Falcon-Spitze verwaist: Wie weiter?

CEO weg, Präsident weg, jetzt auch wichtigster operativer Mann weg: Was haben die Araber mit ihrer Swiss Private Bank vor?

Nach Chef Walter Berchtold und Präsident Christian Wenger hat nun auch Arthur Vayloyan als dritte zentrale Figur bei der Falcon gekündigt, wie heute der Tages-Anzeiger meldet.

Die Führung der Privatbank, die den Herrschern im arabischen Abu Dhabi gehört, ist somit weitgehend verwaist. Weitere von Vayloyan und Berchtold geholte Banker könnten bald gehen.

Damit stellt sich die Frage immer drängender, was die Araber mit ihrer Falcon vorhaben? Werden sie versuchen, sie zu verkaufen? Gibt es ein sanftes Entschlafen? Schreitet die Finma ein?

Oder kommt es wie von der Falcon in dieser Turbulenz-Woche versprochen zu einer neuen Strategie, die im Oktober lanciert werden soll?

Aus Middle East ist nichts zu erfahren. Letztes Jahr gab es noch ein Theater, als hier von einer möglichen Transaktion die Rede war. Auf Klagen einigte man sich.

Doch möglicherweise war schon damals das Problem, dass die Führung in Zürich so wenig weiss wie Aussenstehende, was bei den Arabern in Abu Dhabi wirklich vor sich geht.

CEO Berchtolds Abgang mit Getöse, ein zerknirschter Präsident Wenger, der ebenfalls sein Mandat abgibt, nachdem er seit 2005 bei der Falcon war, und jetzt die Sofort-Kündigung von Vayloyan:

Das deutet auf einen völligen Vertrauensbruch hin. Die Schweizer, die nach dem Malaysia-Korruptionsskandal und dem Fast-Lizenzentzug durch die Finma an den Neuanfang glaubten, sehen sich getäuscht.

In Gesprächen wird klar, dass sie völlig im Dunkeln tappen. „Wir wissen nicht, was die Araber vorhaben“, sagt einer.

Ebenso könnte es sein, dass dies schon immer so gewesen ist. Also letzten Herbst, als die Wogen wegen eines Artikels hochgingen. Ebenso früher schon, als die Araber immer den Präsidenten stellten.

Und einer davon dann plötzlich tief im Malaysia-Strudel landete und in seiner Heimat Abu Dhabi dann sogar verhaftet wurde.

Dann gibt es noch den Grossinvestor Lars Windhorst. Es war lange eine tonangebende Figur hinter den Kulissen. Seine Sapinda-Holding hatte enge Beziehungen zu Middle East-Leuten und Falcon.

Windhorst geriet in den letzten Monaten tief in Prozesse. Zuvor hatte er versprochene Zinsen auf Schuldpapiere nicht termingerecht bezahlt.

Bei der Falcon galt Windhorst lange als wichtiger Kunde mit grossem Vermögen und vielen Transaktionen. Das führte dazu, dass die Falcon Private Bank viel ihres Ertrags mit ihm verdiente.

Unter der neuen Führung mit „Wädi“ Berchtold als CEO und Christian Wenger als Präsident geriet Windhorst aufs Abstellgleis. Man hörte aus der Falcon, dass er nicht mehr bedeutend wäre.

Anders ein weiterer Prominenter mit umstrittenem Track-record. Die Rede ist vom Österreicher René Benko, der vor wenigen Monaten gross in der Schweizer „Bilanz“ erschien.

Benko galt bei den Falcon-Verantwortlichen als zuverlässiger Geschäftsmann, obwohl er einst in einem Gerichtsverfahren in seiner Heimat verurteil worden war.

Doch unter dem Strich wurde es knapp mit Kunden. Die Windhorst-Einnahmen fehlten, ansonsten war das Private Banking der Falcon nie nachhaltig profitabel, wie ein Insider sagt.

Der Tages-Anzeiger schreibt denn auch heute von 8 Millionen Halbjahresverlust. Letztes Jahr betrug der Verlust gar über 100 Millionen, er war im Zuge von Malaysia entstanden.

Möglicherweise wollen die Araber nun die Reissleine ziehen. Das würde erklären, warum sie auf Berchtolds und Wengers Forderungen nicht eingegangen sind.

Wie genau sich ein solches Manöver abspielen könnte, bleibt abzuwarten. So oder ist klar, dass die Falcon, die vermeintlich neu beginnen kann, mit dieser Woche wieder tief in der Krise steckt.

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

12 Kommentare zu “Falcon-Spitze verwaist: Wie weiter?

  1. Frage eines Laien:

    Besteht bei all dem Chaos Gefahr für Kundengelder?

    Ich höre hin und wieder die Araber könnten die Geduld verlieren und nix mehr nachschiessen..

  2. Mit dem Malaysia Skandal verschwindet auch diese Bank von der Finanzwelt, eine weniger wo sog. Blender CEO von einer Bank zur anderen hüpfen, um sich neu für kurze Zeit zu vergolden.

