SEF-onomics: Die A-Schweiz vor den Toren des Bundeshauses

Ganz wie ein Krokodil sich unter Wasser langsam an das Opfer heranschiebt, tagen heute und morgen in Interlaken 1’300 Führungskräfte der Schweizer Wirtschaft und Politik. Ihr Ziel ist das Bundeshaus in Bern, wo nach Meinung der Teilnehmer des Swiss Economic Forum (SEF) eine Generalüberholung der Schweiz angesagt ist.

Agilität verlangt der neue SEF-Direktor Dominik Isler, der zuletzt den ins Schlingern geratenen Zürcher Restaurant- und Clubbetrieb Kaufleuten führte, aber rechtzeitig absprang. Jetzt möchte er Wladimir Putin als Traumgast gewinnen, obwohl dessen alteuropäischer Führungsstil Russland in grösste Schwierigkeiten geführt hat.

Die SEF-Teilnehmer müssen sich in diesem Jahr mit dem britischen Altpremier Gordon Brown zufrieden geben, weil offensichtlich kein amtierender EU-Politiker Zeit hat, auch nur einige Stunden in der politisch schwer zugänglichen Schweiz zu verbringen.

„Next best man“ ist Philipp Hildebrand, Vice-Chairman von Blackrock und Hausfreund der beiden SEF-Gründer Peter Stähli und Stefan Linder, die mit ihm gemeinsam die Fischbeiz „Blausee“ im Berner Kandertal betreiben. Sie haben das erfolgreich gestartete Anti-WEF an die NZZ-Gruppe verkauft, die damit Abschied nahm von der Einprodukt-Strategie, ganz wie SEF-Sponsorin Suzanne Thoma, CEO der Bernischen Kraftwerke dies heuer verlangt.

Den Forderungen der A-Schweizer, die eine schnellere Globalisierung der inländischen Wirtschaft verlangen, freundlich gegenüber steht Bundesrat Johann Schneider-Ammann, selber einer Berner Industriellenfamilie vorstehend, die über ein Milliardenvermögen verfügt. Bei der Ammann-Group weiss man, dass Staat und Wirtschaft eng zusammen arbeiten müssen, liefert sie doch Strassenbaugeräte in alle Welt, die vom Staat finanziert werden müssen.

Der Däne Anders Fogh Rasmussen, ein radikaler Rechter, ist heute Unternehmensberater in Sachen Sicherheit und Wirtschaft, zum Beispiel bei Goldman Sachs, die sich mit der trickreichen Beratung der griechischen Regierung gegen die EU hervorgetan hat. Goldman Sachs verschleierte die schlechte Lage Griechenlands während entscheidender Jahre. Honorar: Euro 200 Mio. Das SEF-Krokodil hat mit ihm den idealen Mann, um unser Militärdepartement wieder auf Vordermann zu bringen.

Ein weiterer Referent des SEF verdient mehr als bisher das Ohr des Bundesrats: Stéphane Garelli, der heute international wichtigste Ökonom der Schweiz. Mit ihm, der einmal beim World Economic Forum in Genf/Davos tätig war, nähert sich das SEF dem WEF-Niveau. Garelli ist es, der den Ausverkauf der Schweizer Wirtschaft offen formuliert: „Die Schweiz fördert gezielt technologieorientierte Start-ups und KMU. Problematisch wird es jedoch, wenn das Unternehmen die Schwelle der 100 Beschäftigten überschreitet. Dann neigen die Eigentümer dazu, ihr Geschäft einem internationalen Konzern zu verkaufen, statt es auszubauen.“ Ist das die wahre Agilität der Schweizer Wirtschaft?

Die anderen Referenten sind nicht unbedeutend, aber meist mehr Spassvögel als ernstzunehmende Referenten, darunter auch Wirtschafts-Nobelpreisträger Angus Deaton, dessen Worte über Entwicklungshilfe längst verweht sind.

