Zurich Versicherung treibt Mitarbeiter in Ruin

Machte Generalagenten zu Schein-Selbstständigen – so konnte sie Investments zurückfordern – Verantwortliche machen Karriere.

Adrian Kollegger gehörte zur Nachhut der „Everest“-Expedition. Als Topmann der Zurich Schweiz, wichtigster Ableger des Assekuranzmultis, betrieb er das Projekt im Alltag.

Dann crashte Everest, und bald darauf strauchelte die ganze Zurich-Gruppe; heute minus 22 Prozent Halbjahresgewinn. Doch Kollegger blieb ganz oben.

So wie viele seiner Chefkollegen. Die Zeche für einen der unzähligen Umbauten bei der Zurich, getrieben durch Powerpoint-Strategien der US-Beraterin McKinsey, zahlten die Mitarbeiter.

Bei Everest kam es zu menschlichen Tragödien. Mehrere Generalagenten – das sind faktisch Angestellte der Versicherer, die auf dem Papier eigenständig agieren – landeten im Konkurs.

Privat. Als Menschen. Mit ihren Familien.

Everest startete 2010 und 2011. Die Idee der Chefs der Zurich Schweiz mit ihren rund 5’000 Mitarbeitern: aus schweren Tankern kleine Schnellboote machen.

Grosse Agenturen wurden zerlegt, nun gab es im Umkreis von wenigen Kilometern mehrere Generalagenturen. Sie alle sollten im neuen „Unternehmer“-Setup Jagd auf Kunden machen.

Es klang unternehmerisch, doch es war mehr Schein als Sein. Denn faktisch bestimmte nur eine: die Zurich Schweiz.

Kollegger, der ab 2012 als Vertriebschef die neue Everest-Vertriebsstruktur lenkte und heute als Mitglied der Geschäftsleitung Schweiz den Kommerzkunden vorsteht, heizte „seinen“ Agenten ein.

Sein damaliger Chef Thomas Buberl, der die Zurich Schweiz ab 2009 leitete, war da bereits zur französischen Axa zurück „geflüchtet“, wo er nun CEO wird.

Unter Druck hatten die Zurich-Schweiz-Agenten die Bedingung akzeptiert, eine Einzelfirma zu gründen; also keine GmbH oder Aktiengesellschaft mit eigenem Kapital, was eine beschränkte Haftung erlaubt.

Sondern das volle Risiko. Für sich selbst, ihre Partner, ihre Kinder.

Von da an hing die Existenz an der „eigenen“ Firma. Dabei gab die Zurich alles bis ins Detail vor. „Selbst wo wir das Handyabo abschliessen sollten, bestimmte die Zurich“, sagt ein Betroffener.

Ein Vertrag gab den Generalagenten ambitiöse Wachstumsziele vor. Bei einzelnen Generalagenten wuchs ein ungutes Gefühl, ihre Anwälte warnten.

„Zuletzt sagte ich aber zu, weil ich keine Alternative sah“, sagt der Gesprächspartner, der in der Ostschweiz eine der neuen, verselbstständigten Generalagenturen leitete.

Der Deal sah vor, dass die Zurich Schweiz die Risiken auf ihre eigene Bilanz nahm. Die ganze Verantwortung dafür, dass die Gewinne sprudelten, lag hingegen bei den Generalagenten.

Das Unternehmertum, das kein richtiges war, hatte Folgen.

Die beiden Welten – hier die starke Zurich, die formell nur Partnerin war, da die gar nicht so freien Generalagenten – passten nicht zusammen.

Schon kurz nach dem Start von Everest wurde klar, dass die Ziele viel zu hoch gesteckt waren. Da setzten die Zurich-Manager in der Zentrale den Generalagenten das Messer an den Hals.

Sie drohten mit brutalen Massnahmen. Und schritten zur Tat.

Ab 2013 führten sie die Agenturen Schritt für Schritt und im konkreten Einzelfall über Nacht wieder zu grösseren Einheiten zusammen. Der ganze Everest-Plan mit den vielen Schnellbooten war nach nur 2 Jahren zur Makulatur geworden.

Ja, er verkehrte sich ins Gegenteil. Der neue Setup der Zurich Schweiz mit den wieder verschmolzenen Generalagenturen bestand nun aus viel grösseren Teilen als je zuvor.

Statt klein und agil noch grösser und bürokratischer – so das Resultat von Operation Everest.

2015 war der Spuk vorbei. Von Everest sprach niemand mehr.

Für die Verantwortlichen ging die Rechnung auf. Thomas Buberl, der grosse Überflieger aus Deutschland mit Berater-Erfahrung im Rucksack, war längst über alle Berge.

