Notenstein will DZ Privatbank kaufen

Coup mit Fragezeichen: 5 Milliarden deutsche Assets von einer Bank mit riesigen Kosten – Mutter Raiffeisen: Das leisten wir uns.

Die DZ Privatbank Schweiz ist ein Kriseninstitut. Abbau, Verluste, Tragödien. Seit Monaten wird bei der Private-Banking-Tochter der grossen deutschen Volks- und Raiffeisenbanken abgeholzt.

Ausgerechnet diese Bank mit roten Zahlen und rund 5 Milliarden deutschen Assets will nun offenbar die Notenstein LaRoche erwerben.

Macht doch Sinn, denken die Strategen. Notenstein ist Raiffeisen, DZ ist Raiffeisen: alles Paletti.

Tatsächlich aber holt sich die Schweizer Raiffeisen respektive ihre 100-Prozent-Tochter Notenstein eine grosse Last ins Haus, wenn der Deal zustande kommt.

Dies passiere wohl in den nächsten Tagen, sagt eine Quelle mit Verweis auf Insider. Die Chefs und Sprecher von Notenstein und Raiffeisen liessen gestern Anfragen unbeantwortet.

Die DZ Privatbank habe ein Kosten-Ertragsverhältnis von über 100 Prozent, meint der Insider. Das heisst: Auf jeden Franken, den die Bank verdient, fallen ein Franken und ein paar Rappen Kosten.

Kein Nullsummenspiel, sondern eine veritable Verlustmaschine.

Die Handlungen der DZ-Chefs in den letzten Jahren fielen dementsprechend forsch aus. Sie verlagerten mehr und mehr der Back- und Middle-Office-Jobs aus dem Hochlohnstandort Zürich.

Nach Luxemburg, nach Deutschland.

Informatiker, Stäbler, interne Serviceleute – unzählige DZ-Leute mussten sich entscheiden, ob sie ins EU-Fürstentum zügeln wollen, zu Wochenaufenthaltern mutieren oder sich etwas Neues suchten.

Hat alles nichts genützt: Die DZ blieb ein unrentables Business. Deshalb der Verkauf. Die Idee ist, die ganze Bank loszuschlagen und sich durch den Hinterausgang aus der Schweiz zu verabschieden.

So wie schon viele Auslandbanken. So wie noch viele weitere.

Die Notenstein unter ihrem CEO Adrian Künzi könnte argumentieren, dass die DZ-Kunden und ihre Assets auf der eigenen Plattform kostengünstiger und damit rentabler betreut würden.

Economy of Scale, Synergien und so.

Klingt gut. Nur braucht es dafür eine Voraussetzung: die Fähigkeit, die erworbene Bank im eigenen Institut wirkungsvoll zu integrieren.

Können wir doch, tönt es wohl aus der Notenstein. Schaut doch mal unseren Trackrecord an. LaRoche mit rund 6 Milliarden Kundenassets gekauft, integriert, live geschaltet.

Frisches Logo inklusive.

Die Realität ist profaner. Was Künzi mit der LaRoche gemacht hat, ist eine Schimäre.

Der Notenstein-CEO hat dem LaRoche-Oberpartner ein eigenes Reich geschaffen, wo dessen ganze alte Basler Privatbank weiterlebt, wie wenn nichts passiert wäre.

Integrieren ginge anders. Richtig gemacht hiesse das, die guten Assets nehmen, am richtigen Ort platzieren, nachgelagerte Dienste zentralisieren, kürzen, Kosten rausnehmen.

Kurz: die gekaufte Bank auseinandernehmen und gezielt in die alte Struktur einfügen.

Von dem ist weit und breit nichts zu sehen. Statt dessen muss die Bank nun anderweitig sparen. Die Aufgabe ihrer Vorzeigefiliale am Zürcher Rennweg weist den Weg. Eigenaufbau ade.

Statt dessen geht Künzi, ein Akademiker mit Schnellbleiche bei Goldman Sachs, der in seiner Karriere vor allem Kosten verursacht hat, weiter auf Shoppingtour.

Die LaRoche posten, husch-husch an die Notenstein kleben – fertig ist das Kunstwerk.

Ein Flickwerk. Mit der Akquisition der DZ Privatbank bald noch mehr.

Für Künzi geht die Rechnung auf. Mit seinem Wachsen qua Kaufen kommt er bei Mama Raiffeisen an. Sein Chef, Raiffeisen-CEO Patrik Gisel, hält ihm jedenfalls die Stange.

Gisel hat zwar kürzlich ein paar väterliche Worte der Strenge über Filius Künzis magere Leistung verloren.

Die Notenstein müsse nun endlich zeigen, dass sie auch aus eigener Kraft wachsen könne. Zukaufen könne ja jeder.

