Weil die SNB ihren Ruf verspielt hat, ist sie nun selbst eine Aufwertungsquelle

Zur Aufhebung des Euro-Mindestkurses gab es in den Medien kaum nennenswerte Grundsatzkritik. Immerhin verwiesen einige – auch konservative – Berichterstatter auf die mangelnde ökonomische Begründung des Entscheids – ohne diesen Gedanken allerdings bis zur letzten Konsequenz weiterzuverfolgen. Die von der SNB vorgeschobenen Bilanzrisiken sind für eine Notenbank absolut irrelevant, weil sie ihr Eigenkapital jederzeit in jeder beliebigen Menge praktisch kostenlos drucken respektive buchen kann.

Die SNB hätte auch bei einer viel grösseren Bilanzsumme nie etwas verlieren können. Selbst bei einer markanten Kursschwäche des Schweizerfrankens nicht. In einem solchen Falle hätte sie mit Verkäufen ihrer Devisenbestände sogar (noch grössere) Gewinne erzielt (bei CHF 1.5 pro Euro erhielte sie bedeutend mehr Schweizerfranken pro Euro als sie bei 1.08 bezahlt hätte). Bilanzrisiken gibt es bei der SNB schlicht und einfach nicht.

Für das Direktorium der SNB stellte aber bereits die damalige Bilanzsumme von 80% des Bruttosozialprodukts (BSP) ein Problem dar. Dass unsere beiden Grossbanken über eine gemeinsame Bilanzsumme verfügen, die 300% des BSP überschreitet und sie dabei hochriskante Eigenkapitalquoten von weniger als 5% aufweisen, wird ausgeblendet – so als ob es die weltweite Finanzkrise nie gegeben hätte. Nicht bei der SNB, sondern bei den Grossbanken liegen die grössten (Bilanz)Risiken unserer Volkswirtschaft.

Singapur hat Devisenreserven in der Grössenordnung von 400% des BSP. Sie sind – im Gegensatz zu Norwegen – ohne jegliche Rohstoffexporte entstanden. Die Märkte wie auch die meisten Ökonomen interpretieren dies nicht als Schwäche, sondern eher als Stärke des Stadtstaates.

Diesem Vorbild entsprechend hätte die SNB praktisch kostenlos gedruckte oder gebuchte Schweizerfranken (anstatt wie Norwegen Öl) exportieren und damit unser Volksvermögen steigern können. Der bekannte Ökonom Professor Peter Bernholz unterstützt diesen Gedanken. Professor Didier Sornette von der ETH äussert sich ähnlich. Noch ist es leider nur eine akademische Minderheit, die solches fordert.

Zu Kosten von Null gekaufte Euro-Aktien wären eine sehr rentable Anlage. Bei CHF 2’000 Mrd. und Dividendenrenditen von 2-3% ergäbe dies willkommene Einnahmen von 40-60 Mrd. für unser Land pro Jahr – als ökonomische Entschädigung für unsere wertvolle Zurverfügungstellung eines sicheren Hortes für internationales „Angstkapital“.

Die SNB hat mit ihrem Entscheid nicht nur auf diese attraktive Einkommensquelle verzichtet, sie hat vielmehr dazu beigetragen, dass sich die Aufwertungserwartungen perpetuierten. Die Initiatoren des Euro-Mindestkurses (Thomas Jordan war damals schon im Direktorium der SNB) mussten zumindest in Kauf nehmen, dass es Monate geben würde, in denen die SNB 100 Mrd. oder mehr Euros hätte entgegennehmen müssen. Wäre sie dazu grundsätzlich nicht bereit gewesen, hätte sie den Mindestkurs niemals einführen dürfen.

Mit ihrer Kapitulation vor den „Marktkräften“ hat die SNB am 15. Januar 2015 ihr Eingeständnis einer verfehlten Analyse offenbart. Jedes Elternpaar weiss, dass eine leere Drohung bei seinen Kindern jeglichem Respekt den Boden entzieht. Mit ihrer „Bilanzlüge“ respektive der leeren Interventionsdrohung hat die SNB ihre Glaubwürdigkeit – nicht nur bei den Devisenmarktteilnehmern – weitestgehend verloren und damit nachhaltigen Schaden für unsere Volkswirtschaft angerichtet. Mit dem Resultat, dass Schweizer Anleger damit begonnen haben, sogar ihre ausländischen Aktienanlagen währungsmässig abzusichern, was vor dem unseligen Euro-Mindestkurs-Aufhebungsentscheid nur ganz vereinzelt der Fall war.

Und nun beklagt sich die SNB darüber, dass zu wenige Schweizer Anleger bereit sind, Wechselkursrisiken zu tragen. Sie war und ist es, die insbesondere auch unseren Pensionskassen den Appetit auf Fremdwährungen gründlich verdorben hat.

Damit ergibt sich ein wahrer Teufelskreis. Denn der chronische Leistungsbilanzüberschuss induziert einen ständigen Strom von Ausland-währungen in die Schweiz. Wenn es hier keine Anleger gibt, die dieselben zu halten bereit sind, dann erzeugt dies einen Aufwertungsdruck auf den Schweizerfranken. Wer flexible Wechselkurse aus ordnungspolitischen Gründen favorisiert, sollte auch dazu stehen, dass sich der Schweizerfranken letztlich so stark aufwerten müsste, dass der Leistungsbilanzüberschuss verschwindet.

