Bonusfaktor Frau im Swiss Banking

Susanne Brandenberger, Ex-Vontobel, darf gleich in zwei VR von Banken sitzen – Finma verweist auf schwammige Regelung.

Ein Banker in zwei Bankenverwaltungsräten? Niemals. Oder doch? Bei Susanne Brandenberger, einer weitherum geschätzten Risikospezialistin und Ex-Vontobel-Bankerin, wird ein Auge zugedrückt.

Brandenberger ging letztes Jahr zunächst in den VR der EFG. Diese übernimmt derzeit die grosse Tessiner BSI, was eine Grosstransaktion für den Finanzplatz bedeutet.

Vor wenigen Wochen wurde Brandenberger auch noch für das Aufsichts- und Strategiegremium der Thurgauer Kantonalbank vorgeschlagen. Ihrer Wahl steht nichts im Weg.

Ein zweiter VR-Kandidat für die Thurgauer, der von Raiffeisen stammt, muss seine alte Bank verlassen. Brandenberger, die Frau und Risikospezialistin, darf bei der EFG bleiben.

René Bock, der Präsident der Ostschweizer Staatsbank, begründet dies mit der Idealbesetzung, welche Brandenberger für seinen VR darstelle, sowie der fehlenden Geschäftsüberschneidung.

„Die EFG und wir im Thurgau haben keine Berührungspunkte“, sagt Bock. „Mit der Raiffeisen ist das anders, da konkurrenzieren wir direkt.“

Die EFG wollte sich nicht zum Fall äussern.

Die Finma in Bern, die zum Rechten schauen muss, versteckt sich hinter Paragraphen und Regulierungen.

Ein Verbot für den Einsitz in zwei Banken-VR gibt es nicht. Lediglich Appelle an die Mitglieder der Oberleitung, gesunden Menschenverstand und saubere Professionalität zu wahren.

„Ein Mitglied, das die Anforderungen nicht mehr erfüllt oder in einen dauerhaft unlösbaren Interessenkonflikt gerät, stellt sein Amt zur Verfügung“, ist das Schärfste, was die Finma festhält.

Brandenberger als Risikospezialistin könnte schneller in einen Interessenkonflikt geraten, als die Verantwortlichen derzeit wahrhaben wollen.

Die Thurgauer Kantonalbank hat ein eigenes Private Banking. Die EFG und die BSI wollen im Private Banking punkten.

Beide haben als Kernkunde den Schweizer und Ausländer mit Wohnsitz Schweiz im Auge. Dieser Markt ist derzeit besonders umkämpft.

In der Ostschweiz und am Bodensee leben viele Wohlhabende. Sowohl für die Thurgauer KB als auch für die EFG-BSI stellen sie ein gefundenes Fressen dar.

Und dann noch dies: Kleinere und mittelgrosse Privatbanken und Vermögensverwalter müssen sich überlegen, ob sie allein weitermachen oder sich zum Verkauf anbieten wollen.

Bei dieser Konsolidierung will die EFG-BSI ganz bestimmt ein Wörtchen mitreden, aber auch die Kantonalbanken sehen das Private Banking aus Diversifikationsgründen als Zukunftsgeschäft.

Kurz: Die Thurgauer Kantonalbank und die Privatbank EFG-BSI würden sich nur dann per se nicht ins Gehege kommen, wenn die Thurgauer Private Banking abstinent wären und die EFG-BSI keinen Fuss in die Ostschweiz setzen würde.

Das ist nicht der Fall.

Damit ist Brandenberger ein Fall.

Einige Gesprächspartner verwiesen auf die bisher tadellose Leistung der Risikospezialistin. Bei ihr könne man sicher sein, dass sie wisse, was sich gehöre.

Das mag sein.

Doch gerade diese Vorschusslorbeeren können zum Problem werden.

Der Frauenbonus, der beim desolaten Stromkonzern Alpiq in diesen Tagen zum Thema wird, könnte auch bei der Wahl von Brandenberger gespielt haben.

