Ernst&Young-Chefs infiltrieren Leonteq

Berater besetzen Spitzen-Positionen im taumelnden Finanzhaus – Grosse Nähe von CEO Jan Schoch zu E&Y-Chef Schweiz.

Die schlingernde Leonteq wird kontrolliert von ehemaligen und aktiven Beratern. Im Zentrum stehen Spitzenleute von Ernst & Young, eine führende Revisionsfirma. Auch McKinsey taucht auf.

Im Verwaltungsrat der Finanzboutique, die „strukturierte“ Produkte für Banken und Versicherungen anbietet und in die Verlustzone abgestürzt ist, haben 2 E&Y-Ex-Partner das Sagen.

Jörg Behrens, bis 2009 hoch oben bei E&Y, leitet den Risk-Ausschuss im 7-köpfigen Verwaltungsrat der Leonteq, Hans Isler das Audit. Isler war bis 2011 bei der Beraterin.

Risk und Audit, also die Prüfung der Bücher, stehen im Zentrum der Wirren rund um Leonteq. Deren Aktie ist in anderthalb Jahren von 230 auf noch gut 30 Franken zusammengekracht.

Das Risk-Komitee muss sicherstellen, dass die Leonteq-Führung unter CEO Jan Schoch keine übermässigen Risiken eingeht und dass das Geschäftsmodell langfristig funktioniert.

Das Audit-Komitee ist dafür verantwortlich, dass die Angaben der operativen Spitze stimmen und die Bücher in Ordnung sind.

Ob bei Leonteq alles mit rechten Dingen zu- und hergeht, ist Gegenstand von Ermittlungen. Laut Medienberichten ist die Finanzmarktaufsicht Finma am Untersuchen.

Die extreme Nähe von E&Y und Leonteq sowie in zweiter Linie McKinsey könnte dabei zu reden geben.

Letztes Jahr ging überraschend der Finanzchef der Leonteq von Bord. Ersetzt wurde er von Marco Amato. Und von wo stammte Amato?

Von Ernst & Young. Wie die beiden Top-Verwaltungsräte Behrens und Isler war auch Amato ein hoher Partner der Revisions- und Beratungsfirma, die zu den Top-4 der Welt zählt.

Amato erhielt die Position des Finanzchefs der Leonteq, obwohl er kein Spezialist für Derivative – das sind spezielle Produkte im Finanzsektor – und kein Kenner von Strukturierten Produkten ist.

Noch spezieller wird die Geschichte mit der zusätzlichen Beförderung Amatos zum operativen Chef für Risiken.

Somit ist die gesamte Risk-Führung der Leonteq in den Händen von zwei Ex-E&Y-Spitzenleuten. In der Geschäftsleitung bei Marco Amato, im VR bei Jörg Behrens.

Sind Amato und Behrens Kapazitäten für die grossen Risiken, welche die Leonteq eingeht? Sind sie die richtigen, die besten Leute, um sicherzustellen, dass die Leonteq wieder auf die Beine kommt?

Oder wurden sie in ihre Positionen gehievt, weil sie von Leonteq-Chef Jan Schoch besonders „geliebt“ werden?

Schoch und Ernst & Young, das ist jedenfalls eine spezielle, eine innige Beziehung. Schoch hat nicht nur die erwähnten drei Manager in hochrangige Positionen bei sich gesetzt.

Sondern er steht auch besonders nah zu einem weiteren wichtigen Mann von E&Y. Dieser heisst Marcel Stalder.

Stalder ist seit letztem Sommer Chef von E&Y Schweiz. Zuvor kümmerte er sich um die Versicherungen als Kunden der Revisionsfirma.

Laut einer Quelle war es Stalder, der mit viel Aufwand und Verve versuchte, die Leonteq bei den grossen Schweizer Versicherungen ins Spiel zu bringen.

Das gelang ihm bisher nicht im grossen Stil. Hauptsächlich ist es immer noch die Helvetia Versicherung, die mit Leonteq eng geschäftet.

Dort sitzt mit Pierin Vincenz ein Mann auf dem Präsidentenstuhl, der auch im VR der Leonteq das Zepter schwingt.

Helvetia war somit ein Heimspiel. Wie stark E&Y-Chef Stalder sonst erfolgreich gewesen war, muss sich noch weisen.