Für die Exportwirtschaft und die gesamte Realwirtschaft wäre dies ein Gau. Ohne ideologische Scheuklappen betrachtet, wäre es zumindest pragmatisch-ökonomisch gedacht opportuner, dass die SNB die Fremdwährungen mittels Devisenmarktkäufen auf ihr Buch nimmt, wenn das Gros der Anleger zu ängstlich ist, die entsprechenden Währungsrisiken zu tragen.

Vor diesem Hintergrund war das ganze Mindestkurs-Experiment der SNB eher von Schaden denn von Nutzen. Es hat mit seinem tragischen Ende zur weiteren Stärke des Schweizerfrankens beigetragen. Die SNB muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie selbst – neben dem Leistungsbilanzüberschuss – zu einer systemischen Aufwertungsquelle des Schweizerfrankens geworden ist. Die Hypothese ist nicht ganz abwegig, dass die Schweiz ohne Mindestkurs-Experiment währungsmässig besser dastehen würde.

Immerhin scheint die SNB in der letzten Zeit mit „guerillamässigen“ Devisenmarktinterventionen den latenten Aufwertungsdruck auf den Schweizerfranken zu bekämpfen versuchen – nicht ohne gewissen Erfolg. Mit ihren Nadelstichen verunsichert sie all jene, die mit Hilfe von Euro-Short-Positionen kurzfristig spekulative Gewinne einfahren möchten. Ob es allerdings genügt, die inländischen Anleger vermehrt in ungesicherte Fremdwährungsanlagen zu drängen beziehungsweise deren Währungssicherungen aufzuheben, ist fraglich.

Dazu braucht es wohl noch innovativere Interventionsstrategien, die sich nicht nur auf eine Stabilisierung, sondern eine Abschwächung des Schweizerfrankens fokussieren. Sobald die Pensionskassen mit ihrer Währungssicherung markant hinter die üblichen, nicht währungsgesicherten Benchmarks zurückfallen, erhöht der stark verbreitete Performancedruck die Hinterfragung der oft systematisch angewendeten Währungssicherungen. Dass sie bei Aktienanlagen langfristig trotz Frankenstärke mit Renditenachteilen verbunden ist, hat jüngst Thomas Hauser (FuW, 20.4.2016) wieder einmal deutlich aufgezeigt. Es sind die kurzfristig scheinbar geringen Absicherungskosten, die langfristig mehr Schaden als Nutzen anrichten.

Die SNB kann den aus dem Performancedruck resultierenden Herdentrieb der (institutionellen) Investoren für ihre Zwecke nutzen. Es besteht kein Zweifel, dass sie als grosser Marktteilnehmer (ohne Budgetrestriktion) dies mit dem entsprechenden Mut und der notwendigen Raffinesse auch schaffen kann – ohne einen fixen Mindestkurs und möglicherweise sogar bei einem Verzicht auf die volkswirtschaftlich hoch schädlichen Negativzinsen. Dann könnte sie ihre Glaubwürdigkeit wieder zurückgewinnen und eine systemische Quelle der Aufwertungserwartungen beseitigen.

Kommentare

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  1. Wenn Herr Meyer und seine Jünger ihre Argumentation ernst meinen und konsequent sind, müssten sie alle Banknoten, welche ihrem potentiellen Leistungsvermögen entsprechen, in ihrer persönlichen Buchhaltung ebenso als Fremdkapital verbuchen.

    Schliesslich sind sie ja auch verpflichtet für ihre Leistungen das gesetzliche Zahlungsmittel entgegenzunehmen.

    • @Peter Keller

      Eine Wertschrift ist immer ein Aktivum und ein Passivum zugleich.

      Für.Gläubiger ein Aktivum und für Schuldner ein Passivum.

      Eine Wertschrift kann unmöglich zweimal ein Aktivum oder Passivum sein.

      Schade,;dass Sie, die SNB und die Voll-Idianten das nicht verstehen können oder wollen.

      Deshalb hat die SNB ihre Glaubwürdigkeit verlorek, wie auch Herr Zenger korrekt schreibt.

      MfG

    • @Peter Keller

      Zusatz

      Wenn Sie als Jünger der Vollgeldler auf die Bank gehen und Euros kaufen, indem Sie Ihr Konto überziehen, so verbuchen Sie die Euros auf Ihrer Aktivseite und die Bankschuld auf der Passivseite.

      Genau das tut die SNB auch. Notenbankgeld ust die Bankschuld der SNB bei den Banken.

      Die Argumente der Vollgeld- und SNB Jünger werden immer abstruser.

      Einfach nur noch lächerlich und bedenklich, was diese hier zum Besten geben.

      Es geht miitlerweile schon um über 600 Milliarden, welche die SNB als Vermögen statt als Schuld deklariert.

      MfG

  2. Herr Dr. Meyer, Ihre Behauptungen und Irrlehren beruhen auf der völlig falschen Annahme, dass beim „Gelddrucken“ der SNB Fremdkapital aufgenommen wird. Als Beweis führen Sie an, dass das Notenbankgeld auf der Passivseite der SNB-Bilanz steht. Nun ist das aber ganz anders. Wie jeder Ökonom weiss – einige wenige Dr Meyer und andere werden das nie verstehen ist der Gedankengang dass die Aufführung auf der Passivseite total falsch ist aber historisch gewachsen und diese Dummheit bis heute nicht korrigiert. Denn zu Zeiten als Golddeckung verlangt wurde war das Richtig. Heute aber nicht mehr. Gehört klar auf die Aktiv-Seite. Man kann also völlig Richtig von einem Aktiv-Posten reden auch wenn das auf der Passiv-Seite steht.

