Die IT-Leiden des jungen Boris Collardi

In Asien läuft Umstellung von Julius Bär aufs neue Temenos-System aus dem Ruder – Bärs E-Banking: Seit Monaten in Verzug.

Boris Collardi persönlich geht es blendend. Neue Frau, happy Frühling, Scheidung von der alten aufgegleist. Jauchzen und Küssen.

Das private Glück ist wichtig. Denn der junge Collardi braucht jetzt volle Konzentration auf die grossen internen Aufgaben.

Bei seiner Bank Julius Bär läuft nämlich in diesen Monaten das grösste und wichtigste Projekt. Und wie es läuft.

Voll aus dem Ruder.

Die Rede ist von der Informatik. Collardi hat nach vielen Anläufen und Versprechungen endlich eine Umstellung auf ein modernes System in Angriff genommen.

In Asien wird derzeit eine moderne Informatik-Plattform namens T24 der Firma Temenos eingeführt, ein börsenkotiertes IT-Unternehmen.

Offiziell ist alles im Plan, heisst es bei Bär. „Wir halten an unseren Aussagen fest, T24 wird in Asien diesen Sommer live gehen“, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Ein Insider bezweifelt das. „T24 und LEO, alles auf rot“, sagt er.

Gemeint ist, dass T24 als wichtigstes Projekt in Asien und LEO als Pendant in Luxemburg als kritisch eingestuft würden. Kurz: Dinge laufen nicht, wie sie sollten, es kommt zu Verzögerungen.

Die Marschtabelle sei in Gefahr, sagt die Quelle. „Ein Jahr Verspätung ist garantiert.“

Die beiden Versionen – hier alles paletti, dort alles miserabel – scheinen nur auf den ersten Blick unvereinbar.

Ein zweiter Insider berichtet nämlich davon, dass die Bär-Bank ihre neue Temenos-Plattform in Asien durchaus diesen Sommer in Betrieb nehmen könnte.

„Doch mit viel weniger Funktionalitäten als versprochen“, sagt die Auskunftsperson. Faktisch habe man einfach das alte System – es handelt sich um ein Olympic – eins zu eins aufs neue kopiert.

Also kein Quantensprung, sondern nur ein anderer Name für mehr oder weniger die gleichen Möglichkeiten – für Dutzende von Millionen Kosten.

Dass etwas nicht stimmt mit der Informatik der Julius Bär, zeigt das Mobil-Banking der Zürcher Privatbank. Dieses sollte ebenfalls rundum erneuert werden.

Termin: Vor mehr als vier Monaten.

Resultat: Eine neue Oberfläche. Darunter sei alles beim Alten geblieben, sagt eine Quelle.

Auch hier dementiert die Bär offiziell. „Was die gegen aussen sichtbare Digitalisierung betrifft haben wir im Moment die wohl modernste Mobile App“, sagt der Bär-Sprecher.

Und überhaupt, es gehe um Anderes.

„Viel umfassender und wichtiger ist die Digitalisierung der rückwärtigen Prozesse und Tools, und da haben wir schon einiges erreicht“, meint der Bär-Mann.

„Die Servicequalität wie die Geschwindigkeit können da genauso erhöht werden wie die betriebliche Effizienz.“ Sein Chef Collardi habe sich dazu ja ausführlich geäussert.

Das Problem für Collardi mit der Bär-IT ist, dass die Bank viel dringender als andere auf ein modernes System angewiesen ist. Und zwar überall, in allen Zentren, rund um den Globus.

Das heutige Bär-System, eine Eigenentwicklung, stammt aus grauer IT-Vorzeit. Die vielen und teilweise grossen Übernahmen – vor allem Merrill Lynch International sticht heraus – belasteten das System zusätzlich.

Ein Quantensprung mit effizienten Abläufen, grosser Zuverlässigkeit und neuen Möglichkeiten für die Kunden ist mit dem Bär-„Göppel“ nicht zu haben.

