Kriegt Deutsche Bank Schweiz die Kurve?

Ableger schrumpft sich halb zu Tode – Mutterhaus muss 7 Milliarden in USA zahlen, Sparkurs verschärft – Schweiz-Chef: Peitschenknaller.

Von gegen 1’000 auf noch rund 650 Mitarbeiter: Die Deutsche Bank Schweiz ist ein Shrinking Player auf dem Finanzplatz.

Heute kommen die Strafe und Busse im US-Hypo-Streit: Über 7 Milliarden Dollar muss das Mutterhaus in Frankfurt den Amis zahlen. Einige Milliarden mehr, als zur Seite gelegt.

Das heisst: Noch mehr sparen, noch mehr abbauen. Die Tochter in der Schweiz wird das zu spüren bekommen.

Dort hat vor 3 Wochen ein neuer Chef das Kommando übernommen. Peter Hinder, Ex-UBS, Ex-Thurgauer KB, beerbte Marco Bizzozero.

Die Personalie flutschte durch, ohne öffentlich viel Aufregung zu erzeugen. Dabei hat sie weitreichende Folgen.

Hinder ist nämlich die letzte Chance für die ehemalige Top-Auslandbank auf dem helvetischen Finanzplatz. Make it or break it, heisst die Losung.

Bizzozero war gescheitert. Aber niemand merkte es. Der Ex-Chef hatte es immer verstanden, unter dem Radar zu bleiben.

Einzig seine Avaloq-Einführung sorgte für etwas Lärm. Sonst war alles ruhig. Für die Aussenwelt. Drinnen in den oberen Stockwerken des Zürcher Prime Towers krachte es.

Bizzozero hatte keinen klaren Plan. Sein starker Mann, Carsten Kahl, ein hoher Frontchef, auch nicht. Dafür war der laut.

Der neue Chef nun, Peter Hinder, ist auch einer vom Schlage Kahls. Ich bin hier der Boss, so Hinders Attitüde.

Hinter sich hat Hinder eine Tornadospur hinterlassen. Sowohl bei der UBS als auch bei der Thurgauer KB stiess er seine Leute vor den Kopf.

Bei der Grossbank war Hinder einst Leiter der Region Basel. Eine der Vorzeigezonen, wo die UBS der Platzhirsch war. Der Bankverein als Teil der heutigen UBS stammt von dort.

Hinder wütete, drohte, forderte, peitschte seine Leute zu Höchstleistungen – oder was auch immer er darunter verstand.

Die Zahlen gaben ihm zunächst Recht. Basel schaffte den Turnaround.

Doch Hinder brachte viele gegen sich auf. „Wir mussten ihn zurück nach Zürich nehmen“, sagt ein hoher Ex-UBS-Mann, der Hinders Wirken damals erlebte. „Es wurde zu wild.“

Bei der Thurgauer Staatsbank in der beschaulichen Ostschweiz wiederholte sich das Drama. Hinder haute auf den Putz, seine Mitstreiter verschreckten.

Es kam zum Eklat. Geschäftsleitungsmitglieder stellten beim VR-Präsidenten offen die Machtfrage: Entweder Hinder oder wir.

Der Präsident, der selbst nie eine grosse Karriere im Banking gemacht hatte, entschied sich gegen Hinder. Vor 2 Jahren landete dieser auf der Strasse.

Da kam ihm sein Freund John Cryan zu Hilfe. Cryan und Hinder waren in der grossen UBS-Krise um 2008 ein enges Gespann.

Cryan musste als Finanzchef die UBS mit Konstrukten und Finanzierungen über Wasser halten. Hinder erledigte wichtige Projekte im Auftrag seines Chefs.

Als Cryan im letzten Jahr überraschend CEO der Deutschen Bank wurde, erinnerte er sich an Hinder. Er gab ihm einen hohen Job in der Zentrale in Frankfurt.

Und war zufrieden mit dem Resultat. Jedenfalls machte Cryan Hinder zum Schweiz-Chef.

Aber nicht nur das: In dieser Rolle führt Hinder nun auch das ganze Private Banking der Deutschen Bank für die Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika.