    • @Heinz Kremsner

      Sehr geehrter Herr Kremsner

      Danke. Sie bringen es auf den Punkt.

      Und ich denke, ich bin im falschen Film.

      Aber gut, wenn Sie überzeugt sind, dass Notenbankgeld auf der Aktivseite der SNB-Bilanz zu verbuchen ist, warum wehren Sie sich nicht dagegen?

      Sie würden ja im SNB-Direktorium offene Türen einrennen.

      SNB Chef Prof. Dr. Thomas Jordan behauptet ja auch, dass es sich bei Notenbankgeld um „Liquidität“, also um Vermögen der SNB handelt, womit die SNB alles kaufen könne.

      Auch unser SNB-Chef interpretiert Notenbankgeld als Aktivum der SNB.

      Ja sogar unser Bundesrat behauptet das (siehe seine Antwort auf SVP-Motion). Und das ganze Parlament meint das auch.

      Es wird behauptet, die SNB könne unmöglich „illiquide“ werden; will heissen: die SNB kann unbeschränkt Aktiven aus dem Nichts erschaffen.

      Auch die Professoren im Umfeld der SNB, welche liebend gerne einen Job bei der SNB hätten, meinen das auch.

      Ja sogar in den Schulbüchern wird Geld als Aktivkredit der Zentralbank angepriesen.

      Und wer nicht spurt, dessen Job ist weg.

      Auch der SNB-Bankrat meint das.

      Alle Nobelpreisträger, die Sie ja so bewundern, meinen das auch.

      Und jetzt kommt ja die Vollgeld-Initiative vors Volk, die das auch will. Sie will ja aktives schuldfreies Vollgeld.

      Also was warten Sie alle noch. Verbuchen Sie doch Notenbankgeld auf der Aktivseite der SNB-Bilanz.

      Was verbuchen die SNB dann auf der Passivseite der SNB-Bilanz, wenn auf der Aktivseite das Notenbankgeld steht?

      Ach ja – Eigenkapital natürlich. Das hat uns ja der SNB-Chef Prof. Dr. Thomas Jordan auch schon gesagt (siehe „Braucht die Nationalbank Eigenkapital?“ Vortrag vor der ehrwürdigen Statistischen Gesellschaft Basel, S.13).

      Wenn das so ist, dann können ja die Notenbanken der Welt alle Probleme lösen. Sie können alles bezahlen. Keine Staatschulden mehr, keine Finanzkrisen mehr, keine Armut mehr usw.

      Die Voll-Idianten versprechen uns ja all das mit ihrer Vollgeld-Initiative.

      Sie befinden sich also auf der Siegerstrasse Herr Kremsner.

      Also weswegen regen Sie sich auf ab einigen „Unbelehrbaren“ hier auf Inside Paradeplatz?

      Chillen Sie’s.

      Freundliche Grüsse und einen schönen Tag wünscht ihnen der unbelehrbare

      Marc Meyer

    • Sehr geehrter Herr Kemsner

      Bei Ihrem Statement wird mir wirklich bange ….
      Ich kann mich nur widerholen; würden Astro- und Quantenphysiker ihre Theorien so schludrig hinterfragen wie die Geldtheoretiker, glaubten wir immer noch die Erde sei eine Scheibe.
      Nebenbei stelle ich immer wieder fest, dass gerade der Schweizer toxisch reagiert, wenn er gespiegelt bekommt, dass er vielleicht doch nicht so schlau war wie er gemeint hat. Ein Lehrer hat mir gesagt, dass die grossen Fehleinschätzungen in den einfachen Zusammenhängen passieren, er hatte recht – man sollte die einfache Struktur einer Bilanz schon richtig interpretieren können.

      Freundliche Grüsse Rico Meier

  3. Herr Dr. Meyer und alle anderen Buchhalter hier,
    Natürlich ist es Definitionssache und es ist auch in Ordnung, wenn dieses Notenbankgeld auf der Passivseite aufgeführt wird. Entscheidend ist jedoch, von welchem Notenbankgeld man spricht: Notenbankgeld, welches nicht im Umlauf ist, sondern von der SNB gehalten wird, wird weder als Assets, noch als Liabilities behandelt. Fremdkapital der SNB wird dieses Geld erst, wenn es in Umlauf gebracht wird.
    Und hier liegt auch der Unterschied zwischen der SNB und Ihnen/mir/und den anderen Playern: Kaufen wir Assets oder befriedigen wir eine Geldschuld, so haben wir weniger Geld (Bar/Konto). Kauft die SNB Assets oder befriedigt eine Geldschuld mit Geld, dass sie selber hält, so hat sie deswegen nicht weniger Geld, wenn sie die gleiche Menge wieder druckt. (Deshalb könnte man diese Geldschöpfung ökonomisch betrachtet als Eigenkapital ansehen – aber auf diese Diskussion möchte ich mich aufgrund Ihres Buchhalter-Dogmas gar nicht erst einlassen). Und weil sie jede beliebige Menge praktisch kostenlos drucken oder buchen kann, kann sie ihre Bilanz ohne Limit ausdehnen und deshalb sind auch die Bilanzrisiken total irrelevant.

