Pierin Vincenz verdoppelt sich Entgelt bei Leonteq

Neuer Präsident der Struki-Bude langt zu – Insiderjob: Hatte als Raiffeisen-CEO Leonteq geholfen – Nachfolger Gisel schaut zu.

Ein Insiderjob erster Güte spielt sich bei Leonteq, einer Derivatefirma mit Börsenkotierung, ab. Er hat das Zeug zum endgültigen Beleg, dass die Minder-Mässigungsinitiative nichts bringt.

Im Zentrum steht Pierin Vincenz, ein Wolf of Grisons quasi. Der Bündner mit der langen Salon-Sozialisten-Karriere bei Raiffeisen wird richtig, richtig reich in seinem dritten Berufsleben.

Vincenz, neuer Multi-Verwaltungsrat, übernimmt bei der Leonteq Ende März das Präsidium. Dies, nachdem er schon bei der Helvetia Versicherung den Kapitänsjob ergattert hatte.

Gleichzeitig mit der Stabsübergabe schiesst die Entschädigung für das Präsidium bei der Strukturierten-Firma, die an der Börse massiv unter Druck geraten ist, in die Höhe.

Der bisherige Leonteq-Präsident Peter Forstmoser, ein bekannter Anwalt und Aktienrechtler, erhielt für 2015 total 330’000 Franken. Schon das war deutlich mehr als 2014 mit 140’000 Franken.

Bei Pierin Vincenz kann es in Zukunft mehr als das Doppelte sein.

750’000 Franken beträgt die neue Obergrenze für den obersten Kopf und Aufseher – für ein Mandat, das er nebenbei erledigt.

Auch der Vizepräsident wird reich beschenkt. Von bisher maximal 200’000 Franken steigt der obere Rahmen für das Amt auf 400’000 Franken im Jahr.

In ihren Anträgen an die Aktionärsversammlung in dreieinhalb Wochen begründet der Verwaltungsrat die massive Erhöhung der Entschädigungen für Präsident und Vize mit deren Belastung.

Bei Vincenz ist das Honorar speziell. Erstens wegen der Höhe – drei Viertel Millionen für ein Teilzeitmandat sind exorbitant –, und zweitens, weil das Geld den Anstrich eines Kickbacks hat.

Vincenz verdiente bei der Raiffeisen einst über 2 Millionen, er flog mit dem Helikopter an Fussball-Finalspiele, half seiner Frau bei der Karriere und seiner Heimat, einem kleinen Skiort, bei Krediten.

Das viele Geld und das grosse Machtgehabe sorgten für Kritik auf Planet Raiffeisen. So musste sich Vincenz selbst beschränken. Sein Jahressalär blieb von da an knapp unter 2 Millionen.

Doch Wolf Vincenz hielt sich schadlos – mit einem Trick. Mit einer Rolls-Royce-Pensionskasse drückte er seine Gesamtentschädigung auf gegen 2,5 Millionen hoch.

Mit dem Gewaltssprung bei Leonteq wird’s noch viel bunter. Vincenz kann nun richtiggehend die Früchte seiner kaiserlichen Raiffeisenzeit ernten.

Es war nämlich Raiffeisen-Imperator Vincenz himself, der dafür sorgte, dass die Leonteq überhaupt eine nachhaltige Existenz mitten in einer anhaltend schwierigen Börsenzeit erhielt.

Raiffeisen kaufte sich in mehreren Tranchen bei der Leonteq ein und stellte in der Folge ihre riesige Kundenbasis den Turbo-Investmentbankern um Ex-Goldman-Sachs-Star Jan Schoch zur Verfügung.

Die tumben Raiffeisen-Genossenschafter, die nichts dazu zu sagen hatten, kamen zunächst in den Genuss von günstigen Aktien-Einstandspreisen.

Das führte zu Zusatzgewinnen. Auch letztes Jahr waren es wieder über 60 Millionen.

Doch damit dürfte es bald fertig sein. Die Leonteq-Aktie crashte in den letzten Monaten. Nun hat sie sich etwas erholt. Doch für wie lange, ist offen.

Nachdem Vincenz anfänglich Leonteq-Aktien günstig gekauft hatte, langte er später fast auf dem Höchst zu.

Der Durchschnittspreis für das Engagement erhöhte sich entsprechend.

Bei einer Kapitalerhöhung im Sommer 2014 wurde die Raiffeisen offensichtlich über den Tisch gezogen von den smarten Leonteq-Boys.

Für Vincenz ging die Rechnung privat auf. Er nahm Einsitz im Verwaltungsrat der Leonteq, wurde dort rasch Vize und durfte das Honorar für die Aufgabe bereits für sich behalten, als er noch Raiffeisen-CEO war.

Das jetzt fast verdoppelte Entgelt landet sowieso in Vincenz‘ Privattasche.

Anders als bei seinem Nachfolger auf dem operativen Chefsessel der Raiffeisen. Patrik Gisel, der ebenfalls in den VR der Leonteq gewählt wurde, gab sein Honorar zumindest teilweise der Raiffeisen ab.

