UBS, CS haben EU-Kredite aus- statt abgebaut

Grossbanken gaben im 1. Quartal Gas in Euro-Land – CS erhöhte Griechen-Exposure – hat 16 Milliarden Euro offen in PIIGS.

Heute würden in Athen die Banken gestürmt. Deshalb bleiben sie zu – solange, bis das griechische Volk über frisches Geld gegen neue Auflagen entschieden hat.

Die Zitterpartie trifft alle. Die Schweizer Banken sind mit Krediten in Euro-Land gross; zwar nicht besonders in Griechenland, dafür in vielen übrigen Krisen-Staaten des Gemeinschaftsraums.

Die Credit Suisse ist besonders exponiert. In ihrem Bericht zum ersten Quartal 2015 weist sie unter „Selected European credit risk exposures“ hohe Zahlen für die kritischen Länder aus.

In Italien hat die CS Brutto-Guthaben von 8,7 Milliarden Euro, gegenüber Spanien waren es 2,8 Milliarden, in Irland 3 Milliarden.

Griechenland und Portugal sehen zunächst harmloser aus. Die CS hat gegenüber griechischen Banken und Unternehmen 1 Milliarde ausstehend, in Portugal sind es 300 Millionen.

Doch zusammen kommt die CS gegenüber diesen sogenannten PIIGS-Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien) auf 16 Milliarden Euro.

Zählt man wie die CS in ihrer Aufstellung im Quartalsbericht auch noch Kroatien und das vor 2 Jahren „gefallene“ Zypern hinzu, so hat die Grossbank in den 7 Ländern 17,3 Milliarden offen.

Tendenz steigend. Per Ende 2014, also 3 Monate zuvor, waren es „erst“ 16 Milliarden.

Netto, sprich nach Absicherungen, liegen die Guthaben der CS gegenüber den krisengeplagten Euro-Staaten tiefer. Aber auch dort zeigt die Entwicklung nach oben.

Bemerkenswert ist, dass die CS ihr Griechenland-Exposure von Januar bis März, als die griechische Linksregierung bereits die EU-Finanzminister zur Weissglut getrieben hatte, nicht abbaute.

Sondern die Grossbank hatte es erhöht. Der Brutto-Ausstand der CS gegenüber Griechenland stieg von 800 Millionen per 31. Dezember 2014 auf 1’000 Millionen per 31. März.

Die UBS trat bezüglich jenem Land, das nun faktisch vor dem Konkurs steht, früher und beherzter auf die Bremse.

Per Ende 2014 wies die grösste Schweizer Bank 13 Millionen offene Brutto-Positionen gegenüber griechischen Banken und Firmen aus.

Der Mini-Bestand an griechischen Guthaben sank gar im Verlauf des ersten Quartals weiter. Per Ende März wies die UBS nur noch 9 Millionen an Griechen-Positionen aus.

Doch viel entscheidender ist, was die Bank im übrigen Euro-Raum gemacht hat. Und dort kannte sie zum Auftakt des Jahres 2015, in dem sie mit 2 Milliarden Reingewinn alle überraschte, kein Halten.

Gegenüber Frankreich, das mit Griechenland besonders eng verbunden ist und zuletzt als einziges Land der Linksregierung von Premier Alexis Tsipras noch die Stange hielt, wies die UBS per Ende des ersten Quartals 9,2 Milliarden Franken offene Kredite und übrige Positionen aus.

Das ist deutlich mehr als per Ende 2014. Damals waren es „erst“ 7,8 Milliarden. Der Anstieg betrug happige 18 Prozent.

Oder Italien, das zu den PIIGS-Staaten zählt und entsprechend als Risiko gilt.

Ende 2014 betrugen die Ausstände der UBS gegenüber italienischen Banken und Unternehmen 2,2 Milliarden, per Ende März waren es 2,6 Millarden.

Weiter mit Spanien, dort stiegen die UBS-Kreditguthaben von unter 1,6 Milliarden auf 2,2 Milliarden.

Schliesslich Irland, wo sich die offenen Positionen von unter 1 Milliarde auf 1,3 Milliarden erhöhten.

Total hatte die UBS in den bezüglich griechischer Ansteckungsgefahr exponierteren Euro-Ländern Frankreich, Italien, Spanien, Irland und Portugal per Ende März 2015 ein Exposure von 15,9 Milliarden Franken.

Deutlich mehr, als noch 3 Monate früher. Damals waren es erst 12,7 Milliarden. Das entspricht einer starken Zunahme um einen Viertel.

