Milliardär Rainer M. Frey will Macht bei Leonteq

Hedgefund-Pionier attackiert frontal – hält 7,5% an Finanzboutique – Kickt er Schoch oder Vincenz? Showdown in einer Woche.

Die Ereignisse bei Leonteq, einem tief gefallenen Stern des Finanzplatzes, überschlagen sich. Heute früh gab das Unternehmen bekannt, dass Rainer-Marc Frey 7,5 Prozent an Leonteq hält.

Damit bricht der bisher im Versteckten sich abspielende Machtkampf offen aus. Frey wird zum einflussreichen Player bei der Frage, ob Präsident Pierin Vincenz oder CEO Jan Schoch gewinnt.

Rainer-Marc Frey ist selbst ein Pionier – wie Jan Schoch. Er baute ein Hedgefund-Imperium mit seinen Initialen RMF auf. Die Man-Gruppe zahlte vor 15 Jahren 1,3 Milliarden dafür.

Frey kassierte allein 500 Millionen. Später wurde er mit seinem Investment bei DKSH noch reicher. Diese ist mit Handel in Asien zu einer Milliarden-Perle geworden.

RMF, wie Frey genannt wird, machte mit Leonteq möglicherweise ein Schnäppchen. Zumindest kosteten ihn die Käufe am letzten Freitag und diesen Montag wenig.

Bei Durchschnittspreisen von maximal 30 Franken zahlte er rund 35 Millionen für die Titel. Er besitzt 1,2 Millionen und ist damit grösser als Firmengründer und CEO Jan Schoch mit 6,5 Prozent.

Der Kampf um die Macht und das Sagen bei der Leonteq präsentiert sich mit dem fulminanten Einstieg von Milliardär und Hobbypilot Frey offen und spannend.

Auf der einen Seite befinden sich die Gründungsaktionäre, also Schoch (6,5 Prozent) selbst sowie seine Partner Lukas Ruflin (7,5 Prozent) und Sandro Dorigo (2,3 Prozent).

Macht total gut 16 Prozent.

Auf der Gegenseite steht die Raiffeisen mit rund 29 Prozent. Sie wird offiziell angeführt von Raiffeisen-Chef Patrik Gisel, inoffiziell von seinem Vorgänger Pierin Vincenz.

Vincenz ist heute Präsident der Leonteq und schwingt dort das Zepter, weil ihn Gisel als Vertreter der grössten Aktionärin, der Raiffeisen, schalten und walten lässt.

Das ist wichtig, weil Pierin Vincenz und Jan Schoch, der Präsident und der CEO der Leonteq, sich hoffnungslos zerstritten haben. Die beiden verfolgen eigene Pläne, wie die Leonteq gedeihen soll.

Es steht somit 29 Prozent für Team Raiffeisen mit Vincenz im Driving seat gegen gut 16 Prozent für Team Schoch.

Nun kommt Rainer-Marc Frey ins Spiel. Schlägt sich Frey auf die Seite von Schoch & Co., dann steigt der Anteil der Gründer und operativen Leute schlagartig auf rund 24 Prozent.

29 gegen 24, das ist dann nicht mehr weit von einem Gleichgewicht des Schreckens. Für die Truppe Frey und Schoch bräuchte es nur noch ein paar Publikumsaktionäre, um zu gewinnen.

Heute in einer Woche ist die Generalversammlung. Die kann noch ruhig verlaufen.

Der Eintragungsschluss für die Stimmberechtigung an der GV war letzten Freitag um 5 Uhr abends, wie die Leonteq auf Anfrage heute früh sagte.

Damit ist Rainer-Marc Frey bereits mit all seinen Aktien stimmberechtigt ausser mit jenen, die er am Montag und bis gestern dazugekauft hat. Das sind gemäss Mitteilung von heute 2,5 Prozent.

Somit hätte Frey nächsten Donnerstag 5 Prozent Stimmrecht. Das sind fast so viel wie der selbst ernannte „Activist shareholder“, die Veraison, auf dem Zenit gehalten hatte.

Die Veraison ist dann vor Monatsfrist mit eingezogenem Schwanz ausgestiegen. Ausserbörslich verkaufte die Truppe um Gregor Greber das gesamte Leonteq-Paket zu rund 31 Franken das Stück.

Gestern Abend schloss die Leonteq den Handel mit über 34 Franken.

Veraison und Greber entpuppten sich als Windfahnen. Was hatten sie im Schild geführt? Sie könnten mit Pierin Vincenz versucht haben, Jan Schoch zu stürzen.

Veraison-Chef Greber hatte nämlich drei mögliche Kandidaten für den CEO-Job bei Leonteq im Auge. Barend Fruithof, ein Vincenz-Vertrauter, Christian Katz, Ex Börse, und Michael Hartweg.

Letzterer ist ein Schoch-Mann und sagte sofort ab.

Nun ist Veraison mit einem zweistelligen Millionenverlust und viel Medien-Wirbel ohne zählbaren Erfolg abgezottelt.

Macht es Rainer-Marc Frey besser? Im Sinne, dass er Durchhaltewille zeigt, Verantwortung übernimmt, die tief gefallene Firma langfristig begleitet?

Ein Sprecher der Leonteq sagte heute morgen, dass jeder Investor, der sich langfristig an der Entwicklung von Leonteq beteiligen möchte, „willkommen“ sei.

Wie aber wird sich Rainer-Marc Frey verhalten? Als er frisch im VR der damals vom Staat geretteten UBS Einsitz genommen hatte, verkaufte er seine eigenen UBS-Aktien.

