Wegen Superstar: Vontobel fliessen 16 Mrd. ab

Inder Jain nimmt Vermögen mit – Kein Gegensteuer, vielmehr darf Affären-Chef bleiben – Supergewinn 2016: Was nun?

Die Zürcher Familienbank Vontobel hat ihren Gewinn dynamisiert. 264 Millionen, ein Plus um fast 50 Prozent. Das beschert Sonderdividende für die Eigentümer und Jubelgesang auf der Brücke.

Kein Wunder, schiesst die Vontobel-Aktie an der Börse durch die Decke. Doch nun hat sie wohl den Zenit erreicht.

Der Grund liegt im Asset Management, wo die Bank am meisten verdient hat. 164 der 264 Millionen stammen von dort, während das Private Banking einfach nicht auf Touren kommt.

Ausgerechnet im Asset Management, der unbestrittenen Paradedisziplin der Bank, drohen schwere Zeiten.

Der Abgang von Rajiv Jain, dem indischen Superstar der Division, reisst eine grosse Lücke in den Bereich.

Zunächst eine rentable. Für den Gewinn war Jains Ausscheiden ein Segen. Er sackte bis zu 80 Millionen ein – im Jahr. Ohne Jains gigantische Kosten verdiente das Asset Management der Vontobel letztes Jahr mehr.

Doch das war ein Strohfeuer. Viel wichtiger ist, wie die Kunden reagieren.

Die Zahlen von heute für 2016 lassen keinen Zweifel daran, dass Jain zwar unglaublich teuer gewesen war, doch sehr viele Kunden bei der Stange gehalten hatte.

Jetzt ziehen diese mit dem Superstar weiter. „Die Neugeldabflüsse bei den verwalteten Vermögen der Quality Growth Boutique beliefen sich auf CHF 15.7 Milliarden“, schreibt die Vontobel in einem Satz.

Genau hier liegt der Grund für die Skepsis.

Während das Communiqué von Superlativen nur so strotzt – Eigenkapitalrendite von 18 Prozent, weit über den erhofften 10, Rekordgewinn dank Sondereffekten –, geht es bei dieser einen Passage um die Zukunft.

Die Vontobel Bank ist eine Assetmanagerin, dort hat sie ihre DNA, dort ist sie weltweit präsent. Im Private Banking, also der Betreuung von Privatkunden, ist sie ein Mauerblümchen.

Das Struki-Geschäft mit der eigenen Plattform kann mal gut, mal schlecht sein.

Also zählt die Verwaltung von Vermögen für Profianleger. Die eigenen Fonds. Die eigenen Strukturen. Die eigenen Investment-Ideen.

Zu Vontobel geht man, weil man an die Performance der Zürcher Bank beim Geldanlegen glaubt. Sonst ist man andernorts besser aufgehoben.

Und nun flossen den wichtigsten Fonds, jenen der „Quality Growth Boutique“ von Rajiv Jain, die Milliarden nur so davon.

Aber nicht nur Jain und sein abrupter Weggang nach vielen Jahren und einem Herrenleben in New York geben zu denken.

Laut Vontobel lief es von Juli bis Dezember des letzten Jahres generell im Asset Management nicht mehr so rund.

„Im zweiten Halbjahr und insbesondere nach den US-Wahlen gab es jedoch eine Sektorrotation und eine Verschiebung von Qualität hin zu Value sowie von Schwellenländern zu entwickelten Märkten“, hält die Bank heute fest.

„Entsprechend“, so fährt die fort, „blieb der Quality Growth-Anlagestil im zweiten Halbjahr hinter der Benchmark zurück, wodurch es zu Abflüssen kam.“

Durch andere Initiativen kann das Wegströmen des vielen Kapitals nicht kompensiert werden. So seien der „Vontobel Asset Management über (die Raiffeisen) Partnerschaft 2016 über CHF 400 Millionen an verwalteten Vermögen“ zugeflossen..

Hier 16 Milliarden weg, da 400 Millionen dazu – ein Tropfen auf den heissen Stein.

Verantwortlich fürs Asset Management bei der Vontobel ist Axel Schwarzer. Der sorgte zuletzt durch eine gescheiterte und eskalierende Liebesaffäre mit einer der Erbinnen der 4. Generation der Vontobel-Familie für Schlagzeilen.

