Der erstaunliche Ruedi Bohli und sein Trauma

Hedgefund-Manager scheiterte in seiner Karriere mehrfach – Nun prügelt er ohne viel Mittel auf die GAM ein – Gewinnt der Ruedi?

Rudolf Bohli ist ein cooler Typ. Würde er wohl von sich selbst sagen. Und würden wohl viele denken, wenn sie ihn das erste Mal erleben.

In lässigem Kapuzen-Sweatshirt und Jeans trifft er Journalisten, um Werbung für den Fight seines Lebens zu machen: gegen Assetmanager GAM.

Gestern erhielten Bohli und seine RBR Capital in Küsnacht am rechten Zürichseeufer unerwartete Unterstützung aus Übersee.

Die grosse Aktionärs-Stimmempfehlerin ISS sagte Ja zu Bohli und einer weiteren Kandidatin, welche der kleine Angreifer der grossen GAM ins Nest setzen will.

Bohlis dritter Mann soll hingegen draussen bleiben. Ebenso sieht ISS Bohlis 100 Millionen-Sparprogramm als unrealistisch.

Trotzdem: Die ISS-Empfehlung, Bohli und seine Kollegin in den Verwaltungsrat der GAM zu wählen sowie die Boni und Vergütungen für die GAM-Spitzenleute abzulehnen, ist ein Grosserfolg.

Bohli hat damit in wenigen Wochen mehr erreicht, als viele ihm zugetraut hätten. Die GAM-Spitze, die jahrelang Hunderte von Millionen einkassiert hat, sieht sich herausgefordert.

Von einem daher gelaufenen Mini-Investor.

Bohli sieht das anders. Von Beginn weg meinte er, gute Chancen für seinen Angriff zu haben. GAM sei von der alten Crew heruntergewirtschaftet worden, habe aber immer noch eine tolle Marke.

Diese müsse man einfach wieder zum Glänzen bringen. Das sei unter neuer Führung rasch und einfach hinzukriegen. Und dann würde auch der Aktienkurs nach oben schiessen.

Darum geht es. Und deshalb erhält Bohli von der ISS und anderen Aktionären Support.

Doch die Frage bleibt: Wie kann ein bisher kaum bekannter Zürcher Fondsmanager derart viel Wirbel auslösen und eine scheinbar uneinnehmbare Festung wie die GAM sturmreif schiessen?

Die Antwort liegt in der Karriere von Bohli. Und die wiederum ist eine Folge seines Charakters.

Bohli war einst ein hoher Manager im Investment-Banking der Bank am Bellevue.

Als er genug vom ewigen Traden hatte, nahm er ein Jahr Urlaub und genoss das Leben in Kalifornien.

Auf einem Rückflug in einer Swiss-Maschine legte sich Bohli mit den Stewardessen an. Er kannte kein Halten mehr, bis die Frauen mit dem Segen des Captains Bohli aus dem Flieger warfen.

Die Maschine legte in Kanada einen Zwischenstopp hin, und die Crew warf Bohli vor die Tür. Später flatterte dem Banker eine Rechnung von 100’000 Franken ins Haus.

Das viele Geld für die Eskapade war nicht das Problem. Sondern der Ruf. Um diesen fürchteten sich seine Bellevue-Chefs. Und trennten sich von Bohli.

Aus dem Flugzeug, aus dem Job.

Da machte sich Bohli selbstständig, gründete mit einem Kollegen einen Fonds. In einem Minibüro in der Zürcher Altstadt legten die beiden los.

Klein fingen sie an. Und klein blieben sie bis heute.

Umgekehrt zur fehlenden Grösse verhält es sich mit der Selbstvermarktung. Die ist genial.

Sein Talent für grosse Auftritte zeigte Bohli erstmals vor zwei Jahren, als er die Flug-Verpflegerin Gategroup angriff.

Bohli zog zwar den Kürzeren. Doch sein Investment konnte er vergolden, gleichzeitig schuf er sich in der Raider-Szene einen Namen als schillernde Figur.

Mit dem Raid auf die GAM verstärkt Bohli nun sein Image als ernstzunehmender Firmenschreck.

Das zeigt die Reaktion der GAM-Chefs. Die versuchen, Bohli krampfhaft zu ignorieren. Was einfach nicht gelingt.

Ruedi Bohli, der unerschrockene Robin Hood. Ein Image, das dem Hedgefund-Manager schmeicheln dürfte.