Der öffentliche Wirbel stellte den Milliardär und Hedgefund-Manager in ein schlechtes Licht. Als VR eine halbe Million im Jahr kassieren, hintenrum sich von der Aktie der Firma trennen.

Es ist das Gegenteil von Verantwortung übernehmen.

Bei DKSH, der Handelsfirma mit Fokus Asien, machte es Frey besser. Er investierte früh, die Firma ging an die Börse, Frey machte ein Vermögen – wie damals mit seinem Hedgefund.

Weniger Erfolg hatte Frey mit seiner Horizon21. Mit einem neuen Hedgefund versuchte er, an seine Glückssträhne mit den RMF-Fonds anzuknüpfen. Das misslang.

Frey zeigt sich gern in den Medien. Er posiert mit goldenen Captain-Streifen und lässt sich mit Engagements in Afrika von der Presse begleiten.

Bei Leonteq könnte er unabhängig agieren, ohne sich von den Streithähnen Vincenz und Schoch einspannen zu lassen.

Trotzdem wird er sich entscheiden müssen: Vincenz oder Schoch?

Oder sogar ein völliger Neuanfang?

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22 Kommentare zu “Milliardär Rainer M. Frey will Macht bei Leonteq

  1. Ihr Pappnasen – wenn RMF die Macht übernehmen wollte, hätte er einen 30% Stake gefiled…it’s just a trade – never fall in love with an asset. Und sein VR Honorar bei UBS hat er übrigens für gute Zwecke gestiftet und nicht kassiert. Nicht neidisch sein gell.

    Learnt from the best!

  2. Interessant, dass sich in kurzer Zeit ein weiterer Investor für Leonteq interessiert. Ich nehme an beide haben die Firma vertieft geprüft. Veraison hat die Leonteq sogar als sehr erfolgversprechend etc. bezeichnet. Ist es möglich, dass der überstürzte Ausstieg nicht freiwillig geschah. Bereits als Leonteq von der FINMA überwacht wurde, kam es zu einigen recht eigenartigen Börsentransaktionen.

    „Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht,
    sollte man nicht den Kopf hängen lassen.“

  3. Als kleiner Gedankenanstoss:
    Frey war es, der vor einigen Jahren als VR der UBS AG zu Tiefstpreisen eben Aktien derselben Bank erwarb um diese dann einige Monate später mit einem Traumgewinn wieder zu verkaufen…..

    Im Übrigen war schon Einigen letzte Woche bekannt, das abgesprochene Käufer den Schrott hochpuschen werden- was auch auf IP- vor Tagen der Leserschaft hier eröffnet wurde….

  4. “A billion dollars ain’t what it used to be.”

    Nelson Bunker Hunt
    * 22. Februar 1926 † 21. Oktober 2014

  5. Der Selfmademan RMF gegen Vincenz, dessen korrekte Berufsbezeichnung „Sohn“ sein sollte.
    Ich weiss, auf wen ich mein Geld setzen würde…

    • Ganz im Gegenteil – meist äusserst interessante/relevante Hintergrundinformationen zu börsenkotierten Publikumsgesellschaften und ihrem Umfeld. Sorry F.I.W., aber solche non-valeur Kommentare wie der Ihrige sagen mehr über den Schreiberling aus als sonst was…

  6. Bei allen Fehlern von Schoch. Tausendmal lieber ein Schoch als ein Vincenz.
    Ich habe auch einen Verdacht, wer hinter all der Interna, die auf IP und Finews zur Causa Leonteq geschrieben wird, steckt. Besonders das Material, welches Schoch direkt schädigt (seine Scheidung, Flynt, Verbindungen zu Ernst&Young, Rückstufung GL usw.). Cui bono? Wer hat ein Interesse daran, dass Schoch schlecht da steht und sein eigenes Versagen verdeckt wird? Wer hat solche Info, die aus der höchsten Ebene stammen müssen? Die Schnittmenge an Personen ist sehr klein und nur eine einzige Person hat aus meiner Sicht ein Motiv!

    • Hab ich auch schon gedacht. Die „Schnittmenge“ nutzt ja gerne die Medien für seine Zwecke…

  7. Wollen wir hoffen, dass RMF dem Bündner Feuer macht. Höchste Zeit, dass Leonteq ihre grösste Hypothek in der Person von PV ablöst. JS hat Fehler gemacht, korrekt. Aber er ist und bleibt ein Unternehmer, was man von seinem zwielichtigen VRP nicht wirklich behaupten kann.

  8. Nicht alles was Vincenz an die Wand fährt bleibt dort hängen……

    Höchste Zeit, dass ihm einer bei Leonteq Paroli bietet!

    RMF bringt den Know How und die Erfahrung den gefallenen Engel aus dem Raiffeisen-Dschungel zu entflechten.

  9. Frey, Vincenz, Greber wird alles in einer Katastrophe enden. Kennt irgendjemand hier irgendein Technologieunternehmen das zu irgendeiner Zeit durch irgendwelche Old Boys erfolgreich wurde?

    • RMF würde ich nicht als Old Boy bezeichnen, das ist ein Self-Made-Man, der was aufgebaut hat. Pierin Filzenz dagegen ist nur ins vorgewärmte Mgmt-Bettchen seines Vaters gekrocken und saugt nun alles aus was geht. Hoffe Gisel ist mutig genug um mit RMF diesem One-Man-Filzer PV mehr als Paroli zu bieten.

    • Wie war gleich noch die geschäftliche Verbindung von Frey zu seinem Vater? Wer war der erste grosse Kunde von RMF? Wer weiss dies?