Die neue Manager-Vision: In 3 Monaten zum Programmierer und Auswendiglerner

Während meine Webseite in den kommenden Tagen komplett überarbeitet wird, möchte ich mich für einmal wieder der Informatik widmen und dabei ein paar Themen aufgreifen, die ich kürzlich in einer Runde mit ehemaligen Studienkollegen diskutierte.

1. Drohnen, made in China: Zum ersten Mal haben es die Chinesen geschafft, in einer hoch innovativen Domäne nicht „Follower“ oder „Challenger“ zu sein, sondern „Leader“. Das amerikanische GoPro ist plötzlich im Bereich Drohnen der Nachzügler und beisst sich an DJI die Zähne aus. Entsprechend dümpelt der Aktienkurs um Allzeittiefst herum. Ich bin überzeugt, die Chinesen werden in weiteren Themenkreisen die Marktführerschaft übernehmen.

2. Kernkompetenzen eines Informatikers: Auswendiglernen von IT-Slang-Begriffen: Zumindest könnte man das meinen, wenn man die Fragen eines Quiz der Postfinance durchgeht, mit der die Finanzanbieterin auf spielerische Art feststellen will, ob man „bereit für einen neuen Challenge“ mit dem Unternehmen sei. Beispiele? Durch was kann ein OLA abgesichert werden: UC (Underspinning contract), SLA (Service level agreement) oder PbC (Programming by Contract)? Welche Version von Angular hat ihren Release im März 2017: 3, 4 oder 2? Wofür steht der HTTP Statuscode 405? Dass solche Fragen von einem CIO abgesegnet wurden: Beängstigend.

3. In drei Monaten zum Programmierer: Die skurrilste Meldung liefert Swiss ICT, der grösste Fachverband der schweizerischen Informations- und Kommunikationstechnologie, respektive dessen Präsident. Der meinte gegenüber dem Tages-Anzeiger, man könne in 3 Monaten durchaus zum Programmierer werden. „Die Grundlagen sind nicht schwer zu verstehen“, führte der ausgebildete Mediziner mit INSEAD-MBA aus. „Die kann man in drei Monaten lernen.“ Zum Beispiel könne dann ein Arzt Algorithmen verwenden, die dem Patienten die richtige Therapie verschreiben. Spooky.

(Extrakt für Inside-Paradeplatz-Leser; Originalartikel und weitere Investmentdetails, siehe Longterm-Investor.)

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7 Kommentare zu “Die neue Manager-Vision: In 3 Monaten zum Programmierer und Auswendiglerner

  1. Das ist wirklich unglaublich. Ich bin ja selber Informatiker und ich lerne ständig neue Dinge dazu. Das Fachgebiet ist so umfangreich, dass viele es viele Abstufungen bei den Kompetenzniveaus gibt. Es gibt Entwickler die leider noch nicht mal in der Lage sind, die Graphentheorie anzuwenden. Und nun sollen Leute in drei Monaten zum Programmierer ausgebildet werden? Gnade uns Gott.

  2. OMG, jetzt schwappt dieser dämliche „Coding for everyone“ BS von den USA in die Schweiz über. Nein danke.

    Was Herr Flatt und seine Kumpenen wirklich wollen sind *billige* Informatiker. Dafür sind sie auch bereit, die Ansprüche auf das Niveau „kann nix, dafür schnell“ zu opfern.

    Sieht man sich Herrn Flatt’s Lebenslauf an, fällt auf, dass er selbst kein Informatiker ist. Geschäftsleitungsjobs in Informatikfirmen machen aus dem Chef sowenig einen Informatiker wie sie aus dem Hoteldirekter einen Koch machen, nur weil der Köche beschäftigt.

    Man darf als getrost annehmen, dass Herr Flatt selbst nicht programmieren kann. Er sollte sich also mit Ratschlägen in diese Richtung besser zurückhalten. Jedenfalls würde kein gestandener Informatiker jemals behaupten, die Grundlagen seien innert 3 Monaten für jedermann zu erlernen. Das ist BS^3.

    Was wir wirklich brauchen, sind solide Grundausbildungen, die nebst dem Handwerklichen (eben: Programmieren) die theoretischen und praktischen Grundlagen beherrschen (eben: Informatik).

  3. Ein „Hello World“ kann man bestimmt in 3 Monaten erlernen:-))

    Was einen echten Programmierer oder Software Architekten ausmacht, ist das vollumfängliche Verständnis des „Application Lifecycles“ und sowas dauert mal locker 5 bis 10 Jahre. Sowas erlernt man nur in der Praxis wobei man ständig der Problemlösung gegenübergestellt wird.

  4. Bei gewissen Aerzten hatte ich auch schon den Eindruck, sie hätten ihren Beruf in drei Monaten gelernt. Da bin ich froh, dass Dr. Flatt keine Arztpraxis mehr hat.

  5. Wenn man Finance als „hoch innovative Domäne“ ansehen will, findet auch da gerade erstaunliches statt. China ist DER FinTech Hub, bezüglich Innovation genauso wie bezüglich Grösse – ob mans an der Themse, Spree oder im Valley wahrhaben will oder nicht.

  6. Ja, das wäre toll, wenn man in drei Jahren Programmierer werden könnte. Das ist eben die Konsequenz, wenn ein Arzt den Verband der Informatiker führt. Das ist etwa genau so wahr, wie wenn ein Informatiker sagt, man könne in drei Monaten Ärzte ausbilden. Schön wäre, wenn sich Herr Thomas Flatt wieder mehr um sein Fachgebiet kümmern würde.