Und Adrian Kollegger, der in der Everest-Neuorganisation zog und drückte, machte weiter in der Zurich Schweiz Karriere.

Eine Tragödie wurde die abgebrochene Übung hingegen für die Generalagenten. Sie wurden von der Zurich in den Ruin getrieben.

Der Versicherer verlangte von den „Selbstständigen“ die getätigten Investitionen zurück; bis auf den letzten Rappen.

Wir gaben Euch Geld für Eure Agenturen, Ihr habt’s vermasselt, lautete die Argumentation der Zurich-Bosse.

Diese liessen nicht mit sich reden, stellten ultimative Forderungen, blockierten PK-Guthaben der Generalagenten, reichten Betreibungen gegen sie ein.

No mercy, so die Losung im Glaspalast des Versicherers, der im letzten Jahr auf Abwege geriet und nun unter neuer Führung wieder Tritt fassen muss.

Zurück bleiben die betroffenen Generalagenten. Sie sind heute gescheiterte Existenzen.

Verschuldet, betrieben, abgeschrieben.

Kommentare

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  1. Andy Kolleger hatte manchmal schwierige Konflikte mit Kollegen . Und ist nicht kooperativ wenn Kollegen konnten sein Chef werden. Beispiel : D. wollte Chef bei Zurich Life werden.

  2. Da kommen mir aber die grossen Krokodilstränen. Als Generalagent sollte man doch fit sein für den harten Wettbewerb oder nicht ? Die Zeiten, wo man die Kunden einfach 2 -3 mal pro Jahr abkassiert sind definitiv vorbei. Heute muss man für sein Geld hart arbeiten, auch in der Versicherungsbranche. Diese Leute sollen doch mal in der Metall- oder Elektro-Industrie arbeiten gehen. Dort lernt man wieviel harte Arbeit für ein bisschen Gewinn notwendig ist. Die Dienstleistungsbranche insbesondere die Banken und Versicherungen haben die normale Wirtschaft aus den Augen verloren und schweben schwerelos über der malochenden Wirtschaft.

  3. Die allergrössten Nieten im Anzug sind exakt die, welche Leute von McKinsey in’s Boot holen. Stümper alle da oben, wie sie da sitzen!

  4. Früher oder später kommt auch hier das, von Schneider-Ammann durchgewunkene Über-Konzept zu Zug, also noch nicht (zu fest) klagen

    • Ja genau so ist es und genau so wird es weitergehen. Das von Schneider-Ammann durchgewunkene Über – Konzept läuft, nicht wenige wären überrascht wäre es der Anfang vom Ende. McKinsey hat diese katastrophale und ideenlose Über – Strategie (no way out) 2014 begonnen im Corporate Center umzusetzen. Seither läuft auch dort alles schief. Alle 6. Monate startet ein neues Konzept, die einzigen gemeinsamen Nenner dieser Konzepte sind, dass sie sich immer voll widersprechen, das Leute sinnlos entlassen werden, weil die Konzepte für die Unternehmung (Unternehmung!) nichts produktives bringen, und die Kosten für diese Konzepte jeweils komplett aus dem Ruder laufen. Alleine Dragon fly mit allen Consultants (McKinsey) und Sozialleistungen geschätzt 1/2 Milliarde. Das Top-Management scheint total realitätsfremd zu sein und zockt, McKinsey sei Dank, einfach weiter ab wo es nur geht. Wer kann ist auf Jobsuche. Ob das ausgerechnet McKinsey-Mann „Super-Mario“ hinbiegen kann? Er ist für mich die letzte Hoffnung. Wenn nein wird die Zurich wohl zerhackt und verscherbelt wie die AluSuisse. Reibach für VR und GL. So wie es Joe Ackermann wohl schon plante.

  5. Fast ein todsicherer Hinweis: Wenn’s auf der Teppichetage aus dem Ruder läuft, hat McKinsey die Finger bzw. PP Folien drin oder noch schlimmer, es ist ein ex McKinsey guy am Drücker . . .

