist weiterhin, dass in unserer Rechtsordnung die Eigentümer der Credit Suisse frei über ihr Eigentum verfügen können. Oder bestreitest Du das? Wenn Du beides nicht bestreitest, was Du nicht kannst, weil es objektive Tatsachen sind, dann musst Du, wenn Du logisch denken kannst, auch zustimmen, dass es Herrn Sailer nichts angeht, was die Eigentümer von Credit Suisse mit ihrem Eigentum tun.

  3. ich finde dass sie dann auch fremde währungen nicht nehmen dürfen sondern nur schweizer franken. diese ganze inzuchtlogik ist schon krank.

  4. Interessante Gedanken. Auf dem Werkplatz Schweiz weht ein rauher Wind. Hoffentlich werden Schweizer Tugenden wie Präzision, Nachhaltigkeit und hohe Dienstleistungsmentalität wieder stärker berücksichtigt.

    • ..solange die politischen Spilechen in der IT nicht aufhören, wird sich NICHTS ändern.

      Fast jedes Project – auch regulatorische – werden schön und ‚grün‘ geredet -selbst wenn der TM ‚rot‘ meldet.
      In D nennt man sowas ‚Lügen‘ in der CH heisst das ‚looking forward‘.

  5. Kernstück des interessanten Beitrages von Toni Saller:
    Das schadet der Schweiz und der schweizerischen Wirtschaft mehr als der Tamile oder Syrer.

    Meine Meinung: Das wird aber die SVP nimmer begreifen…..

  6. Wer eine Schweizer Bank möchte (als Kunde/Investor), der gründe eine – das darf man; als Tatbeweis anstelle billiger Pauschalurteile. Und der Schlusssatz “ …… um teure Schweizer abzubauen. Das schadet der Schweiz und der schweizerischen Wirtschaft mehr als der Tamile oder Syrer, der aus wirklicher Not hier ist“: wie geht diese Rechnung in bezug was schadet und was nützt ? Bitte vorrechnen, mit Zahlen; sonst bleibt es billige Polemik.

    • Kann es Ihnen aus eigener Erfahrung mit eigenem Geld erklären: Auf Anraten eines angeblichen Informatikexperten habe ich ein eigenes Projekt mit indischen Programmierern in Indien (mit Relais-Büro in der Schweiz) realisieren wollen. Die Offerte war auch finanziell attraktiv. Trotz guter Projektführung wollte das mit den Indern nicht klappen. Die Etappen wurden nie so erreicht wie geplant, versprochen und vertraglich festgehalten, und nichts funktionierte wirklich, so dass nach mehr als einem Jahr und x Verbesserungsversuchen der Stecker gezogen werden musste. Ich engagierte darauf 4 Schweizer Software-Ingenieure (und noch ein paar von denen geführte CH-Freelancer) und dachte, man könnte vielleicht einen Teil des von den Indern erstellten „Werks“ verwenden. – Denkste! Nichts war wirklich sauber dokumentiert! Das nakte Chaos! (Und ich musste noch kämpfen, dass ich überhaupt erhielt, was sie bisher verbrochen hatten.) Also Restart from Scratch. Nach einem Jahr stand die CH-Lösung und funktionierte einwandfrei. Dazwischen lagen knapp 4 Mio Abschreibung aus meinem eigenen Sack (nicht das Geld aus einem Topf irgendeines Grosskonzerns) und ein verlorenes Jahr d.h. eine viel zu lange „Time to Market“. – Also kommt mir bitte nicht mehr mit Indern und anderen ausländischen „Superhelden“, die an Schweizer Unis/ETH nicht einmal zugelassen würden, aber hier ungefragt als die Oberschlauen auftreten dürfen und es auch tun. – Been there! Have seen enough!

  7. Traurig aber wahr. Das findet momentan an vielen Stellen der Schweizer Wirtschaft analog statt. Und immer unter dem Vorwand, man bräuchte die Besten. – Give me a break!