Tatsächlich geht es im wohl um Anderes. Laut einem Zürcher Finanzmann steht es um seine eigenen Fonds nicht zum Besten.

Diese würden schlecht rentieren, Kunden zögen Gelder ab. Just das, was Bohli den GAM-Chefs nonstop an den Kopf schmeisst.

Vor lauter Kanonendonner kümmert das keinen.

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25 Kommentare zu “Der erstaunliche Ruedi Bohli und sein Trauma

  1. Was ist mehr scheitern?: Ein aufgeblasener Nichtskönner zu sein, der auch bei miesem Geschäftsgang Millionen risikolos abgreift oder eine eigene Fondsgesellschaft zu gründen, mit der man angestellten Kleptokraten im Management auf die Finger klopfen kann? Ich würde das zweite Szenario als erfolgreicher bezeichnen.

  2. Genie und Wahnsinn liegen bekanntlich nahe beieinander… Aber der Ruedi hat sicher 2000% mehr Pep und Power als die meisten Asset Managers in der Schweiz.

    Schon erstaunlicher Artikel, ist jetzt Luke (LH) zur dunklen Seite der Macht gewechselt? RBR hält laut Bloomi 3.05% und ist damit der 4. grösste Investor. Warum sollte ein so grosser Investor nicht mitreden wollen/sollen? Ich wünschte mir, es gäbe mehr solcher Investoren die den Managern auf die Finger klopfen wenn sie wiedermal Mist abliefern und sich dafür riesige Bonis zuschachern, aber das scheint neuerdings für Darth Luke ok zu sein.

  3. Die Gier bei Managerlöhnen bei der CS ist unermesslich. Mein Kollege M. W. aus D., der bei einem regionalen Institut arbeitet, ist da viel zurückhaltender.

    • Und was hat dies mit dem Artikel zu tun? Oder gehört es zum guten Ton hier, dass man unter jedem Artikel CS-Bashing betreibt.

    • Geht dich doch nichts an, die CS ist einfach Mist, das darf man immer wieder sagen oder stimmt es etwa nicht!?

  4. Hi, as an american leaving in this country I am amazed to watch how once stars asset manager are wipe out by some managers, who think like established Bankers! You know the most valuable and successful AM in USA are working and operating like entrepreuners maximig the value and not like managers maximising the profit. In doing so, for instance by Bridgewater, they increase year after year the value and in doing so Ray Dalio can earn 1.8 Mrd. In a modest year… so when are local AM providers changing also their mindset in this country? If you can earn more in increasing the firm value, why are they insisting to maximising profit and earn less?

    • Nein, er versteht nicht Dumme und neider…leider auch die Schweiz voll! Übrigens, der grosste Mensch der Geschichte hat nicht gut Perfekt englisch gesprochen oder geschrieben. Wo habe ich sie, frau Daisy in der Geschichte getroffen? Gott rette dich! Amen. Und auch dein Man, wenn er schon nicht früger ihnen gerettet hat.

    • Bridgy Fan, please stay with English even as it sounds like from Nigeria, but at least one can understand what you want to say.

    • Ha ha, gestaltet sich ein wenig schwierig, sich zu artikulieren, wenn man grammatikalisch weder Englisch noch Deutsch einigermassen auf die Reihe kriegt 🙂

  5. Dieses Argument koennte man ziemlich schnell begraben wenn Bohli die Performance seines Fonds offenlegt. AUM wahrscheinlich weniger wichtig, wenn man die Laufkosten fuer einen Fond heutzutags in Betracht nimmt und die groesse des Teams auf der Website betrachtet braucht er schon zwischen 50-100mil um die Bude am laufen zu halten.

    Wo liegt das Problem mit dem „Angriff“ auf GAM? Jeder Investor darf machen was er will, ob er Recht hat ist eine andere Frage.

  6. Oh, seit wann darf denn die Pressestelle der GAM dem LH die Artikel diktieren? Oder sehen wir hier bald Werbung von GAM? Oder LH als gut bezahlten Gastredner bei GAM Anlässen? Ich hoffe wirklich, es ist nicht so, aber so klingt der Ton dieses Artikels leider, etwas zu offensichtlich.

    Statt in dem Privatleben von den Bankbossen zu wühlen, hätte ich mir mehr Artikel von LH zu Leuten wie de Gier und Friedman gewünscht, deren Bezahlung in so krassem Missverhältnis zu der Leistung zu stehen scheint. Als Aktionär hätte ich das Management sowieso verklagt, aber warum sollte ich GAM Aktien halten?

