Durchmarsch der Managerinnen? Eher Frustrationsevents ehrgeiziger B-Frauen

Es war ein Schlag gegen die Klasse der Feministen, als der Verwaltungsrat von Nestlé sich für Ulf Schneider als neuen CEO des Schweizer Weltkonzerns entschied. Die hoch gehandelte Wan Ling Martello als Nachfolgerin von Paul Bulcke blieb auf der Strecke.

Nestlé-Ehrenpräsident Helmut Maucher persönlich gab den Stichentscheid. Damit erlebte die europäische Femokratie ihre bisher grösste Niederlage. Die Entzauberung der „Wonder Women“, von Beatrice Weder di Mauro, die den VR von Roche verlassen hat und beim UBS-Konzern auf der Kippe steht, bis Marissa Mayer, die bei Yahoo versagte, hat eine Bewegung ihren Höhepunkt überschritten, die gerade in der Schweiz hohe Wellen geschlagen hat.

Schweizer Spitzenmanagerinnen waren während Jahren ein grosses Thema. Jetzt stellt sich die Frage: „Haben sie geliefert und was ist ihre Zukunft?“ Nirgendwo in der Welt, nicht in den USA, Asien, Afrika oder Lateinamerika, wurde das Thema der Frauen an der Spitze, sei es in der Wirtschaft oder der Politik, so heiss gekocht wie in Europa, speziell in Deutschland und der Schweiz.

Die Ursache ist leicht erkennbar. Die Generation der nach 68erinnen drängte, wie viele Männer auch, noch oben. Gleichzeitig suchten die Arbeitgeber in einer expandierenden Wirtschaft nach Führungsnachwuchs, wozu sich die ehrgeizigen Frauen anboten.

Der erkennbare Mangel an hoch qualifizierten Männern liess den Ruf nach Frauen laut werden, die mit höherer Sensibilität die wachsenden Risiken zu meistern wussten. Die renommierte Zürcher Headhunterin Doris Aebi, aus der Schule von Björn Johansson kommend, brachte dies auf den Nenner: „Es braucht mehr Frauen. Nicht weil sie besser, sondern weil sie anders sind.“

Tatsächlich waren es Männer, die bei Swissair, ABB, Oerlikon-Bührle, der UBS und der CS Group sowie Dutzenden weiterer grosser Firmen seit 30 Jahren ein Chaos anrichteten, das von Frauen nicht zu übertreffen war. Der Niedergang von Marcel Ospel, Philippe Bruggisser, Lukas Mühlemann und Peter Wuffli, dazu viele andere, liess den Ruf der Femokraten lauter werden: „Frauen an die Front.“ Der Ansturm auf die „gläserne Decke“, die Männer von Frauen trennt, begann.

Die erste Welle von Carolina Müller-Möhl, eine Soziologiestudentin, der ein 800 Millionen Erbe zufiel, bis zu FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter und Mirjam Staub-Bisang brach rasch in sich zusammen. Müller-Möhl musste ihr Kurzzeit-VR-Mandat bei Nestlé wieder aufgeben, hielt sich aber im VR der NZZ-Gruppe. Mirjam Staub-Bisang, als freisinnige Hoffnungsträgerin im Aufbau, brachte nicht die gewünschten Ergebnisse. Keller-Sutter ist nicht mehr im VR der NZZ.

Ganz anders jene Frauen, die es in das Topmanagement staatsnaher Firmen schafften; an deren Spitze „Cowgirl“ Monika Ribar, vom weiblich dominierten Bundesrat gewählte neue Präsidentin der Schweizerischen Bundesbahnen, und Susanne Ruoff, der die Schweizerische Post anvertraut wurde. Jeannine Pilloud als SBB-Personalchefin ergänzt dieses Duo markant.

Monika Ribar, von einem autoritären Chef und der Göhner-Stiftung kommend, welche die Panalpina führte, hat dort nach glaubwürdigen Aussagen ihrer Nachfolger keine Leistung vollbracht, die man als olympisch bezeichnen könnte. Susanne Ruoff hat in Weltkonzernen wie IBM gearbeitet, wo die individuelle Leistung schwer messbar ist. Sie selber wäre gerne Seiltänzerin geworden, was ihr mindestens beruflich gelungen ist.

