Grosser Bär-Devisenchef: Weg über Nacht

Stephan Jäger hat Privatbank still und leise verlassen – Bär im Fokus von Devisenskandal – Letzter in Reihe von Insider-Abgängen.

Stephan Jäger war während Jahren der grosse Chef der erfolgreichen Devisenabteilung von Julius Bär. Die war derart rentabel, dass Jäger als unantastbar galt.

Nun ist Jäger weg. Nach 17 Jahren. Still und leise.

Jedenfalls gab es null Kommunikation der Bär-Bank nach aussen. Intern hingegen sei der Abgang des Devisen-Schlachtrosses bereits im Februar mitgeteilt worden, meinte gestern eine Sprecherin.

„Nachdem seine Nachfolge intern geregelt werden konnte, hat Jäger per Ende März Julius Bär verlassen“, sagte sie.

Der gestandene Bär-Manager habe „bereits vor einiger Zeit den Wunsch geäussert, sich neu zu orientieren und sich zukünftig privaten Projekten widmen zu wollen“, fügte die Bär-Sprecherin an.

Jäger stand im Zentrum eines Geschäfts, das der Privatbank nicht nur jedes Jahr Hunderte von Millionen Erträge ins Haus spülte, sondern auch die Behörden auf den Plan rief.

Nach Ausbruch des globalen Devisenskandals mit Absprachen von Händlern und der UBS im Zentrum eröffnete die Schweizer Wettbewerbsaufsicht eine Untersuchung gegen mehrere Banken.

Darunter war zur Überraschung vieler auch die Julius Bär.

Was hatte die Bär-Bank mit Devisen am Hut? Sie ist doch eine „reine“ Vermögensverwalterin, wie ihre Chefs unermüdlich betonen?

Der Eindruck einer harmlosen Privatbank täuschte. Die Julius Bär hatte mit Devisen unter ihrem Chef Stephan Jäger schon lange viel mehr verdient, als die meisten Beobachter vermuteten.

Dabei ging sie erstaunliche Risiken ein. Diese kamen seit 2013, als der Devisenbetrug aufgeflogen war, Zug um Zug an die Oberfläche.

Da war zunächst C.S., ein hochbezahlter Händler und Verkäufer in Jägers Devisenteam. C.S. hatte vor allem einen Kunden: den Staatsfonds von Saudi Arabien.

Einen der reichsten Kunden der Welt.

C.S. hatte die Saudis von seiner alten Arbeitgeberin, der US-Grossbank JP Morgan, zu den Bären mitgebracht. Dort nutzte er im Handelsraum sein Handy, um mit den Arabern zu dealen.

Längst ein No-go in der Branche.

Als C.S. ins mediale Rampenlicht rückte, reagierte er ungehalten und stiess Drohungen aus. Kurz darauf nahm ihn die Bank Bär aus der Schusslinie.

Zunächst landete der Ex-Devisen-Verkäufer in einem Hinterzimmer in der Vermögensverwaltung. Danach wechselte er zu einem externen Vermögensverwalter.

Laut Gerüchten soll ihm die Bär-Bank den neuen Job vermittelt haben.

Problem gelöst.

Dachten wohl die Bär-Chefs. Doch der nächste Sprengsatz lauerte um die Ecke. Er hiess Uli Hoeness, Ex-Fussballstar und Gross-Devisenspekulant mit unversteuertem Geld.

Hoeness flog 2013 auf und musste im Frühling 2014 vor den Richter. Im Zuge des Prozesses gegen den starken Mann des FC Bayer München geriet auch die Bank Bär in die Bredouille.

Es wurde bekannt, dass Hoeness, der seine grossen Devisendeals über die Zürcher Familienbank Vontobel abwickelte, in der Nacht bei der Julius Bär dealte.

Night Trading hiess das Angebot der Bär-Bank. Hoeness und andere Devisen-Grosskunden von Drittbanken nutzten die Plattform der Zürcher Privatbank mit Händlern rund um den Globus.

Auch die ZKB hat ein solches 7/24-Trading, und auch bei ihr war Hoeness oft in der Nacht aktiv.

Kaum war die Hoeness-Affäre überstanden, gab es die nächste Erschütterung. Ausgelöst erneut durch eine Personalie.

Bruno Langfritz, eine in der Schweizer Devisenszene gestandene und bekannte Persönlichkeit, verlor vor 2 Jahren sein ganzes Team und damit auch seine zentrale Rolle im Bär-Devisenhandel.

Wie für den Verkäufer mit dem Saudi-Kunden suchten seine Chefs auch für Langfrist ein warmes Plätzchen. So schufen sie für den „schönen Ambassador“, wie der Bär-Devisenmann von Beobachtern genannt wird, einen Job als Lobbyist.

Und nun also ging als Letzter in der Reihe auch der Chef, Stephan Jäger. Ein Aderlass, der statt top-down von unten nach oben sich abgespielt hat und alle zentralen Figuren weggespült hat.

Bis auf den obersten Trading-Chef der Julius Bär. Der heisst Peter Gerlach, ist schon ewig bei der Bank und konnte alle Affären unbeschadet überstehen.

