UBS-Operation „Cobalt“: Europabank geht an Start

Big Bang könnte am 1. November sein – kleine Bank, grosser Schritt: Passporting für EU – CS, Deutsche Bank im Rückstand.

Der Name ist geheim, die Operation ganz oben bei CEO Sergio Ermotti angesiedelt. Sie heisst „Cobalt“ und meint die neue Europabank der UBS.

Diese könnte bereits am 1. November loslegen. Ein Banksprecher wollte sich gestern dazu nicht festlegen.

Hinter „Cobalt“ steckt nicht weniger als eine interne Fusion inklusive „IPO“. Die UBS gründet in Frankfurt eine neue Bank, mit eigener Lizenz und Unterstellung bei der deutschen Bankenaufsicht.

Das wäre noch nicht weiter spannend. Was „Cobalt“ aber zum zentralen Projekt für die führende Schweizer Grossbank macht, ist deren umfassende Bedeutung für den ganzen EU-Raum.

In der neuen UBS in Frankfurt werden alle Aktivitäten sämtlicher Länder auf dem europäischen Festland – mit Ausnahme von Frankreich wegen den dortigen Altlasten – verbucht sein.

Es geht also nicht nur ums Private Banking, wie das vielerorts geheissen hatte. Auch die Assets der Geschäftsfelder Asset Management und Investment Banking werden in Frankfurt verbucht sein.

Die Bilanzsumme der neuen Bank wird trotzdem nicht besonders ins Auge stechen. Es werden rund 20 Milliarden Euro sein; ein Bruchteil der Bilanz der UBS Switzerland mit über 300 Milliarden Franken.

Der Trick hinter dem Konstrukt ist aber, dass die UBS massiv Kosten sparen kann. Sie wird nur noch eine Banklizenz haben, nämlich jene des deutschen Regulators Bafin.

Mit dieser „Passporting„-Lizenz kann sie den ganzen EU-Kontinentalraum bedienen. Ihre bisherigen Lizenzen in Spanien, Italien, Luxemburg und weiteren EU-Staaten benötigt sie nicht mehr.

Die dortigen Ableger, die bisher vollwertige Banken mit einem eigenen CEO, einer eigenen Bilanz und einer eigenen Rechenschaftspflicht gegenüber den lokalen Behörden waren, werden zu „Branch offices“.

Gemeint sind Zweigstellen, also Aussenstellen. Im Unterschied zu Tochterbanken mit eigener Lizenz handelt es sich um eine Art Filialen.

Angehängt sind diese am neuen Stammhaus in Frankfurt, wo die UBS sich in einem eindrücklichen Tower eingemietet hat.

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Das Stammhauskonzept kennt die UBS von früher. Nun führt sie es für den EU-Raum wieder ein.

Damit hängt die UBS ihre direkten Konkurrenten ab. Weder die Deutsche Bank noch die Credit Suisse sind bei deren eigenem Aufbau einer zentralen Europabank mit „Passporting“-Möglichkeit gleich weit.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan, der in der grossen Krise die UBS als Finanzchef über die Runden gebracht hatte, treibt seine Organisation ebenfalls Richtung Europabank.

Doch Cryan und seine serbelnde Deutsche Bank sind noch weit weg von einem Startschuss. Ebenso die Credit Suisse, deren erste Bestrebungen nach einer Europabank mehrere Jahre zurückreichen.

Wirklich Zählbares kann die Nummer 2 des Finanzplatzes aber noch nicht vorweisen, zumindest weiss man davon nichts Grosses.

Umgekehrt die UBS. Ihr Kollaps von 2008, als die Bank vom Schweizer Steuerzahler gerettet werden musste, erweist sich je länger, je mehr als heilsamer Schock.

Ohne grosses Aufhebens haben die UBS-Chefs ihre Organisation auf neue regulatorische Vorschriften und harten Kostendruck ausgerichtet.

Nun könnten sie bereits in 5 Wochen auf den Knopf drücken und ihre Frankfurter Europabank live schalten.

Operation „Cobalt“ würde dann als eines der erfolgreichsten Projekte in die wechselvolle Geschichte der Grossbank eingehen.

Die Bank hat nun Spielvarianten. Sie kann von Frankfurt aus mit ihrer neuen Europabank den ganzen EU-Raum bedienen. Und sie bleibt weiterhin gross in London mit Investmentbanking.

