Nestlé stellt 14 interne „Banker“ auf Strasse

Angestellte Assetmanager investierten Milliarden der Nestlé-PK – Neu Mandat für US-Gigant Blackrock – UBS, CS gehen leer aus.

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé ist mit 330’000 Mitarbeitern und einem Börsenwert von 250 Milliarden global, gross und reich.

Entsprechend gross und reich ist die Pensionskasse des Schweizer Multis. Für das Verwalten des PK-Vermögens leistete sich das Unternehmen 14 eigene „Banker“.

Assetmanager. Diese investierten das Angesparte der Mitarbeiter, versüsst durch die Beiträge von Arbeitgeberin Nestlé, in Aktien, Bonds, Häuser, Rohstoffe.

Nun nicht mehr. Nestlé bestätigt, dass die 14 hauseigenen Assetmanager nicht länger gebraucht würden.

Laut einem Nestlé-Sprecher am Hauptsitz in Vevey lautet das Ziel, „Risiken “zu kontrollieren, „Führung“ zu „stärken“, „beste Standards“ der Industrie zu übernehmen.

Und: „Kosten zu reduzieren“.

Die 14 betroffenen Nestlé-Assetmanager landen offenbar per sofort auf der Strasse. Keine Verwendung mehr sie.

Die Krise im Finanzgeschäft erfasst Firmen, die prima vista nichts mit Banking zu tun haben. Profitieren wenigstens die „echten“ Schweizer Banken von den PK-Milliarden von Nestlé?

Mitnichten. Das Rennen um das lukrative Mandat machte keine der bekannten inländischen Adressen. Weder UBS, CS, Pictet noch Lombard Odier.

Sondern Blackrock. Der US-Gigant.

Die Firma, die schon das Supermandat der Nationalbank für deren Management von Hunderten von Milliarden Anlagen erhalten hatte, schnappte sich nun auch den Nestlé-Auftrag.

Und zwar nicht ein Schweizer Ableger von Blackrock. Sondern deren grosse Niederlassung in England.

„We can confirm that Blackrock Advisors (UK) Limited will be acting as interim investment manager“, sagte dazu gestern der angefragte Nestlé-Sprecher.

Da wäre endlich die Chance, mit Topleistung die Pensionskasse des grössten Schweizer Multis als Kunde an Land zu ziehen.

Doch die Schweizer Finanzplatz-Platzhirschen schauen in die Röhre. Verlieren gegen die mächtigen, einflussreichen und forschen Angelsachsen.

Keine frischen Erträge, keine Gebühreneinnahmen für die Schweizer. Dabei ging es um viel.

Nestlé habe mit seiner internen Vermögensverwaltung ein „Monster“ herangezüchtet, meint ein Insider im Gespräch. Nun würde dieses unter dem neuen CEO Ulf Mark Schneider geköpft.

Die Chance für die Finanzindustrie. Die Nestlé-Pensionskasse hat eine Bilanz von fast 7 Milliarden Franken und zahlte im letzten Jahr 72 Millionen Franken Gebühren für externe Beratungs- und Ausführungsleistungen.

Die Löhne für die 14 entlassenen Nestlé-Assetmanager waren in diesem Betrag nicht drin. Die kommen noch hinzu.

Neu kann sich Nestlé all diese Kosten sparen. Zumindest buchhalterisch. Ihre Erfolgsrechnung steht besser da.

Alles landet ausserhalb des eigenen Profit und Loss fürs Kerngeschäft. Die Kosten fürs PK-Vermögen, welche Nestlé Blackrock zahlen muss, werden von den erzielten Erträgen abgezogen.

Das Netto fliesst dann in die Nestlé-Rechnung ein.

Neben der mächtigen PK hat Nestlé noch eine zweite Pensionskasse, mit mehr Versicherten, aber weniger Vermögen.

Insgesamt geht es um die Verwaltung von gegen 10 Milliarden Pensionskassen-Assets einer der besten Firmen weltweit.

Für Blackrock ein neues Supermandat. Für UBS & Co. eine blamable Schlappe im Kerngeschäft.

Und für die 14 betroffenen Nestlé-„Banker“ eine schwere Zäsur.

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27 Kommentare zu “Nestlé stellt 14 interne „Banker“ auf Strasse

  1. Lukas Hässig, das ist eben Wettbewerb. Den Schweizer (Gross) Banken wird ja auch nicht verboten im Ausland zu fischen, oder? Chapeau Hildebrand, er ist eben nicht Gärtner… Vielleicht holt er noch (unter Protest des „Alten“) ein Mandat bei der Ems-Pensionskasse!

