UBS kürte Mehrfach-Fälscher zu Direktor

Bank verpflichtete Amerika-Private-Banker im Wissen um Verfahren – viel Bonus als Managing Director – Fall explodiert.

UBS-Chef Sergio Ermotti predigt sei dem 2-Milliarden-Derivate-Desaster von 2011 „Zero Tolerance“. Tatsächlich aber finden Topleute mit luscher Vergangenheit ein warmes Plätzchen in seinem Haus.

So wie ein Amerikaner namens John Bocchino und dessen Kollege. Die beiden sind in einen grossen Fall mit Venezuela-Obligationen und gefälschten Kundendeals involviert.

Vor 2 Wochen explodierte die Affäre. Die Financial Industry Regulatory Authority (Finra), die Selbstregulierungs-Aufsicht der lizenzierten US-Broker, bestrafte den Top-UBS-Mann.

Der Spitzenbanker hatte zu seiner Zeit bei der Vorgängerbank Morgan Stanley die Namen von Kunden versteckt gehalten, um so Venezuela-Restriktionen der USA zu umgehen, wie das Portal AdvisorHub berichtete.

Die UBS hatte bis dahin einfach zugeschaut. Und auch jetzt kam sie zu spät mit irgendeiner Reaktion. Der von der Finra bestrafte Bocchino kündigte von sich aus.

Ein UBS-Sprecher wollte über das Wochenende keine Stellung nehmen. Eine Quelle aus der Bank meinte, dass der Schuldige der UBS mit seiner Eigenkündigung zuvorgekommen sei.

Wirklich? Die Grossbank, die von Subprime über Derivate-Debakel zu Libor-, Devisen- und Gold-Betrügereien praktisch keinen Skandal ausgelassen hat, sieht im Fall Bocchino schlecht aus.

Es fragt sich, wie die UBS, die doch nach eigenem Bekunden „no mercy“ bei Vergehen kennt, derart wegschauen konnte.

John Bocchino war kein unbeschriebenes Blatt. Er leuchtete in der Vergangenheit in offiziellen Registern zwei Mal auf, bevor ihn die UBS zum Managing Director in ihrem New Yorker Private Banking machte.

Und auch die jetzt zutage getretene schwere dritte Verfehlung kam mitnichten „out of the blue“. Bereits im Frühling berichtete eine Webseite namens Stopbrokerfraud.com vom laufenden Verfahren der Behörde gegen den UBS-Direktor.

Dort gab es gar einen Aufruf an allfällig geschädigte Kunden. „If you or someone you know has suffered losses investing with John Bocchino, call the securities and investment fraud law firm (…).“

Spätestens ab diesem Artikel hätte die UBS-Führung hellhörig werden müssen. Doch sie tat nichts.

Vielmehr liess sie ihren Manager, der bei der Ex-Bank Morgan Stanley in seiner Schlusszeit in 14 Monaten fast 5 Millionen Dollar verdient hatte, einfach weitermachen.

Ein halbes Jahr lang schauten Bocchinos Chefs, die Heerscharen von Compliance, die Hunderten von Juristen und die Risikomanager einfach weg.

Das bei „gefälschte“ Dokumente, „falsche“ Informationen, „versteckte“ Kundennamen, „fiktive“ Konten, wie die Vorwürfe lauteten; alles in einem 190-Millionen-Dollar-Fall mit Bonds aus dem maroden sozialistischen Venezuela.

Wie ist so etwas möglich? Die UBS entlässt kleine Schweizer Berater beim geringsten Vergehen gegen interne Weisungen. Da aber war ein notorischer Falschmünzer am Werk – und man vergoldete ihn.

Zero tolerance bei der UBS? Dream on.

Der Trackrecord macht das deutlich. Bocchino hatte eine erste Anzeige eines Kunden bei der Finra, als er noch bei der Citigroup tätig war.