Sicher ist, dass Stalder für Jan Schoch in anderen Bereichen Gold wert war. So soll sich Stalder laut der Quelle um die privaten Engagements von Schon gekümmert haben.

Dabei geht es um Mehrfamilienhäuser, um Gastrobetriebe und weitere. Das Mandat von E&Y startete 2015, als Schoch immer mehr privatisierte und der Leonteq-Sinkflug einsetzte.

Nur ein Jahr später gab dann E&Y das Mandat plötzlich ab, an Konkurrentin BDO Visura.

Nach einem Jahr ein Revisionsmandat weiterreichen: Das ist äusserst selten.

Schliesslich tritt E&Y prominent in Erscheinung bei Schochs neuer Digital-Vermögensverwaltung namens Flynt.

Bei Flynt war die E&Y Beraterin, um sie als neue Bank zu lancieren. Sie hat wohl mehr als eine Million für ihre Leistungen in Rechnung stellen können.

Noch immer fehlt der offizielle Startschuss. Auf der Homepage wird auf Februar vertröstet. Der Monat ist inzwischen mehr als zur Hälfte durch.

Die Finma soll eine Lizenz mit Vorbehalt erteilt haben, sagt eine Leonteq-Quelle im Gespräch. Es handle sich nur noch um eine Formsache.

Leonteq-Sprecher Rüdiger Assion sagt zu den E&Y-Verbandelungen:

„Die von ihnen erwähnten Werdegänge sind seit Jahren transparent im Rahmen unseres Corporate Governance Berichtes ausgewiesen. Im gleichen Bericht wird auch der Prozess auf Board- und Geschäftsleitungsebene geschildert, mit dem Interessenskonflikte behandelt werden.“

Eine zweite Beraterin, die McKinsey, taucht rund um die Vorgänge auf. McKinsey hatte von Leonteq-Chef Jan Schoch den Auftrag erhalten, die interne Organisation und Strategie neu zu definieren.

Den Zuschlag habe McKinsey erhalten, obwohl sie wenig Erfahrung im Bereich von Strukturierten Produkten habe. Andere Anbieter mit mehr Knowhow seien in der Ausschreibung übergangen worden.

McKinsey schlug darauf einen Ausweitung der Geschäftsleitung auf 11 Personen vor. Einer der McKinsey-Partner, Jochen Kühn, schaffte es dabei gleich selbst ins Gremium.

Die McKinsey-Übung war entscheidend dafür, dass Schoch am Investorentag Mitte November euphorisch auftrat. Am 19. Dezember, wenige Wochen später, warnte die Leonteq vor dem Absturz ins Minus.

Der McKinsey-Ausbau auf 11 Spitzenleute wurde bereits wieder rückgängig gemacht. Ex-McKinsey-Mann Kühn konnte sich jedoch in der Geschäftsleitung halten.

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23 Kommentare zu “Ernst&Young-Chefs infiltrieren Leonteq

  1. Und wieder -7,06 Prozent heute. Scheint, dass Veraison noch rechtzeitig ausgestiegen ist.
    Die Rolle von Hrn. Stalder sehr ich unkritisch. Warum soll er nicht versuchen, eine Firma zu fördern? Umsonst hat er das sicher nicht gemacht und es ist doch kein Problem, für einen Promotor Geld auszugeben. Daran ist nichts anrüchiges.
    Das Problem aber sind Schoch und der unglaibliche Pierin Vincenz. Überhaupt sollte fast das ganze Management ausgetauscht werden (und natürlich auch der Verwaltungsrat!). Dann kommt schnell wieder Ruhe in die Firma.

    • Das Problem sind nicht in erster Linie Schoch, sondern eher der Gesamtverwaltungsrat als Aufsichtsgremium und nicht nur Vincenz. Und wenn man genau hinschaut, dann waren und sind es die Banken (allen voran die CS), welche mit höchst fragwürdigen Kurszielen (die CS setzte einst ein Kursziel von CHF 230.00, welches ja dann auch erreicht wurde) den Aktienkurs von Leonteq in die Höhe getrieben haben. Was wir jetzt erleben, ist eine Übertreibung nach unten, nachdem wir vorher eine Übertreibung nach oben erlebt haben.