  2. Was mich an fast allen Kommentaren und am Artikel stört:
    Kennt den jemand die Performance dieser PK? Alle setzen voraus, dass die PK zu teuer und ungenügend in der Performance ist ……vielleicht waren es aber genau die Erfolgsprämien für Ueberperformance….?

  3. Was mir da an Essentiellem gerade einfällt: wie lange geht es eigentlich noch, bis die AHV und andere Milliarden-Institutionen der 🇨🇭 🇨🇭🇨🇭 Schweiz ihre Versicherungsgelder Blackrock zur Verwaltung anvertrauen? Die geschützten Werkstätten UBS , CS , Kantonalbanken u. Genfer Privatbanken hätten Konkurrenz dringend nötig! Wette, dass die Verwaltungshonorare 📉 augenblicklich um Dutzende von Millionen Franken fallen würden. Herr BR Berset übernehmen Sie , die Versicherten danken Ihnen. 👏👏👏

  4. 100 BP Fee ist ohnehin für diese Assetgröße unglaublich – am Markt sind dafür irgendwas zwischen 15 und 25 BP zu bezahlen!

    Abgesehen davon, Hr Hässig, Ihr Schreibstil ist erbärmlich 🙂

    • Inklusive Private Equity usw.? Wir sprechen nicht nur Plain Vanilla.

      Man sollte denken, wer bei der UBS arbeitet, hat etwas mehr Marktkenntnis.

  5. Ein kluger Schachzug!

    Würden SIE Ihr Geld den beiden maroden CH-Grossbanken anvertrauen, die jährlich Mrd-Boni aus der Kasse nehmen und laufend Kapitalerhöhungen durchführen, wie die CS gerade heute?

    Die CS notiert -85% unter MAX; Nestle auf MAX.

  6. Wind von links, Wind von rechts. Wir müssen aber nach Norden, denn der Fisch ist nicht vom Ast.

    Siegbert Wullenwever
    * 3. Januar 1572 † 22. November 1647

    • Ist doch egal, von welcher Seite der Wind bläst. Für einen mutmasslichen Gummihals wie Dich ist das doch kein Problem, Dottore.

  7. Vermögensverwaltungskosten von 1% sind tatsächlich enorm hoch. Der Grossteil der Kosten fällt allerdings in kollektiven Anlage an, also in Aktien-, Obligationen- und sonstigen Funds. Ich nehme an, dass die PK hier viele aktiv gemanagte Funds hatte. Die Black Rock wird nun das gesamte Vermögen passivieren (Ishares).

    Ich denke das kommt den Versicherten zu Gute. Die Schweizer Banken haben den ETF Trend verschlafen.

    • Sie verstehen definitiv zu wenig von Vermögensverwaltung. Wenn Sie die Wahl zwischen einem Direktanlagenmandat auf Ihren Namen und einer Kollektivanlage (ETF) auf x Tausend Namen haben, wählen Sie sicher nicht die Kollektivanlage (ETF). Wer will bei Problemen schon mit breiten Market Spreads (Bid/Ask) leben oder schlimmstenfalls in einem Gating Procedure (bei erhöhten Rücknahmen) enden? ETF ist für geizige Idioten, Direktanlagen für clevere Leute….

    • Das übliche dumme Gequatsche, momentan sehr populär. Alles passivieren, da man nur auf die Gebühren schaut und nicht auf die Performance.
      Ein Wein für 20 CHF mag teuer sein, kaufen Sie doch den für 3 CHF.
      Gleichzeitig haben viele Kunden Konten bei Grossbanken und zahlen 2% mit allen versteckten Kosten, aber Sie merken es nicht. Herrlich!

      Mainstreamdenke wie immer. Nestle voran. Naja, die Firma ist ja auch schon sehr alt und meist sterben die alten Firmen, da sie nur Kosten optimieren.

    • @ Eiger & Müller

      Was sie hier von sich geben, ist erwiesenermassen FAKE NEWS. Es wurde tausendfach bewiesen, dass ETF’s besser performen als aktiv gemanagte Funds (Im Large Cap Aktien Bereich). Wahrscheinlich gehören sie noch zu den letzten nasenbohrenden Fund Managern, mit Fund grösse < 300 Mio. die mit den Kunden zum Lunch müssen und irgendwelchen Schwachsinn über ihren super Selektionsprozess zum Besten geben.

