Notenstein zieht sich von DZ-Übernahme zurück

Kein Deal zwischen Mutter Raiffeisen und deutschen Kollegen: Die DZ-Privatbank findet keinen neuen Hafen – Assetabfluss.

Die DZ Privatbank hätte bei der Notenstein Privatbank landen sollen. So der Plan, der seit Anfang Jahr von den beiden Mutterhäusern verfolgt worden war und im September publik wurde.

Nun haben die Raiffeisen Schweiz und die Raiffeisenkassen in Deutschland das Vorhaben abgebrochen.

Anfang Woche informierte die Notenstein, welche die DZ Privatbank hätte bei sich aufnehmen sollen, ihr Personal.

No Deal, lautete die Botschaft. Wir machen allein weiter und schauen, wie wir endlich richtig schwarze Zahlen schreiben können.

Die Notenstein-Mutter Raiffeisen in St. Gallen, welche die Übernahme hätte finanzieren müssen, bestätigte gestern Abend auf Anfrage den Abbruch der Verhandlungen.

„Wie im September 2016 kommuniziert, haben Notenstein La Roche Privatbank AG und DZ PRIVATBANK in den letzten Monaten Kooperationsmöglichkeiten zur Stärkung des Private Banking geprüft“, beginnt die Antwort.

Und es folgt: „Als Ergebnis bleibt festzuhalten, dass eine vertiefte Kooperation im Private Banking zum jetzigen Zeitpunkt nicht realisiert wird.“

Die beiden Privatbanken hätten nun beschlossen, „aktuellen Herausforderungen, wie der Anpassung von Plattformen, Strukturen und Leistungen, Priorität beizumessen.“

Will heissen: Es brennt in beiden Hütten, also löschen wir zunächst bei uns zuhause, statt das Problem noch grösser zu machen.

Verklausuliert sagt die Raiffeisen genau dies in ihrer ausführlichen Stellungnahme.

Mit dem Abbruch der Gespräche „fokussieren sich die beiden Häuser zunächst auf die Umsetzung dieser Handlungsfelder, die hohe zeitliche und personelle Ressourcen erfordern.“

Die Tür ist zu.

Aber ganz verriegeln wollen die Raiffeisen Schweiz und die Raiffeisenbanken in Deutschland sie nicht.

„Nach Abschluss der internen Projekte planen die beiden genossenschaftlichen Bankengruppen die Gespräche wieder aufzunehmen, um die bei den Analysen der vergangenen Wochen identifizierten Möglichkeiten der Zusammenarbeit tiefergehend zu prüfen.“

Es könnte also zu einer Neuauflage von Übernahmegesprächen kommen. An diesen wären vor allem die Deutschen interessiert.

Ihnen laufen die Kunden und Vermögen davon. Die verwalteten Vermögen sind in den letzten 2 Jahren von rund 5 Milliarden Franken auf unter 4 Milliarden abgesackt.

In den letzten Monaten soll sich der Trend nach unten verstärkt haben, sagt ein Insider.

Damit steht die DZ Privatbank nicht allein da. Der Assetschwund hat praktisch den ganzen Finanzplatz ergriffen.

Hauptgrund ist der Automatische Informationsaustausch (AIA) mit den EU-Staaten und vielen weiteren, darunter auch so überraschende wie Russland und China.

Die Basis für die automatische Offenlegung aller Ausländer-Vermögen auf Schweizer Konten findet statt vor dem Hintergrund, dass die betroffenen Kunden inzwischen im Reinen sind.

Sie haben sich bei ihrem Fiskus gemeldet und ihre einstmals Schwarzgelder in Zürich, Basel und Genf den Steuerbehörden in ihren Ländern gemeldet.

Damit sind sie keine Gefangene mehr der hiesigen Privatbanken-Landschaft. Sie können tun und lassen mit ihrem Geld, was sie wollen.

Die neue Freiheit nutzen sie in vollen Zügen. Die reichen Ausländer – es handelt sich oft um Menschen der Nachkriegsgeneration im Pensionsalter – wollen jetzt ihr Erbe regeln und das Alter geniessen.

So übergeben sie einen Teil ihrer Gelder, die sie jahrzehntelang auch aus Misstrauen gegenüber ihrem eigenen Staat auf helvetischen Bankkonten gebunkert hatten, ihren Kindern.

Diese sind auch schon in den Vierzigern oder Fünfzigern und verdienen im Arbeitsalltag oft nicht unheimlich viel.

Also kommt der Zustupf von oben gerade recht, um sich das Leben zu versüssen – mit Konsum, Haus, Ferien.

Kurz: Das einstmals schwarze Geld in der Schweiz wird jetzt als weisses in der Heimat mit vollen Händen ausgegeben.

Aus Deutschland kommen Nachrichten von Boombestellungen bei Autohäusern, Wohneinrichtungen und Immobilienmaklern.

Das viele Geld strömt zurück in die Länder, wo es hergekommen ist.

Alles fliesst – jetzt einfach umgekehrt.

Die Banker in der Schweiz sitzen, da wie vom Blitz getroffen. Ihnen entgleitet der Rohstoff – das ausländische Geld.

Sie reagieren mit Panik. Kopflose Kostenkürzungen, gepaart mit irrwitzigen Anstellungen ganzer Teams.

Die Notenstein scheint nun aber zur Vernunft zu kommen. Sie sagt Nein zur deutschen DZ Bank.

Und sie hat auch Nein gesagt zu einem grossen Firmenkundenteam der UBS. Der Vertrag mit dem Chef – einem teuren Mann – lag bereits unterschriftsbereit auf dem Tisch.

Die Idee war, eine KMU-Plattform aufzubauen, mit Finanzierungen für das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft.

Der Notenstein gefiel der Vorschlag anfänglich. Dann machte sie einen Rückzieher.

Sparen, sanieren, Boden finden, aus eigener Kraft neu aufbauen: Es ist das Motto der Zeit – bei der Notenstein erstmals sichtbar.

Kommentare

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  1. Korrektur zum Artikel: Russland und China sind zwar „Partnerstaaten“ beim AIA (um international ein gutes Gesicht zu bewahren), sie haben sich jedoch keiner Meldepflicht unterworfen. Ob es jemals zu einem automatischen Austausch von Steuerdaten mit diesen Ländern kommt ist völlig unklar.

  2. Frontleute wurden in der Schweiz nie geschult neue Kunden zu holen, Ende 2018 werden 65 % wenn nicht 3/4 der Assets von ausländischen Kunden die Schweiz verlassen. Banken wehren sich immer noch gegen diese nackten Tatsachen und bekämpfen lediglich kleine Flächenbrände.

  3. Wenn Kernkompetenz des Swiss Bankings erstklassige Überrenditen wären, könnten die Boombestellungen bei Autohäusern, Wohneinrichtungen und Immobilienmaklern locker aus den jährlichen Gewinnen finanziert werden und die schweizer Bankberater hätten trotzdem weiter das Kundenvermögen unter Obhut und ihr Einkommen daraus.

    Wäre übrigens heute kein guter Tag für Dietrich W. Thielenhaus, seinen Einstand beim Gold zu verbilligen?

  4. Firmenkunden/KMU-Plattform bei Notenstein? So ein Nonsense, und gut hat man’s rechtzeitig abgeblasen. Es gibt schon mehr als genug solche Plattformen in der Raiffeisen-Gruppe. Alle mit fragwürdigem Erfolgsausweis.