Nächster Abbruch: Bald bei Ihrer DZ Privatbank

Deutsche Genossenschafts-Tochter beschliesst Sozialplan – fällt in rote Zahlen – keiner will ran: CEO-Suche wird verlängert.

Swiss Banking Inc. wird zur Abbruchhalde. Nächster Kandidat im Wettbewerb des Zerlegens und Verlagerns ist die DZ Privatbank, eine Tochter der grossen Raiffeisen-Banken Deutschlands.

Gestern um 11 versammelten sich die rund 200 DZ-Mitarbeiter im Zunfthaus zum Schmiden, einem alt-ehrwürdigen Lokal in der Zürcher Altstadt.

Auf dem Programm standen zwei Traktanden: „Vorstellung der Vereinbarung“ zwischen der traditionsreichen Auslandbank und dem Personalverband, also der externen Gewerkschaft.

Und: „Verabschiedung“.

Die Sache war klar. Der Sozialplan wurde einstimmig angenommen.

Immerhin etwas für die Mitarbeiter, die um ihren Job fürchten müssen.

Die DZ Privatbank hat ein Sanierungsprogramm namens „Optiko“ am Laufen. Backoffice-Stellen wandern nach Luxemburg, Arbeitsplätze gehen verloren.

Es gehe darum, „mögliche Zentralisierungen und damit verbundene mögliche Stellenwechsel sozialverträglich zu gestalten“, stand entsprechend in der Einladung zum Anlass in der Zunftstube.

Die Swiss Banker, die im Zuge der Sanierung der DZ Privatbank, welche für 1’000 deutsche Raiffeisen und Volksbanken das Kompetenzzentrum für Private Banking bildet, sind entsprechend verunsichert.

Seit Monaten tappen sie im Dunkeln über ihre Zukunft.

Wenn sie nun ihre Stelle verlieren oder einen Wechsel nach Luxemburg ausschlagen, erhalten sie wenigstens etwas Geld und Hilfe bei der Stellensuche.

Der Fall könnte schon bald eintreten. Mit der DZ Privatbank geht es abwärts.

Schon 2014 war ein schlechtes Jahr. Mit Aktiven und Passiven von 1,4 Milliarden Franken blieben unter dem Strich nur 600’000 Franken Gewinn – ein „ausserordentlicher Ertrag“ von 1,8 Millionen sei Dank.

Das Problem ist nach dem Ende der einträglichen Schwarzgeld-Ära die sich öffnende Kosten-Ertrags-Schere.

Mit verwalteten Kundenvermögen von 7,5 Milliarden und ohne Sondereinnahmen auf unversteuerten Geldern verdient die Bank zu wenig, um all die IT-, Compliance- und weiteren Kosten zu tragen.

Die Lage verschlechterte sich im ersten Quartal des laufenden Jahres. Da fiel die DZ Privatbank Schweiz, also das Schweizer Private Banking der DZ-Bankengruppe, in die roten Zahlen.

Waren es im Vorjahresquartal noch 700’000 Franken, die in der Kasse blieben, so resultierte von Januar bis März 2015 ein Verlust von 100’000 Franken, wie eine interne Auflistung zeigt.

Besser sieht die Lage auf Gruppenstufe aus. Die ganze DZ, die neben den Standorten Zürich und Luxemburg auch noch Deutschland und Singapur umfasst, steigerte den Gewinn auf 24 Millionen.

Für die Schweizer DZ-Bank spricht somit immer weniger. Die Zahlen sind rot, das einst hochrentable Schwarzgeld ist tabu, die Löhne und übrigen Kosten sind hoch.

Was bleibt, ist ein Herunterfahren in Ehren. So wie bei vielen Auslandbanken.

Die renommierte Coutts zog Leine, die Morgan Stanley verkaufte ihr Private Banking, die Deutsche Bank dreht sich nach unten.

Ein paar Extra-Monatslöhne für die Betroffenen, ein schönes Arbeitszeugnis und die Bereitstellung von Personalvermittlern – und dann: Tschüss.

Eine Aufgabe für Abwracker. Die will sich offenbar nicht mancher antun.

Jedenfalls fällt auf, dass die DZ Privatbank seit Januar dieses Jahres auf der Suche nach einem neuen CEO ist.