    Man kann es Ihnen als Lehrer nicht übel nehmen, aber ich wünsche Ihnen trotzdem, dass Sie sich von Ihrem Buchhalter-Dogma befreien können.

    • @Expecting Rain

      Danke für Ihren Beitrag.

      Sie argumentieren genauso naiv wie das Direktorium unserer Nationalbank – und dabei geht es um über 600 Milliarden Schulden der SNB (Staatsschulden), von denen die SNB behauptet, es handle sich um Vermögen der SNB („Liquidität“ bzw. „Zahlungsmittel“ der SNB).

      Darf ich zudem noch vorausschicken: Ich bin nicht Buchhalter, sondern Volkswirtschafter. Ich habe u.a. a der London School of Economics and Political Science studiert. Und ich bin als Volkswirtschafter auf die Irrtümer gestossen, welche die SNB bezüglich ihrer Bilanzanalyse begeht.

      Und es ist seltsam: Als Volkswirtschafter muss ich die Buchhalter der SNB sowie die SNB-Professoren darauf aufmerksam machen, dass sie schwerwiegende Irrtümer in ihrer Bilanz-Analyse einer Zentralbank begehen.

      Zudem bin ich auch „Banker“. Ich habe 15 Jahre Bankerfahrung, davon rund 10 Jahre als Strategist bei der UBS. Ich war also „im Auge des Hurricanes“. Ich habe tagtäglich mit den Händlern kommuniziert und Empfehlungen an die Anlageberater und Filialen rund um die Welt gegeben und ich denke, dass ich recht gut weiss, wovon ich spreche.

      Weil ich es wagte, als Privatmann die Geldtheorie, welche der Geldpolitik der SNB zugrunde liegt, zu hinterfragen, wurde ich gezwungen, die UBS zu verlassen. Ich konnte nicht mehr auf einer Bank arbeiten. Der Arm der SNB ist lang.

      So wurde ich Lehrer und bin nun bald gegen 20 Jahre Lehrer. Dabei habe ich meine Fähigkeit verbessert, komplizierte Zusammenhänge möglichst einfach darzustellen. Und ich hoffe, Sie profitieren auch davon.

      Und nun zum Fachlichen:

      Erstens:
      Banknoten, die gedruckt aber noch nicht im Umlauf sind, sind in der Bilanz der SNB nicht zu finden. Diese besitzen fast keinen Wert (30 Rappen pro Stück). Das wird möglicherweise in einer internen Bilanz unter „Notenvorrat“ oder einer ähnlichen Bezeichnung verbucht. Auf jeden Fall weder unter „Notenumlauf“ (Passivum) noch „Kasse“ (Aktivum).

      Richtig: Die Banknoten werden erst zu Fremdkapital, wenn sie in den Umlauf gelangen. Und die Giroguthaben der Banken bei der SNB entstehen erst, wenn die SNB Fremdkapital bei den Banken aufnimmt (also Euros oder Dollars kauft, indem sie ihr Konto bei den Banken überzieht).

      Letzteres ist vergleichbar wie wenn Sie am Bankschalter Euros kaufen ohne dass Sie einen positiven Saldo (Vermögen) auf Ihrem Konto hätten. Sie überziehen somit Ihr Konto. Genau das tut die SNB auch.

      Zweitens:
      Sie schreiben: Zitat:

      „Kauft die SNB Assets oder befriedigt eine Geldschuld mit Geld, dass sie selber hält, so hat sie deswegen nicht weniger Geld, wenn sie die gleiche Menge wieder druckt.“

      Zitat Ende

      In ihrem Satz stecken diverse Irrtümer. Sie behaupten, die SNB würde „Assets kaufen und mit Geld bezahlen, das sie selber hält.“

      Sie unterstellen nun also doch, dass Geld in der Bilanz der SNB ist verbucht sei, und zwar als Aktivum. Nur mit einem Aktivum können Sie etwas kaufen.

      Das widerspricht Ihrem ersten Satz, wonach Sie korrekt argumentierten, dass nicht emittiertes Geld weder als „Asset“ noch als „Liability“ in der Bilanz der SNB erscheine.

      Sehen Sie Ihren eigenen Widerspruch?

      Sie begehen denselben Überlegungsfehler wie SNB-Chef Prof. Dr. Jordan: Auch er betrachtet von der SNB gedrucktes Geld als „Liquidität“ der SNB bzw. als Vermögen der SNB, womit diese alle ihre Verbindlichkeiten bezahlen könne.

      Drittens:
      Sie schreiben, die SNB habe immer gleich viel Geld, wenn sie ausgegebenes Geld sofort wieder drucke.

      Auch das ist falsch: Nur wenn die SNB Geld als Aktivum der SNB drucken könnte, könnte sie immer neues Geld rucken und damit Euros kaufen oder Schulden abbauen.

      Und weil die SNB das gedruckte Geld immer gleich wieder ausgeben würden, wäre das Resultat, dass in der Bilanz der SNB gar kein Geld verbucht wäre. Wenn Sie aber die SNB-Bilanz ansehen, so erkennen Sie, dass der Notenumlauf und die Giroguthaben der Banken auf der Passivseite der SNB-Bilanz verbucht sind.