Das war 2009. 2011 endete der Fall mit Bezahlung von 225’000 Dollar durch seine Bank. Bocchino durfte seine „persönliche“ Unschuld in seinem Finra-Registereintrag festgehalten haben.

„I was not named respondent in this action and no damages are sought against me personally related to any actions taken by me (…)“, steht in Bocchinos File.

Doch kaum fertig, startete die nächste Folge in diesem Serienfall.

Anfang 2012 musste Bocchino bei Morgan Stanley Smith Barney gehen, wo er nach einem Joint venture dieser Wertpapierfirma gelandet war.

„Engaging in securities transactions for clients within accounts other than their own“, hielt die Selbstaufsicht fest.

Statt endgültig aus der Finanzindustrie zu verschwinden, streckte ihm die UBS die Hand entgegen. Topposition, Toplohn, Topbonus lautete deren Angebot.

Für Bocchino war es ein äusserst angenehmes Resultat eines vermeintlich brutalen Abschieds bei seiner Ex-Bank.

Bocchino nutzte die Einladung der Schweizer Nummer 1 bis zum bitteren Ende.

Als schliesslich seine Vergangenheit mit dem neuerlichen Schuldspruch nicht mehr schönzureden war, sprang Bocchino rasch von sich aus ab.

Die UBS muss sich derweil vorwerfen lassen, das bei ihr erneut viele Alarmlampen versagten.

Kommentare

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  1. Finanzbeschiss hat viele Gesichter. Nebst den UBS Bocchinos gibt’s da auch noch diejenigen die – in vollem Wissen und gut finanziert – am Laufband unverifizierbaren Schrott verbreiten. Finanzökonomen, Analysten, akademische Forscher um nur einige zu nennen. Nicht alle, aber viele.

  2. Oh Grossmeister Marzellus von der Brücke – bitte vermacht Euren Luxuskörper nach Eurem Ableben der Wissenschaft!
    Ich bin sicher, Ihre Erlaucht wird die (Human-?)Biologie revolutionieren!
    (offenbar lebensfähig ohne Hirn, ergo Handeln durch vegetatives Nervensystem gesteuert?; grösste der Menschheit bekannte Diskrepanz zwischen Geschlechstteil-Selbstbild und Realität; Narzissmus-Level, der Schawinski’s um x100% übertrifft etc).

    • Dieser Kommentar ist sicher lustig gemeint. Ich kann deinen Humor aber bei bestem Willen nicht verstehen.

  3. Ganz oben laufen die Dinge halt anders. Wenn es sich dann wie in diesem Fall noch um einen Angelsachsen handelt, führt das Top-Mgmt wie so oft schon die berühmte Affennummer auf – Ich sehe nichts, ich höre nichts, ich sage nichts. Ein Schweizer Angestellter wäre schon längst entlassen worden. Die UBS ist und bleibt im Sumpf stecken. Da hilft alles Schönreden von Ermotti und Co. nichts.

  4. ganz oben gibt es andere Regeln – damals als auch heute!
    um mehrere hundert Millionen wurde die Swisscom erleichtert als ihr die UBS – Mutiara andrehte, usf. –
    die Spielchen dahinter machte einige Leute sehr reich…!
    Alles nie aufgeklaert !

    • @paul kwok: ….und jens alder, s.zt. ceo Swisscom, hat milliarden in den sand gesetzt mit dem kauf von debitel……..und keine kräh krähte nachher

    • @Bobcat, es gibt einen grossen, einen entscheidenden Unterschied, Bei debitel wusste man wer sich verkalkuliert hat. Offenbar war es einfach (…) ein Management-Fehler. Als in beiden Fällen aussenstehender finde ich es doch sehr entscheidend anders und stossend, wenn extrem viel Geld verschwindet und nichts wird aufgeklärt. Kannte einen Fall, liegt Jahre zurück, da wurden 70 Millionen ich glaube vier Jahre stehen gelassen weil niemand etwas wusste resp. niemand die Verantwortung (sprich diese Kosten) übernehmen wollte. Nach vier Jahren wurden diese fast 70 Millionen einfach ausgebucht. Wo man sonst jede 50 Rappen belegen musste … Heute weiss man dort mit Sicherheit von nichts mehr und Belege dazu wird es auch nicht mehr geben. Der Fall hat nichts mit der UBS zu tun.