  3. Arthur auch weg?! Als sein Engagement damals angekündigt wurde, dachte ich, die Araber scheinen nun mit der grossen Kelle anzurühren. Das wäre das richtige Umfeld für AV, mit vielen willigen und gescheiten Angestellten und tiefen Budgettöpfen. So eine Schmörzelibank ist nicht so seine Sache. Natürlich wird ihn der Neue gestresst haben, aber eigentlich waren auch Wädi und er nicht wirkliche Freunde. Diese Alltagstrübsal, und jetzt auch noch der Chefwechsel war wohl zuviel. Wird er nochmals irgendwo zupacken, oder war’s das? Tragisch dennoch, und symptomatisch für die Branche.

  4. Verstehe ich nicht. Durch Anbindung an das Abu Dhabi-Herrscherhaus ergäben sich wahnsinnige Verdienstmöglichkeiten durch den privilegierten Zugang zu vielen sicheren „Private Equity“-Deals. Das ist zwar mit viel Aufwand und gefordertem Know-How verbunden (wohl bei Wädli etc. nicht vorhanden, und auf dem Golfplatz etwas „bullshitten“ ist eh schöner, cooler und bequemer), aber würde sich lohnen und wäre eine relevante Differenzierung zur langweiligen 0815-CH-Bankkonkurrenz, die orientierungslos auf völlig ausgetrampelten Pfaden agiert. So eine zweite Partners Group für Privatkunden und Assetmanager mit einer anderen regionalen Ausrichtung (ME, Asien, Afrika) mit Leuten, die politisch und ökonomisch in der Region im Driver’s Seat sitzen. Ich weiss zwar, dass die Leute aus Abu Dhabi für Europäer ohne weltläufige Erfahrung schwer zu verstehen sind und viele und solide Nerven erfordern, aber ein fähiger Mann (Keller mit seinem 0815-CS-Background ohne wirkliche „Schlachterfahrung“ wohl weniger) könnte da einiges auf die Beine stellen.

    • @Grüsse aus der Wüste: Ja, lebe sogar seit Jahren im ME! – Natürlich muss man hier das Meiste selber machen, sonst klappt es nicht, da die Mehrheit der Leute hier ziemlich inkompetent, unpräzise und unzuverlässig sind. Termintreue ist hier ebenfalls ein Fremdwort. Braucht wirklich starke Nerven und hohe Frustrationstoleranz. Ist beides vorhanden, kann man etwas machen. Arbeitet man mit den richtigen Leuten/Familien zusammen (die, die wirklich etwas zu sagen haben) gehen eben auch Türchen auf, die sehr gute Geschäftsmöglichkeiten bieten. Das ist natürlich mühsamer als im normalen Swiss Banking im Massanzügchen ein bisschen zu schauspielern, zu lunchen (auf Spesen) und eine Schaar von Stäblern und Wasserträgern zu beüben und dann Ende Jahr bzw. jeweils im Frühling neben grosszügigem Grundsalär noch einen irgendwie zugesprochenen Bonus abzuholen.

  5. Na ja, Berchtold wollte wohl eine kalkulierte „Gewinnbeteiligung“ auch ohne Gewinn. – Der Mann lebte bisher immer in einer CS-„Matrix“, wo man risikolos, ohne Einsatz persönlicher Mittel, besser als ein sehr sehr erfolgreicher, gestandener Grossunternehmer abkassieren konnte (da auch Abkassieren bei Verlust garantiert war), bloss indem man in der richtigen Seilschaft war, dem richtigen Vorgesetzten in den Allerwertesten kroch, Konkurrenten intern irgendwie ausmanövrierte, sich irgendwie „cool“ präsentierte/schauspielerte und vielleicht noch zur rechten Zeit am richtigen Ort war…und v.a. zu der Clique (GL plus VR) gehörte, die die saftigen Compensation-Pakete für die Clique selbst (mit-)bestimmte – mit Hilfe des Argumentations-Deckmäntelchens der USA-fokussierten Compensation-Berater mit ihrem „konkurrenzfähig auf dem globalen Talent-Markt“-Mantra bzw. -Bullshit, die man für die Beratung üppig bezahlt, damit diese Compensation-Berater ja so schön „unabhängig“ beraten und berichten können… – Auf Wädi und andere hat man natürlich in NY, London, Singapore, HK seit Jahren schmachtend gewartet. – Na ja, vielleicht ist das Spiel für solche Figuren bald einmal aus.

  6. Die Tage von Falcon sind wohl gezählt wie auch für Notenstein. Gerüchte sagen, dass Raiffeisen die Notenstein integriert, sobald die Avaloq Plattform bei Raiffeisen live ist. Falcon wird wohl in einer anderen Privatbank aufgehen. Angeblich laufen Gespräche mit EFG.

    • Blödes Geschwätz, Beat. Ich weiss aus gut unterrichter Quelle, dass die PB-affine Vontobel sowohl Falcon als auch Notenstein übernehmen wird, schliesslich betont Zeno Staub immer wieder seine Rolle als aktiver Konsolidator.

    • Ja vergiss es Maulwurf. Die Falcon ist nicht rentabel.
      Und hat auch die Staatsanwaltschaft am Nacken.. Wer möchte schon Problem kaufen? Da ist vieles Schiefgelaufen dort wo die Araber Hauptaktionäre sind ist es meistens so.. Sie haben keinen Schimmer von Longterm Business… Sondern vielmehr wie man die Zitrone noch auspresst.