Das ist zwar vorbildlich.

Weniger überzeugend ist, wie Gisel beim Treiben seines Ex-Chefs zuschaut.

Gisel kennt die Geschichte der Raiffeisen-Beteiligung an Leonteq. Er weiss um den Sololauf seines grossen Förderers und Mentors.

Jetzt könnte er gegen das Abkassieren durch Vincenz aufstehen.

Er tut es nicht, kassiert mit – und hält’s Maul.

Kommentare

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  1. Ein Jahr ist vergangen seit der Publikation dieses Artikels. Die Aktie ist am Boden. Vincenz ist immer noch am Ruder und abzockt weiterhin. Hätte er für seine Megabezüge nicht aufpassen müssen? Wo ist die Ethik dieser „Manager“ ? Wo ist die Finma mit seinem sonst „strengen“ Chef ?

  2. Typen wie Vincenz lernen im Leben fast nie dazu, sie kriegen den Hals kaum je voll genug. Minder ist zu verstehen und lässt grüssen.

    • Neid ist wohl die grösste Anerkennung, die einem gegeben werden kann…
      Nicht Herr Vincenz gibt sich den Lohn, dieser wird von den Inhabern bestimmt.

    • Yvonne: Neid, besser gesagt Sozialneid, ist eines der letzten verbliebenen Gesellschaftskorrektive und drückt Ablehnung von Übermass aus. Er ist in dem Zusammenhang positiv und verhindert, dass die Gesellschaft in passiver Ohnmacht versinkt.

  3. Nun, der gute P. Vinzenz zeigt sich halt genau so gierig wie etliche andere Banker auch. Das erstaunt nicht wirklich. Da Vinzenz sein Honorar nicht in Eigenregie bestimmen kann, muss man wahrscheinlich auch den willfährigen Leonteq-VR kritisieren, der diese unappetitliche Sache abnickt. Da L. Hässig von der „langen Salonsozialistenkarriere“ von Vinzenz spricht, muss man annehmen, dass dieser SP-Mitglied ist. Das wäre dann der Witz des Jahres !

  4. Der Artikel ist grundrichtig. Die viel grössere Frage ist aber, ob Vincenz nur mit seinem VR Mandat „Kickback“mässig an der Leonteq verdient hat, oder nicht viel mehr durch das massive traden über Kollegen mit Aktien und Optionen Long und short der Leonteq Aktie. Fakt ist nämlich, dass bereits vor ein paar Monaten klar war, dass Leonteq von 210 CHF auf unter 100 CHF wie ein Stein fallen würde (was ja auch passiert ist). weil wohl alle Insider wussten, dass bestimmte grössere Aktionäre verkaufen wollten etc. Es wäre also ein leichtes für Vincenz‘ Vertraute/Freunde gewesen die Aktie einmal auf dem Push Weg von 50 auf 200 zu spielen und jetzt die letzten Monate wieder massiv zu shorten. Falls dem so war, so ist zu vermuten, dass ihm diese beiden trades >20 Mio. CHF eingebracht haben…Vincenz hat also 2x richtig Party gefeiert, Offshore-Party (?)

  5. Vincenz führt dieRaiffeisenkultur ad absurdum. Oder anders gesagt: Jeder Mensch ist wertvoll, gewisse jedoch nur als abschreckendes Beispiel.

  6. Mein Grossvater war noch der erste Kassier der ersten Raiffeisenbank der Schweiz in Bichelsee im Thurgauer Tannzapfenland. Er und sein Mentor, der Dorfpfarrer Traber würden sich wohl im Grab umdrehen, wenn sie solche Geschichten hören würden. Dieser schickte übrigens meinen Grossätti erbarmungslos in die Wüste, als er einmal eine kleine – unbeabsichtigte – Unregelmässigkeit entdeckte.

  7. Der Artikel ist sehr reisserisch formuliert, vielleicht auch bewusst rufschaedigend. Fakten sind doch eher, dass die GV der Leonteq ueber diese Entschaedigung abstimmen wird (dh die Eigentümer) und dass diese Entschaedigungen nicht als Geschenke, sondern als Kompensation fuer zu erbringende Leistungen zu sehen sind.

    Offensichtlich feindet der Autor wieder und wieder bewusst gewisse Individuen in seinem Blog an. Auch werden offensichtlich Fakten verdreht: Raiffeisen hat den Grossteil ihrer Beteiligung an Leonteq zu CHF 22.50 (IPO Preis) gekauft, was gegenueber einem jetzigen Aktienkurs von CHF 97 einem satten Kapitalgewinn entspricht. Diesen Raueber Hotzenplotz Geschichten, dass sich Raiffeisen ueber den Tisch hat ziehen lassen, fehlt die faktische Basis. Sollten Journalisten nicht Fakten recherchieren?

    • NR Martullo-Blocher würde zu LH sagen: You are a dreamer! Und meine Wenigkeit sagt: LH ist ein Märchenerzähler wie auch der liebe Martin Köchli.