Die Bewegungen nach oben bei den Ausständen überraschen, selbst wenn es sich immer um die Brutto-Positionen handelt und die Banken gerne betonen, dass sie sich gegen Abstürze absichern.

Da taumelt der Euro-Raum mit seinem ewigen Sorgenkind Griechenland seit Monaten, ja eigentlich Jahren, am Rande des Absturzes entlang, doch die beiden Grossbanken weiten ihre Kreditlinien und Engagements in den besonders gefährdeten Euro-Staaten massiv aus.

Damit haben die UBS und die CS, die ein Vielfaches ausmachen der offenen Euro-Positionen des gesamten übrigen Finanzplatzes, ihr Risikoprofil anders als erwartet verändert.

Die Führung beider Institute warnten gerne laut vor der Gefahr eines Griechen-Kollapses mit einem möglichen Austritt aus dem Euro-Raum, also dem bekannten Grexit.

Doch in den eigenen Büchern stiegen munter die Kredite an die übrigen Euro-Sorgenkinder.

Was die beiden Schweizer „Too Big To Fail“-Häuser bei einem Auseinanderfallen des Euro-Raums erst recht fragil macht.

Kommentare

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  1. ….naht. vielleicht gibts einen Schuldenschnitt. CS und UBS sind halt überall dabei wenn es etwas zum Zocken und Abzocken gibt. Hauptsache der Bonus ist hoch genug.

  2. Kindergarten-stimmt
    fast bedeutungslos-stimmt leider nicht
    schlechtes Risikomanagement-stimmt leider auch

    CS und UBS sind pausenlos in den Schlagzeilen wegen des altbekannten Hanges zu unsoliden Geschäften. Es ist widerlich wie diese beiden Banken ständig mit Geld spielen und dabei das Schicksal Unbeteiligter mit ins Verderben ziehen.
    Wann hört diese Zockerei auf und diese beiden Banken finden zurück zu nachhaltigem Wirtschaften und solidem, auf Fleiss und Vernunft begründetem Schaffen?
    Sicherlich wieder mal ein Problem der falschen Anreize. Wie kann man eine Bank führen wenn man nichts vom Geschäft versteht?
    Mit einbalsamierenden Worten und Floskeln.

  3. CS und UBS ist Kindergarten und fast bedeutungslos… hat einer recherchiert wieviel die Nationalbanken und Pensionskassen investiert haben(?!) Das ist viel gravierender! Sollte die Diversifikation passen ist das ganze halb so schlimm – in Griechenland wird 25% abgeschrieben, in Portugal, Spanien, Irland, Italien,… wird mit den anderen 75% Gewinn gemacht (bei 7,2% Rendite hat sich der Kapitaleinsatz in 10 J. verdoppelt – so viel zu Riskmanagement!) Gefährlich ist ein mögliches Spiraleffekt – und weil bis vor kurzem jeder damit gerechnet hat dass es in letzter Sekunde doch zu einer Lösung kommen wird haben alle höhere Risiken eingekauft als sonst.

    • Die Pensionskassen haben gar nicht investiert in Risikoländer, dass machen die Versicherungen und Banken für die Pensionskassen. Je höher das Risiko, je mehr Gewinne (min. 10% vom Gewinn für die Anlegenden gem. Gesetz), die Verluste werden den Versicherten in den Pensionskassen aufgebrummt. Die Versicherten in den Pensionskassen haben keine Möglichkeit das Treiben zu unterbinden.

  4. Naja, ein zaghafter Blick in meine AAA-CH-Debitorenliste sagt mir, dass meine risikogewichtete Default-Exposure bei mind. 5% liegt. Noch Fragen???
    Banausen!

  5. Ihr Bericht, im Zusammenhang mit Griechenland, ist nicht sehr fachmännisch präsentiert und erklärt. Die Ausstände im Euro-Raum, vor allem bei der UBS, sind vernünftig. Zudem wissen Sie nicht, oder erwähnen es nicht, wieviel 1)“hedging“ die Banken gemacht haben, 2) wieviel der Ausstände mit dem „Private“ oder „Public Sector“ sind, 3) die Art und Instrumente der Kredite, und 4) wieviel der Ausstände gesichert sind mit Kollateral.

    Sehen Sie den Untergang Europas voraus?

