UBS: Blessing kracht – Jetzt Commerzbank-Kauf?

Gruppe gewinnt zweistellig, Schweiz säuft um 18 Prozent ab – Minuszins als Ausflucht des Chefs – Will er seine Ex-CoBa kaufen?

Martin Blessing war vor einem Jahr als neuer Crack zur UBS gekommen. Als Deutscher übernahm er die Sparte Schweiz.

Nun zeigen sich erste Resultate der eigenartigen Verpflichtung. Sie sind desaströs.

Während die UBS als Ganzes heute zweistellig zulegt, verliert Blessing ebenso zweistellig. Der Gewinn seiner Schweiz-Sparte ist von April bis Juni um 18 Prozent eingebrochen.

Nur ein Ausrutscher in einem einzigen Quartal? Danach sieht es nicht aus. Blessing hat mit seiner UBS Schweiz seit Januar weniger verdient. Das Minus beim Gewinn im ersten Halbjahr summiert sich auf 8 Prozent.

Der Kontrast könnte kaum grösser sein. Blessings interner Hauptrivale Jürg Zeltner schaltete von Januar bis Juni zwei Gänge hoch. Sein zuvor dümpelndes Private Banking legte um 14 Prozent zu, inklusive USA waren es 17.

Blessing crasht also – und das in einer Phase mit boomenden Börsen, Immobilien auf Höchststand und wachsender Schweizer Wirtschaft.

Man reibt sich die Augen. Der bekannte Manager hat einen regelrechten Fehlstart hingelegt. Er liefert damit eine Steilvorlage für jene Kritiker, die in seiner Wahl zum Schweiz-Chef einen Fehler sahen.

Blessing war schon bei der Commerzbank umstritten. Kaum war Blessing im Frühling vor einem Jahr aus dem Hause, folgte eine riesige Sanierungsübung mit 9’000 Entlassungen und Stellenreduktionen.

Auf einen Gesamtbestand von 45’000 bedeutete das jede fünfte Stelle.

Blessing war da längst auf und davon. Er fand ein warmes Plätzchen in der Schweiz – Thanks to a Little Help from his Friends.

Vor allem von einem: Axel Weber. Der grosse Präsident der UBS und Martin Blessing sind nicht nur Landsleute aus dem nördlichen Nachbarstaat. Sondern auch enge Vertraute seit Jahren.

Weber und Blessing koordinierten die staatliche Rettung der Commerzbank in der grossen Finanzkrise.

So kam Blessing trotz seinem mageren Leistungsausweis in Deutschland zum Spitzenjob in der Schweiz.

Der Sprung machte keinen Sinn. Als Deutscher von einer maroden Commerzbank zum Chef der Inland-Sparte der grössten Schweizer Bank – widersprüchlicher könnte eine Personalie kaum sein.

Nun ist es sehr schnell gegangen. Die UBS Schweiz geriet unter Blessings Führung von voller Fahrt in tiefe Misere.

Noch 379 Millionen Franken verdiente die Division im abgelaufenen Quartal. Im Vergleichsquartal des Vorjahres, als noch Lukas Gähwiler auf dem Chefstuhl sass, waren es 463 Millionen.

Blessing versucht den Einbruch schönzureden. Er gibt den anhaltenden Minuszinsen und höheren Kosten für das Kapital die Schuld am Rückgang. Gleichzeitig frohlockt er über „ein Rekordhoch“ bei Neukunden.

Der Gewinnrückgang sei milder als im Frühling befürchtet, sagt ein UBS-Sprecher.

Effektiv muss Blessings UBS Schweiz mehr für eine nächste Krise vorsorgen. Deshalb steigen die Kapitalkosten.

Doch zentral ist anderes. Blessing ist ein Theoretiker, der wenig Ahnung von der Schweiz hat. Zwar hat er in St. Gallen studiert, danach verlief seine Karriere aber klassisch für einen heutigen Spitzenbanker.

Er ging zu McKinsey, dann ins Banking, tätigte Übernahmen in der Boomphase, als die Preise durchs Dach gingen.

Um dann mit seinem Unternehmen an der Wand zu landen, worauf eine jahrelange Sanierung nötig wurde.

Das Problem von Blessing ist, dass er die zentralen Arbeiten seines Jobs nicht selbst erledigt, sondern diese an seine Beraterfreunde delegiert. Als Erstes holte Blessing McKinsey ins Haus.

Das geht ins Geld. Die UBS gibt im Kleingedruckten zu, dass die „strategischen“ Arbeiten Unsummen verschlingen.

Während Blessings Berater Folien-Orgien zur digitalen Bank zelebrieren, rückt sich der Chef medial ins Scheinwerferlicht. Mit Frauen. Der Anteil des weiblichen Geschlechts soll in seiner UBS Schweiz zunehmen.

Zielgruppengerecht wählte Blessing für seine Botschaft die „Schweizer Illustrierte“. Homestory im Promi-Heftli, während das Business an der Bahnhofstrasse kollabiert – so das Fazit nach einem Jahr Blessing.