Deshalb kam Collardi nach langem Zaudern und Zögern zuletzt nicht mehr darum herum, den Startschuss für eine komplette Ablösung des alten Hosts durch das neue Temenos T24 zu geben.

Vielleicht hat der Bär-Chef die Konsequenzen und Schwierigkeiten des Mammut-Projekts unterschätzt, oder solche liegen in der Natur der Sache.

So oder so droht eine zähe Umstellung mit Kosten, die das Budget sprengen, und Verzögerungen, die Monate betragen – wenn nicht sogar Jahre.

Die nächste Grossbaustelle liegt in Zürich. Dort wollte die Bär-Bank ebenfalls auf T24 umstellen, sobald das System in Singapur und Hongkong zufriedenstellend läuft.

Davon ist man offenbar noch weit entfernt, sagen zwei Quellen übereinstimmend. Schuld seien die Leute.

Beim zuständigen Projektleiter handelt es sich um einen jungen Manager namens Nic Dreckmann. Der Deutsche zählt zu den Zöglingen von Boris Collardi, er machte letzten Sommer einen riesigen Karrieresprung.

Zum Chief Operating Officer. Damit ist Dreckmann auch oberster Verantwortlicher für die happige IT-Umstellung. Eine Operation, die selbst für altgediente IT-Kämpen ein Horror ist.

Für Dreckmann, wie Collardi ein Youngster, erst recht.

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26 Kommentare zu “Die IT-Leiden des jungen Boris Collardi

  1. Ich frage mich wieso in Banking immernoch von Systemen
    aus höchsten 2te Generation sprechen, wenn wir schon bei der 4te Generation sind?
    Könnte mir noch jemanden erklären? Danke.

  2. No comnents zur neuen Plattform T24.

    Das neue mobile-banking jedoch ist eingeführt, funktional und user friendly, braucht in der CH keinen Vergleich zu scheuen.

  3. Die Kantine in Altstetten sollte auch mal renoviert werden, hat den Charme eines EPA Restaurants aus den 70er, also etwa gleich alt wie das IT Host System.

  4. irgendjemand hat da den bären über den tisch gezogen. da stellen sie schon das kernbankensystem auf temenos um, was sonst nur kleinbanken machen, aber die app ist von crealogix. tönt nach datenhölle. macht absolut keinen sinn, das in der schweiz auch einzuführen.

    • Crealogix ist DER spezialisierte Online Banking-Anbieter mit der grössten Erfahrung. Viele Banken in der Schweiz und im Ausland setzen das ein.

      Julius Baer hat sich nach langer Evaluation explizit gegen Avaloq und ihr Online Banking-Frontend entschieden. Die Ereignisse bei der LUKB haben ihnen recht gegeben.

    • julius bär verwendet im europa geschäft schon heute avaloq, auch für digital. aber egal welcher anbieter, mehrere zu integrieren ist immer unnötig kompliziert und teuer.

    • @ In Sider und @grussundk…
      Da machen aber zwei etwas übertriebene Eigenwerbung

  5. C’mon, Lukas Hässig, wer schon einmal ein grosses IT-Projekt realisiert hat, weiss um die finanziellen und terminlichen Risiken, die damit zwangsläufig verbunden sind. Daraus lässt sich Boris Collardi kein Strick drehen. It’s just part of the business und zudem kein Beinbruch, solange die Projektverantwortlichen transparent informieren und agieren – und davon würde ich im Sinne von ‚Im Zweifel für den Angeklagten‘ einfach mal ausgehen.