Auch in der Schweizer Energiebranche sind es Frauen an der Spitze bedeutender Unternehmen, die den Wandel von der Atomenergie zur „grünen Energie“ vollziehen sollen. In den einst geschlossenen Clubs meist freisinniger Unternehmer und Politiker sind zwei Frauen eingebrochen, die sich im Strukturwandeln behaupten. Suzanne Thoma, CEO der Bernischen Kraftwerke, sucht sich im Niedergang ganz so durchzusetzen wie Jasmin Staiblin, die bei Alpiq eine noch schwierigere Aufgabe hat, weil sie den Grössenwahn ihrer Vorgänger redimensionieren muss.

Auch echte Unternehmerinnen gibt es in diesem Kreis. Eine der bekanntesten ist Franziska Tschudi Sauber aus Rapperswil SG, die das elterliche Unternehmen seit Jahren über die Runden zu bringen sucht. Wesentlich leichter hat es SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher, die bei der Ems Chemie auf ein Kader aufbauen kann, das schon ihr Vater geformt hat. Ihr kann das echte Unternehmertum nicht abgesprochen werden, denn wer sie einmal direkt erlebt hat, erfährt die „eiserne Hand“ dieses weiblichen Napoleons als Nachfolgerin von Christoph Blocher.

Unterhalb dieser Führungsebene gibt es in der Schweiz einige Dutzend Spitzenmanagerinnen, welche dieses Prädikat verdienen. Der öffentliche Druck auf Politiker und Wirtschaftsführer, Frauen an die Spitze zu bringen, bleibt unverständlich, betrachtet man nicht die Spät-68er feministischen Redaktorinnen und Autorinnen der Schweizer Medien. Ihre Grossmutter ist Esther Girsberger, Kurzzeit-Chefredaktorin, Publizistin, Moderatorin und Lieferantin von Referent/-innen, welche ihre Töchter und Enkelinnen auffordert: „Lasst von Euch hören.“ Girsberger führt eine publizistische Frauenfront an, deren Macht nicht unterschätzt werden sollte.

Zusammen mit der Altlinken Klara Obermüller veranstaltet sie Frauentage, worin sie mit Frauenchören und Shibashi-Meditation Frauenpower aufbaut. Um realistisch zu bleiben: Das sind eher Frustrationsevents ehrgeiziger B-Schweiz-Frauen als Hochschulen für Spitzenmanagerinnen der A-Schweiz.

In Girsbergers Spuren begegnen wir Nicole Althaus, der Vize-Chefredaktorin der NZZ am Sonntag, die eingesehen hat, “Feminismus ist ein pawlowscher Reflex“. Von Frauen sei nicht mehr zu erwarten als von Männern. Dies hindert ihre NZZ-Kollegin Charlotte Jacquemart nicht, die US-Non Profit-Organisation TEDx vorzustellen, deren Gründerin klagen darf: „In Konzernen fühlen sich Frauen oft herumgeschubst.“ Männer nicht?

Astrid von Stockar öffnet den serbelnden „SonntagsBlick“ weiblichen Anliegen und verlängert die Laufzeit der Orascom-Verwaltungsrätin Carolina Müller-Möhl mit der Aussage: „Ich bin eine strenge Mutter.“ Wie streng ist sie zu dem ägyptisch-koptischen Glücksritter Samih Sawiris? Franziska Laur, Basler Zeitung (Beatrice Oeri, „Die scheue Milliardärin“), Laura Frommberg, Handelszeitung und sogar deren Chefredaktor Stefan Barmettler lassen Frauen bestätigen „Ich habe jeden Abend einen Termin“ (Pia Tischhauser, Boston Consulting Group). Nicole Rütti und Doris Gratwohl, letztere immerhin Vize-Chefredaktorin der NZZ, präsentieren auf einer ganzen Seite nur Kandidatinnen für Verwaltungsräte unter dem Titel „Eine Liste mit Signalwirkung“. Einzig Walter Niederberger vom „Tages-Anzeiger“ kontert: „Konsensfrauen sind beliebt.“