Statt dem Taten folgen zu lassen, lässt Gisel zu, dass Künzi erneut zulangt. Bahn frei für Künzis nächste Action, nach Basler LaRoche heisst es jetzt Zürcher DZ Privatbank.

Raiffeisen-Chef Patrik Gisel verrät damit die Idee, die hinter dem Kauf der alten Wegelin von 2012 und der Umwandlung in die Notenstein Privatbank gestanden hatte.

Man wollte eine reine Schweizer Privatbank mit guten Kunden und risikoarmen Assets werden, lautete diese.

Nun boomt die Notenstein unter dessen Auslandchef, mit immer mehr Assets aus „heissen“ wie Kasachstan, in Afrika und Lateinamerika.

Nun aufgemöbelt durch solche aus Deutschland.

Kommentare

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  1. Wenn diese marode DZ endlich aus Zürich verschwindet, trinke ich den besten Champagner und juble laut. Gruss von einem dieser Opfer, welches wegen diesem katastrophalen Management über die Klinge springen musste.

  2. Notenstein kauft und kauft und kauft.
    Aus der reinen Verzweiflung, dass sie die gesteckten Ziele aus eigener Kraft nicht erreichen konnten und wohl auch nicht werden. Da werden den MA anscheinend Bezüge und Ferien gestrichen (dass die bleiben ist eigentlich erstaunlich), und trotzdem werden die seitens Raiffeisen Management gesteckten Ziele jährlich NICHT erreicht.

    Mir macht das Sorgen – denn wenn eine Bank über Jahre nicht zum Fliegen kommt, dann muss irgendwo der Wurm sein.
    Wann verkauft Raiffeisen „plötzlich“ das ganze Notenstein-Konglomerat – und an wen?

    Ich bin zunehmend beunruhigt, weil das Mgmt auf beiden Seiten über wenig Entscheidungs- und Durchsetzungskompetenz zu verfügen scheint.

    Das ändert auch mit einer „Notenstein La Roche VZ Privatbank“ nicht.
    Das ist Szenario „Durchwursteln“.

    • Da keine Details über den Deal bekannt sind, kann man auch nicht sagen ob er gut oder schlecht ist. Wenn Notenstein einen guten Preis bezahlt, muss man ihnen gratulieren.

    • Die Kacke ist am Dampfen, der wie geschmiert laufende Bankenplatz Schweiz zerfällt seit den Steuerschmarotzern die Geldparkplätze genommen wurden. Zumindest mal hier. Und das ist gut so.

      Darum ist Ihre Frage warum denn die Notenstein MA überhaupt bleiben eigentlich obsolet. Wohin sollen die denn? Es gibt sie schlicht nicht, die offenen Stellen im Bankgewerbe. In Polen oder so werden sicher Bänkler gesucht…… aber hier?

      Grundsätzlich tun mir die normalen kleinen Angestellten leid. Die durch die geldgierigen, unfähigen, überbezahlten Mänätschär gemachten Fehler bezahlen die Kleinen mit ihrem Job, Einkommen und am Schluss mit ihrem „Wohlstand“.

      Als ich noch in diesem Gewerbe tätig war, hatte ich ein Jahr lang die Freude bei der DZ zu arbeiten. Ich lernte viele, sehr liebe deutsche Kollegen kennen. Leider war das Mänätschmänt zum in der Pfeiffe rauchen. Unfähig bis doof.
      Das Resultat sieht man.

      Ich hoffe einfach, das meine Ex Kollegen alle noch oder wieder einen Job haben. Dürfte aber Schwierig sein.

      Allways looking on the bright side of life

  3. Natürlich ist das Thema Notenstein ein Artikel wert. Aber heute, am 15. September 2016 jährt sich der Untergang von Lehman Brothers zum achten Mal. Und das bedeutete damals für tausende von Kleinanlegern in der Schweiz einen Gesamtverlust von rund 1.3 Milliarden Franken, verursacht haupsächlich durch die Credit Suisse. Darunter gab es auch Rentner. Mit Hilfe der FINMA wurde von der Credit Suisse nie jemand zur Rechenschaft gezogen. Die gesamte Verantwortung wurde auf die Kleinanleger abgeschoben. Aber eben, das ist alles vergessen und damit akzeptiert. Unglaublich wie gut es uns Schweizern geht!

  4. Bis 2010 noch eine sehr profitable Bank, wurde mit der Unterstellung der DZ Privatbank Zürich als Tochter unter das neue Mutterhaus in Luxemburg der Niedergang eingeläutet. Nach 5 Jahren Missmanagement unter der direkten Luxemburger Führung ist das jetzt das Resultat. Den Verantwortlichen dafür wird nichts passieren, das Nachsehen haben wieder mal die Mitarbeiter.