Marion Pester, die bis dahin als weibliches Aushängeschild von Swiss Banking gefeiert wurde, ging Hals über Kopf von Bord, nachdem ein Suizid-Fall bekannt geworden war.

Es gab Bestürzung und Aufarbeitung. Die Verantwortlichen initiierten ein Programm für die Mitarbeiter, um dem Stress im Job Sinnvolles abgewinnen zu können.

Professoren wurden eingeladen. Die hielten dann Vorträge wie „Zeitlebens sucht der Mensch nach Beziehungen, die es ihm ermöglichen, sich verbunden zu erleben und zu wachsen“.

Derweil ging es mit der Suche nach einem neuen Kapitän nicht vorwärts. Statt längst mit einem neuen Mann oder einer neuen Frau den schwierigen Umbau voranzutreiben, herrscht bis heute ein Vakuum.

Zumindest bis Ende Jahr. Solange will sich die Bank nun Zeit geben, einen CEO für ihre Schweizer Tochter zu finden.

Kommentare

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  1. Ich freue mich jetzt schon, wenn die D(eutschen)Z Angestellten bei uns Sozialhilfe beziehen … und wir Schweizer uns rechtfertigen oder geschweige denn noch zuerst unser Erspartes aufbrauchen müssen. Dann Steuererhöhungen, noch mehr Ausländer, damit die Linken Bern auch ja genug Stimmen bekomen … Ade, Du schöne Schweiz!
    @Sturm in La Chapelle:
    Am besten verteilen wir einfach gleich unseren Lohn an alle und machen aus der Schweiz eine non profit organisation und leben von Luft und Liebe.
    Anwälte, Outplacement, Mediatoren … die kreieren kein Value, sondern verteilen um …
    Banker hin oder her, die haben wenigstens inr Geld in den Wirtschaftskreislauf gebracht und einem Schreiner oder Maler einen Auftrag verschafft oder ein Haus gebaut, Möbel gekauft und und und.

    • Sie meinen die deutschen Angestellten die jahrelang in die Schweizer Sozialkasse eingezahlt haben? Ja, das ist dann schon der Gipfel der Unverschämtheit wenn die jetzt etwas von dem Geld zurückholen. Das muss man sich mal vorstellen: da erwirbt einer durch jahrelanges Einzahlen einen Anspruch auf Sozialleistungen und dann fordert er diesen ein! Schockschwere Not!

  2. Als Direktbetroffener der Umstrukturierung ist für mich neu, dass Optico ein „Sanierungsprogramm“ sein soll. Hier auch noch den Begriff „Abbruch“ zu verwenden und aus einem gesunden Unternehmen einen Sanierungsfall konstruieren zu wollen, ist kreditschädigend. Wenn es wohl innerhalb der Bank Kommunikationsschwierigkeiten gab und im Rahmen einer Umstrukturierung Unsicherheiten im Personal über deren Zukunft entstanden, so wird dies jetzt aktiv angegangen. Mit der vom gesamten anwesenden Personal einstimmig angenommen Vereinbarung mit dem Bankpersonalverband ist sehr deutlich gezeigt worden, dass hier der richtige Weg jetzt eingeschlagen wird.
    Die Verknüpfung eines Suizidfalles mit dem Abgang von Frau Dr. Pester zu verknüpfen, ist ebenfalls abenteuerlich. So haben diese beiden zufällig zeitnahen Vorgänge nichts miteinander zu tun. Es ist nicht die feine Art, auf dem Rücken der Mitarbeiter einen durchaus attraktiven Arbeitsplatz aus Gründen der Effekthascherei schlecht zu machen zu wollen.

    • Mit Ihren manipulativen Kommunikationstechniken, können Sie die Wahrheit auch nicht verbergen. Ich habe noch nicht gehört, dass Mitarbeiter im Banking einberufen werden, um über ein Strategiewechsel abzustimmen. Und bei den dauerhaft roten Zahlen, wollte man sicher auch nicht nur ein Apero im Zunfthaus zum Schmiden für Mitarbeiter veranstalten…
      Ich glaube, für Sie ist noch so einiges neu, weil Sie an Ihrem Stuhl bequem kleben und wahrscheinlich noch zu der Misere beitragen.