Schwarzer soll im Zuge des Bekanntwerdens der Liaison seinen Chef, CEO Zeno Staub, angelogen haben. Der habe Schwarzer zur Rede gestellt, doch Schwarzer habe die Beziehung abgestritten.

Darauf geriet die Vontobel-Erbin in den Verdacht, Schwarzer anzuschwärzen. Das liess sie sich nicht gefallen.

Die Frau informierte CEO Staub und Präsident Herbert Scheidt. Als die beiden Kapitäne der Vontobel-Bank ihren Unterstellten Schwarzer nicht hart anpackten, schüttete sie ihr Herz den Familienmitgliedern aus.

Passiert ist bis heute nichts. Schwarzer hält sich in seiner Spitzenfunktion.

Doch er ist durch die Liebesbeziehung mit lauten Nebengeräuschen zum internen Dauerthema geworden. Nun strömen bei Schwarzer auch noch Milliarden aus seinem Asset Management davon.

Mögliche Thronfolger scheinen bereits das Messer zu wetzen. In Interviews bringen sie sich in Stellung.

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13 Kommentare zu “Wegen Superstar: Vontobel fliessen 16 Mrd. ab

  1. Apparently Jains new venture is booming, with rumors that he is close to raising 5 billion dollars within 6 months of his launch! Also his performance seems to have been very strong.. That means he is making more than Vontobel ever paid him so did Vontobel have a great bargain in Jain??

  2. Für einen Schweizer aktiven Asset-Manager mittlerer Grösse ist das Resultat insgesamt positiv. Natürlich schmerzt der Abgang von Jain, aber das war über kurz oder lang absehbar – ähnlich wie die Aufhebung des CHF Mindestkurses von 1.20.

    Ob die notwendigen Vorbereitungen auf den Abgang, namentlich Akquisitionen, ausreichend waren wird sich in 2017 zeigen.

  3. Lassen Sie mich mal 1 und 1 zusammenzählen: Axel Schwarzer war mit seiner Liebschaft in New York. Rajiv Jain, sein bester Fondsmanager war auch in New York. Raijv Jain hat Vontobel verlassen. Hat sich Schwarzer also anstatt für seinen Starmanager um seine Affäre gekümmert? Das wäre für Vontobel die teuerste Liebschaft der Geschichte.

  4. Superleistung! Und Sie kommentieren die 15.7 Mrd die abgeflossen sind in den USA ! Offenbar ist Ihnen nicht bekannt, dass viele Institutionelle einen Fonds verkaufen m ü s s e n , wenn das Management wechselt. Das hat nichts mit der Qualität zu tun und schon gar nicht mit dem von Ihnen verteufelten Chef Asset Management. Es scheint mir fast, als ob Sie immer nur das Haar in der Suppe suchen und sich nicht freuen können am Guten im Leben. Eine bedauernswerter Charakterzug.

    • @ Imer Schlau-Meyr

      Mit Verlaub, das ist Unsinn: der Abgang des Managements erfordert eine neue Due Diligence bei den Institutionellen. Wenn das neue Management überzeugt, bleiben die Assets. Anscheinend überzeugte das neue Management nicht.

    • Grundsätzlich haben Sie Recht, viele Asset Manager müssen ihre Gelder abziehen, wenn der Fondsmamager wechselt. Doch bei Vontobel ist es so, dass zuletzt Gelder abgezogen wurden, weil die Performance nicht mehr stimmte. Das neue Fondsmanagememt hat deutlich underperformt. Und das verheisst für die Zukunft der Quality-Boutique wenig Gutes.

    • Der Quailty Growth-Laden ist heute nur noch
      ‚A dead horse‘. – Vontobel wird das tote Pferd aber noch solange reiten wie es geht.

  5. „Die Neugeldabflüsse bei den verwalteten Vermögen der Quality Growth Boutique beliefen sich auf CHF 15.7 Milliarden“!!
    Was ist denn das für eine verquerte Sprachlogik?
    Was ist ein „Neugeldabfluss“? Neue Banklersprache? Tststststststs . . . .