      Würde es sich bei gedruckten Banknoten tatsächlich um „Liquidität“ bzw. um aktives Geld in der Kasse der SNB handeln, so würde beim Druck dieser Banknoten Eigenkapital der SNB entstehen. Das ist aber falsch: Es entsteht Fremdkapital.

      Diese Banknoten würden dann bei Emission aus der SNB-Bilanz ausgebucht und sie würden frei in der Wirtschaft herumschwirren ohne Gegenwert bei der SNB.

      Beim Notenumlauf handelt es sich jedoch im Gegenteil um Fremdkapital der SNB; und dieser Notenumlauf wird bei Emission nicht ausgebucht, sondern im Gegenteil auf der Passivseite der SNB-Bilanz eingebucht.

      Daraus folgt, dass jede emittierte Banknote einen entsprechenden Gegenwert in der Bilanz der SNB besitzt. Dieser Gegenwert garantiert für die Sicherheit der Banknote. Bei „Aktivgeld“, „Helikoptergeld“, „Fiat-Geld“ und dergleichen, wäre das nicht der Fall.

      Diese Geldarten kann es gar nicht geben, weil ein Wertpapier nicht ein Aktivum des Geldemittenten und zugleich ein Aktivum des Geldinhabers sein kann. Jedes Wertpapier ist einmal Aktivum und einmal Passivum.

      Sie wünschen mir, dass ich mich von meinem Buchhalter-Dogma befreie. Das ist nett von Ihnen. Sicher noch gut gemeint.

      Die Buchhaltung ist jedoch nicht das Problem. Das Problem ist, dass unsere Nationalbank ihre eigene Buchhaltung nicht versteht. Und Sie verstehen Buchhaltung offensichtlich genauso wenig wie auch die Vollgeld-Initianten.

      Sie scheinen aus der Ecke der Vollgeld-Initianten zu kommen. Die wollen ja die Buchhaltung sogar abschaffen und behaupten, Buchhaltung sei irrelevant. Sie schiessen auf die Buchhaltung, weil diese ihre Theorie ganz klar widerlegt.

      Die Vollgeldler meinen, wie unsere SNB auch, dass es sich bei Notenbankgeld um ein Aktivum der SNB handle („Liquidität“). Sogar unser Bundesrat ist auf diesen Irrtum hereingefallen (Siehe Antwort des Bundesrates auf die SVP-Motion: „Verschuldungslimite für die SNB“).

      Und genau hier liegt das Problem: Unsere SNB und die Vollgeldler verstehen nicht, wovon sie schwatzen. Die Buchhaltung deckt lediglich auf, dass die SNB und die Vollgeldler einen Irrtum begehen.

      Nicht die Buchhaltung begeht den Irrtum, sondern die SNB, die Vollgeldler und Sie begehen den Irrtum.

      Die Buchhaltung ist nur ein Spiegel der Realität. Wenn die Realität nicht passt, so ist nicht der Spiegel daran schuld. Bitte lassen Sie den Spiegel in Ruhe – machen sie diesen nicht kaputt – die Realität verbessert sich dadurch nicht.

      Und die Buchhaltung zeigt uns, dass bei einer Geldemission nicht Eigenkapital entsteht, wie die SNB meint, sondern Fremdkapital der SNB.

      Ich hoffe, etwas zur Klärung beigetragen zu haben.

      mfG

      Marc Meyer

    • Sie geben dem Thermometer schuld an der Temperatur. Diese Ignoranz hat tatsächlich dogmatische Züge. Sie drehen sich damit aber guter pseudonymer Gesellschaft geistig im Kreis.

      Freundliche Grüsse Rico Meier

    • @Rico Meier

      Super! Ihr Vergleich mit dem Thermometer trifft voll ins Schwarze!

      Ich habe geschrieben, er soll bitte den Spiegel nicht kaputt machen, die Realität ändere sich dadurch nicht.

      Kommt etwa auf das Gleiche heraus.

      Aber es ist offensichtlich: Immer mehr Leserinnen und Leser verstehen allmählich den Irrtum der SNB.

      viele Grüsse

      Marc Meyer

    • Damit keine Missverständnisse entstehen: Mein obiger Kommentar bezieht sich auf das Statement von „expecting rain“.

      Freundliche Grüsse Rico Meier

    • Herr Dr. Meyer

      Herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Leider genügt es nicht, wenn Sie nun komplizierte Zusammenhänge einfach darstellen können, solange Sie die Zusammenhänge nicht korrekt verstanden haben. Ich habe zwar bereits mit dem ersten Beitrag gedacht, dass ich Sie auf Ihren Irrtum hinweisen könnte. Offensichtlich nicht. Darum hier nochmals eine Erklärung mit zwei ganz einfachen Beispielen. Ich hoffe, Sie können davon profitieren.

