Notenstein schliesst ihre Edelfiliale am Rennweg

Raiffeisen-Privatbank ist in Zürich nur noch am Fraumünster präsent – 35 müssen umziehen – Kosten kürzen, wo es geht.

Der Rennweg stand bei der Notenstein Privatbank für Aufbruch. Für Wachstum. Für Eroberung des führenden Finanzplatzes der Schweiz.

Nun schliesst die Notenstein ihren Nobel-Ableger. Damit wird der Standort Rennweg in der wechselhaften Geschichte der Raiffeisen-Tochter zum Fanal fürs Scheitern.

Abstieg, Rückwärtsgang, Sanierung – all das steckt im Entscheid der Notenstein-Führung, sich vom Rennweg in unmittelbarer Nähe zur Shopping- und Bankenmeile Bahnhofstrasse zu verabschieden.

Statt Glamour an teurer Adresse heisst es für die 35 Mitarbeiter der Notenstein La Roche, wie die Bank offiziell heisst, nun Kisten packen.

Neue Adresse ist eine Hinterhofstrasse des Paradeplatzes. Dort, an der Fraumünsterstrasse, hat die St. Galler Privatbank seit Wegelin-Zeiten ihren Zürcher Sitz.

Eine Notenstein-Sprecherin bestätigte übers Wochenende den Beschluss. An der Fraumünsterstrasse habe sich „die Gelegenheit ergeben, Büroräumlichkeiten dazuzumieten“.

Das sei ein Fortschritt. „So können wir nun endlich alle Zürcher Teams an einem Standort zusammenführen“, meint die Notenstein-Sprecherin.

Der Umzug soll bis April 2017 über die Bühne gehen. Am Standort Fraumünster, der gegenüber der historischen Zürcher Kirche mit dem alten Kloster liegt, würden dann 85 Notenstein-Leute sein.

Laut der Wegelin-Frau gehe es nicht um Stellenkürzungen. Es seien „keine Entlassungen geplant“.

Vielleicht nicht direkt. Dafür schleichend.

Jedenfalls wirft die Rennweg-Schliessung ein grelles Licht auf die Personalentwicklung bei der Notenstein.

An der Fraumünsterstrasse waren auf dem Höhepunkt 2011, bevor die USA der Vorgängerbank den Stecker zogen, an zwei nebeneinander liegenden Adressen rund 100 Wegelin-Mitarbeiter.

Kommt hinzu, dass das Argument mit den frei werdenden Büroräumlichkeiten nicht überzeugt. Tatsächlich ist an der Fraumünsterstrasse lediglich ein CD-Ladenbetreiber im Parterre ausgezogen. Hinzu kommen vielleicht ein bis zwei kleinere Büros, die neu verfügbar sind.

Mitnichten also viel freier Platz, den die Notenstein dazumieten könnte. Vielmehr war der Rennweg schlicht zu teuer, rentierte nicht und stand die meiste Zeit leer.

Kurzum: ein Luxus.

Das Eingeständnis des Scheiterns geht aus dem Werdegang des Rennweg-Ablegers hervor. Dort waren die Wegelin-Notenstein-Teams für die DACH-Region zu Hause.

DACH steht für Deutschland, Österreich (Austria) und Schweiz. Die Wegelin und ihre Nachfolgerin Notenstein wollten in diesen Märkten massiv wachsen.

So wie alle Banken. Damit hatte die Wegelin/Notenstein ihr ursprüngliches Erfolgskonzept einmal mehr über Bord geschmissen.

Dieses hiess: Wir sind anders als die anderen. Wir verkaufen unseren Kunden keine teuren Eigenprodukte. Wir sind dort präsent, wo die Grossen fehlen.

Wir gehen in die Nische, nicht zum Mainstream.

Es war das Credo der Gründer, Konrad Hummler und Otto Bruderer. Sie wurden damit gross. Und dann wurden sie gierig.

In der Romandie liessen sie vom heutigen Notenstein-Chef, dem jungen Adrian Künzi, in Genf einen zweiten Ableger eröffnen.

Warum? Lausanne war noch lange gross genug. Doch man wollte im Zentrum des Private Bankings der Westschweiz einen eigenen Ableger haben.

Im Tessin gab es Lugano. Damit war Wegelin gut bedient.