  6. Wir in der Schweiz sind in solchen Sachen brutaler als die USA. Warum diese unsägliche Drückerei? Ganz einfach.
    Der Schweizer Heimatmarkt der Versicherung ist wohl noch bekannt für eine zweimalige Ernte im Jahr, aber nicht mehr wie zu seligen Kartell-Zeiten für eine solche von 3 Ernten pro Jahr. Auch die ausländische Konkurrenz, inklusive Versicherungsbroker haben festgestellt, es lässt sich auch bei großen Firmen hier etwas verdienen.
    So gibt halt der Schweizer Markt weniger her, wo man doch im Ausland und vor allem in der heißgeliebten USA jeden Schrott einkaufen konnte, der nur mit sehr teurem Personal Verluste produziert und mit hohen Kosten saniert werden musste.
    Die Chefs dieser Konzerne wollen bei dieser kostspieligen Vergrößerung im Ausland weiter dabei sein. Denn wo sind für die obersten Säulenheiligen von Großbanken und großen Schweizer Versicherungskonzerne die besten Golfplätze. Natürlich in Florida und Kalifornien, man muss schließlich etwas haben für den gestressten Alltag dieser Leute. Hie und da gibt es natürlich auch in dieser Etage Tragödien, wie es die Zürich-Versicherung erlebt hat. Lange Zeitungsartikel und große Beweihräucherung ihrer Genossen auf höchster Stufe. Schon ab Stufe Direktion sind solche Geschichten nicht einer Randnotiz wert.

  7. Und immer noch holen Unternehmen Leute von McKinsey. Dieser Power-Point-W…….! Jeder VR-Präsident, jeder CEO der diese Jungs ins Hause holt sollten umgehend auf die Strasse gestellt werden. Kündigungsgrund: Schädigung des Unternehmens!

    • Absolut einverstanden, nur das eigentliche Übel ist, dass all diese CEO’s und VR’s absolut NICHTS mehr TAUGEN. Die blöffen mit Ihren MBA’s und all diesem Scheiss Kram, welche sie für teures Geld an Unis erwerben sprich kaufen.
      Und die McKinseys sind sowieso Taugenichte! Siehe Beispiel: Hunterstrategie Swissair.

    • @ Alles Taugenichte

      Ich glaube, die Mc-Leute werden nur an Board geholt, weil ein ehemaliges Gspändli von Ihnen bereits in Top Position im entsprechenden Unternehmen gebracht wurde.

      Mit solchem „Berater“-Zeugs sollte man sich überhaupt nicht abgeben.

    • Mercy mercy me, things aint what they used to be. Where did all the money go? (Quelle: Marvin Gay 1971)

  8. Der weltbekannte Versicherungs-Konzern mit häufigen Suizid-Opfern im Top-Management?

    Von den Dutzenden kleinen Gestrandeten und Malträtierten hörte man bis jetzt nichts bis gar nichts. McKinsey, der Verschleierungs-Berater immer dabei und vor Ort, wenn „Totengräber“ unterwegs sind.

  9. Gut geschrieben LH. Was fehlt ist der Hinweis, dass die Zurich Schweiz als eine der wichtigen (Ertrags)Stützen im Zurich Konzern, seit Jahren Marktanteile verliert. Weder wurde sie die Nr. 1 (wie von Bubberl in der Presse angekündigt), noch stimmt „wir haben es gedreht“ (wie vom aktuellen Zurich Schweiz CEO Masur am 29.7.2015 in der NZZ behauptet). Aber so geht es halt: zu viele Berater, zu wenig Leute an der Spitze im Schweizer Geschäft mit fundierter Erfahrung im Tagesgeschäft, Visibilität im Markt, Glaubwürdigkeit und Charisma.

  10. Ich setze voraus, dass ein durchschnittlich intelligenter Versicherungsangestellter entweder die Vor- und Nachteile der künftigen Selbständigkeit selber abwägen kann oder dann intelligent genug ist, um sich an geeigneter Stelle Beratung zu holen. Das gilt auch für die Wahl der Unternehmensform. Wer sich also beim damaligen Entscheid einzig durch den erwarteten Geldsegen leiten liess, dem ist im Nachhinein nicht zu helfen – der ist somit auch selber an seinem Schicksal schuld!
    Der Artikel erinnert an das bekannte Sprichwort: Wer nichts wird, wird Wirt. Ist ihm auch das nicht gelungen, dann macht er mit Versicherungen! 🙂