  2. Schoch & Co haben über Jahre Unternehmertum bewiesen und die Leonteq an die Börse gebracht – wenige haben in den letzten 20 Jahren im Finanzbereich in der Schweiz was auf die Beine gestellt. Die Grossbanken sind seit Jahren reine Baustellen auf denen noch die Substanz geschliffen wird. Durchwegs ist wohl dem ehemaligen Management der Laden über den Kopf gewachsen und ein Aktienkurs von über CHF 200 mit der entsprechenden Bewertung nicht nachvollziehbar. Jeder der mal in einer Unternehmung gearbeitet hat, weiss das Veränderungen nicht von heute auf Morgen geschehen und man lange zusieht. Leonteq hat aber reagiert und Massnahmen getroffen. Dass die Geschäftsleitung verkleinert wurde weist den Weg in die richtige Richtung. Auch die Neuzugänge im Team verfügen über einen soliden Background, über 10 Jahre einen Trackrecord hingelegt. Der Dividendenverzicht zeigt auch, dass es in die richtige Richtung geht – andere Finanzmultis bezahlen eine Dividende die sie nicht mal aus dem operativen Geschäft finanzieren …

    • Ich teile Ihre Meinung in den meisten Punkten. Nur folgende Punkte sehe ich nach wie vor kritisch: 1.) In der Geschäftsleitung hat es trotz der neuen Mitglieder immer noch zu wenig frisches Blut von aussen. 2.) Der neue, noch zu bestimmende Stv. CEO muss zwingend von aussen kommen resp. darf nicht zur alten Garde gehören. 3.) Aus dem VR müssen einige Mitglieder zurücktreten und bereits auf die GV 2017 durch neue Personen ersetzt werden. 4.) Der VR sollte nicht wie angekündigt vergrössert werden. Die jetzige Anzahl VR-Mitglieder ist ausreichend.

    • Netter versuch. Aber etwas zu offensichtlich pr-abteilung. Vielleicht klappts nächstes mal besser.

    • Schoch & Co. haben über Jahre hinweg ein Luftschloss aufgebaut und mit Raiffeisen einen solventen und offensichtlich inkompeten Grossinvestor gefunden! Einzig den Ausstieg haben sie verpasst…aber wieso Sie, lieber Steuerexperte, auf diese Luftschlossbauer ein Loblied singen verstehe ich nun wirklich nicht!

  3. Leonteq will survive another year by tuning its books and then it will vanish. The smart kids already left the building anyway…

    • Where are the proofs for your allegation that Leonteq should have tuned its books? Are you a shortseller of Leonteq or what is your intention with telling such lies?

  4. Leontec ist praktisch nichts wert, diese Firma produziert aboslut nichts, ein Dotcom Laden, als ich vor Monaten mit dem Zug Richtung HB fuhr, erwähnte ich zu einem Kollegen im Zug, dass die Aktie der Firma da drüben – und zeigte Richtung Leontec – ein absoluter Short ist.
    Diese Firma wird genauso schnell verschwinden wie sie gekommen ist.
    Wenn man die glasierten IB – und mit DreiwetterTaf – Typen auf der Webseite sieht, dann ist schon alles über diese Firma gesagt.

  5. Leonteq hat zehn Jahre lang ununterbrochen Gewinn gemacht und hat nun die erste nennenswerte Krise zu meistern. Der organisierte Pessimismus und dieses Anti-Schoch Gerede gepaart mit dem unverantwortlichen Gerüchte-Streuen und Neidertum sind aktuell das Problem und nicht (mehr) das Management. Dieses hat zwar grosse Fehler gemacht, aber nun offensichtlich die notwendigen Massnahmen eingeleitet. Es wurde auch niemand gezwungen, Leonteq-Aktien zum Höchstkurs von CHF 230.00 zu kaufen.

    • Weshalb wird dann die Aktie jeden Tag weiter in den Boden gestampft, jetzt, da alle schlechten Neuigkeiten raus sind?

    • Weil die Börse Blut sehen will = Schuld- resp. Lippenbekenntnisse sind zu wenig. Es müssen neue Leute her, sowohl in der Geschäftsleitung, wie auch im Verwaltungsrat. Das heisst aber nicht, dass man sich von den bisherigen Leuten, die 10 Jahre lang den Laden erfolgreich aufgebaut haben, zwingend verabschieden müsste, so wie das Veraison ultimativ gefordert hatte.