      Das Wichtigste zuerst: Sie sollten die Beiträge lesen und sich nicht einfach vorstellen, was Sie gerne gehört haben möchten. Wenn Sie den Unterschied von im Umlauf und nicht im Umlauf befindlichem Notenbankgeld verstehen würden, würden Sie auch meinen Beitrag verstehen. Sie behaupten, dass man mit Notenbankgeld, das nicht im Umlauf ist, nichts kaufen könne, weil es nicht in der Bilanz aufgeführt ist. Stellen Sie sich vor, die SNB hat gerade ein Papier gedruckt, z.B. eine 100er Note. Diese ist noch nicht im Umlauf, sondern liegt fertig und abholbereit im Drucker. Nur weil diese Note auf einem anderen Papier (Bilanz) (noch) nicht aufgeführt ist, liegt sie trotzdem parat im Drucker. Wenn die SNB das Papier (100er Note) aus dem Drucker nimmt, kann sie Assets kaufen/Schulden tilgen. Erst in dem Moment, wo sie Assets kauft/Schulden tilgt, ist die Note im Umlauf und würde auf dem anderen Papier (Bilanz) als Fremdkapital aufgeführt werden.

      Noch zum Wert des Geldes. Es wäre von Vorteil, wenn Sie auch verstehen würden, was das Notenbankgeld bedeutet, welches die SNB als Fremdkapital aufführt. Gehen Sie zum Beispiel mit einer 100er Note zur SNB, so kann sie Ihnen diese gegen z.B. 5 20er Noten tauschen. Es ist aber weiterhin bedrucktes Papier, das sie erhalten und dieses verspricht höchstens andere Arten von „Papierversprechen“ (andere Noten), nichts anderes. Ob das Papier einen Wert hat, entscheidet sich alleine aufgrund dem Vertrauen der Player in dieses Papier (Note). Ausser der Höhe der im Umlauf befindenden Geldmenge, ist es (da praktisch gratis herstellbar und potentiell wertlos) irrelevant, wie gross die Bilanzsumme der SNB ist. (Darum auch die erwähnte potentielle Ansicht als Eigenkapital.)

      Was mich noch interessieren würde: Müssen Ihre Schüler an einer Prüfung etwas Falsches (Ihre Ansicht) vertreten, um die volle Punktzahl zu erhalten? Ich hoffe nicht, ansonsten sollten Sie froh sein, dass Sie diesen Job nicht auch noch verloren haben.

      PS: Der Wunsch, sich von Ihrem Buchhalter-Dogma befreien zu können, war tätslich gut gemeint.

      Ich wünsche Ihnen ein erkenntnisreiches Wochenende

    • @expecting rain
      Cool, eine bedruckte, sich aber noch nicht im Umlauf befindende Banknote hat also einen Geldwert??? Wenn das die ganze Vollgeldlogik ist, bin ich ziemlich beruhigt! Soviel Disqualifikation spricht schlicht und einfach für sich selbst.

    • @expecting rain

      Könnte die SNB eine Banknote drucken und dsmit etwas bezahlen, so müsste sie diese Banknote als Aktivum vervuchen und es entstünde Eigenkapital der SNB.

      Sie erzählen denselben Unfug wie SNB Chef Jordan.

      MfG

  4. „Die von der SNB vorgeschobenen Bilanzrisiken sind für eine Notenbank absolut irrelevant, weil sie ihr Eigenkapital jederzeit in jeder beliebigen Menge praktisch kostenlos drucken respektive buchen kann.“

    Herrje, wie wäre es mit einem Buchhaltungskurs?

    • Anderes Beispiel: Vania Alleva Co-Präsidentin Unia fordert in TA Interview Ende April die Wiedereinführung Mindestkurs CHF/EUR mit der Begründung „Es handelt sich doch bloss um Buchgeld“. Dies kombiniert sie mit der ewigen Leier vom überbewerteten CHF. Nicht nur dem Autor, auch der SNB und anderen Exponenten täte ein Bilanzanalyse Kurs mehr als gut. Verbucht ist’s schon richtig, nur ziehen die Verantwortlichen die falschen Schlüsse aus der SNB Bilanz, was noch viel bedenklicher ist.

      Freundliche Grüsse Rico Meier

    • @Rico Meier

      Es ist unglaublich, dass eine Co-Präsidenten der UNIA so irreführend argumentiert.

      Haben die Genossen nicht gemerkt, dass auch ihr Lohn „nur aus Buchgeld“ besteht?

      Jeder Geschäftsabschluss betrifft „nur“ Buchgeld.

      Ein Verlust auf Buchgeld ist noch schlimmer als ein realisierter Verlust, weil die Position noch offen ist und weiter Verluste bringen kann.

      Aber eben: Die SNB und ihre NZZ verbreiten solche Irrlehren immer wieder.

      Wenn die SNB einen Gewinn erzielt, dann spricht sie von Gewinn und bei einem Verlust von „Buchverlust“, das sieht harmloser aus, ist aber gefährlicher.

      Freundliche Grüsse

      Marc Meyer

  5. Nun, die SNB Leitung ist in den Händen der Groß- und Privatbanken, die anstelle des Bankgeheimnisses die Vorteile des Schweizer Franken als Reservewährung der Reservewährungen verkaufen, so kann man die ausländische Kundschaft behalten und neue dazu gewinnen. Gegen diese Politik der SNB und ihrer Profiteure aus Bank- und Anwaltskreisen zu kämpfen, ist völlig nutzlos. Man kommt sich vor wie Don Quijote.
    Vielleicht ändert sich dies bei 7 % Schweizer Arbeitslosigkeit und die Schweizer Industrie nur noch die Hälfte von dem ist, was sie vor 2015 war.