Die Krise im eigenen Laden könnte Blessing zusammen mit Freund Weber dazu animieren, einen Ausweg durch eine „Big Story“ zu suchen.

Den Kauf der CoBa.

So heisst Blessings Ex-Firma, die Commerzbank, in der Branche. Wenn diese dereinst saniert ist, könnte die UBS sie attraktiv für einen Kauf finden.

Es wäre der Coup der Schweizer Grossbank auf dem europäischen Kontinent.

Zu welchem Preis, steht auf einem anderen Blatt.

Kommentare

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  1. Immer wenn ich lese, dass ein solcher Topmanager McKinsey (oder andere Berater holt) frage ich mich, für was kriegt er seinen Lohn. Es ist doch genau der Job von solchen Führungspersonen eine Strategie zu entwickeln und umzusetzen.
    Zum holen von McKinsey hätte auch eine Sekretärin gereicht!?

  2. Sehr geehrter Herr Hässig

    Wir haben bereits früh in der Öffentlichkeit darauf hingewiesen, dass Negativzinsen und erhöhte Kapitalkosten das Ergebnis des Schweizer Geschäfts verstärkt negativ beeinträchtigen werden. Wir haben im April gesagt, dass wir für das zweite Quartal einen bereinigten Vorsteuergewinn von etwa CHF 350m erwarten. Tatsächlich sind es nun rund CHF 380m geworden.

    Von diesem Marktumfeld sind auch andere Banken in der Schweiz betroffen. Das sind Faktoren, die Herr Blessing nicht beeinflussen kann. Er kann allerdings das Geschäftswachstum beeinflussen – und das hat er zusammen mit allen Mitarbeitern von Personal & Corporate Banking getan. Das Resultat? Das Wachstum des Geschäftsvolumens im Privatkundengeschäft war seit zehn Jahren nicht mehr so hoch wie im ersten Halbjahr, und die Anzahl der Neukunden stieg auf ein Rekordhoch. Auch das Corporate Banking ist erfolgreich unterwegs. Von „Ausflüchten“ oder „Schönreden“ zu reden ist falsch.

    • Liebe UBS-Medienstelle, etwas mehr Gelassenheit stände Ihnen gut zu Gesicht. Ich persönlich finde Ihre äusserst defensive Replik auf den heutigen IP-Beitrag einfach nur penibel und gehe davon aus, dass diese auf Wunsch von Herrn Blessing erfolgt ist. Eigentlich wäre es genau Ihre Aufgabe, besagtem Manager zu erklären, dass auf seiner Salär- und Bonusstufe persönliche Befindlichkeiten zurückstehen müssen, unabhängig davon, ob eine Medienschelte gerechtfertigt ist. Dieses dünnhäutige Selbstverständnis ist angesichts der grossen personellen Opfer, die mit diesem Halbjahresergebnis einher gehen einfach nur widerlich. Sie sollten sich schämen.

    • Zum ersten Mal lese ich im Zusammenhang mit einer Schweizer Bank einen Begriff, welcher in Deutschland in der (alten) Bankenszene oft verwendet wird. Was er genau bedeutet, konnte mir bis jetzt noch niemand sagen: Geschäftsvolumen*, dies bei einer Bank……

      Siehe mein Beitrag: die Blessing’sche Legendenbildung setzt sich bei der UBS fort……

      *der Gewinn ist es offenbar nicht!

  3. Hoffentlich erfährt die UBS Schweiz nicht dasselbe Schicksal wie die CoBa unter dem Gespann Weber/Blessing. Dass es im hoffnungslos overbankten DE kein müder Euro zu verdienen gibt, haben schon andere zugewanderten Banker erkannt und wird Ermotti hoffentlich davon abhalten, bei der CoBa zuzugreifen.
    P.S. Wie es im frühen Aktienhandel scheint, kann Thiam den Schwarzen Peter an Ermotti weiterreichen.

  4. Ist es nicht so, dass die Nachfolger zuerst die faulen Früchte ihrer Vorgänger ernten müssen? Folgt darauf nicht zuerst das zuvor verschlampte Aufräumen, damit man wieder in eine bessere Zukunft schauen kann? Ich habe mit unseren Deutschen Nachbarn durchwegs positive Erfahrungen gemacht. Sie stehen mir mit ihrer Mentalität und Sprache wesentlich näher als andere Mitmenschen obwohl ich bis jetzt auch mit Menschen anderer Nationen keine schlechten Efahrungen vorweisen kann. Wir alle haben unsere Marotten. Also bitte fair bleiben und den Herrn Blessing nicht gleich in die Pfanne hauen. It doch super, dass es mit der UBS wieder Berg auf geht.

