UBS kickt Reiche raus, CS holt Bonviva-Flugsand

Milliardenabfluss von unproduktivem Cash – UBS will Geld, das arbeitet, nicht herumliegt – CS mit 0,75% Lockvogel.

In der Momentaufnahme schlägt die CS die UBS. Sie schloss mit 1,1 Milliarden Quartalsgewinn zur scheinbar übermächtigen UBS auf, die heute 1,2 Milliarden mitteilt.

Doch die UBS steht viel stabiler da, mit mehr Kapital, mehr wiederkehrenden Erträgen in der Vermögensverwaltung, einem grossen Marktanteil unter Amerika-Privatkunden.

Der Unterschied zeigt sich bei den Neugeldern, quasi der Gral der Vermögensverwalter. Während die CS vor 4 Tagen einen überraschend hohen Zuwachs von über 14 Milliarden vermeldete, blieb die UBS von April bis Juni praktisch stehen.

Der Hauptgrund: Sie kickt Reiche raus, die ihr nicht mehr passen; solche, die zu wenig rentieren.

30 Milliarden Vermögen hat die UBS eruiert, die mehr oder weniger nur herumliegen, statt dass die Assets langfristig investiert wären. Ebenso reduzierte die UBS ihre Jagd auf frisches Geld, das nicht fest angelegt wird.

Geld, das nicht arbeitet, kostet heute viel. Es bindet Kapital und Liquidität, da es rasch zurückbezahlt werden muss.

Von den 30 Milliarden, welche die UBS loshaben will, sind knapp 7 Milliarden geflüchtet. Es dürften weitere 4 Milliarden im nächsten Quartal hinzukommen, heisst es auf Anfrage.

Damit wäre gut ein Drittel der anvisierten Vermögen weg. Der Rest bliebe bei der Bank, neu als gewinnträchtige Anlagen.

Das Vorgehen der UBS zeugt von Selbstvertrauen. Man strebe profitables Asset-Wachstum an, nicht Neugelder um jeden Preis, heisst es bei der Bank.

Oder profaner: Liebe Kunden, investiert! Sonst zieht Leine.

Gänzlich anders verhält sich die CS. Soeben hat die Erzrivalin, die in eine Phase der Neufindung eingetreten ist, ihr Lockvogel-Angebot der letzten Jahre erneuert.

Es heisst Bonviva, ein Leistungspaket unterschiedlicher Ausprägung mit Kreditkarten, Konten und Beratung, mit dem die CS der Billigkonkurrenz entgegentritt.

Die Bank offeriert bis zu 0,75 Prozent für neues Geld, gleich viel wie in früheren Aktionen.

Doch im Unterschied zu den Bonviva-Anfängen befindet sich die Schweiz heute tief in der Minuszins-Zone. Da stechen die plus 0,75 wie ein einsamer Leuchtturm aus der kargen Landschaft heraus.

Die CS hat mit ihren Bonviva-Aktionen in diversen Schüben mehrere Milliarden frische Gelder angezogen. Die Strategie scheint also aufzugehen.

Nur: Bis diese Neugelder nachhaltige Erträge abwerfen, ist es ein weiter Weg.

Die „wiederkehrenden“ Erträge in ihrer Private Bank sind bei der CS im 2. Quartal im Vorjahresvergleich nämlich erstaunlicherweise leicht gesunken.

Was tun?

Ziel sind sowohl bei der CS als auch bei der UBS mehr Mandate. Der Kunde soll das Investieren gänzlich seiner Bank überlassen und sich zurücklehnen.

Damit kann ein Vermögensverwalter am meisten verdienen, sprich die höchsten Margen herausholen.

Im Wealth Management, also der weltweiten Vermögensverwaltung, hat die UBS den Anteil der Mandate leicht erhöht, was die Bank in ihrer heutigen Berichterstattung hervorhebt.

Der Mandatsanteil stieg von 25,5 auf 26,3 Prozent aller Kundenvermögen. Scheinbar Peanuts, aber offenbar eine wichtige Erfolgsmeldung auf dem Weg hin zu nachhaltigen Erträgen im zentralen Standbein der Bank.