    • Ja klar, und die Welt ist eine Scheibe! Natürlich gibt es auch beim heimischen SNB-Direktorium gewisse Interessenvertretungen. Dass die SNB aber ausschliesslich solche der Geschäftsbanken vertreten soll, zeugt von gänzlicher Unwissenheit. Ich kenne keine einzige Geschäftsbank, welche nichts lieber als deutlich positive Grundzinssätze hätte!

    • Studieren Sie mal das Wort Deflation und schauen Sie nach in der Wirtschaftsgeschichte der Schweiz der 30er Jahre. Ich habe von der Vermögensverwaltung gesprochen und nicht von der Kreditabteilung. Auch in den 90er Jahren hat die SNB mit hohen Zinsen eine ähnliche Politik betrieben und viele Lokalbanken gingen hopps, aber nicht die Banken mit weltweitem Private Banking. Die Politik der SNB hat uns damals 10 Jahre lang kein Wachstum gebracht und die Sache wiederholt sich.

    • Was hat die SNB grundsätzlich – abgesehen davon, dass sie ihre Devisenreserven natürlich gezwungenermassen „verwalten“ müssen – mit Vermögensverwaltung zu tun? Könnte das eine möglicherweise irreführende Aufgabenvermischung Vater des Wunschgedankens sein?

  6. Ein unglaublicher Blödsinn, der hier wieder behauptet wird.

    Das Eigenkapital der SNB würde nur zunehmen, wenn Notenbankgeld ein Aktivum der SNB wäre, das ist es aber nicht.

    Wenn natürlich SNB-Präsident Prof. Dr. Thomas Jordan solchen Unsinn vorschwatzt, muss man nicht erstaunt sein, wenn alle es nachplappern.

    • Kann Ihnen nur zustimmen. Der Herr Zenger kennt nicht einmal die Grundsätze der Doppelten Buchhaltung und kann anscheinend – nota bene als Vermögensberater – keine Bilanzen lesen resp. hat noch nie eine SNB-Bilanz angeschaut. Nach dem ersten Abschnitt wusste ich Bescheid und habe mir den Rest des Schwachsinns erspart…
      An LH: Bitte keine Beiträge solcher Irrlichter und Dünnstbrettbohrer mehr publizieren. Danke.

    • @Häschen

      Ja – ein unglaublicher Schwachsinn, der hier schon wieder verbereitet wird.

      Einfach nur noch peinlich, was unsere Nationalbank bietet.

      Und die Vollgeldler (u.a. Zenger) sind einfach nur „Nachplapperis“ unserer Nationalbank, wonach diese durch Geld drucken Eigenkapital aufbauen könne.

      LH ist wenigstens der Einzige, bei dem man auch argumentieren darf, dass Notenbankgeld Schulden der SNB sind.

      In den übrigen Medien darf man das nicht – die wollen keinen Streit mit der übermächtigen SNB.

      Vielleicht muss LH aus taktischen Überlegungen auch die Irrlehrer von Zeit zu Zeit zu Wort kommen lassen…

      Mir hat Lukas Hässig ja wirklich schon viel Platz eingeräumt und dafür gebührt ihm Dank.

      mfG

  7. So ein Unsinn!

    Zitat: „kostenlos gedruckte oder gebuchte Schweizerfranken“

    Die SNB bucht (emittiert) neues Geld auf Kredit. Dies ist so und wird immer so bleiben und führt damit auch zu Kosten und Risiken.
    Die SNB ist in der Emission begrenzt. Nämlich begrenzt durch die Gläubiger. Die Gläubiger bestimmen im Endeffekt wieviel Darlehen sie gewähren.
    Die Reichsbank hat es in der Geschichte vorgemacht. Das Geld wurde wertlos als sich keine Gläubiger mehr fanden, die die Kriegsanleihen auch Zeichnen wollten.

    • Mein Sohn (Elektroniker) hat im ABU gelernt, dass die SNB (Staats-)Schulden gemacht hat. Und das ist sehr wohl relevant. Danke für Ihren Kommentar.

    • @Realist
      Das ist doch ein grosser Hoffnungsschimmer, dass zumindest an den Grundschulen richtig gelehrt wird.
      Leider gibt es dieses einfache Grundverständnis bei vielen Doktoren und Professoren nicht.

      Für Schulden von Staat und der SNB haften die Schweizer Bürger nicht direkt. Jedoch muss sie jemand bezahlen.
      Wie wäre es zum Beispiel mit einer Sondersteuer auf Guthaben ausländischer Bürger. Per Dekret werden alle Guthaben der ausländischen Bürger zur Schuldentilgung des Bundes oder der SNB verwendet. Ob wir dann noch wirtschaften können ist eine andere Frage, aber solche Grenzüberlegungen finde ich immer interessant.

    • @Realist

      Leider sind die Schulbücher aber immer noch falsch und interpretieren Notenbankgeld immer noch als Liquidität bzw Vermögen der SNB.

      Aber Ihr Sohn hat offenbar Lehrer, die den Mut haben, vom Lehrbuch abzuweichen und die den Fehler der SNB erkennen.