Kommentare

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  1. Vielleicht besinnt man sich im Thurgau als Staatsgarantie-Institut wieder einmal auf den eigentlichen Grundauftrag, nämlich die Stützung der Wirtschaft im Kanton, anstatt in fremden Teichen zu fischen und sich als kleine Grossbank mit PB-Allüren (aktuelle Werbung „bei uns sind sie nicht nur mit Privatjet willkommen!“) aufzuspielen.

    Nähme mich wunder, ob die neuen VRs dann den Mumm haben, solche Gebahren abzustellen – oder geht es jetzt erst richtig los? Erwacht man erst, wenn der Steuerzahler Positionen wie Sauber Hinwil, deren Thurgauer Bezug wohl ziemlich konstruiert werden müsste, einmal sanieren muss. Es es übrigens erst drei Jahre her, da wurde man am Hauptsitz in Weinfelden doch recht nervös …(http://www.toggenburgertagblatt.ch/ostschweiz/ostschweiz/tb-os/Sauber-hat-nur-Hypotheken-bei-der-TKB;art120094,3478503).

    Wird die regionale Ausweitung und die Bearbeitung von unbekannten Märkten (immer schön mit der Staatsgarantie im Rücken!) weiter getrieben oder endlich eher gebremst nach dem Motto „Schuster bleib bei deinen Leisten“?

    Hier kann sich Frau Brandenburger dereinst beweisen; hoffentlich kommt sie sich mit ihren verschiedenen Engagements nirgends in die Quere!

  2. Die Zahl der bisherigen Kommentare weist hin auf die Nicht-Brisanz der Angelegenheit. Natürlich lässt sich irgendeine Überlappung konstruieren, aber das lässt sich wohl auch bei Hunderten von Verwaltungsräten in der Schweiz. Brandenberger ist eine Risiko-Spezialistin und es spricht für die Thurgauer und die Professionalität, dass sie eine solche Person in den Verwaltungsrat nehmen. Scheinbar ist sie selber auch Thurgauerin, das Mandat wird sie wohl auch aus diesem Grund angenommen haben. Wenn beide betroffenen Gesellschaften einverstanden sind, ist die Sache doch kein Problem. Schlussendlich entscheidet der Kantonsrat; von Mauschelei keine Spur.

    Zurück zu den wirklichen Missständen, die IP so oft richtigerweise thematisiert.

  3. Es ist gut, dass IP den Sachverhalt thematisiert. Ich hege jedoch keine Zweifel, dass Frau Brandenburger bei Befangenheit in den Ausstand tritt. Die Frau ist bisher absolut integer aufgetreten. Sie ist parteilos und keinen Seilschaften verpflichtet. Dies kann mal wohl nicht von allen Mitgliedern des VR von Thurgauer KB behaupten. Wir brauchen mehr Frauen von diesem Kaliber in den Verwaltungsräten von Schweizer Firmen. Und ich sage Ihnen, dass es viele davon gibt. Nur gehören sie nicht den üblichen Seilschaften an…..

    • Hört sich nach gutem Marketing an. Das nennt man einen Double Dip was hier abgeht. Normale Bankangestellte werden entlassen sobald der Chef erfährt, dass Herr oder Frau Banker (damit sind nur die gemeint die wirklich mit Kunden zu tun haben, sprich Frontleute und Backoffice) sobald diese einen zweit-verdienst haben per sofort entlassen werden. Was du vertickst guten Wein übers Internet, oder du machst noch nebenbei was Kreatives und bekommst Geld dafür? Weg bist du! Aber zwei Top Mandate gleiche Funktion bei Konkurrenten? Entweder M&A Gelüste oder einfach nicht ok.

    • In wie vielen Verwaltungsräten gleichzeitig sassen Walter Kielholz, Daniel Vasella, Christof Franz oder Pierin Vinzenz? Und kein Hahn krähte danach…

    • Christof Franz!? Ja, man kann auch als gänzlich Ahnungsloser bei der Basler Pharma scheinbar VR-Präsi werden und ein Millionensalär abzügeln. Na ja, immerhin kommt er nett rüber.
      Kielholz, das Ueberlebenswunder von Zürich! Rätsel über Rätsel.
      Die beiden Bündner Vs (Vasella und Vinzenz). „Na da basteln wir uns doch ein geiles und lukratives Selbstbedienungs-Modell, gell!“ Und beide fingen noch Liebschaften in der Firma an.