Kein Börsencrash, sondern Allzeithochs erwarten uns

Die kleine Weltuntergangs-Stimmung der letzten Tage an den westlichen Börsen sollte uns den Schlaf nicht rauben. Es wird keinen Börsencrash geben, wie die Gurus der Banken und freischaffenden Analytiker es uns vermitteln. Vielmehr werden wir noch in diesem Jahr viel Geld verdienen, weil ein Allzeithoch uns erwartet.

Wer meint, die Nordkorea-Krise des US-Präsidenten und Schaumschlägers Donald Trump sei von Bedeutung, ist einem grossen Irrtum unterlegen. Die USA können sich keinen Angriff auf Nordkorea leisten, weil sie bankrott sind. Der „starke Dollar“ ist immer weniger eine Weltmacht. Wer, wie viele Schweizer auch, auf ihn setzte, hat zuletzt nur Geld verloren.

Die Nordkorea-Krise ist vergleichbar den vielen Taiwan-Krisen, die wir im letzten Jahrhundert erlebt haben, nämlich: viel Lärm um nichts. Die Volksrepublik China hat zuletzt gewonnen. Sie lässt Taiwan blühen, das immer mehr vom Festland-China abhängig ist. In englischen Schulen werden jetzt schon chinesische Textbücher eingesetzt, um Mathematik zu lernen.

Was bedeutet die kleine Börsenkrise der letzten Tage wirklich?

Donald Trump will ablenken von dem, was ihm wirklich wichtig ist, dem „debt ceiling“. Der Steigerung des Schuldenturms der USA, den der US-Kongress Ende September beschliessen muss. Tut er dies nicht, wird die Trump-Regierung handlungsunfähig. Es gibt nicht wenige Abgeordnete und andere Amerikaner, die genau dies wollen. Denke ich an Trump, fällt mir Nikita Chruschtschow ein, der ebenfalls wie ein Trampel die Welt verwirrte.

Diese Unsicherheit ist es, die den Dollar und die Börsen nach unten drücken. Ist diese Hürde übersprungen, ganz wie Donald Trump es braucht, werden die Weltbörsen wieder nach oben rauschen.

Was bedeutet diese extensive US-Schuldenpolitik? Werden mehr Schulden über die jetzt 2,1 Trillionen (zweitausendeinhundert Milliarden) Dollar bewilligt, wird das amerikanische Volk um diesen Betrag zusätzlich belastet. Der letzte Zahler ist der Steuerzahler. Es muss also gelingen, den amerikanischen Steuerzahler in eine zusätzliche Verarmung zu führen, denn niemand sonst ist bereit, dafür gerade zu stehen.

Was bedeutet das für uns Europäer und Schweizer? Die sogenannten Unsicherheiten bis Ende September werden die Trader benutzen, die Börsen hinauf und hinunter zu jagen. Mehr nicht. Die Finanzindustrie verdient an diesem „Big game“ genügend. Gelingt der Coup, woran kein Zweifel besteht, werden die Spielräume für die kommenden zwölf Monate geschaffen, um Geld wie Heu zu verdienen.

Kleine Crashs dienen nur dazu, die schwachen Spieler aus dem Feld zu nehmen, denn das „Big capital“ hat genügend Spielgeld, um daraus neue Gewinne zu schöpfen. Die „Big five“ der IT-Industrie, von Amazon bis Google, haben mehr als 500 Milliarden Dollar auf der hohen Kante liegen, um ihre Muskeln in den Weltmärkten zu zeigen. Viel von diesem Geld ist in Europa gelagert, vor allem auch in Genf, und wartet in Ruhe auf seinen Einsatz. Donald Trump, ein „Gambler“ erster Güte, will es repatriieren, um die US-Wirtschaft anzutreiben. Das wäre, zu welchem Preis auch immer, ein Grosserfolg für ihn und seine Regierung.

Das kommende Allzeithoch sowohl der amerikanischen als auch der europäischen Börsen wird erzielt auf Kosten des Mittelstands, sei es in den USA oder in Europa. Er wird die Risiken tragen. Kommt es zum Zusammenbruch einer regionalen Bank, wird der Staat einspringen, wie er es im Falle der UBS in der Schweiz mit 67 Milliarden getan hat; oder im Falle Griechenlands mit über 350 Milliarden Franken.

Warum? Die „Seriously rich“ werden nicht bezahlen wollen, weder für die USA noch für Griechenland, die bis zu 40 Prozent der Armen werden nicht bezahlen können. Der Mittelstand ist noch lange reich genug, um auch diese Risiken zu tragen und eines Tages zu bezahlen.