  5. Es ist noch witzig, dass man hinter jede IP Schlagzeile den Zusatz „, und keinen interessiert’s!“ anhängen kann, und die Aussage der Schlagzeile ihre Richtigkeit behält!

    • Warum sollte so eine Schlagzeile keinen interessieren?

      Ich finde es wieder mal ganz interessant zu sehen, wie der Bankenplatz weiter verfällt und jede neue Aktion (wie auch diese) dies nun weiter bestätigt.
      Dass ausgerechnet diese zwei Verlustzentren sich in ihrer Hilfslosigkeit zusammentun ist Opernreif!

      Und die wirtschaftlich-menschliche Tragödie ist doch an Spannung kaum zu übertreffen: leider hat die Notenstein nichts aus ihrem Debakel mit der Sarasin(Vescore) gelernt… dafür hat die Vontobel sie nun am Hals… ja, man muss beschäftigt bleiben auch wenn man nicht als heise Luft produziert.

      PARADEPLATZ GUTE NACHT!

  6. „Die Notenstein müsse nun endlich zeigen, dass sie auch aus eigener Kraft wachsen könne. Zukaufen könne ja jeder“

    Der Witz ist: die glauben das wirklich! Top Down Approach – Wieviel möchte das Management verdienen und Bonus erhalten …. dann wird gerechnet wieviel man dafür Ertrag und Ziele erreichen müsste (theoretisch) … das ergibt das Budget et voilà … Das kann nun wirklich jeder Primarschüler! … mit dem Unterschied, dass der Primarschüler realistischer agiert und noch „geerdet ist“ 😉

    • Ja, ja!

      „Nach vorne schauen“..

      Die Mitarbeiter sind teils wirklich gutgläubig und nehmen dem Management das immer noch ab.

      Anlageperformance – Bankmarge = Gewinn. u.a. Lohn.

      D.h. 0 – (X) = <0

      Bedeutet, Ihre Bank und Ihr Arbeitsplatz sind obsolet.

      Niemand bezahlt mehr Geld dafür, dass sein Geld einfach rumliegt und dem Steueramt gemeldet wird. Die Konsolidierung geht konsequent weiter bis über zwei- drei grosse Platformen die meiste Vermögensverwaltung automatisch geschieht.

      Und dann gehen sie zu ihren Kunden mit Produkten und Geschichten von ihrer unique value proposition und vom Management lässt man sich rumdrangsalieren und ausnehmen bis das Licht aus ist.

      Wie verzweifelt und ohne Selbstwertgefühl muss man sein, um das noch mit sich machen zu lassen?

    • Wilma: rechnet die Sparkasse von Jaipur so? Wenn ja, dann gibts am Nariman Point in BOM einen Guru für Wertschöpfungstheorie. Empfehlenswert!

    • Nö Fred, die Wilma hat schon recht: Bringt die Bank keine Anlageperformance, dann hat sie auch keine Daseinsberechtigung mehr. Und ergo keine Kunden. Viel Spass beim davon noch Gebühren einkassieren!

  7. Künzi (CEO) und Heeb (CFO) brauchen einen Befreiungsschlag, um die miserable Performance der letzten Jahr zu vertuschen – was ist willkommener als eine Acquisition, wo man Kosten hin und her schieben kann und die „Integration“ für die rottenschlechte Performance verantwortlich machen. Noch ein paar Jahre abzocken und dann sind Künzi und Heeb weg …

  8. Erst eben wollte doch Raiffeisen die Notensteiner noch an die Vontobler verkaufen. Nun heisst’s von Raiffeisen plötzlich „Das leisten wir uns“? Was denn nun Herr Hässig?

  9. Hört doch endlich auf, von heissen Assets zu sprechen! – Welche Automarke fährt der Mafiaboss, der Drogenbaron, der korrupte Staatschef (auch in entwickelten Ländern…) usw.? Mercedes, Bentley usw.? Welche Luxus-Uhrenmarke trägt er? Die Erträge aus dreckigem Geschäft werden in Autos, in Luxusuhren, Schönheitsoperationen für die Geliebten, Villen am Zürich- oder Genfersee etc. „investiert“ und landen am Ende in den Kässeli respektabler Konzerne wie Daimler, VW (na ja, der Ruf hat etwas gelitten in letzter Zeit…), Swatch, Richemont, Fresenius, Hirslanden, Implenia usw. und bei wem führen die wohl ihre Konti? Und am Ende zahlen diese Konzerne damit auch Löhne und Sozialleistungen für ihre 0815-Fübü-Angestellten (und diese ebenfalls noch Steuern, die wiederum auch Staatsnötzlis alimentieren). Noch Fragen zu den Früchten vom verbotenen Baum?

    • Sehr guter Kommentar: Erklären Sie das mal der SP und den Grünen. Die haben diese Zusammenhänge bisher nämlich (noch) nicht verstanden