      MfG

    • @Vive le France
      Die „Sondersteuer“ gibt es in Form der Minuszinsen bei der SNB bereits. Nur geben die die meisten Geschäftsbanken (wohl eher gezwungener- als freundlicherweise) noch nicht an die Kunden weiter. Übrigens hat ein Ex-SNB-ler (Danthin) kürzlich gemeint, dass mit dem aktuellen Minuszins das Ende der Fahnenstange wohl erreicht worden ist und noch tiefere Zinsen eine massive Bargeldflucht nach sich ziehen könnte!

  8. Ich würde auch gerne eine Bank „gründen“. Kann mir die SNB auch kostenloses Eigenkapital zur Verfügung stellen ? Oder wo muss ich mich melden?

    • Kurz und bündig. Die SNB vergibt keine Kredit an Private; das ist eben – solange wir noch nicht Vollgeld haben – den Geschäftsbanken vorbehalten! Und wenn Du die nötigen Sicherheiten bringst, gibt Dir jede Geschäftsbank gerne entsprechenden Vorschuss.

  9. @Leserinnen und Leser

    (Ich adressiere diesen Text nicht an Herrn Zenger, weil dieser ja keine Kommentare beantwortet, sondern hier einfach einige Irrtümer platziert und dann wie vom Erdboden verschwindet)

    Sehr geehrte Leserinnen und Leser

    Da ist sie also wieder, diese irreführende Behauptung, die SNB könne Geld drucken und so Eigenkapital schaffen. Man kann dem Autor diese Irrlehre, die er hier schon wieder verbreitet, nicht einmal übel nehmen, da ja auch das SNB-Direktorium diesen bodenlosen Unfug behauptet.

    Sogar die NZZ, welche sich als die führende Wirtschaftszeitung betrachtet, behauptet denselben Unfug immer wieder.

    Gerne versuche ich es hier nochmals, zum hundertsten Mal, zu erklären, warum bei einer Geldschöpfung nicht Eigenkapital, sondern Fremdkapital der SNB entsteht:

    Wäre von der SNB gedrucktes Geld ein Aktivum der SNB, so würde durch drucken von Geld tatsächlich Eigenkapital entstehen. Der Buchungssatz lautete in diesem Fall:

    Notenumlauf oder Giroguthaben der Banken an Eigenkaptal

    Zu Deutsch: Die SNB würde „aus dem Nichts“ Vermögen schaffen auf der linken Seite ihrer Bilanz. Das bedeutete dann ein Anstieg des Eigenkapitals der SNB.

    Nun ist es aber so, dass der Notenumlauf bzw. die Giroguthaben der Banken bei der SNB nicht Vermögen (Aktiven), sondern im Gegenteil Schulden (Passiven) darstellen. Beweis: Notenbankgeld wird auf der Passivseite der SNB-Bilanz verbucht.

    Daraus folgt, dass die SNB durch „Geld drucken“ keineswegs Eigenkapital schafft, wie sie behauptet, sondern dass sie im Gegenteil Fremdkapital aufnimmt. Für diese Schulden muss der Steuerzahler aufkommen, wenn die SNB illiquide werden sollte.

    Der Mindestkurs war ein Debakel. Jedoch war nicht dessen Aufgabe der entscheidende Fehler, sondern dessen Einführung.

    Es ist richtig: Die SNB hat jede Glaubwürdigkeit verloren.

    Freundliche Grüsse

    Marc Meyer

    • Herr Dr. Meyer,
      Ihre Behauptung beruht auf der Annahme, dass beim „Gelddrucken“ der SNB Fremdkapital aufgenommen wird. Als Beweis führen Sie an, dass das Notenbankgeld auf der Passivseite der SNB-Bilanz steht. Haben Sie sich schon mal überlegt, dass die Aufführung auf der Passivseite ein Fehler sein könnte?

    • Ich werde glaub noch Fan von Dr. Meyer; er hat in fünf Sätzen Fakten aufgezeigt, wogegen ich beim Autor nur warme Luft – allerdings auf die fünffache Menge aufgebläht – gefunden habe!

    • @Expecting rain
      Willst ja wohl nicht ernsthaft behaupten, dass die SNB seit weit mehr als 100 Jahren ihre Bargeldausstände auf der falschen Bilanzseite verbucht?

    • @Expecting rain

      You where right. It rains like hell right now where I live.

      Neulich sagte mir ein Schüler genau dasselbe wie Sie. Ich habe ihm geantwortet, ob er dem Mathematiklehrer auch sage, die Mathematik sei falsch, wenn er einen Fehler gemacht habe.

      Er verneinte. Ich sagte, er solle das einmal tun und mir erzählen, wie der Mathematiklehrer reagiert habe.

      mfG

      P.S. Das ist natürlich Definition. In England fahren Sie auf der Strasse links, in der Schweiz rechts.

      Genauso ist es definiert: Vermögen links in der Bilanz und Kapital (Fremd- und Eigenkapital rechts).

    • @“Supermario“

      Danke.

      Und ich bewundere Sie. Ganz ehrlich.

      Denn es gibt nur wenige Menschen, welche die Grösse haben, eine alte Ansicht zu korrigieren.

      So etwas zeugt von Bescheidenheit – und die attestiere ich Ihnen trotz Ihrem Pseudonym. Sie haben eine grosse Gabe.

      Wenn nur Herr Jordan sich ein bisschen von Ihrem guten Beispiel abschneiden würde.

      mfG