Der Einpeitscher ohne jegliche Erfahrung im Geschäft mit den Reichen dieser Welt soll die Deutsche Bank Schweiz und ihr Europa-Business zum Blühen bringen.

In der Schweiz steht die Zukunft auf dem Spiel. Die Deutsche Bank hat nur in den letzten 2 Jahren leicht schwarze Zahlen geschrieben, dank Sondergewinnen mit Grosskunden und deren Spezial-Bedürfnissen.

Um nachhaltig zu überleben, braucht der Schweiz-Ableger mehr stabiles Geschäft. Denn auf der Kostenseite ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Viel mehr lässt sich nicht mehr einsparen.

Wo aber liegt das neue Business für die Deutsche in der Schweiz?

Hinder muss es finden.

Kommentare

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    • Einverstanden. Pedro versteht etwas von Banking und hat gute Führungsqualitäten. In diesem Punkt liegt Lukas H. auf dem Holzweg.

  1. Ich kann nur aus Kundensicht (Unternehmer) sagen: mit der Deutschen Bank kann man Geschäfte machen. Die sind kompetent, schnell und man hat den Eindruck man zieht mit ihnen am gleichen Strang.

    Bei CS und UBS kann man das nicht festestellen: Träge, langsam, unprofessionell. Wenn ich mit meinem UBS-Banker spreche, habe ich immer den Eindruck: Vor mir sitzt ein Gegner. Sowas braucht kein Mensch!

    In zwei-drei Jahren haben vielleicht alle kapiert, dass die Zeiten in denen man anspruchslose Schwarzgeld-Kunden mit unfähigen Beratern abzocken kann, vorbei sind. Vielleicht gehts aber auch viel schneller und die beiden gehen einfach ein. Mich würde es freuen!

    • Du Tröte! Das wäre ein Massaker am Steuerzahler und eine Katastrophe für die Schweiz.

  2. So Typen lieben sie bei der Deutschen Bank: laut, peitschenschwingend, egozentrisch, Führungsstil aus dem 18. Jahrhundert, weil für moderne Leadership zu schwach (charakterlich und fachlich). Bizzozero war zu smart und eher ein Exot für den Laden. Insofern stellt sich die Frage, ob sich der Laden so nicht selbst abschafft, weil er zu wenig nachhaltig motivierte Mitarbeiter anzieht und halten kann, die die zukünftigen Anforderungen an Excellence erfüllen können. Was kann diese Bank noch was andere nicht besser könnten ? Zu der fehlenden Innovationskraft kommt eine schwache Bilanz und so heisst es bestenfalls „me too“.

    • Welche Bank, kann was besser??
      Kennen Sie den Führungsstil von PH?? Oder haben Sie einfach die Aussage von LH übernommen??

  3. Die hatten gutes und stabiles Geschäft, aber sie wollten es nicht mehr, weil es für die grosse Deutsche Bank zu klein war. Wer den Kunden nicht ehrt ist des Geschäftes nicht wert.

  4. Was für ein mächtiger Karrieresprung: Von der Bauernbank Thurgauer KB zum Global Player Deutsche Bank. Von der 9’000-Seelen Pampa Weinfelden in die Bankmetropole Zürich City. Ich vermute, das wird nix mit diesem bescheidenen Background.

    • Warum denn nicht? Ich denke, wir sollten diesem Herrn eine Chance geben. Ich glaube sogar, dass er es schaffen könnten, denn die Grosskotzer die sonst am Steuer sind, setzen ja den Karren überall in den Sand!

    • Warum sollten „diese Futzis“ verschwinden? Sie schaffen Arbeitsplätze. Und diese werden in der Schweiz dringend benötigt!

  5. Warum nicht ein bisschen versöhnlich so kurz vor Weihnachten?
    Ihre „Freunde“ von Vontobel und Raiffeisen haben, ohne Busse, den Steuerstreit mit den USA abgeschlossen.
    Haben doch noch etwas richtig gemacht über die letzten 10 Jahre.

    Frohe Weihnachten an alle!