  6. wen interessiert’s? genau so wie die ü50. da musste ich als teamboss auch schon einige über die (scharfe) klinge springen lassen. wobei ich ja nicht arbeiten müsste, ich mache das zum spass. man soll ja nicht zu abgehoben sein und ein bisschen spüren wo das gemeine volch der schuh drückt.
    denke, als nächstes nehme ich mir diesen alten (viele falten) und vor allem mausarmen kommentarprotz marcel duprontz an. haha, wer heisst heute noch marcel? ich werde ihn entlassen.
    soll er vor dem rav antraben wo ihm mal schön die leviten gelesen werden. arbeiten, bub, arbeiten! im zweifel kann der entlassene dann hier auf ip aufgeblasene kommentare schreiben von der ethbibliothek aus, dort ist ja das internet gratis und nachher wieder in die notschlafstelle bei pfarrer sieber zurückkehren.

    Alexa Holundra von Reich-Schmeisser, Chefin, x-fache Milliardärin, Unternehmerin, Poetin, und zahle keine Steuern wie dieser armselige duprotz.

    • OMG, noch so ein Troll à la Dupont. Darauf hat die überschaubare Welt auf IP nun wirklich nicht gewartet. Do us a favour and get lost.

    • Wobei MDP zumindest argumentativ und grammatikalisch lesbar und unterhaltsam bleibt; ganz im Gegensatz zu dieser Schmeissfliege!

    • Einverstanden. Es bleibt zu hoffen, dass LH das früh genug merkt… …und das wäre bald!

  7. Prof. Runzheimer

    Macht nur einen Plan!

    Wir ändern morgen, wir ändern heut,
    wir ändern wütend und erfreut.
    Wir ändern, ohne zu verzagen,
    an allen sieben Wochentagen.
    Wir ändern teils aus purer Lust,
    mit Vorsatz teils, teils unbewusst.
    Wir ändern gut und auch bedingt,
    weil ändern immer Arbeit bringt.
    Wir ändern resigniert und still,
    wie jeder es so haben will.
    Die Alten ändern und die Jungen,
    wir ändern selbst die Änderungen.
    Wir ändern, was man ändern kann,
    und stehen dabei unsern Mann.
    Und ist der Plan auch schon gelungen,
    bestimmt verträgt er Änderungen.
    Wir ändern deshalb früh und spät
    alles was zu ändern geht.
    Wir ändern heut und jederzeit,
    zum Denken bleibt uns wenig Zeit.

    Änderungen vorbehalten!

    Prof. Runzheimer war bis 2002 Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule für Gestaltung, Technik und Wirtschaft in Pforzheim.

    • Zum Amboß hielt ich mich zu schlecht,
      zum Hammer war ich euch nicht recht.
      So bin ich Amboß nicht noch Hammer
      und rufe frei von Herzensjammer:
      So ist es gut, so ist es recht,
      Niemandes Herr, Niemandes Knecht !

      Fliegt frei der Vogel durch das Feld,
      so ist noch sein die ganze Welt.
      Müßt er im goldenen Käfig hocken,
      er würde schwerlich dort frohlocken:
      So ist es gut, so ist es recht,
      Niemandes Herr, Niemandes Knecht !

      Hoffmann von Fallersleben
      * 2. April 1798 † 19. Januar 1874

  8. Asien: Virtueller Sack Reis umgefallen. Backup eingespielt, Schaden vernachlässigbar.
    Zürich: SKANDALNEWS! Da muss man einen Tag lang wichtig klingende Kommentare schreiben! Sagte Markus Mumpf, und ging das Fax Papier nachfüllen.

    „IT Systeme sind wie ein seltene Kunst: Nutzen nahe bei Null, machen den Besitzer aber reich“ – Marcel Du Pont, Milliardär, Beyeler Ehrenmitglied, Klimt war ein Penner.

    https://twitter.com/Marcel_Du_Pont
    https://www.facebook.com/marcel.dupont.9849

    • Der Du_Pont dieser alte Schwabe
      macht sich heute wieder mal wichti;g mit seinem Gehabe
      hat null und nichts in seinem Hirn
      ausser seinem kahlen Gestirn
      hat keinen Stutz in seinem Pack
      drum brüllt er rum der Arme Sack