Nicht Aussen-, sondern Innenpolitik ist in Interlaken entscheidend. Von den 1’300 Teilnehmern dürften über 1’200 mit der „Berner Politik“ unzufrieden sein. Lukas Gähwiler, der Präsident der UBS Schweiz, ebenfalls SEF-Sponsor, formuliert dies mit dem Satz „Der wahre Wachstumsmotor stottert“.

Das SEF-Krokodil hat heute einen längeren Atem denn je. Die beiden Gründer haben an die NZZ verkauft, die jetzt prüfen muss, wie sie dieses politische Investment in ihren grossen Rahmen einbaut und koordiniert. Soeben hat René Zeller, Mitglied der Chefredaktion und Leiter des gewichtigen Inlandteils, dem Zürcher Weltblatt gekündigt. Er wird neu zu Roger Köppel in die „Weltwoche“ überwechseln. Das ist ein Schlag ins Kontor der Falkenstrasse.

Sie hat dafür, mindestens für das SEF, prominent das Schweizer Radio und TV als Trägermedium gewonnen. Agilität ist ein gutes Thema für dieses Jahr in Interlaken. Jeder schwimmt. Das Krokodil nähert sich.

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11 Kommentare zu “SEF-onomics: Die A-Schweiz vor den Toren des Bundeshauses

  1. Der Stöhlker ist derart Narzisstisch, dass man ihn kaum ernst nehmen kann. Selbstprofilierungsneurose und Selbstüberschätzung geben sich bei ihm die Klinke in die Hand. Eigentlich ein Armutszeugnis für IP, solche „Freelancer“ zu engagieren

  2. Die NZZ muss sich auf ihre Kernkompetenzen besinnen. Die Organisation von Events gehört vermutlich nicht dazu, schon gar nicht in der B-Liga. Ein wahrer Lichtblick ist hingegen der Abgang von René Zeller. Es gibt nun Hoffnung, dass endlich auch im Inlandteil ein freier Geist wehen kann. Sonst: Gute Nacht, alte Tante.

    • Guten Tag Frau Niggli

      Meinen Sie, dass ein Wechsel von der NZZ zur Weltwoche ein Gütesiegel für Herrn Zeller darstellt?
      Oft sind für solche Abwerbungen rein pekuniäre Motive entscheidend. Ich denke Sie wissen, wer sich u.a. als Financier hinter der «Weltwoche» versteckt.

    • Wer alles sein Geld in Provinzpostillen investiert, interessiert mich herzlich wenig. Hauptsache, Zeller bleibt mir bei der Lektüre der NZZ zukünftig erspart.

    • …Da bin ich gleicher Meinung.

      Der holzschnittartige klobige Grafikstil dieser Provingzpostille ist selbsterklärend für den Inhalt!

  3. Herr Stöhlker

    Was wollen Sie mit Ihrem „Standpunkt“ aussagen? Was ist Ihre zentrale Botschaft?

    oder einfach

    eine kommunikative Verneblungsgranate??

    • Er stöhlkert halt gerne rum. Macht er schon seit Jahrzehnten, Schwafeln auf Kosten anderer. Der wird sich nicht mehr ändern, wieso auch.

  4. ​Das vereinigte Gruselkabinett!

    Beziehungssumpf pur! Unsere Grossbetriebsdompteure machen den Brasilianern Konkurrenz.

    Wie hat einst der Jimmy Muff vom Kabarett Rotstift so schön gesagt: „Da bruuchsch ä Pille zum zueluege“.

  5. Lieber Herr Stöhlker, wer überhaupt Zeit hat, für solche Schwachsinns-Konferenzen und wer es nötig hat, dort „networken“ zu gehen, der gehört sowieso nicht zur A-Schweiz. Das trifft genauso zu auf UBS-Manager wie auf irgendwelche komischen Start-ups, die sich für die Chance auf 75’000 Preisgeld, ein bisschen Streicheleinheiten fürs Ego und „professionelles Feedback“ in einen absurden Zirkus einspannen lassen.