    • Quelle Wirtschaftsinformation:
      LEONTEQ stockt Kostensenkungsprogramm auf!
      Die Geschäftszahlen von LEONTEQ fielen mit einem Reingewinn von CHF 17.2 Mio. im Rahmen der Gewinnwarnung vom Dezember aus. CEO Jan Schoch fand dennoch deutliche Worte: „Mit diesem Ergebnis haben wir unsere Investoren, Kunden und Mitarbeiter enttäuscht.“ Während die Aktionäre auf eine Dividende verzichten müssen, stockt LEONTEQ das Kostensenkungsprogramm von CHF 10 Mio. auf CHF 28 Mio. auf. Die Geschäftsleitung verzichtet auch auf den Bonus, wobei nach der desaströsen Vorstellung ein kompletter Lohnverzicht angebracht gewesen wäre. Nach einem schwachen Jahresauftakt rechnet LEONTEQ im 2017 mit vielen Herausforderungen. Die zusätzlichen Kostensparmassnahmen würden ohne solides Ertragswachstum möglicherweise nicht ausreichen, um zur Profitabilität zurückzukehren, warnte LEONTEQ. Positiv anzumerken ist, dass mit der Investmentbank Crédit Agricole ein Kooperationsabkommen eingegangen wurde. Insgesamt haben wir aber einen zuversichtlicheren Geschäftsausblick erwartet. Deshalb stufen wir die Aktie auf „HALTEN“ um, das Kursziel lautet CHF 80!
      LEONTEQ N ist an der SIX Swiss Exchange unter dem Ticker-Symbol LEON kotiert, die Va-loren-Nummer lautet 19‘089‘118, letzter Kurs ca. CHF 31.80. HALTEN/R2/GP +152%

  6. Big 4? – Eeeeek, das ist doch nur Blenderei und Abzockerei! Warum nur geschieht eine solche Abzocke in jeder Unternehmung? Diese Big 4 braucht man für rein gar nichts, ausser für die obligatorische Buchprüfung. Dort soll man diese jedoch auf Distanz halten und auf keinen Fall sich mit diesen anfreunden.

  7. Jan Schoch traut vielen Leuten nicht. Schade um den Star, er kann mit dem Ruhm wohl schlecht umgehen. So zerbricht alles lieber Jan, wenn Du den Menschen nicht etwas mehr vertraust. Viel Glück.

  8. Gut, dass wenigstens ein Journalist auch die Hintergründe beleuchtet.
    Bitte weiter graben, da gibt es sicher noch mehr Ungereimtheiten.
    Die Gewinnwarnung Ende Jahr und die Derivattransaktionen stinken zum Himmel!

    • Am 19.12.16 mit dem grossen Verkauf, haben viele den letzten Glauben an diesen Laden verloren.

      Es darf schon davon ausgegangen werden, dass da noch viele geschäftsschädigende Ungereimtheiten an den Tag kommen werden.

      So schnell wie der Laden gekommen ist, so noch schneller wird er verschwinden….. Und vieles Geld wurde einmal mehr, verbrannt!

  9. Viele anwesende leute der big4 oder mk oder .. bedeutet doch immer dass die endphase des unternehmens eingeläutet ist. Da geht es nur mehr um eigene taschen prall füllen, positionieren für neuen posten, die seilschaften anfüttern und soviel wie möglich versilbern bevor das unternehmen tot ist.

    • JA – eine treffende. analytische und zukunftsorientierte Aussage:
      Wer noch einige Papiere von dem Penny-Stock hat soll die so schnell wie möglich abstossen. Lieber noch ein paar Franken Gebühren zurückholen als mit 0.00 den Bach runter wenn im Frühling die Schneeschmelze einsetzt und die Top-Shoot-Berater vom Skifahren zurück kommen …

    • Um grosse Reden zu schwingen und anderen die Welt zu erklären hat man wieder Zeit, anstatt sich um das löschen der diversen Brände im eigenen Haus zu kümmern.
      Gilt übrigens für beide Speaker.