  5. Siehe Google: „UBS jetzt offiziell kriminell“
    Die UBS hat vom Justizministerium der USA das offizielle
    Rating „Kriminell“. Damit ist die Bank auf gleicher Stufe mit Verbrechern.

    • Ja – so isses … und so ist das mit den Grossbanken seit gut 20 Jahren in der Schweiz! Als nächstes planen die den Raubzug auf die CH Kundschaft: Geile Gebührenerhöhungen – Negative Zinsen auf Sparkonti – Abriss bei Anlagen und Tantiemen für dies … und das …
      Wozu brauchen wir die CS und die UBS eigentlich noch?

    • Naja, geehrte Frau Schreiber, wenn google und die USA Ihre Referenz ist, liesse ich mich betiteln, wie Sie wünschen, ohne das in Geringsten persönlich zu nehmen.
      Ohne hier die UBS auch nur im Geringsten in Schutz zu nehmen:
      Sie reden von Justizministerium des gleichen Landes, das in den letzten Jahrzehnten in zig Ländern Kriege angezettelt, Regierungen gestürzt und demokratisch gewählte Politiker hat wegputschen lassen?
      Insofern versucht die UBS ja nur, ein „level playing field“ zu schaffen, wer weiss?

  6. Im letzten Beitrag https://insideparadeplatz.ch/2016/09/16/sexuelle-uebergriffe-bei-cs-schwere-vorwuerfe/ habe ich als „memento mori“ das dämliche Spiel von Nickname Marcel Duponts aufgedeckt, der (womöglich auf Auftrag oder aus sonstigen Interesssen) durch seine dämlichen agedroschenen Witzeleien versucht das IP und die Kommentare zu torpedieren.
    Der Schlag scheint richtig gesessen zu haben … heute versuchen die üblichen Nieten (Punkt 8:00 also bei Arbeitsbeginn … siehe mein Beitrag) den letzen Freitag zum ersten Mal gebrauchten Nick „memento mori“ zu diskreditieren. Welche Ehre … (übrigens memento mori der letzen Freitag geschrieben hat, weiss nicht was Knallköpfe sind … er bevorzugt das Wort Nieten) …

    Es bleiben die Facts:
    Offenbar gibt es (womöglich bezahlte) Nieten, die ein Interesse haben das IP und die Kommentare zu torpedieren.

    Es bleibt die Maxime:
    Wenn immer der name Marcel Dupont (bzw. Andi etc.) auftaucht -> Kommentar überspringen.

    En Guete

    • Für dass Du Dupont’s Weisheiten gar nicht liest, ist Deine unermüdliche und cholerische Aufregung über ebensolche Kommentare ganz schön beeindruckend. Noch beeindruckender ist, dass Dein Gejammere noch um welten irrelevanter und bemittleidenswerter ist als Dupont’s Memoiren! Oder bist Du erwa Dupont’s zweite Identität, na? Touché?

    • @Gina-Boris:

      Unermüdlich? Weil ich zwei Kommentare geschrieben habe? Cholerische Aufregung? Gejammer(e)? Wo auch. Regen Sie sich wieder ab.