    • „Untergang Europas“, was verstehen Sie darunter?
      Was kommen wird ist ein Crash mit vielen nationalen Währungen.
      Wir sehen es ja bei den Griechen. Im April 2010 hieß es, daß der € und Griechenland gerettet wurden.
      Eine Währung „retten“ LOL.
      Seit über 5 Jahren betreibt Brüssel Konkursverschleppung.
      Auch der neue Schweizer Franken ist schon gedruckt.

    • @Karl Springer, sehe ich leider genau so. Eine Währung die man retten muss ist schon Tod. Es wird fast zwangsweise zu Bürgerkriegen oder Aufständen und Hyperinflation in der EU kommen. In einigen Ländern (Ungarn) haben wir jetzt schon Hungernöte, die von den Medien unterschlagen werden.

      Vielleicht kommt es zu einem 3.Weltkrieg mit Russland/China – worauf man durch die (radioaktiv verseuchten) Trümmer wieder neues Wachstum erzeugen könnte. Wenn ich sehe was die Amis (NATO) gerade in Polen für eine Übung abziehen – sie üben einen Angriff auf Russland mit Einbeziehung von atomaren Erstschlag! – dann muss man wirklich mit ALLEM rechnen!

      Meiner Ansicht nach sind alleine wegen den 755 Billionen Derivate, die ca. 10-40% ungedeckt sind
      – sämtliche Länder dieses Planeten bankrott.
      Von anderen Blasen will ich gar nicht beginnen.
      Und die Chinesen wollen die Dollar Leitwährung ablösen, sind jedoch selbst schon so gigantisch Verschuldet – dass kommt alles nicht gut.

  6. Interessiert’s jemanden, Herr Hässig?
    Und alle die Jammeri wieder mit beherzten Aussagen wie „Und was macht die Finma“ … Das Wort „Zocker“ darf natürlich auch nicht fehlen …

  7. was in den banken noch immer nicht verstanden wurde: leiht man einer gegenpartei 1 mio, hat man sie bei den hörnern, leiht man ihr jedoch 10 mia, hat sie einem bei den hörnern!
    viel glück, liebe lobbyisten & politiker, in fall eines tbtf-events das den leuten auf der strasse zu erklären!

  8. Wo ist eigenltich die Bankenaufsicht FINMA ? Gängelt die kleinen Banken und Vermögensverwalter mit vielen Vorschriften und sieht einmal mehr die grossen Probleme im Finanzsektor, wie schon in der Vergangenheit, nicht. CS wirft tausende von Kunden raus und sitzt auf grossen Positionen von vielleicht faulen Krediten. Wo ist hier die Führung ? Wer verantwortet ? Wie gesund ist diese Bank noch ? usw

    • die FINMA ist LEIDER teilweise personell mit den Grossbanken verbandelt, und wird wahrscheinlich eher nichts machen.

  9. Ist bereits eine Aufspaltung der Grossbanken geplant, insbesondere eine Abspaltung des Private Banking mit Schweizer Kunden?

  10. die CS ist die Zocker und Versagerbank schlechthin. Wieder mal unzureichendes Riskmanagement. Her Rohner, Riskmanagement scheimt nicht ihre primäre Stärke oder grosse Liebe zu sein. Das war schon zu den Zeiten als General Counsel so. Wachen Sie endlich auf.

    • wenn man nur ein Mindestmass an Verstand und Bodenhaftung hat, kann man nur noch den Kopf schütteln, wenn man sieht was hier abgeht und gemacht wird. Das CS und UBS Management benimmt sich so als hätten sie den Verstand verloren. Da ist soviel Verantwortungslosigkeit, Geltungsbedürfniss und Unaufrichtigkeit in deren ANGELEGENHEITEN UND GESCHÄFTEN drinnen, dass man einfach nur noch davonlaufen möchte. Würde mich interessieren ob sich diese Menschen privat auch so bescheuert und durchgeknallt verhalten.

  11. dieses Verhalten entspricht genau wie an der Uni im Fach Corporate Finance gelehrt (u.a. in Briley Myers Bibel zu Corporate Finance): wenn eine Bank/Unternehmen selber kurz vor dem Abgrund steht, dann gehen deren Verantwortliche u.v.a Traders noch groessere Wetten ein um vielleicht das Steuer doch noch herumzureiisen (dieses Verhalten sieht man bei der CS als auch bei der Deutschen Bank, u.a.); d.h. das Risk Management dieser Banken hat wiederum VERSAGT!

    • „Risk Management“ hier heißt für mich : eine von oben inspirierte Firmenpolitik, die – warum auch immer – beim Begräbnis Griechenlands laut jammern kann.