Auf einer Folie zum 2. Quartalsabschluss des laufenden Jahres ist denn auch von „starken Mandatsverkäufen“ von 9,2 Milliarden die Rede.

Wie schwierig das Geschäft mit reichen Kunden aus der teuren Schweiz heraus geworden ist, zeigt die Entwicklung der Margen.

Brutto sank diese in der UBS-Vermögensverwaltung zwischen dem 2. Quartal 2013 bis zum jetzt abgeschlossenen Quartal, also in den letzten 24 Monaten, von 90 Basispunkten auf noch 85 Basispunkte.

Enttäuschend.

Doch nach Abzug der Kosten steht die Bank besser da. Netto stiegen die Margen im gleichen Zeitraum, und zwar von 28 auf 32 Basispunkte respektive 0,32 Prozent.

Dort scheint die Luft dünn zu werden. Über die letzten vier Quartale hinweg bewegte sich die Nettomarge um diese Grösse herum.

Preissteigerungen sind offensichtlich schwierig – zu hart ist die Konkurrenz, die aus Ländern mit tieferen Kosten heraus operieren kann.

Deshalb das Exitprogramm für die 30 Milliarden, welche die UBS als unproduktiv betrachtet.

Die Entwicklung gibt der Bank, zumindest für den Moment, recht. Sie hat zwar im Vergleich zur CS nicht mit einem nie erwarteten Resultat brilliert. Doch sie hat genug verdient, um ihren Kern zu stärken.

Das Kapital. Bezogen auf die Risiken stieg die Kernkapitalquote auf 14,4 Prozent, was ein hoher Wert ist. Die CS liegt mit ihren 10,3 Prozent weit zurück.

Absolut gesehen nähert sich die UBS den 5 Prozent, die ein neues Minimum in der globalen Landschaft für Grossbanken darstellen.

Kommentare

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

  1. Bonviva ist nicht die Idee um die Bank zu retten, Viel Wind um eine langweilige und teure Idee. Eigene Mitarbeiter werden zwangsverpflichtet. Brunner muss sich was anderes einfallen lassen, wenn er nochmals eine Chance haben will und nicht als Irrlicht in die Annalen der CS eingehen möchte.

  2. Tja, wenn es Geld kostet, dann hört der Spass sogar mit Neugeld auf. Man sieht hier schön, wer von den beiden dringender Neugeld braucht. Die CS hat traditionell ein Neugeldproblem ausserhalb von APAC, besonders im Schweizer Retail- und PB-Geschäft. Deshalb Brunner’s wiederholte Zinsaktionen. Er ist ein guter Rechner: wenn es also nichts brächte, würde die Aktion nicht Jahr für Jahr stattfinden. Aber im Kern eine Krämerübung um Kleinbeträge. Bei der UBS findet die „Liquiditätsloswerdeübung“ bei Firmen und UHNWI statt: ganz eine andere Liga und zuweilen mit grossen Beträgen. Bin mit LH einig, auch wenn er Äpfel mit Birnen vergleicht: die UBS macht es einfach besser. Nicht sympathisch, aber professionell.

  3. Bonviva Platinum. Dann steht man am Chicago OHare und kann mit der Priority Karte nicht mal mehr in die United Lounge !

  4. Ach so, man darf also nicht einmal mehr Pulver trocken halten, sondern soll quasi auf Befehl gefälligst investieren bzw. von der Assetklasse „Cash“ in börsengehandelte Assets mit Depot bei der UBS wechseln und Kommissionen generieren? – Hätte die UBS wohl gerne.

  5. „die in eine Phase der Neufindung eingetreten“

    -> Solange ich die CS kenne, ist sie in einer Phase der Neufindung. Diese Firma ist einfach nur Zeitverschwendung.

    • nicht in diesem Umfang wie es bei der CS passiert. Mittlerweile ist das ein Ziel und planloser Haufen im Zustand der fortgeschrittenen Wohlstandsverwahrlosung

  6. Was bringt es bei einer globalen Bank über Bonviva zu sprechen…das gibts nur in der Schweiz. Verstehe den Vergleich zwischen einem Schweizer Angebot und dem weltweitem Gewinn der beiden Grossbanken nicht.

    Das Pendent zum UBS Advice (?) heisst CS Invest btw…