Plötzlich genügte das nicht mehr. Weil man von der Konkurrenz ein Team in Chiasso erworben hatte, das unbedingt im Grenzort verbleiben wollte, öffnete man halt auch dort ebenfalls eine Filiale.

Die Folgen waren absehbar: Kostenexplosion. Das Verhältnis zu den Einnahmen schoss durchs Dach.

In der Raiffeisengruppe schaute man lange weg. Der damalige Chef und Erwerber der Wegelin, CEO Pierin Vincenz, hatte keine Lust oder keine Energie, die Notenstein hart anzupacken.

Das muss nun sein Nachfolger Patrik Gisel erledigen. Der präsentiert schreckliche Kostenzahlen für die Notenstein.

Im Rahmen des Halbjahresberichts seiner Raiffeisengruppe zeigte Gisel auch eine Folie zur Notenstein La Roche. Die sah auf den ersten Blick nicht weiter dramatisch aus.

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Die verwalteten Kundenvermögen stiegen deutlich an, die Einnahmen ebenfalls, wenn auch etwas weniger stark. Doch das machte nichts, da ja die Kosten unterdurchschnittlich wuchsen.

Soweit der oberflächliche Befund. Dahinter liegt ein Abgrund.

Die Assets stiegen allein wegen des Kaufs der Basler La Roche. Und der Reingewinn sackte von einem Zwischenhoch vor Jahresfrist von 16 Millionen auf noch 8 Millionen zusammen.

Eine Halbierung.

Der Einbruch beim Resultat zeigt: Die Notenstein ist zum nachhaltigen Sanierungsfall geworden.

Dafür gibt es nun ein Symbol. Das Debakel am Rennweg.

Kommentare

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  1. die Lage an der Fraumünsterstrasse ist viel diskreter. Guter Entscheid.
    Auf einen Standort am Rennweg kann man sehr gut verzichten.
    Notenstein hat etwas gewagt. Der Plan ist vielleicht nicht aufgegangen. so what??

  2. Hoppala: nur noch 35 MA im Rennweg, dann zusammen noch 86 im Fraumünster! Da ist aber wirklich etwas gegangen (worden?)!

    Mir tut der CD-Laden in der Fraumünsterstrasse leid, der nun die Türen schliessen muss. Schade

    • Dass die Putzführungsequippe im Direktorat sass und machtig be’klotzt wurde half sicherlich auch dabei, dass irgendwann die Geldscheine nicht mehr gleich locker sassen.

  3. Was für en Stuss ! : „Hinterhofstrasse“.. p.p.p.“
    gaahts na – hä…würd mer uf der Gass säge. Nei, würkli !
    S’cha nu besser wärde – nei: es mues !

  4. Die Notstein Bank ist obsolet. Es gibt bessere Institute mit einer professionelleren Private Banking Division. Die Notenstein erfüllt nur einen Zweck, die restlichen Trümer der ehemaligen Weggelin zu begraben.

  5. Kommt einer Metapher gleich die wegweisend ist, wenn eine stolze Privatbank in den Hinterhof zieht. Ob da die Goldschrift an der Hauswand noch passend ist?

    • Hi Baba
      Habe doch mehr Gefühl für das Naheliegende……..
      Glaube zu wissen, dass sich diese Notenbank wirklich ganz neu erfindet. Aus der Warte des Hinterhofes will man seinen lieben verbliebenen Kunden ohne vulgären Prunk, mit understatement – und aber ohne peinliches Erröten in die Augen sehen. Wird definitiv so klappen. Künzi Adrian ist der geborene pacemaker für das survival dieser eigentlich völlig überflüssigen Schweizer Kleinbanken.

  6. Ja, ja, der Rennweg 57 hat eine bewegte Geschichte. Das ehemalige Wohnhaus des „langen Hirzels“ (Caspar Melchior H., 1793-1843) war mal das stolze Haus „zum Feuermörser“, bevor es 1970 zu einem gesichtslosen Geschäftshaus umfunktioniert wurde. Vor hundert Jahren hat dort immerhin H. Pfisters Wollwaren-Geschäft den Zürcher Offizieren Socken, Unterzeug und Lismer verkauft. Später zog sinnigerweise ein Bébéhaus ein – quasi von der Infanterie zur Infantilerie. Doch seit den letzten 10-12 Jahren dreht sich die Abwärtsspirale unaufhaltsam: Banque MeesPierson BGL, Fortis Banque, BNP Paribas, Wegelin, Notenstein. Ein Trauerspiel. Die Frage ist nur noch, was als nächstes reinkommt. Chinesische Bank oder Anwaltskanzlei?