Das ist wichtig, weil unklar ist, wie sich der Brexit auf die europäische Bankenlandschaft auswirken wird.

Bei der UBS sinken derweil bereits die Kosten, die Bank nutzt Synergien. „Passporting“, das neue Zauberwort, wird bei der UBS Realität, während andere Grosse erst davon reden.

Unabhängig von dieser rechtlichen Sichtweise bleibt die Bank in den einzelnen EU-Märkten operativ aktiv. Mehr denn je: Sie kann diese dank der Frankfurter Lizenz neu unbegrenzt nutzen.

Kommentare

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  1. Also recht viel unwissenheit bei einigen kommentaren und auch teilweise im artikel. Es werden eu hub und operating model verwechselt.
    Die schweizer banken müssen nun mal eine vollbank in einem eu land haben, da sie selbst nicht zur eu gehören. Das ist so und wird sich auch nicht aendern……dementsprechend hat die ubs ihren hub in frankfurt installiert.

    Cryan treibt deutsche ebenfalls richtung europabank? Hat nicht mit dem thema der ubs und der cs zu tun und wird auch so nicht geschehen.

  2. Die nicht-Schweizerische UBS hat damit ihren Hauptsitz für sämtliches europäisches Geschäft von der Schweiz abgezogen.

    Tausende Arbeitsplätze werden folgen.

    Was machen nun all die Schweizer?

    • ich darf nächste Woche mit Freude nach 25 Dienstjahren meine Kündigung einreichen, mit neuer Jobaussicht, losgelöst von der Finanzbanche, Gottseidank. Ist doch nur noch alles Verlogen und Betrogen in dieser Branche. Tschüss UBS

  3. Nichts bleibt heutzutage geheim. Wir erinnern uns an meinen IP Kommentar (hier: http://tinyurl.com/mdp-byeNotenstein), bei dem ich kürzlich gestehen musste, dass ich der Grund für die Schliessung der Notenstein Edelfiliale im Rennweg war. Wie schon angedeutet, bin ich nun halt mal einfach seltener im selbstverliebten Zürich. Ein See auf dem es mehr Verkehr hat als in der Langstrasse, und in der mein Kahn viel zu gross ist, um sich gross bewegen zu können… (und ich spreche hier vom Verkehr in der Langstrasse). Ein „cosmopolitanes“ Nachtleben, das alles zu bieten hat – für die Bauerntschumpels aus der Aglo oder auch Stadtzürcher selber, die nicht mal wissen wie man Hakkasan buchstabiert wenn sie es lesen. Und die viel zu überfüllten, engen Strassen die von Rostlauben verstopft sind. Wurst und Brot BMW hier, Noobie Benz dort und röchel Porsche dort. Wer da mit Klasse angefahren kommt, dreht sofort wieder um und kommt mit der austauschbaren Alltags-Maserati Schüssel wieder.
    In letzter Zeit befinde ich mich halt öfter in Frankfurt. Schon nur weil dort ein brauchbarer Flughafen ist, diese erbärmliche Ausrede eines Ackers in Kloten bekommt meiner G650ER einfach nicht besonders. Ja, und da war naheliegend, dass ich mal kurz ein paar Anrufe machte und man nun eine mir bekömmliche Filiale in die Nachbarschaft stellt. Persönlicher Kontakt ist mir ja sehr wichtig, wie die meisten meiner Angestelltinnen sehr gut wissen. Und, soweit ich das mitbekomme, auch schätzen. Wenn ich nun mal trotzdem dringend nach Zürich muss, dann hüpf ich schnell in meine Augusta Westland (wer fragen muss welches Modell, hat seinen nächsten Atemzug nicht verdient).
    Also wir fassen zusammen: Keine grosse Panik. Die UBS macht keine Schnellschüsse, sondern arbeiten mit meinen Leuten zusammen, das Ergebnis wird brauchbar, denn da steht Du Pont drauf.
    Und jetzt muss ich los, gleich findet die Wiederholung des Lingerie Bowls statt. Und ich habe eine Weile, bis ich mit meinem Golfwagen im richtigen Flügel meines Gartens angekommen bin.
    Marcel Du Pont, Milliardär, Erbsenzähler, Champusverschwender.

