Die Trump-Revolution: Könnte sie für die ungeliebten Finanzaristokraten gar die Rettung bedeuten?

Am letzten Dienstagabend sah ich in Zürich, angelockt von Philipp Hildebrand, dem Vice Chairman von Black Rock, Walter Kielholz, Urs Rohner, Jacob Schmidheiny und zwei Dutzend weitere Vertreter des Schweizer Geldadels. Keiner von ihnen rechnete damit, dass Donald J. Trump die US-Wahlen gewinnen würde. Philipp Hildebrand, elegant wie immer argumentierend, brachte zum Ausdruck, dass in 25 Jahren die Weltmacht USA von China abgelöst werden würde.

Noch grösser war das Erstaunen am kommenden Morgen, als der Zusammenbruch der USA-Elite sich überraschend schnell fortsetzte. Es traf die liberale Schweiz, und den Finanzplatz ganz besonders, wie einen Hammerschlag: Die als berechenbar geltende, weil von unseren Banken mit Millionen verwöhnte, Hillary Clinton musste dem für die Schweizer Machtelite kaum berechenbaren Donald Trump Platz machen. Wer sich als erster blamierte, war unser Aussenminister Didier Burkhalter, der, wie andere europäische Sozialdemokraten auch, meinte, den Sieger belehren zu müssen. Trump wird derlei sicher nicht zur Kenntnis nehmen.

Trump wird für die Schweiz zu einer neuen Hypothek. Im ersten Anlauf kletterten zwar die Pharmaaktien, aber ob dies von Dauer ist, werden erst die nächsten Wochen vor den Feiertagen zeigen. Mit dem Finanzplatz hat Donald Trump wenig am Hut, denn „America First“ bedeutet vor allem, die eigenen Banken zu stärken und die anderen klein zu halten. Ohnehin bin ich nicht sicher, ob unser Export in die USA auf Dauer gut laufen wird, denn das Land befindet sich in einer Krise, die noch lange dauern wird.

Investiert die Regierung Trump in die amerikanische Infrastruktur, haben unsere Maschinenfabriken bessere Chancen. Peter Spuhler kann Bahnen liefern, die Familie Ammann in Langenthal Strassenbau-Maschinen. Schindler liefert Lifte, ABB die elektrischen Anlagen.

Trump selber, Enkel eines aus der Südpfalz in Deutschland kommenden Grossvaters, wird unsere Politik allerdings in Schräglage versetzen. Er sieht sich eher vom Schlag eines Putins, Orbàns oder Erdogans. Seine grössten Fans in Europa finden wir bei Marine le Pen oder der AfP.

Blocher, der eigentlich ganz ähnlich wie Trump politisiert: Switzerland First, grenzt sich von Trump ab. Wie mächtig Christoph Blocher in der Schweiz ist, zeigt folgender Vergleich: Trump wird auf 2 bis 4 Milliarden Dollar geschätzt, die Familie Blocher auf mindestens sechs Milliarden Franken – und das in einem ungleich kleineren Markt.

Da Blocher bisher aber keinen geeigneten politischen Nachfolger gefunden hat, es sei denn in Roger Köppel, der über politische Intelligenz und Charisma verfügt, nützen auch die Blocherschen Milliarden kaum etwas, um das Ziel von mehr als 30% der Stimmen auf nationaler Ebene zu erreichen.

Die aufregendste Erscheinung, der Aufstand der Hälfte des amerikanischen Volkes gegen die Finanzelite der Ostküste, bedeutet eine Revolution, deren Folgen noch nicht abzusehen sind. Da auch Trump keine Wunder tun kann, bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Erwartungen seiner Wähler im Zaum zu halten.

Damit würde er sogar die Zukunft der Finanzelite retten, denn nur mit einem Politiker vom Schlage eines Trumps kann diese eine echte Revolution der „social underclass“ verhindern. Trump als Retter der Finanzaristokratie? Man wird sich an diesen Gedanken gewöhnen müssen.

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11 Kommentare zu “Die Trump-Revolution: Könnte sie für die ungeliebten Finanzaristokraten gar die Rettung bedeuten?