Geschickt hält sich Gerlach bedeckt und lässt andere über die Klinge springen. Gleichzeitig zementiert er seine Macht.

Statt einen Nachfolger für den scheinbar unangreifbaren Jäger hat Gerlach gleich zwei bestimmt. Teile und herrsche – das römische Machtspiel scheint Gerlach zu befolgen.

Einer der neuen Chefs, Marco Murgida, gibt sich besonders mit Auftritten und Fotos in seinem Facebook-Konto extrovertiert, vom anderen, Christoph Kummli, ist öffentlich kaum etwas bekannt.

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28 Kommentare zu “Grosser Bär-Devisenchef: Weg über Nacht

  1. Lieber Herr Hässig
    ich war im fx mitten drin statt nur dabei. es erstaunt mich immer wieder wie unwissend sie im bezug auf den devisenhandel sind. alles was sie hier beschreiben und versuchen als skandal hinzustellen war business as usual und ist es zum Teil heute noch. seit ende neunziger jahre wird der devisenhandel bei den banken mehr und mehr eingeschränkt obwohl er im vergleich zu anderen geschäftsfeldern im Investmentbanking weit weniger risikken birgt. fx war auch nicht involviert bei der finanzkriese 2008. natürlich gibt es im fx schwarze schaffe, die konnten sich allerdings nie lange halten, weil sowas immer ans licht kommt über kurz oder lang. ich habe ihnen schon mal angeboten ihnen einen tieferen einblick in diese metier zu gewähren, damit sie mitreden können. nutzen sie es oder schreiben sie nicht mehr über den devisenhandel.

    • Ich bin mir nicht sicher ob SIE wirklich so bewandt im FX sind – vermutlich spielen/spielten sie wirklich nur kleine Rollen in diesem Bereich und hatten nur wenig Einblick in gewisse Aktionen von einigen Mitstreiter.

    • @fx anwalt
      schaffe schaffe häusle baue…oder meinten Sie wohl Schafe?
      risikken, kriese…mein Gott, hoffe Sie müssen mich nie vor Gericht verteidigen, es gibt sehr günstige Rechtschreibungstutorials so nebenbei

  2. Die Forex-Heinis von Bär, alles ausgekochte Trickser und Fixer. Im OTC-Geschäft mit täglich Milliarden-Volumen die grössten Kursschneider weit und breit. Unseriös verdient hier gerade noch die Note :

    Nobody’s Control :
    da ist es uns wohl !

    • wieder eine der keine ahnung hat wie fx läuft. das ist kein weicherhandel wie der börsenhandel. bei jeden qoute im fx handel hat die bank das volle risiko und das muss eingepreist werden.

    • @fx anwalt – noch so ein oldschool statement dass jede Position Risiko bringt… alles 1zu1 automatisiert aushandeln – das ist heutzutage nämlich möglich. Ist zwar langweilig, aber
      risikoarm, transparent und kostengünstiger etc.

  3. Weshalb ist eigentlich der ZKB-Spezialist für „7/24“-Forex und „München“ zurückgetreten (worden)?

    Waren das gesundheitliche Probleme (zuviel Fondue?), „Veränderungswunsch“ oder anderes?

    Jede Wette, dass ein Berner Libor-Spezialist die Antwort weiss!

  4. Ich kenne alle diese Typen, arroganz pur. Wenn ich nur an den Jäger denke, wenn er am ACI wie der Oberkrösus mit seiner aufgeblähten Kugel herumstolzierte. Oder Murgida, da kommt einem der Graus. Kummli ist nicht viel besser. Ausser der Claudio, das war ein feiner netter zurückhaltender Kerl. Aber der Rest, der liebe Hr. Schönling, äh Ex-CS-Rausgeschmissene…..ein Horror, verstanden nix, aber kassiert ohne Ende!!

    • Jäger ist der Erfinder von Arroganz. Beim ACI nur gesehen im Kreise von „ich-habs-erfunden-Mehrbesseren“.

    • wer so schreibt war NIE erfolgreich im fx unterwegs und entlarvt sich hiermit als neider. und nochwas im fx wurden die diese exorbitanten saläre bezahlt wie anderswo im investmentbanking

  5. Kenne Gerlach seit 8 Jahren: Komplexe, schaut einem nicht in die Augen, grüsst nicht. Wie so einer in die GL einer Bank Bär kommen kann bleibt wohl für immer ein Geheimins des B.J.C.. Ist wohl nur ein Platzhalter, der zufrieden jedes Jahr seinen Bonus kassiert und wegschaut. FINMA schaut zu und unternimmt nichts, ebenso die internen Kontrollorgane. Sogar Compliance kuscht vor Collardi und übersieht heikle Kundenbeziehungen oder überprüft sie gar nicht erst. Net New Money, ob grau oder defizitär, dank Boris Bonus: interessiert kein Schwein.