  5. Zur Personalie Blessing habe ich an dieser Stelle bereits schon einmal geäussert. Das Desaster, welches es als Vorstand und später CEO bei der Commerzbank angerichtet hat, sucht seinesgleichen. Zusammen mit dem „kleinen Müller“, der ein ganz Grosser werden wollte (er kann fast alles, auch nicht richtrig eingesezte Sturmgewehre beurteilen) haben sie Milliarden von Steuergeldern in den Sand gesetzt – dies mit der gebildeten Legende, dass ja die Dresdner Bank übernommen werden musste… Aber eben: die Bundesbank-Nomenklatura sorgt für ihre gefallenen Schäfchen, wenn es dann noch ein Job bei der UBS ist –
    noch besser. Was mich aber immer gewundert hatte, ist dass die Personalie „Blessing“ z.B. im VR der UBS nicht verhindert wurde. Ich bin sicher, dass es innerhalb der UBS talentierteres Eigengewächs gibt/gab um die UBS Schweiz zu führen. Hätte er sich mit seinem Palmares anonym bei der UBS beworben, z.B. als Teamleiter Finanzierungen, hätte er nicht mal seine Unterlagen zurückbekommen, allenfalls ein automatisiertes Absageschreiben – aber bewerben tun sich ja Home-Story-Manager nicht, sie werden gesourct…
    Da ja Herr Blessing Meister der Legendenbildung ist, bin ich ja gespannt auf die Tonalität des ersten „Plus“ bei der UBS CH! Z.B. runtergewirtschafteter Laden, ohne Vision und Zukunft übernommen, die Story gedreht und auf die Erfolgspur gebracht, alles dank excellenter Managementkompetenz von Aussen…. Das Problem der Aktionäre ist der Basiseffekt: minus 18% ist mehr als plus 18%….

  6. Die Leitung der Schweiz-Sparte an Blessing zu übertragen ist ein schlechter Witz und gründet einzig auf seinem kumpanen Verhältnis mit unserem VRP. Offenbar wird ein UBS-Manager nur noch daran gemessen, wie viel Zeit zwischen seinem Arbeitsantritt und der Verpflichtung der unsäglichen McKinsey-Heuschrecken verstreicht. Ein Armutszeugnis sondergleichen. Blessing ist ein aufgeblasener Typ, der in kürzester Zeit durch seine mangelhafte Kompetenz von sich Reden gemacht hat. Es bleibt zu hoffen, dass die Episode Blessing nur von kurzer Dauer sein wird.

  7. War es nicht (B)Lessing, der sagte „Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht…“? Nein – ich glaub‘ es war doch jemand anders, aber irgendwie stimmt’s trotzdem!

  8. Was Deutsche mit Schweizer Geld und Schweizer Firmen anstellen, ist ja allgemein bekannt. Bitte sagt mir eine erfolgreiche Person oder Firma?

    • @Sieber darauf wollen Sie wohl keine Antwort haben ,aber klar, Deutschen Hasser Bashing und dann im grossen Kanton billig einkaufen oder Urlaub machen. Ach so, vielleicht kennen Sie z.B. Kühne und Nagel oder Clariant oder Swiss oder Nestle oder oder oder??????

    • Detlef Trefzger / Kühne und Nagel
      Stefan Lippe / Swiss Re
      Maucher / Nestle
      Mark Schneider / Nestle
      Carsten Schloter / Swisscom
      Oswald Grübel / UBS
      Familie von Finck / SGS
      Familie Wilsdorf / Rolex
      Familie Jacobs / div. CH-Firmen
      Swiss (von den Schweizern in den Sand gesetzt, unter den Deutschen auferstanden)

      Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen!

    • Grüezi Georg,

      liefern Sie doch mal Gegenbeispiele bei denen die Ach-so-guten Schweizer Manager im Ausland etwas bewegt haben. Gerne auch in der Bankenwelt…

      Den ersten Gescheiterten, den Sie nicht mehr Aufzählen müssen ist der Josef (Ackermann) und seine herausragende Performance bei der Deutschen Bank. Als nächstes könnten Sie seinen Risikovorstand mitaufzählen, wie hiess der nochmal(?) Bänzinger (wie der wohl an den Posten gekommen ist)……..

      Also mal die Kirche im Dorf lassen, die Schweizer Bankenwelt steht nicht wegen Hrn. Blessing mit dem Rücken zur Wand. Das Schlamassel ist Hausgemacht und wurde, auch auf diesem Blog, schon X-mal diskutiert (#Suchfunktion verwenden -> Antworten finden).

      Herzlichst,
      Gregi

    • Das ist dummes Zeugs, was Du von Dir gibst, Georg, und das sage ich Dir als gebürtiger Schweizer.

  9. McKinsey halt. Ich sag nur: Biber, Swissair, Credit Suisse, Leonteq, Notenstein etc.
    Das ist nur ein konsistenter Leistungsausweis, der sich jetzt bei UBS und Raiffeisen fortsetzt…

    • Man muss das aus einem anderen Blickwinkel sehen: Die Verantwortlichen kaufen sich eine Absicherung im Falle des Versagens. Soll heissen, wenn die reorg scheitert, wars halt McKinsey und nicht die Verantwortlichen in den Instituten. Die Pläne von Beratern könnne ohne ok des Auftraggebers nicht umgesetzt werden. Also im der Händlerspreche, hohe Prämie für den Hedge bezahlt.