  1. Also, Herr Stöhlker, da holen Sie schon etwas weit aus. 🙂

    Lassen Sie doch Trump erstmals seine Amtsgeschäfte in Angriff nehmen und dann werden wir sehen. Der Wahlkampf ist vorbei und es wird niemals so heiss gegessen, wie es gekocht wurde.
    Das haben wir ja bereits erfahren, z. Bsp. Stichwort Krankenversicherung usw.

    Trump hat einen politisch erfahrenen, starken Vice, der die politischen Fäden/Kontakte im Hintergrund zieht/pflegt und auch das engste Team zusammenstellt. Trump hat seine (Geschäfts) Ideen. Ob das dann alles, auf einem politischen Parkett, vereinbar/umsetzbar ist, wie Trump sich das vorstellt. Ich bin, auf jeden Fall, sehr gespannt, ob es ihm gelingt. Undenkbar ist es nicht.

    Eher bedenklich finde ich, das europäische Staatsoberhäupter wie Merkel und Holland offen ihre Besorgnis zur Wahl Trumps äussern. Sie untergraben damit einen demokratisch legitimierten Prozess. Gerade D und F sollten sich bei den kommenden Wahlen entsprechend „warm anziehen“.

    Ob die Stadler Rail, bei Investitionen in die Infrastruktur bzw. öffentlichen Personenverkehr zum Zuge kommen könnte, bezweifle ich bei der Strategie von Trump. Obwohl, Peter Spuhler und Trump könnten sich gut verstehen. 🙂

  2. Sehr gut. Auch bei uns ist es dringend nötig, „den Sumpf auszutrocknen“. Die Finanzelite weltweit hat übertrieben und bedarf einer massiven Korrektur.
    Grosse Freude, dass DT neuer Präsident der USA wird.
    Denise Riedo, Paraguay

    PS: Sehr guter Artikel!

  3. Warten wir auf die Nominierung des Finanz- und Verteidigungsministers durch Trump. Ich glaube nicht an einen Finanzminister aus dem inneren Goldman-Sachs-Kreis oder einen Verteidigungsminister aus dem Rumsfeld/Cheney Kreis. Erneuerung dieser beiden Ressort würden den US gut tun.
    Die „Finanzaristokraten“ werden nichtdestoweniger die Fäden nicht so leicht aus der Hand geben. Spannende Zeiten stehen uns bevor.

    • das war definitiv zu hoch für schlaumeier.
      Sie müssen mit ihm in einfachen sätzen reden, sonst ist das sinnlos.
      aber nett von Ihnen, dass Sie es zumindest versucht haben.

    • Werni: Feinstein hat erklärt, es sei ihm eigentlich gleich, dass Trump gewonnen habe…..Die haben also jeden Präsidenten der Vereinigten Staaten im Sack und der hampelt nach ihrer Pfeife….Die USA haben noch eine Revolution zugute. Die wird kommen, sie braucht aber Zeit zum Reifen.

  4. Dem „Nachplapperi“ Roger Köppel politische Intelligenz und Charisma anzudichten ist echt ein „Brüller“ … bzgl. Belehrungen sind vor allem stöhlkersche Erklärversuche absolut überflüssig ….und wenn Trump mit den Banken nichts am Hut hat, fragt sich wer ihm dann genau die Kredite für sein aufgeblähtes Heissluftimperiümchen gewährt hat … Schon mal darüber nachgedacht?

  5. Ein reichlich wirrer Artikel, werter Hr Stöhlker.
    Was wollen Sie uns sagen?
    Dass der Geldadel trotz anderslautendem Mantra („solche Boni sind nötig, damit wir die Topshots halten können“) offenbar kein bisschen smarter ist als der durchschnittliche Blick-Leser?
    Dass Kielholz, Rohner und Hildebrand auch nur kleine Trumps sind?
    Dass Blocher relativ zu Trump reicher und erfolgreicher ist?
    Dass Sie Burkhalter tadeln, selber aber Trumps Wähler in die Nähe von FN oder AfP (Alternative für Polen? Portugal?) rücken?
    Oder dass Sie tatsächlich glauben, der Aufbau der Infrastruktur beinhalte auch schon öffentliche Verkehrsmittel?
    Ich hoffe, Sie können uns aufklären.

  6. Stöööööööööhlker wie er leibt und lebt:

    undendlich viel warme Luft, blablabla, und am Schluss keine echte Aussage. Ich denke, mein Enkel könnte das besser!