  7. Endlich mal ein Thema aus meinem Spezialgebiet! Kein Wunder, dass sich da die ahnungslosesten lieber zurückhalten und vor Freude zitternd die Lektion ihres Mentors abwarten. Mir wurde ausgerichtet, dass es offenbar bereits Leser gibt, die meine Kommentare zum Zentrum ihres Lebens gemacht haben, was mich natürlich sehr freut. Ich schätze diese Personen wie der majestätische Elefant den überforderten Mistkäfer unter ihm zu schätzen weiss.
    Unsere Gesellschaft (und damit meine ich die vielleicht 50 Personen, die weltweit mit mir mithalten können, und nicht den faulen Apfel den Ihr Würmer stolz als Eure Welt ansieht) lebt vor allem von Diskretion. Dies ist auch einer der Gründe, weshalb ich dazu verpflichtet bin meine Lektionen möglichst anonym und teilweise wage zu halten. Diskretion ist ein sehr teures Gut, und teilweise nur durch das Opfer einer Dame zu retten. Genau, wir spielen das spiel ein wenig anders. Wir Opfern Damen via sms wie Ihr höchstens mal einen Bauern, nach 4 tägiger Klausur und mit viel Tränen. Wir haben genug Damen, und wenn das nicht hilft, wird der König geopfert. Who cares, im Gegensatz zu Euch, spielen wir parallel an zig (Elfenbein/Schwarzer-Opal) Brettern.
    John und wohl auch noch drei weitere, hier im Artikel nicht genannte Läufer, werden wohl bald geopfert werden. Doch solche Johns gibt es eine Menge, schade scheint die Lunte dort nun wirklich ganz abgebrannt zu sein, doch ich kann persönlich bestätigen, dass Bocchino uns sehr gute Dienste erwiesen hat. Jedes mal wenn ich auf der Veranda von meinem Ferienheim #132 (habe aufgehört Namen zu geben) das mit Dodo Federn gefüllte Duvet vom aktuellen Playgirl des Monats ziehe, denke ich an Bocchino, und wie sein Einsatz dieses Duvet ermöglicht hat.
    Just kidding. Gäbe es diesen Artikel nicht, hätte ich ihn längst vergessen. Zurück zum Thema. Sehr wahrscheinlich, werdet Ihr in naher Zukunft von 3 weiteren Namen hören. Alles Läufer. So gesehen: Sack Reis China, business as usual, cry me a river.
    Marcel Du Pont, Millionär, Multimillionär, Milliardär.
    PS: Danke dass Ihr diesen Artikel gelesen habt, Ihr wart soeben 3 Minuten wirklich produktiv, dennoch seid Ihr ab sofort wieder nichts.
    PPS: Alle Kommentare dessen Zeitstempel auf meinem Facebook im als Kommentar nicht zu finden sind, sind fake und nicht von mir.
    Sucht auf FB nach: marcel.dupont.9849 oder direkt https://www.facebook.com/marcel.dupont.9849
    Meine Sekretärin sagt mir, dass es täglich mehr Du Pont Followers werden, die der Gospel der Vernunft und dem Brunnen des Wissens folgen.

  8. Zero tolerance? Mario Balotelli wurde auch wieder eine Chance zugebilligt nach etlichem Fehlverhalten. Weshalb also nicht im banking? Die „healing power“ der UBS wirds richten.

    • Ach Andi… wieder mal von sich selbst auf andere schliessen? Ja Memento, die Knallköpfe tauchen zuverlässig auf… – öfter auch nur derselbe Knallkopf, nebst anderen gravierenden Defekten schön zu erkennen am auffälligen Akkusativ Defizit dieses Du Pont Heinis.

  9. Kontrollverlust einmal mehr – oder aber ganz bewusstes Weggucken? Sollte dieser Sachverhalt wirklich so sein, so müsste dieser ja selbst in der NZZ thematisiert werden. Der Gefälligkeitsjournalismus gerade bei Wirtschaftsthemen scheint eben grenzenlos zu sein.

  10. Zum vorliegenden Thema habe ich mangels Knowhow nichts beizutragen, aber Dupont und die anderen üblichen Knallköpfe werden hier bestimmt bald Kommentare posten, die ich dann wieder mit viel Krach zerreissen kann.

    • Memento mori (und seine vielen Alias): der neue grosse Witz bei Inisde! Sie haben offiziell Dupont als Witzfigur überholt. Wenn auch auf eine sehr traurige Art.