    • Gerlach ist doch aus ähnlichen Gründen in die GL gekommen wie bei Vontobel seinerzeit Eugen Brenner, der dann im Jahr 2006 plötzlich (gesundheitliche oder steuerliche oder Münchner?) Probleme hatte und zurücktrat. Auch sein Mitarbeiter Jürg wurde damals an eine etwas kürzere Leine genommen bei der „Beratung/Betreuung“ des „Starkunden“, der dann auf die Bären und die ZKB auswich, um seine Gelder zu verschieben.

      Bei gewissen Banken dauert es eben ewig mit „vorzeitigen Pensionierungen“ und ähnlich brutalen Konsequenzen ….

  6. ui der hat aber eine vernebelte Wahrnehmung! Glaubt MM tatsächlich, dass er der Ober-Macker ist und hat er dieses Foto freiwillig ins Netz gestellt? Wahrscheinlich hat die Sonne sein Gehirn etwas gekocht 🙂

  7. Beide, Peter Gerlach und Christoph Kummli sind ehemalige Lehrlinge der Bank Bär, und gehören inzwischen zum Inventar.

  8. Besonders bei Gerlach erstaunt es schon, dass jemand, der kaum viel kann sich solange an der Spitze halten kann und immer die anderen über die Klinge springen lässt. Betreffend C.S. der hat keine Anstellung bei einem externen VV sonder sitzt im warmen Körbchen seiner „Freundin“

    • gerlach hat immerhin jahrelang einen flohzirkus geleitet und sehr viel verantwortung über sehr viel risiken gehabt. er hat seinen job gut gemacht du neider

  9. Meine Güte, der Marco Murgida sieht ja unfassbar arrogant aus, was für ein unangenehmer Geselle! Mich wundert sehr, warum sich scheinbar einige Bär Mitarbeiter/innen dazu herablassen, für so einen Angeber zu arbeiten.. Aber kein Wunder, der passt gut ins bild zur restlichen Bär Führungsriege.. ich werde denen jedenfalls ihre Ferraris nicht mehr durchfinanzieren und zu einer seriösen bodenständigen Bank wechseln..

    • So manipulativ sind die Medien, klauen von Facebook Fötis. Glücklich wenn eines davon grad mit passender Grimasse ist, um den implizierten bösen Charakter zu unternauern.
      Marco habe ich als angenehmen Zeitgenossen kennengelernt. Und beim Anblick des Fötelis musste ich laut rauslachen.

    • ich kenne marco nun schon seit 1992. der ist kein bisschen arrogant. was bist du bloss für ein bornierter neider. echt zum kotzen

  10. Andreas Waespi liess die Kursentwicklung der Bank Coop-Aktien ein bisschen «glätten». Diese Bagatelle war dem «tough cop» Mark Libor Branson ein dreijähriges Berufsverbot wert.

    Die Bank Bär (neben anderen CH-Banken) ist seit Jahr(zehnt)en in eher dubiose Devisentricks (wohl z.B. «aus Weiss mach Schwarz» und umgekehrt u.a.) in geradezu industriellem Ausmass verwickelt.

    Gewissermassen zur Diversifikation ist die Bank dann auch noch involviert in Schweinereien wie
    – Brasilien-Schmiergelder
    – Fifa-Konti
    – 1MDB-Skandal (Wo ist eigentlich Bruno Manser?)
    – 480 Mio-«Kredit» an Priora bzw. den kriminellen Remo Stoffel
    – weitere S……

    Und was macht Schürzenjäger Branson hinsichtlich Boris Collardi & friends?

    «It is time to go, Branson!»

    (Das gleiche gilt für den famosen Bruno Frick und seine Freunde.)

    • in jeder branche gibt es schwarze schaffe davor ist auch fx nicht gefeiht
      der devisenhandel ist auch kein beliebtes mittel um schwarzgeld zu waschen. aber eben, wieder einer der mitreden will und null ahnung hat. dann muss ich

  11. Scheinbar verliert IP den Edge. Die Absicht für einen Abgang von SJ und der Abgang selbst, waren um den Paradeplatz für lange Zeit bekannt. Ist doch schön wenn man aufhören kann nach solch einer erfolgreichen Karriere und nicht zu den nimmersatten Geldsaugern gehört. Wünsche Stephan alles Gute für die Zukunft.
    Dem „Insider“ LH wünsche ich einen besseren Draht in die Szene, damit er nicht wie die alte Fasnacht, einen Monat nach dem Fakt, mit lauwarmen Geschichten seinen Blog füllen muss.

    • hackt der anderen kein Auge aus.“

      oder:

      „Devisenschi…… halten zusammen.“

    • Wissen Sie mehr? Haben Sie bessere Infos? Dann melden Sie sich doch bei Hrn. Hässig. Nicht so viel lafern, liefern!

    • @ Neidgenosse:

      «Aufhören können» ist nicht dasselbe wie «aufhören müssen» …..

      Wart mal ab, was passiert, wenn die Presse eines Tages deine (Forex-Schieber-)«Szene» ins Visier nimmt und deren Vergangenheit ein bisschen aufarbeitet (z.B. aufgrund einer Strafanzeige) ……