Darin liegt eine höhere Wahrheit, denn Frauen wird tatsächlich zugestanden, sie könnten in erregten Männergremien wieder Konsens herstellen. Josef „Joe“ Ackermann, als er in Frankfurt noch Weltbanker war, sagte: „Mit Frauen im Vorstand wird es dort farbiger und schöner.“ Gerhard Cromme, ein Schwergewicht der deutschen Wirtschaft: „Wissen Sie, meine Damen, ein Aufsichtsrat ist kein Kaffeekränzchen.“

„Frauen ganz oben“, jubeln die Feministen und denken an Hillary Clinton, Angela Merkel und ein wenig auch an Simonetta Sommaruga und Doris Leuthard. Executive Searcher Guido Schilling, der den Schweizerischen Arbeitgeberverband ins Boot holte, um eine Liste der leistungsstärksten Schweizer Frauen zu präsentieren, Mitinitiant von „Frauen im Verwaltungsrat“ (wer fragt hier nach Honoraren?) will, ganz im Sinne der Arbeitgeber, „das Potential von gut ausgebildeten Frauen ausschöpfen.“ Iris Bohnet, Mitglied des VR der serbelnden Credit Suisse Group, sieht eine Quote als Einstieg.

Derweil kommen Warnungen aus den USA, mit Frauenkarrieren im Management sei es schlecht bestellt. Die Antidiskriminierungsstelle der deutschen Bundesregierung verlangt: „Migranten sollen per Quote in Führungspositionen gelangen.“ Es wird eng für Frauen.

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8 Kommentare zu “Durchmarsch der Managerinnen? Eher Frustrationsevents ehrgeiziger B-Frauen

  1. Es ist so schön, zu sehen, wie wenig es braucht, um die Leute wieder mal gehörig zu provozieren. Es geht schon fast ins „sarazzineske“, was der böhse (!) Stöhlker da schreibt. Wer sich aufregt, ist selber schuld und macht sich darüber hinaus noch lächerlich. Femo- und Andokraten der Welt – vereinigt euch gegen böse Schreiberlinge, alte Säcke und bürgerliche Weiber!

  2. Name dropping, mehr gibt Ihr Artikel hier nicht her. #mansplaining pur. Vielleicht einfach mal die Klappe halten, wenn man(n) vom Thema keine Ahnung hat? Die traditionellen Wirtschaftsbosse sind schlicht überfordert mit der anstehenden (Digital) Transformation. Dieses Gockelgetue fährt ein Schweizer Unternehmen nach dem anderen an die Wand. Vielleicht ist es einfach an der Zeit, über alternative Unternehmensmodelle nachzudenken, in welchem es um Arbeitsplätze und nicht um Egotripps der Alphatierchen geht?

    Und ja, Frauen tragen eine Mitschuld an der fehlenden Diversity. Nichts ist schlimmer, als eine einzelne B-Queen im Top Management.

    • Ich schliesse mich Ihnen an, voellig nichtssagender Artikel. Ich lebe seit einigen Jahren in Uebersee, und ja, die Teppichetagen sind diversifizierter in Punkto Herkunft, Gender und Alter. Wuerde CH auch gut anstehen.

  3. „…Wan Ling Martello…“ das tönt chinesisch. Ganz und gar nicht das, was einen Schweizer Konzern leiten soll! Schon gut, dass diese Frau nicht genommen wurde. Ein Schweizer Unternehmen braucht eine Schweizer Führungskraft. Hört mal endlich auf mit diesen ausländischen „Führungskräften“, die fahren sonst noch alle Schweizer Unternehmen an die Wand!

    • verlangen sie doch einen gentest, damit die rassische reinheit und führungsqualität endlich mal geklont werden kann. dümmer geht immer, glaub ich langsam

  4. wollen sie androkrat uns sagen dass frauen doch lieber schleier tragen und einen schritt hinter männern gehen sollen? in wirklichkeit wird es für viele aufgeblasene egotypen eng, auch wenn möglicherweise superzicken nachrücken. goldene zeiten:) an der menschheit kann man immer wieder freude haben

  5. Fähige Fachpersonen gehören auf die wichtigen Sessel, die weder über Männer- bzw. Frauenquoten oder das „Schlafzimmer“ rekrutiert werden. Ja, ganzheitliches Denken und Handeln ist angesagt, unabhängig von Sex und Vetternwirtschaft.