Können Schweizer Banken untergehen?

Viele Schweizer Banken sind in den letzten vierzig Jahren untergegangen. Sie wurden von den grossen Banken geschluckt und verdaut. Noch mehr Schweizer Banken, aber eher kleinere, sind von ausländischen Finanzgruppen gekauft worden. Sie haben jetzt ein amerikanisches, arabisches oder asiatisches Gesicht. Diese weltregionale Integrationsphase ist fast abgeschlossen, denn die Schweizer Banken müssen sich jetzt, auch die beiden Grossbanken, der globalen Konkurrenz stellen. Ob sie dies integral überleben werden, ist offen.

Die dominierend ausländischen Aktionäre des UBS-Konzerns und der Credit Suisse Group werden sich schon lange die Frage gestellt haben, wie sie ihr Milliarden-Engagement in der Schweiz rentabler gestalten können. Die jüngsten Pläne der Neuorganisation der beiden grössten Schweizer Bankkonzerne weisen in eine Richtung, die Teilverkäufe nicht mehr ausschliesst. Das würde aus dem stillen Untergang des schweizerisch geprägten Finanzplatzes einen offiziellen Umbruch machen.

Eines Morgens würden wir Schweizer aufwachen und in den Nachrichten hören: „Im Rahmen eines ‚fair deals‘ hat sich die Schweizer Grossbank A mit dem ausländischen Finanzkonzern B für die Gründung einer gemeinsamen Holdinggesellschaft entschieden. Die Unabhängigkeit der Schweizer Grossbank bleibt gesichert.“ Derlei vordergründige Transaktionen, wo die beiden Bundesräte Ueli Maurer und Johannes Schneider-Ammann bereits ihre Zustimmung gegeben haben, haben vor dem Hintergrund stattgefunden, dass internationale Topmanager längst die Verantwortung für die „Schweizer Bank“ genannte Grossbank übernommen haben.

Mit derlei Gedanken sollten wir uns vertraut machen, denn das beginnende 21. Jahrhundert hält, wie dessen erste Jahre zeigen, Überraschungen bereit.

Eine Bank geht unter, ganz wie einst die Swissair auch, die eine „fliegende Bank“ genannt wurde, wenn deren Verwaltungsrat nicht mehr in der Lage ist, die Generaldirektion zu führen. Dauerhafte personelle Fehlentscheide an der Spitze, wie die Fälle Lukas Mühlemann und Peter Wuffli dies bewiesen haben, führen im besten Fall zu Einbrüchen, die mühsam aufgefangen werden mussten.

Die personellen Fehlentscheide, sind sie mit Strukturschwächen der Bank verbunden, sind für Bank und Nation höchst gefährlich. Derzeit sind davon eher die italienischen Grossbanken bedroht, aber andere auch. Eine neue Euro-Krise kann deren Ende bedeuten. Im Falle der EU wollen dies die Deutschen nicht, denn sie haben die höchsten Haftungsrisiken.

Zuletzt steht der Staat, oft in Form der Nationalbank, zur Rettung zur Verfügung. Wir haben dies im Fall der UBS unter Marcel Ospel erlebt. Ob, unter Berücksichtigung aller Umstände, der Schweizer Steuerzahler wirklich daran verdient hat, wie gerne gesagt wird, muss offen bleiben. Niemand hat Interesse daran, dieses Dossier ernsthaft zu prüfen.

In der Schweiz tragen die Verwaltungsräte die letzte Verantwortung. Das ist insofern illusionär, als es die dafür hoch bezahlten Organhaftpflicht-Versicherungen sind, die in Wirklichkeit für Konsequenzen aus Fehlbeurteilungen gerade stehen müssen. Sie können Regress erheben, wenn Fahrlässigkeit vorliegt, aber derlei gilt gerade in der Schweiz als wenig fein. Noch können wir uns dies leisten.

Die Kompetenz der Verwaltungsräte ist in der Praxis eingeschränkt, wenn es sich um einen Schönwetter-VR handelt, der an Sachverstand seiner Generaldirektion unterlegen ist. „Jede kluge Generaldirektion wählt sich ihre VRs selber“, weiss der erfahrene Manager. Im Falle der Kantonalbanken ist dies verschiedene Male offensichtlich geworden, dass die gut installierten Parteivertreter im Verwaltungsrat nicht mehr beurteilen konnten, was in der Bank eigentlich geschah.

Die Liste ist lang: Banque Cantonale Vaudoise, Zürcher Kantonalbank, Berner Kantonalbank, Glarner KB und einige andere. Dort waren die CEOs der Banken für einige Zeit die alleinigen Herrscher, dies zum Nachteil der Bank und manchmal auch der Steuerzahler. Das Prinzip des „Sauhäfeli und Saudeckeli“ spielte.

Noch heute gilt: Eine eigentliche Strategie für den Bankenplatz Schweiz gibt es nicht. Der Finanzplatz Tessin ist kaum noch existent; die BSI von Griechen übernommen. Die besten Steuern im Tessin zahlt das „Textile Valley“, wo billige Einkäufe locken.

