Saint Gobain – Mit dem Kopf gegen das Bauchgefühl

Diese Woche kaufe ich Saint Gobain, eine Aktie, die mein Videoeditor Milos für mich ausgewählt hat. Saint Gobain ist für mich eigentlich ein rotes Tuch. Das französische Konglomerat will das Schweizer Juwel kaufen: Sika – ein langjähriger Kunde meiner Firma.

Ich persönlich finde das falsch; nicht nur deshalb, wie es abgelaufen ist. Das könnte vielleicht noch innerhalb der Schweizer Rechtsprechung sein, es ist aber schlicht und einfach rücksichtslos.

Ich finde den Kauf vor allem falsch, weil diese Mega-Zusammenschlüsse Werte zerstören, wie mir auch Mitarbeiter einer anderen Zementfirma – natürlich nur unter vorgehaltener Hand – schon zugegeben haben.

Ein spannender Fall also: Das Gefühl sagt nein, die Ränge sagen ja. Was soll man da tun? In der Liebe sollten Sie auf Ihre Gefühle achten, bei Aktien hingegen dem Kopf folgen.

Warum ist das so? Unser Gefühl betrügt uns bei Aktien: Erstens werden unsere Gefühle von Ereignissen überschattet, die schon im Aktienpreis enthalten sind. Warum wohl Saint Gobain so günstig ist? Vielleicht gerade deshalb, weil sie bei Sika einen Fehler machen.

Noch schlimmer ist aber der zweite Grund: Wir lassen uns von der Vergangenheit blenden. Wir kaufen Aktien gerne dann, wenn alle davon schwärmen. Aber gerade dann sollte man die Aktien nicht kaufen, denn wenn alle sie hochjubeln, sind sie teuer.

Und was passiert wohl bei Saint Gobain? Vielleicht übernimmt am Ende sogar das Sika Management die Führung bei Saint Gobain, wie es damals bei der SBG und dem Bankverein geschah. Das wäre dann vielleicht sogar ein gutes Zeichen.

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

3 Kommentare zu “Saint Gobain – Mit dem Kopf gegen das Bauchgefühl

  1. Was Sie im Kopf haben, habe ich nicht einmal im Bauch.
    Zykliker während einer Blasenbildung auf zentralbank-basierenden Höchstständen zu kaufen ist eine Lotterie-Entscheidung.
    Das sollte Ihnen ihr Kopf diktieren.
    In einem artifiziellen, monetär geprägten Umfeld kann es immer wieder zu Totalabstürzen wie bei Banken (Credit Suisse, UBS, DB, Commerzbank) oder Versorgern (RWE, E.on) kommen.
    Die Frage sollte sein, wer hier der nächste ist, und die zyklischen Werte sind heisse Kandidaten für einen Absturz.
    Schauen Sie sich ihre Meyer-Burger Position in Ihren Portfolio an: 90% Verlust löschen die Gewinne ihrer zehn besten Gewinnerwerte aus.

  2. Saint Gobain und Sika sind eigentlich klassische Beispiele dafür, daß man mit zyklischen Unternehmen erworben am Ende einer Krise bis zum Ende des Booms hohe Übergewinne erzielen kann:

    http://www.finanzen.net/aktien/Saint-Gobain-Aktie

    http://www.finanzen.net/aktien/Sika-Aktie

    So jedenfalls von 2003 bis 2007, als Saint Gobain vom Bauboom auf diversen Märkten Europas und den USA profitierte:

    http://www.saint-gobain.de/download/download/104_pm_25jan2007.pdf

    Seit der letzten Rezession 2009 konnte Saint Gobain jedoch an den bisherigen Erfolg – im Gegensatz zu Sika – wegen wirtschaftlicher Krisen in verschiedenen Absatzmärkten nicht mehr angeknüpfen:

    http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Franzoesische-Baustoffkonzerne-stecken-in-der-Krise-1972848

    So wurden Umsatz und Profitabilität des letzten Boomjahres 2007 seither nie mehr wieder erreicht:

    http://financials.morningstar.com/ratios/r.html?t=SGO&region=fra&culture=en-US

    Heute sind wir am Ende eines im wesentlichen durch nie gekannte Markt- und Preisverzerrungen der großen Notenbanken erzwungenen Booms.

    Wer heute quasi zu langjährigen Spitzenkursen kauft, sollte zumindest eine Idee haben, woher zukünftiges Wachstum von Umsatz und Gewinnen resultiren wird.

    Da das Mangement von Saint Gobain wohl vor ähnlichen Problemen steht, aus eigener Kraft jedoch nicht mehr wachsen kann, handelt es ähnlich wie erst kürzlich das von Amazon: wenn ein großes, mäßig profitables Unternehmen ein kleineres, hoch profitables Unternehmen zu den geringen Zinskosten im aktuellen Niedrigzinsumfeld kauft, steigen Gewinn und Umsatz des sich danach ergebenenden Konglomerats.

    Das Risiko der Transaktion besteht allerdings darin, daß die Gewinne des übernommenen Unternehmens nicht dauerhaft sind und so auf lange Sicht zu viel bezahlt wird. Man kann sich beispielsweise fragen, warum das Management von Saint Gobain diese Idee nicht bereits vor 5 Jahren hatte, zumal Sika damals für nur 1/3 des heutigen Preise zu erwerben war.

    Beispielsweise lebte Sika in der jüngeren Vergangenheit nicht schlecht vom schweizer und deutschen Bauboom, die sich in der bisherigen Form jedoch kaum fortsetzen werden.

    Bei einem Unternehmensverkauf macht einer immer das bessere Geschäft. Und dies muß nicht unbedingt der Käufer sein.

    Gerade – wie eingangs schon erwähnt – bei zyklischen Branchen, erworben am Ende eines langjährigen Booms zu langjährigen (Allzeit-)Höchstkursen.