Vorsicht bei den Obermatt Rängen

Wenn Sie dieses Blog schon einige Zeit verfolgen, dann wissen Sie, dass ich mich bei meinen Aktienanlagen nur auf messbare Finanzfakten stütze. Ich ignoriere also alle subjektiven Meinungen und vor allem jegliche Zukunftsprognosen.

Das kann mitunter zu grossen Unterschieden in der Aktienanalyse führen, wie ich letzte Woche am Fall Temenos und Kudelski erläutert habe. Die Finanz und Wirtschaft (F+W) empfiehlt aufgrund ihrer Analysen Temenos, und unsere Rechenprozesse zeigen bessere Finanzkennzahlen bei Kudelski.

Immer dann, wenn Experten, Analysten oder die Finanzpresse zu unterschiedlichen Resultaten kommen als wir, wird es für Sie interessant. Denn dann können Sie sich selbst überlegen, wer Recht hat. Im Voraus weiss das niemand genau.

Wir können aber schon jetzt sagen, wo die Finanzfakten, die mit unserer Methode gemessen werden, nicht besonders aussagekräftig sind. Das ist der Fall, wenn ein grosser Teil des Unternehmenswerts erst in der Zukunft entsteht.

Facebook und Twitter können zum Beispiel kaum mit heutigen Finanzfakten gemessen werden, denn da liegt alles in der Zukunft. Das Gleiche gilt für Biotech-Unternehmen, die oft noch gar keine Renditen erzielen, obwohl schon viel Geld investiert wurde.

In diesen Fällen funktioniert unser Ansatz eher schlecht als recht. Das gilt auch für alle anderen Finanzfakten-basierten Analysen.

Zum Glück sind solche Situationen selten. Gerade die ganz grossen Unternehmen, in die Börsen-Laien wie Sie und ich investieren sollten, sind in der Regel ganz ordentlich mit Finanzfakten zu beurteilen. Darum stütze ich mich primär auf unsere Ränge bei meinen Anlagen.

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2 Kommentare zu “Vorsicht bei den Obermatt Rängen

  1. Die Zukunft kann man nicht im Rückspiegel sehen.

    Peter Lynch
    * 19. Januar 1944 –

    Im amerikanischen Reuters findet man zu jedem internationalen Wert die Bandbreite der Analystenschätzungen für die nächsten beiden Quartale, die hinsichtlich der zukünftig erwarteten wirtschaftlichen Entwicklung eines Unternehmens zumindest Ansatzpunkte sein können (klick).

    Vielleicht gelingt es, diese Bandbreiten der erwarteten zukünftigen Quartalswerte in die Aktienanalyse mit zu integrieren.

    Ansonsten sollte man sich eben bewußt sein, daß speziell bei amerikanischen Gesellschaften das Management hohe Anstrengungen darauf verwendet, die von den Investoren gesuchte klassische Erfolgsstory eines Unternehmens mit stets ansteigenden Umsätzen und Gewinnen herbeizumanipulieren. Wahrscheinlich wird darauf auch wegen der aktienbasierten Vergütung des Managements (niederer Festlohn zzgl. wertmäßig hohe Aktienoptionen) mehr Aufmerksamkeit verwendet als auf das reguläre Geschäft. Siehe das infolge der Verrechnung mit zum Aktienrückkauf aufgenommene Verbindlichkeiten rechnerisch negative Eigenkapital vieler amerikanischer Gesellschaften. Dies auch angesichts der zukünftigen wirtschaftlichen Last jener unproduktiven Verbindlichkeiten für das Unternehmen in Zeiten wieder ansteigender Zinsen bzw. zukünftiger Krisen.

    • Man darf zudem nicht vergessen, daß der aktuelle Konjunkturzyklus im wesentlichen von den Markt- und Preisverzerrungen der großen Notenbanken nach der letzten großen Krise ab 2007 – die „Notenbankblase“ – bestimmt ist.

      Wenn das FED die mitgeteilten Zinserhöhungen durchführt, wird Ende nächsten Jahres in den USA ein Leitzins von 2% erreicht sein (klick), mit entsprechenden negativen (!) Auswirkungen auf die Anleihen- und Immobilienmärkte international, die wesentlich größer sind als die Börsenkapitalisierung der Aktienmärkte.

      Wer würde noch Anlageimmobilien mit lächerlich niedrigen Bruttorenditen erwerben wollen, wenn diese in etwas mehr als einem Jahr von den dann geltenden längerfristigen Anleihezinsen bei weitem übertroffen werden?

      Die bisherige, nie dagewesene Billiggeldoptimierung der amerikanischen Gesellschaften macht diese zudem verletzlich bei höhere Zinsen mit der bekannten Signalwirkung des amerikanischen Aktienmarktes für alle anderen Börsen der Welt.

      Eine ggf. gegenläufige „Ertragsphantasie“ vergleichbar dem TMT-Boom während der 90er Jahre, bei dem schlechte Unternehmensergebnisse in einer Art kollektiven Hybris trotzdem übermäßig prämiert werden ist aktuell nicht bekannt oder absehbar.

      Machen Sie sich über die Folgen der zukünftigen Rückabwicklung aller bisher die Vermögensgüterpreise steigernden Effekte bei ihren – ggf. zukünftigen – Anlagen Gedanken!