    • Danke, Marcel, für diesen – einmal mehr – sehr erhellenden und fröhlich machenden Kommentar. Du schenkst uns müden und ausgelaugten Arbeitsbienen jeden Tag ein paar Sekunden Freude. Weiter so!

  4. Warten wir mal auf die fundierte Meinung unseres Bankspezialisten MdP.
    Sie wissen schon, Millionär, Milliardär, Schiffseigner, Frauenversteher…etc. etc….

    • wahrs war Lukas dort federführend beim Tagi Artikel – wenn nicht, Herr haessig, bitte hier im IP eine Klarstellung betreffend der Klarstellung veröffentlichen. und bitte klar und untendenziös formulieren, so wie immer!

    • Es geht wohl um sprachliche Feinheiten: Die Credit Suisse AG, d.h. die Organisation als solche, hat sich zwar in den USA in einem gross angelegten Strafverfahren schuldig bekannt und eine gigantische Busse bezahlt, möchte aber hierzulande nicht als „kriminelle Organisation“ bezeichnet werden.

      Die heutige, denkwürdige Klarstellung der grössten Schweizer Tageszeitung gibt genügend Anlass, sich nochmals die historischen Fakten zu Gemüte zu führen:

      https://www.justice.gov/opa/pr/credit-suisse-pleads-guilty-conspiracy-aid-and-assist-us-taxpayers-filing-false-returns

    • @Klarsteller: Ja, das Schmierentheater der CS-Vertreter Brady Dougan, Romeo Cerruti, Rob Shafir und H.U. Meister bei den Hearings vor dem US Senatsausschuss in Washington vom 26. Februar 2014 war beispiellos! Sie machten einfach auf „Schulbuben“, um möglichst unschuldig rüberzukommen. Unbedingte Gefängnisstrafen wären die einzig wiksamen Massnahmen gewesen.

    • Ja dann ist ja alles gut und Urslis Weste entlich blütenweiss.

      Ach nein doch nicht! Die ganze Welt hat’s mitbekommen, es war kein Versehen des Tagesanzeigers!

      Wir erinnern uns:

      http://www.theatlantic.com/business/archive/2014/05/why-is-credit-suisse-still-allowed-to-do-business-in-the-united-states/371238/

      Vor diesem Hintergrund muss man sich schon einige Fragen stellen. Welcher Richter hat hier faktenwidrig entschieden? Oder ist der TA gar selbst umgefallen und falls ja, wieso?? Hat Ursli am Ende noch anderer Leute Dreckwäsche im Gepäck das er öffentlich waschen möchte?

    • Ja die CS wollte das auch. Hat viel Geld gekostet und nichta gebracht. Schon Wellauer hatte davon geträumt… also nix neu oder innovativ. Wahrscheinlich sind auf genug ex CSler bei UBS angekommen und wollen’s nochmals versuchen. Na dann mal viel Glück!

  5. Die Europabank der UBS wäre wahrscheinlich in Zürich angesiedelt worden, wäre die Schweiz heute EU-Mitglied und ganz sicher, wenn wir den Euro hätten. Aber dies darf man nicht sagen, da die EU-Gegner unter den im Finanzplatz beschäftigen auf die EU reagieren, wie von einer Ringelnatter gebissen, die ja nicht giftig ist. Rein mit Emotionen und und ohne irgendwelche rationalen Argument der Abwägung unserer ureigenen Interessen. Wenn wir so weiterfahren, geht es mit unserem Finanzplatz wie mit der DDR. Was sagte Gorbatschow, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Am Schluss haben UBS und CS nur noch das Private Banking der Kunden aus den Nicht OECD-Staaten hier in der Schweiz. Jeder kann sich selber ausrechnen, wie viele Leute die UBS und die CS für dieses einzige Ausland-Geschäft noch brauchen. Wenn man so etwas öffentlich sagt, kriegt man nur Beleidigungen und man muss den Durchzug bei den Ohren einschalten wie dies Nationalrat Fluri treffend beschrieben hat.

    • Ja lieber Herr Zach wenn man die rationalen Argumente nur aus den Mainstream Medien zusammen sucht kann man ihre Meinung evtl sogar noch teilen. Leute mit etwas offneren Geist und mehr Initiative besorgen sich aber auch ausserhalb dieses Mainstream Infos und da zeigt sich ein ganz anderes Bild von ach so göttlichen EU. Wann begreift der kleine Mann endlich dass er nur über den Tisch gezogen wird und wann steht er endlich auf um dagegen vorzugehen? Regierungen, Hochfinanz, Medien – alle vermitteln uns ein falsches Bild – aber solange DSDS im TV läuft interessiert es das dumme Volk von Sklaven nicht und vegetiert fröhlich weiter vor sich hin.