Der Finanzplatz Basel ist kaum noch existent, weil die Basler Konzerne ihre Finanztransaktionen längst global verteilen. Das Basler Gewerbe ist nicht mehr stark genug, um starke eigene Banken zu alimentieren. Nicht weniger gilt dies für den Standort Genf, wo wenige grosse Privatbanken die Fahne hoch halten, aber die Franzosen, Afrikaner und Lateinamerikaner haben längst Angst bekommen vor den Risiken am Rhône-Ausgang nach Frankreich. Der Blues ist angesagt.

Noch ist die Schweiz nicht verloren, wenn sie auch im internationalen Vergleich eine immer geringere Rolle spielt. Kaum jemand interessiert sich dafür, was die Zürcher Börse an Umsatz macht; sie ist sekundär geworden. Ich halte dies für eine Fehlbeurteilung, denn auch im Schatten der Nichtbeachtung lebt sich ausgezeichnet.

Wenn die Hütte lichterloh brennt, braucht es den Chirurgen, der schlechte Teile wegräumt und die guten rettet. Ob Sergio Ermotti die UBS oder Tidjane Thiam die Credit Suisse führt, kann bedeutend sein, aber die Substanz wird weiter unten erwirtschaftet.

Was mir Sorgen macht, ist die Glaubwürdigkeit des Finanzplatzes Schweiz. Wir brauchen wieder einen oder zwei Leuchttürme. Pierin Vincenz, heute zu tief bewertet, war lange Zeit einer, aber auch seine Flamme flackert.

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

10 Kommentare zu “Können Schweizer Banken untergehen?

  1. für die Auslandbanken in der Schweiz hat längstens das Totenglöcklein geschlagen. Eine um die andere Institution wurde entweder geschlossen oder hat sich durch Zusammenschluss vor dem Aus gerettet.
    Dieser Trend geht ungebremst weiter und erreicht auch mittlere und kleinere Banken sukzessive. Sobald das Immogeschäft einbricht, wovon auszugehen ist, werden weitere Bankpleiten unvermeidlich sein.

    Negativ-Zinsen, Automatischer Informations-Austausch und Schwarzgeld-Hysterie mit Milliarden-Bussen zeitigen ihre Folgen.

  2. Was ist das für ein „Beitrag“ ? Aus längst bekannten Fakten und wenig umstrittenen Konsensmeinungen einen neuen Artikel zusammengebastelt; das schafft keinen Wert; und es ist nicht der erste derartige „Beitrag“ in diesem Forum. Stop it.

    • Tja, Herr Meier, es kommt eben auf die langfristigen Zusammenhänge an und nicht auf die modernen Ein-Tages-Manager, welche nur den kurzfristigen Fahrplan der Getreidewagen, die sie ausrauben können, im Auge haben. Langfristige Betrachtungen führen zu „Oh“ und „Ah“ und sind meistens sehr unangenehm. Nein, nein, go on.
      Da ist noch etwas zum Thema „niemand hat ein Interesse dran“: Es sollte einmal eine umfassende Untersuchung mit gesamtheitlicher Zusammenfassung der angewendeten Massnahmen gemacht werden, wie die Heerscharen von Oekonomen und Juristen im Auftrag der Wegelagerer die Minder-Initiative ausgehebelt haben, bevor sie durch das Volk grossmehrheitlich angenommen wurde. Offenbar hat niemand ein Interesse dran.

  3. Dem Ende des Bankgeheimnis wird in den nächsten Jahrzehnten das Ende der Steuervermeidung für Großkonzerne folgen. Für den Schweizer Finanzsektor bedeutet das, dass er auf die wirtschaftliche Größe der Schweiz schrumpfen muss oder sich zumindest dieser annähern muss. Einen Teil dieser Schrumpfkur hat die Branche bereits hinter sich, aber es gibt da noch sehr viel zu tun, und diese Webseite bezeugt, dass das ganze nicht reibungslos abläuft.

    • Und der vermeintlich schlaue Schweizer lässt alles das mit sich machen. Dabei merkt er nicht, dass Schwarzgeld und Steuervermeidung im Ausland fleißig weiter betrieben werden…. Luxembour, Niederlande, Irland, Malta, USA und viele weitere Player lassen grüßen. Unbemerkt vom tüchtigen und hochanständigen Schweizer, der immer alles korrekt machen möchte! Andere Länder haben es geschafft, einige Jahrzehnte oder Jahrunderte auf deren Hoch zu sein. Die Schweiz schaffte das gerade mal ein paar Jährchen… Ich gehe jede Wette ein, dass wir in ein paar Jahrzehnten wieder eines der Armenhäuser Europas sein werden.

  4. A friend of mine, now retired, was then a major exec at a major bank, and one of her jobs, the last four years, was the farewell interview.

    Donald E. Westlake
    * 12. Juli 1933 † 31. Dezember 2008

    • “Nobody gets everything in this life.
      You decide your priorities and you make your choices.
      I’d decided long ago that any cake I had would be eaten.”

      Donald E. Westlake
      * 12. Juli 1933 † 31. Dezember 2008