    • Hardliner Gürbetaler. Einerseits haben Sie schon recht, man sollte eigentlich wissen was man macht, wenn man sich Selbstständig macht. Wir wissen beide nicht, was en detail in diesen Veträgen mit der Zurich stand, welche Versprechen seitens der Zurich gemacht worden sind und so weiter. Was jedoch Fakt ist, dass es einige übel erwischt hat. Und ob alle von denen zur Fraktion Vollpfosten gehören, wissen wir auch nicht. Ich gehen mal davon aus, dass die ganze Sache seitens der Zurich vergeigt worden ist. Nur schon was von McGrinsi kommt ist weniger Wert als ein schöner, frischer Kuhfladen. Und wenn sich solche Mistzettler noch mit unterbelichteten Mänätschern verbünden, dann wird es eklig für die Betroffenen.
      Auf der anderen Seite, werter Gürbetaler, ist Ihre Schadenfreude fehl am Platz. Denn einige dieser gescheiterten Versicherungsagenten werden sicher staatliche Hilfe benötigen. Die zahlen Sie und ich mit unseren Steuern und Abgaben. Diejenigen von den McGrinsi / Mänätscher werden ihren ergatterten Batzen derweilen Steuerbefreit in Panama parkieren und beteiligen sich in keinster Weise an den durch sie verursachten Schaden. Im Gegenteil, diese dick gefressenen dürfen sich weiterhin auf Kosten der Mitarbeiter schamlos für wenig Leistung berreichern. Dem sagt man freie westliche kapitalistische Marktwirtschaft und wird alle vier Jahre durch den Wähler neu bestimmt. Viele merken es halt erst wenn es zu spät ist, dass das derzeitige System in dem wir alle Leben grundsätzlich absolut am Ar… ist. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieser Kessel uns allen um die Ohren fliegt.
      Wer nicht versteht, was ich schreibe, soll sich bei der $VP bedanken. Die kürzen ja die Bildungsbudgets und darum kann ich den Nichtverstehern nicht mal übles Nachreden. Doof bleibt doof. Und wer Tippfehler findet darf sie behalten.

  11. tja, man f…. heute nicht nur die kunden, sondern auch die mitarbeiter und am schluss sich selber. irgendwie.
    viele haben noch nicht gemerkt, dass man die kohle nicht fressen kann und dass f….. irgendwann gar nicht mehr nötig ist.

  12. Als Leiter oder anderweitig verantwortliche Person in eben einer Generalagentur, einfach Agentur, oder Chef eines anderweitigen kleinen Ladens, sollte mann/frau wissen, was für ein Risiko sie eingehen. Nur um Chef zu sein braucht es keine Agentur. Damit kann höchstens die Kundennähe ein bisschen besser (oder auch nicht) gepflegt werden.

  13. Wie bitte? Welcher Kollege jammert hier denn auf hohem Niveau? Mein Abschluss 2015 lag mit einem Reingewinn von rund 430’000 auf dem höchsten, je erreichten Niveau meiner Agentur!? Aber richtig, man muss hart arbeiten dafür!

    • Sehe ich auch so – und gratuliere! Ich hoffe, dass Sie und alle Ihre erfolgreichen Kollegen weitsichtig agieren und v.a. die private Vorsorge entsprechend alimentieren; die schlechteren Zeiten kommen bestimmt. Für alle, die aber nicht vorgesorgt haben: sie können ja dannzumal wieder jammern…

  14. Ein weiterer Zerfall eines Unternehmens mit dem Namen „Zürich“ im Firmennamen – Zufall? Illuminati? Oder halt einfach Züri-Olé? Löhnds doch bliebe hösch! Auf jetzt!

    • Hallo! Ohne die Chemiemilliardärin würde es euch gar nicht mehr geben. Lieber schweigen als gross proleten!

    • Gratulation zum dämlichsten Kommentar so far!
      Wundern wird sich niemand, wenn man sieht, dass er von einem Fussballfan stammt…!

    • Dümmer geht’s wohl nicht – dieses Niveau ist auch dem FCB nicht würdig! Und beschämt so oder so die grosse Mehrheit der „normalen“ Basler!

    • Der Stricher-Frust sitzt tief, die Missgunst fliegt hoch! Zirü tickt halt anders! E Gruess ans Grümpeli-Gekicke in dr Challenge-Looser-League! Bittschön!

    • Beim nächsten mal zeigen wirs Euch. Brandschutzmittel und Helme nicht vergessen, Basel wird im Feuer lodern! Blauweiss, für immer!

    • aha – es geht also doch noch dümmer – ich frage mich, was der Pöbel hier sucht – und vor allem: mit welch unterirdischen Begabung er sich erlaubt, den Namen des FCB dermassen in den Dreck bzw. auf sein Niveau zu ziehen…

    • der Kommentar war eigentlich @FC Basel „gewidmet“.
      Dass hier aber dümmliche Fussball-Fankurven-Kommentare erscheinen, ist völlig dämlich. Damit ist auch das Buebe-Niveau des FCZ-Schreiberlings gemeint!

    • @FCB: wer Looser schreibt, ist ein Loser!
      @FCZ: Q.E.D. – dümmer geht immer!
      Das Intelligenzniveau des FCZ-Fans liegt meilenweit unter dem fussballerischen Niveau seines Klubs; und das ist ja bereits eine ziemliche Herausforderung!