    A propos Miniaktionär.

    Icahn hat bei Apple mit einem kleineren Anteil als Bohli jetzt hat sehr viel bewegt. Ist Icahn jetzt ein Microaktionär?

    Insofern ist die Frage ist doch, was machen CS, Norges Bank, UBS, Pictet, Vescore, Old Mutual, Franklin, all die anderen Aktionäre.

    Aus meiner Sicht wäre dies ein guter Wake-up Call für all die anderen Topmanager in der Finanzindustrie, die siebenstellige Gehälter für miserable Leistungen einkassieren. Daher ist es gut, wenn jemand wie Bohli den Finger in die Wunde legt. Sonst gibt es ja nur noch Leute, die schweigen oder passive Investoren, da es gerade sehr trendy ist, nur ETFs zu kaufen. Dann kann das Management tun, was es will. Gut, dass es wenigstens ISS gibt.

  7. Asset Management und null Zinsen ist ein paradox.
    Keine Gewinne und Bonis ist ein Paradox.
    Kein Wunder sind die Aktienkurse tief.
    Ein Wunder das es noch „Investoren“ gibt (GAM: Geldabflüsse halten an – Finews)

  8. Herr Bohli greift die GAM absolut zu Recht an, denn wie der VR und das Topmanagement die letzten Jahre bezüglich Vergütungen gewütet haben, indem diese im Verhältnis zu den Gewinnen viel zu hoch ausfielen, zeigt der Zerfall des Aktienkurses klar und deutlich auf!
    Wenn man dazu noch bedenkt, dass diese erzielten Gewinne hauptsächlich auf die ultraexpansive Geldpolitik der Notenbanken zurück zu führen ist, indem die Börsen dadurch markant zulegten und nicht auf deren Management Leistung, ist es höchste Zeit, dass dieser „Abzockerei“ ein Riegel geschoben wird. Wie heisst es doch so schön, „spare in der guten Zeit, dann hast Du in der Not“ wurde auch bei GAM wie bei anderen Finanzinstituten (CS, DBK etc.) fahrlässig durch unverhältnismässiges Abkassieren im VR und Topmanagement missachtet. Bilanzen wurden dadurch geschwächt, Aktienkurse fielen ins Bodenlose. Es ist daher höchste Zeit, diesem Gebahren, dass die Aktionäre immer die „Leidtragenden“ sind, Einhalt zu gebieten. Ich hoffe daher, dass Herr Bohli Erfolg hat und die gesamte Branche dadurch einmal aufgerüttelt wird, dass das Prinzip des „Selbstbedienungsladen in guten wie schlechten Zeiten“ von den Aktionären nicht mehr toleriert wird.

    • Auch die UBS bräuchte dringend einen Herr Boli wenn man sich deren Aktienkurs ansieht!

    • Du denkst da ziemlich einseitig.. Ich glaube nicht , dass unser Land mehr Bohlis braucht. Wir haben schon genügend Jobkiller (und Job ins Ausland-Verlagerer). Das kann kaum im Interesse des Wirtschaftsstandorts Schweiz sein. Zudem denkt auch der liebe Bohli mit seiner Intervention nicht an die Anderen, sondern nur an sein Portemonnaie.

    • Bohli will nur sich selbst und seine, auch inkompetente, Crew bereichern. Nichts anders, es geht nicht um Arbeitsplätze oder sowas.

      Bohli sagt dass GAM keine Gewinne erzielt, doch will er alle PMs/Sales/Dustribution behalten, und 2/3 von support Leute entlassen oder ins Polen verlagern, um „Kosten zu sparen“.
      Das ist BULL_SHITE.

    • @Williman / Spokemon
      Bohli braucht es ja nur, weil das Wirken von Friedmann und Co. bei der GAM zu einer Implosion der Gewinne geführthat; gleichzeitig aber die Vergütung des Managements explodiert.
      Als Aktionär muss ich sagen: ich würde Lucifer persönlich in den VR wählen, nur um die aktuelle Crew loszuwerden. Schlimmer kann es ja kaum kommen.
      Analoge Situation auch bei CS. Und der „Verzicht“ ist da belanglos. Leute wie der Rohner und TT könnten auch umsonst arbeiten, die wären immer noch überzahlt zu ihren Fähigkeiten und Leistung.