  7. um ehrlich zu sein….hatte die seite eigentlich das eine oder andere mal gerne gelesen, aber was zuletzt hier veröffentlicht wird, das ist schon sehr grenzwertig und hat mit journalismus nun wirklich wenig zu tun. wenn es um gewisse „enthüllungen“ geht, dann find ich das okay, aber dinge wie diese….

    die schweizer banken sollen wettbewerbsfähig bleiben, aber alles so weiter machen wie bisher?klar muss gespart werden und es werden auch in der zukunft – siehe auch digitalisierung – noch 100erte filialen geschlossen werden.

    und dazu aussagen….von 16 auf 8 mio gewinn gesunken und dann darauf zu schliessen, dass es ein „nachhaltiger sanierungsfall“ ist – absolut unprofessionell von dieser zahl auf den sachverhalt eines sanierungsfall zu schliessen – so gibt es die letzten wochen viele beispiele, die nicht wirklich gut belegt sind….schade….dass es so runtergekommen ist – normalerweise sollte die qualität mit der zeit steigen.

    denn auch hier……sieht fritz…..who cares……

    • @Baba – wie kommt man denn von den zeilen betreffend der sinkenden qualitaet der berichte in den letzten wochen auf so etwas?? 🙂

    • @Sokrates
      Der Name „Udaipur Baba“ ist ein urheberrechtlich geschützter Name in diesem Forum. Leider wird er gelegentlich gehijacked von Trittbrettfahrern wie in diesem Falle. Habe Verständnis.

  8. Bin wirklich ergriffen, wie man unter derartigen Umständen überhaupt noch an Arbeit denken kann……Wo die Atmosphäre einen Bankhauses mit Attributen wie Nullpunkt und Psychostress umschrieben wird, muss einiges im Argen liegen. Dem zermürbten und gebeutelten Bankpersonal sei meine Anteilnahme gewiss.

    Ein neues Phenomen macht sich breit im big, small banking. Etliche dieser Finanzhäuser sind verdammt dazu einen Haufen Geld zu investieren um sein eigenes Personal bis auf die Unterwäsche zu überwachen. Das Whistleblowertum zeigt eines, niemand traut niemandem im Kasinobanking. Der Kunde einmal mehr der Betrogene in jeder Hinsicht. Die Werteordnung ist in diesem Sektor total abhandengekommen. Kurzum: Das letzte Hüsteln, bevor alles seinen gerechten Lauf nimmt……….AUFWACHEN IN DER VELOURTEPPICHETAGE.

    • Was du schon wieder für einen indischen Hafenkäse verzapfast… Komm gib’s zu, Du bist die zweite Hälfte von Du Ponts gespaltener Persönlichkeit!

  9. Ich melde mich nur kurz, um mich bei den Mitarbeitern der Notenstein zu entschuldigen. Aber ich habe nun halt mal meine Wohnung in der Rittergasse kündigen müssen. Ich bin einfach zu selten dort.

    Aber ich habe den „Service Plus“ (wie es mein Steueroptimierer nennt) der Notenstein immer sehr geschätzt. Die Mitarbeiter, die sie mit leeren Paletten zu mir geschickt haben waren immer sehr anständig und freundlich, obwohl sie dann jeweils die Fässer mit „Kartoffeln für Mali“ 4 Stockwerke runterschleppen mussten, bevor sie dann bei der Notenstein Hintertür reintransportiert werden konnten.

    Inzwischen ist es für mich aber einfacher, meine „gebündelten Zeitungen“ direkt beim unscheinbaren Basler Euroairport „zu lagern“. Die Flexibilität und Diskretion ist schwer zu schlagen.

    Als Trost für die Mitarbeiter kann ich aber versichern: Die entsprechenden Stufen wuden von mir fürstlich Entlöhnt. Dies sollte Euch wohl nun auch klar machen, wieso der Chef im Maseratti plötzlich frische Amurleopard-Bezüge hat. Auf diese Weise hat sogar eine solche billige Italoschüssel ein bisschen Stil.