Keine Sorge, Trumps „Feuer und Zorn“-Phrase ist Jesaia 66,15 entnommen. Reine Rhetorik. Guam verfügt über THAAD (Terminal High Altitude Area Defense), die jede angreifende Rakete abschiessen wird.

Die Europäische Union ist wieder auf dem aufsteigenden Ast. Die Schweiz glänzt als sicherer Hafen. China wächst, ganz entgegen allen Schwarzmalereien, die wir seit 30 Jahren gewohnt sind. Indien wächst ganz grossartig, mögen die Zahlen auch fragwürdig sein. Sogar Nigeria und Brasilien wachsen wieder.

Was wollen wir mehr? Die Verluste der letzten Tage an der Börse spielen keine Rolle. Das Allzeithoch nähert sich.

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11 Kommentare zu “Kein Börsencrash, sondern Allzeithochs erwarten uns

  1. Herr Stölker…….

    So zahlreich an Jahren und doch so ein N…….

    Also ich habe seit 2009 an die 2 Dutzend Bücher zu Finanzen, Wirtschaft und Finanzgeschichte gelesen.
    Und das alles lässt bei mir keinen anderen Schluss zu, das seit vor 2500 Jahren die alten Griechen erste Schritte in dem Metier unternahmen, noch nie ein solches Geldexperiment gelang.
    Es gab sicher 1 – 200 Fälle und immer scheiterten sie..

    Immer scheiterte es auf die eine oder andere Weise und immer musste jemand dafür Büssen, meist die Masse des Volkes.

    Ich denke man kann einen Crash sehr lange hinauszögern ……wenn sich alle einig sind.

    Aber was auch kommt, es endet ja nie nur in einem Crash, nein auch eine Währungsreform und anderes ist für die Masse die Bürger immer fatal.

    Ich schwöre ihnen aber eines.
    Sollte die Politik und das Finanzwesen meine Altersvorsorge ruinieren, werde ich mir die dort zurückholen wo es sie dann noch gibt und es werden noch 1 Million andere das selbe tun.

  2. Klarstellung:
    Eine Milliarde sind 1000 Millionen (in den USA 1 Billion).
    Eine Billion sind 1000 Milliarden (in den USA 1 Trillion).
    Eine Trillion sind 1000 Billionen.
    Eine Trilliarde sind 1000 Trillionen.
    Für uns Europäer haben die USA gut 19’500 Milliarden USD Schulden.
    Ab September wohl mehr als 20 Billionen!
    Das kann nie zurückbezahlt werden, also müssen Wege für die Verwässerung der Schulden gesucht werden und das macht die Politik täglich und mit Erfolg.
    Der Crash an den Börsen wird davon nicht beeinflusst.

  3. Alles ist falsch und nichts ist richtig
    Wer schreibt …unmöglich, …nie, alles falsch, …
    lernte nichts aus der Geschichte, hat die Natur nicht begriffen, und gehört zu denen die alles was nicht bewiesen ist als Blödsinn werten.
    Es ist alles möglich. Ein Crash kommt von dort wo man es nicht erwartet. Genau so kann es sein, dass ganz lange kein Crash kommt. Es kann aber auch sein, dass irgendwo ganz dumm und durch viele falsche Entscheide ein Krieg ausbricht wegen einer Nebensache. Hinterher sind alle gescheiter oder eben nicht wie die Geschichte zeigt. Alle Spekulationen sind nur Szenarien mit einer Wahrscheinlichkeit aber Niemand weiss es wirklich.

  4. Wenn man die zukünftige Konjunkturentwicklung an der am Ende eines langjährigen Booms stattfindenden Initiiertung teuren Repräsentationsbauten und rekordhohen Ablösen für Spitzenfußballer festmacht, ist der Zyklus nun wohl zu Ende:

    http://www.building.co.uk/skyscraper-glut-continues-as-2016-sets-new-record/5085702.article

    http://media1.faz.net/ppmedia/aktuell/wirtschaft/1929727135/1.5150639/format8_3-HP-Ressort/hq/doppelt-so-viel-wie-fuer.jpg

  5. Ich finde Ihren Kommentar absolut zutreffend – vielen Dank. Ihre Prognose kann so zutreffen, wie die Prognosen anderer auch. Wir werden sehen. Auf jeden Fall wird die Zitrone auf Kosten des Mittelstandes ausgepresst. Nur bemerkt dieser das nicht, weil er falsch informiert und abgelenkt wird.