  3. Habe vor 8 Jahren die DZ – noch am Münsterhof – kennen gelernt. Mein erster Eindruck: verschlafener Haufen. Ein Ebenbild der deutschen Bauernbanken. Dann kamen die Deutschen: jung, dynamisch, clever und laut. Aber das war es auch schon.
    Die DZ Bank lebte von den schwarzen Geldkoffern, die die Raiffeisen./Bauernbanken in Deutschland veranlaßt haben.
    Daß sich das Ende so lange hingezogen hat ist schon erstaunlich.

  4. Am Ende steht die Schweiz zurück mit den Banken, die den ganzen Misst gebaut haben – die Schweizer Gross-Banken mit Arroganz, Boni und illegalen Geschäftsmodellen.

    Es tut mir echt Leid für die Schweiz.

  5. Die Auslandbanken werden grossmehrheitlich aus der Schweiz verschwinden oder so klein werden, dass sie keine Rolle mehr spielen. Viele tausend Arbeitsplätze, grosses Steuersubstrat und Arbeit für das Gewerbe werden auch verschwinden. Uebernimmt dafür jemand in Bern die Verantwortung ? Mitte-links hat ihr politisches Ziel der Bankgeheimniszerstörung endgültig erreicht. Auch wenn es im Herbst bei den Wahlen einen Rechtsrutsch geben sollte, kommt dieser für unser Land leider zu spät. Das neue mitte-rechts Parlament und der neue mitte-rechts Bundesrat kann dann nur versuchen, die Schäden der mitte-links Regierung und Parlament einigermassen abzumildern.

    • Es war die UBS, die mit dem Verrat von rund 5000 US-Kunden
      das Bankgeheimnis zu Fall brachte!

    • Genau – um die Aer…. der hochgelobten ‚Top’manager eines offiziell gesetzesbrechenden Institutes zu retten! Ziemlich sicher waren die ja aber auch alle links gesteuert… Kann das ganze ideologisch-faktenverdrehte Gesülze nicht mehr hören. Mittel-links Regierung – lol – die langjährige Zusammensetzung der CH Regierung zeigt ein ganz anderes Bild. Aber man kann auch einfach mal etwas daher blabbern, anstatt sich sachlich zu informieren…

    • Lieber Alpöhi
      Dein Kommentar ist aus der Luft gegriffen und komplett falsch. Die UBS ist damals als 1. Bank in die Fänge der USA geraten und hat Schadensbegrenzung für die Schweiz gemacht. Es hätte jede andere CH-Bank damals treffen können. Die Schweiz hat eine starke Wirtschaft, intelligente Leader, aber leider sind wir zu klein um im globalen Weltmarkt mit zu diktieren. Wir schlängeln uns aber perfekt durch und unser Wohlstand ist noch auf hohem Niveau.

  6. In dem Fall ist es wohl weniger Abbruch sondern eher Sterbehilfe für einen Todkranken. Letztlich ist denen das Geschäftsmodell ja völlig weggebrochen und es ist extrem schwierig und teuer, ein neues zu entwickeln. Da verstehe ich gut, dass sich das die Eigentümer nicht mehr antun wollen.
    Für die Betroffenen ist es natürlich sehr schwierig, gerade im aktuellen Markt.

  7. Der Personalabbau im Banking kreiert quasi als Kompensation neue Arbeitsplätze in anderen Branchen:

    Anwälte; Outplacement; RAF; Mediatoren; Sozialarbeiter; Umzugsfirmen usw.

    • …also RAF war doch ’ne Abkürzung für etwas ganz Anderes… Hoffe nicht, dass dort wieder neue „Arbeitsplätze“ geschaffen werden. (RAV wäre wohl richtig gewesen.) Und die Royal Air Force haben Sie ja wohl auch nicht gemeint. 😉

    • Ist das denn so schlimm? Die Welt ist voll von Leuten, die irgendwann einmal die Branche gewechselt haben.
      Ich bin als Quereinsteiger in die Bank gekommen, habe dort 10 sehr lukrative Jahre erlebt und habe nun die Branche (um ehrlich zu sein nicht ganz freiwillig) wieder verlassen.
      War aber definitiv kein Drama. Ich war wenigstens nie so dumm, meinen Lebensstil auf das überhöhte Gehaltsniveau in den Banken anzuheben…