    • Sie haben keine Ahnung herr Zach. Aber hauptsache mal wieder die EU erwänan.
      Die schweizer Mitarbeiter sind der UBS zu teuer. Darum hätte die UBS niemals die EU Bank in der Schweiz eröffnet.
      Gruss und das Hirn bitte auch freitags benutzen

    • Danke Herr Zach für ihren wertvollen Beitrag. Ihre Beobachtung, gerade an diesem Beispiel, ist ein eidgenössisches Tabuthema der Sonderklasse.
      „Unerhört“, ihre formulierten Gedankengänge…………

    • Tja, wenn alle vier Grundpfeiler der EU gleich hoch eingestuft würden wie die Personenfreizügigkeit, dann hätten wir die von Ihnen Beschriebene Situation, Herr Zach. Denn es herrscht keine Freiheit im Handel mit Dienstleistungen aber unsere Politiker machen sich ja in die Hosen wegen der MEI, verschweigen aber diesen Punkt. Wenn also die EU über diesen Punkt hinwegsieht, kann sie auch über die freie Steuerung der Einwanderung hinwegsehen.
      Es ist also doch nicht alles so in Stein gemeisselt wie behauptet!

    • Rolf Zach. Wäre die Schweiz EU-Mitglied, wäre der ganze Laden in die EU gezügelt worden, da billiger. Eine Europa-Lizenz genügt dann.

    • Wer Herrn Nationalrat Fluri bauchpinselt, hat sowieso jede Glaubwürdigkeit verloren, Herr Zach. Ihr Unverständnis ist beeindruckend.

  6. Ein einziger Teilsatz reicht aus, um die Kompetenz des Verfassers generell anzuzweifeln: „…als die Bank vom Schweizer Steuerzahler gerettet werden musste…“. Braucht es wirklich noch eine Erklärung? Nicht EIN Steuerzahler hat was dazugegeben, es war die Nationalbank, welche gehandelt hat. Nicht das Steueramt. Seit 8 Jahren dieselbe Leier. Ach ja – ich arbeite nicht bei der UBS und bin kein Bankfachmann…

    • Damals ist einiges schief gegangen.. Und die Steuerzahler (via SNB) hatten definitiv ein Risiko zu tragen, wurden am Ende aber mit 4-5 Milliarden Gewinn aus den Schrottpapieren von 2008 recht fürstlich belohnt. Klingt für mich nach >10% Rendite.. dafür gehe ich persönlich auch gewisse Risikon ein 😎

    • Scheint bloss eine kosmetische Wortklauberei zu sein, werter M.Otzer. Die Nationalbank ist eine spezialgesetzliche (…….) Aktiengesellschaft des Bundesrechts. Sie wird unter Mitwirkung und Aufsicht des Bundes nach den Vorschriften des Nationalbankgesetzes verwaltet. Die Redewendung „Was war zuerst da: die Henne oder das Ei?“ wäre hier doch geradezu passend.

      Obwohl die SNB scheints unabhängig ist, so wäre es für den Schweizer Bürger möglich diese Institution per Stimmzettel abzuschaffen.

    • M. Otzer: Wäre damals die UBS nicht durch den Steuerzahler gerettet worden, wäre sie heute am A.bend! Auf der Müllhalde! Alles klar?

    • Die UBS oder die ganze Schweizer Witschaft?
      Also bitte, nicht kopflos argumentieren. Was nützt Dir ein Auto wenn Du keine Räder hast?

    • ist so, kein einziger bürger hat 1 chf zur rettung beigetragent. aber jahrelang aigrund der gewinne steuern grspart. das der luky das so seit 8 bahren verdreht verstehe ich echt nicht….

  7. Der organisatorische Setup der UBS scheint in der Tat gut aufgegleist. Inhaltlich orte ich aber in einzelnen Geschäftsfeldern nach wie vor sehr viel Nachholbedarf. Wollte beispielsweise nicht Ulli Körner das Asset Management der UBS zur neuen Blüte führen?