  6. Nun ja, sowohl die BIP- als auch die Unternehmenszahlen sind immer stärker geschönt.

    Und trotzdem nicht überzeugend.

    Dazu steht auch im Euroraum eine Zinswende an.
    Falls das wirklich kommt, fragt sich wie lange die SNB die Minuszinsen so belässt.
    Die FED will Unmengen an Bonds verkaufen.

    Unter diesen Umständen soll es zu – nicht nur kurzfristigen – Höchstständen kommen?

    Also ich glaube nicht daran.

  7. Die ganze Sichtweise ist falsch:

    So wie Japan bereits seit fast 30 Jahren vom einstigen Innovationsmotor der Weltwirtschaft zu einer Art führerlosem Boot geworden ist, was im wesentlichen mit sich selbst beschäftigt ist und im Rahmen der Weltkonjunktur bzw. allegorisch den Fluten schwankt, ist der Westen nun auch an diesem Punkt angekommen und zukünftig abhängig vom wirtschaftlichen Geschehen der tatsächlich noch deutlich wachsenden Nationen wie China, Indien und zukünftig Afrika. Vor 30 Jahren waren die wertvollsten Unternehmen und Immobilien international alle in Japan zu finden. Man vergleiche mit heute!

    Man kann den Anleihenmarkt kaum weiter aufblähen, den Immobilienmarkt und zukünftig auch nicht mehr den Aktienmarkt vergleichbar wie in Japan trotz antizyklischer ETF-Käufen der Notenbank dort.

    Die Null- und Niedrigzinspolitik seit der letzten Wirtschaftskrise ab 2007 war der letzte Joker, der nun ausgespielt ist.

    Eine Rückabwicklung dieser Markt- und Preisverzerrungen wieder hin zu normalen Kapitalmarktverhältnissen ist unmöglich, da in allen Bereichen der Kapitalmärkte große Verluste anfielen, reihenweise unproduktive Unternehmen insolvent würden, die nur durch die Niedrigzinsen noch am Leben erhalten werden, weil sie ihre Kapitalkosten nicht mehr verdienen müssen und die vielen auf der Kippe stehenden Banken speziell in Südeuropa verlören auf der Stelle ihr Eigenkapital.

    Ich bin gespannt, ob Großbritannien nach dem Brexit und dem Verlust des Banken- und Versicherungswesens als nationale Schlüsselindustrie mittelfristig nicht wirtschaftlich abrutscht in einer Weise, wie es in den 70er Jahren bereits schon einmal geschah. Alte Backsteinhäuser dort weiter zu steigern macht angesichts der wirtschaftlichen Zukunftsaussichten und der seither eingetretenen Währungsverluste kaum noch Freude.

    Der Westen hat schlichtwegs abgewirtschaftet!

    Das läßt sich auch mit den bisherigen Notenbanktricks nicht weiter überdecken.

    Man kann – wie wie in den vergangenen 30 Jahren in Japan auch – in einer solchen Lage am Kapitalmarkt trotzdem Geld verdienen, indem man in den Haussephasen investiert ist und die Baissephasen ausläßt und längerfristig in junge, stark und profitabel wachsenden Unternehmen investiert (vergleichen Sie – klick – wieviele der heute führenden Unternehmen es vor 30 Jahren noch nicht gab).

  8. Herr Stöhlker, ich schätze Ihre an sich brillianten und mutigen Analysen zum Weltgeschehen, sei es politischer oder wirtschaftlicher Natur. Aber bitte überlassen Sie das Prognostizieren von Börsenbewegungen anderen. Nach 8 Jahren Hausse und Bildung eines Tripple Tops (2000/2007/2017) analog zum Tripple Bottom (1932/1942/1949) stehen die Chancen für einen bevorstehenden, länger andauernden Bärenmarkt hoch. Die Politik spielt dabei normaler Weise nicht so eine wichtige Rolle; ist eher Trittbrettfahrer, doch dieses Mal dürfte es anders sein. Ich lehne mich jetzt etwas aus dem Fenster und wissen kann ich es auch nicht, aber ich gehe mal davon aus, dass die nächsten 50% auf der Down-Side sind.

    • Ich sehe es genau gleich, bis auf das kleine Risiko, dass man Trump tatsächlich eins auswischen will und die Schuldengrenze nicht anhebt, dann könnte es einen grösseren Abverkauf geben. Das Risiko ist aber eher gering. Ansonsten ist klar, Korea ist nur ein Ablenkungsmanöver.