      Ich setzt nur im alternativen Bereich und im Small Cap Bereich auf aktive Manager.

      Das Geld gehört den Versicherten und es ist kein Selbstbedienungsladen!!!!! Ihr habt das alle noch nicht verstanden, aber die Zeiten des schamlosen Abzocken bei PK-Gelder sind vorbei!

    • @Thomas: Bitte Quellen nennen, die dies „beweisen“. Trumpeske Aussagen beweisen gar nichts. DIe Outperformance von Passiven Produkten ist zyklisch. Aber das Argument kann man noch nicht in der Tageszeitung lesen.

      Wo ist der ETF auf Private Equity oder der auf VC? Zu 25 bps?

      Es scheint mir, Sie gehören zu den sesselsitzenden Aufsitzgremien, die gerade gelesen haben, dass ETFs in sind, aber nicht den Unterschied zwischen ETFs und Indexfonds kennen, geschweige denn die Risiken von diesen Instrumenten. Vielleicht kennen Sie auch noch Large Cap Aktien. Aber Ihre Entscheidungen wurden nie gemessen, da man ja nur im Gremium sitzt. Genau wie die Entscheidung des Nestle CEO. In fünf Jahren ist der dann sowieso weg. Ob das gut war, wird man dann erst sehen.

  8. Schöne neue Welt.

    Wenn ein Schweizer Unternehmen Arbeitsplätze und Aufträge ins Ausland verschiebt, nennt sich das Wettbewerb.

    Wenn Heinz Müller in Waldshut einen Karton Milch kauft, ist das Landesverrat.

    • Gut gesagt, Hussar, am ende gewinnt oft Philipp Hildebrand….der schon multi ££ ist.

  9. Grützi Hr. Hässig,

    das nennt sich Wettbewerb (den gibts jetzt sogar in der Schweiz – gopfertami), wenn dieser entweder (oder evtl. beides):

    – günstiger oder
    – besser/ erfolgreicher ist,

    muss ein börsennotiertes Unternehmen im Sinne ihrer Aktionäre und Mitarbeiter den besten Anbieter wählen.

    Alles Gute, Gregi

    • Der war gut Gregi, hahaha – ersetz mal zeitgemäss „im Sinne ihrer Aktionäre und Mitarbeiter“ durch „im Sinne der Aufrechterhaltung von völlig überrissenen GL Entschädigungen“ sowie „den besten Anbieter“ durch den „auf kurzfristige Sicht diesem GL Ego Anliegen am besten dienlich“ – und du hast meine 100% Zustimmung.

  10. Ist Nettoverbuchung nicht verboten? Vielleicht bei den Kleinen und bei den Grossen nicht, so, wie es eben immer ist. Als Stiftungsrat würde ich das nicht akzeptieren.

  11. Schlechte Verhandler, wenn die Nestle über 1 % an Fees bezahlt, hatten es die Herren verdient, entlassen zu werden. Mit solchen Volumina an Assets sollten nicht mehr als 15 – 20 Bps an Kosten enstehen.

    • Da stellt sich die Frage, ob die AMs persönliche Begünstigungen aufgrund der hohen Fees erhielten! Vielleicht war dies der wahre Grund, die Mitarbeiter zu entlassen!?

  12. Und Altbundes-Rat Blocher bekommt einen verspäteten Dankes-Brief für seinen bemühenden Einsatz, den fähigsten SNB-Chef aller Zeiten auszuhebeln und zu vertreiben. Blackrock: No Zock!

  13. Wen interessieren schon 14 Mitarbeiter von über 300.000? Bei dem eklatanten Fachkräftemangel in der Finanzbranche, finden diese Experten sofort wieder neue Jobs. Sie sind ja auch bestimmt gut oder?

  14. Sieht nach einem Taschenspielertrick des neuen Nestlé-CEOs aus. Augen auf, wo er sonst noch nicht nachhaltig versteckt sparen will (z.B. F&E, Marketing etc.), um seine Bonusziele möglichst schweisslos zu erreichen. – Ein weiterer Manager, dem die Firma im Innersten völlig am Arsch vorbeigeht … und die Schweiz sowieso.

  15. Tja die Zeiten für das Schweizer Erfolgsmodell werden schwieriger. Blackrock hat viel Einfluss und das bessere Näschen! Schweiz ade

    • Mehr Einfluss genügt, um einen Auftrag zu ergattern. Man schickt auch verkaufspsychologisch geschulte Leute zum CEO. Die Internen können nicht mithalten.