    • Da ist er wieder. Freudig erwartet. Frohlockend gelesen. Lachend kommentiert. Du Pont at it’s best 🙂 Danke, Marcel.

    • @Du Pont: Und wie steht es um einen inhaltlichen Beitrag, Du Troll? Offenbar gefällst Du Dir in der Rolle des Komikers unglaublich gut, obwohl sich Deine Absonderungen hier langsam etwas abnutzen.

      Vielleicht sollte ich einmal mit Deinem RAV-Berater sprechen. Im Prättigau brauchen sie bestimmt noch Helfer für die Bergbauern. Da kannst Du dann Deine Energie etwas sinnvoller einsetzen.

    • Nicht oft, aber immer öfter schafft es Monsieur DuPont, den Unterhaltungswert des täglichen Inside-Ergusses mit seinem Kommentar zu schlagen.
      Herr Hässig sollte aufpassen, dass dies nicht noch mehr zunimmt.
      In diesem Sinne möchte ich mich dem obigen Votum von Mäse’s Fan anschliessen!

  10. Wieso Reiffeisen-Privatbank? Was haben die mit Notenstein zu tun? Verstehe ich nicht ganz, wohl ein Fehler. Aber nichts desto trotz finde ich es schade um die Privatbanken, welche je länger je mehr von den Grossbanken vertrieben werden. Ich hoffe Notenstein kann wenigstens diese Filiale halten…

    • Der Fehler scheint wohl dein Unwissen zu sein – guckst du besser mal hier raiffeisen.ch

    • Reiffeisen ist eben nicht Raiffeisen. Googeln Sie mal „Raiffeisen“ und „Notenstein“. Ganz bestimmt werden Sie vor Ueberraschung vom Hocker fallen………Es soll ihnen aber nichts weiteres passieren gell.

      Apropos Privatbanken: Glaubwürdigkeit kann man sich nach neusten Erfahrungswerten nicht durch eine rustikale Hausfassade kaufen und auch nicht durch wunderbar teure Klamotten. Die Parameter im Swiss banking haben sich wohl verändert.

  11. Künzi und sein Team (CFO, COO, etc.) sind leider nur zweite oder dritte Garde. Kein guter Manager, der was von sich hält arbeitet bei der Bauer-Privatbank. Der Wegelin Lack ist schon längst verblasst. Alles nur noch Heissluftschwätzer, die bald von der Realität eingeholt werden.

  12. Ich frage mich, wer braucht diese Bank? Die meisten Menschen gehen in die Arbeit und brauchen ein Lohnkonto und eventuell einmal im Leben eine Hypothek. Jeder kennt doch den letztmaligen Existenzzweck der altehrwürdigen Wegelin. Jeder, der seine Steuern zahlt, sollte sagen: Macht kaputt, was Euch kaputt macht. Jeder Staat braucht Steuereinahmen um die Infrastruktur aufrecht zu erhalten.

  13. Der Rennweg ist eine der ältesten Strassen der Altstadt von Zürich. Er führt von der Bahnhofstrasse in südöstlicher Richtung etwa 250 Meter weit schräg einen Moränenhügel hinauf, wo er am höchsten Punkt in die Strehlgasse übergeht, die wieder hinunter zur Limmat führt. Der Rennweg ist seit 2004 autofrei. Die Tramhaltestelle Rennweg der Verkehrsbetriebe Zürich liegt in der Bahnhofstrasse.

  14. tja, wie heisst es so schön: schuster bleib bei deinen leisten!
    aber, nein. eine landbank geht in die stadt und wird dort gefressen.
    was soll eine raiffeisenbank mit einer privatbank?
    wieso nicht kooperationen, wie früher.
    die zwei grossbanken können ja ein lied pfeiffen, diesbezüglich, aus übernahmen von us banken und auf platz ny.
    (wenn sie überhaupt noch pfeiffen können….)

  15. Sie schrieben:
    „Der Rennweg stand bei der Notenstein Privatbank für Aufbruch. Für Wachstum. Für Eroberung des führenden Finanzplatzes der Schweiz.“

    Korrekterweise sollte es heissen:
    „Der Rennweg verkam zum Instrument der Profilierung. Für all diejenigen, die überteuert, basierend auf leeren Versprechungen und schliesslich ohne Erfolg die Bank von Innen aushöhlten und sich ein Nest aus Gold für’s Nichtstun bauten.“