UBS lagert Filetstücke aus: Luxemburg, Indien

Global Custody ist zentral für PKs und Firmenkunden – Nun lagert die Bank aus nach EU, Polen, Indien – Kundendaten ins Ausland.

Die UBS ist für Schweizer Profikunden die klar wichtigste Bank des Landes. Deshalb ist der Bereich Global Custody von zentraler Bedeutung – für den gesamten Finanzplatz.

Ausgerechnet dort setzt die UBS nun das Messer tief an. Sie verlagert wichtige Aufgaben ins Ausland und zum Teil sogar an Partnergesellschaften.

Die Bank bestätigt, dass sie die Spezialisten für Steuerrückforderungen nach Luxemburg verschiebt und dort einem spezialisierten Anbieter überträgt.

Betroffen ist laut Stimmen aus der Bank „ein gutes Dutzend“ Mitarbeiter. Diese sassen bisher in Zürich, neu braucht es sie nicht mehr.

Das Dutzend UBS-Spezialisten hatte einen guten Job in der Limmatstadt. Nun landen die Stellen im Grossherzogtum im EU-Raum.

Es ist der Anfang einer grossen Zerlegung im Bereich Global Custody, der für die UBS und für ihre Grosskunden derart wichtig ist. Sie bietet diesen damit einen One stop shop an.

Das Ziel der Verlagerung ist immer dasselbe: tiefere Kosten. Auch der Weg dazu ist nicht neu. Er führt einmal mehr über Auslagerungen und die Verschiebung von Jobs ins Billigausland.

Wie aus der UBS zu höhen ist, werden demnächst weitere Stellen aus Global Custody in der Schweiz gestrichen und im Ausland neu angesiedelt.

Es geht um „Massenarbeiten“. Geplant ist, dass diese in Polen – dort hat die UBS in Krakau ein grosses Servicecenter – und nach Indien verlagert werden.

Betroffen seien „Investment Reporting“ und „Accounting“, heisst es in der Grossbank. Diese Aufgaben seien für die Bank von untergeordneter Bedeutung.

In Zürich und in der Rest-Schweiz wolle man, dass sich die hochbezahlten Spezialisten auf die hochwertigen und anspruchsvollen Aufgaben konzentrieren würden.

Man könne mit der Auslagerung diese teuren Mitarbeiter in der Hochpreis-Heimat Schweiz auf diese Weise von mühsamer und repetitiver Administrationsarbeit entlasten, lautet das Argument.

Fakt ist, dass die UBS als Vorreiterin der Entwicklung auf dem Finanzplatz weiter Jobs ins Ausland verschiebt; dies, nachdem es kurzzeitig nach einer Verlangsamung ausgesehen hatte.

Offenbar handelt es sich bei solchen scheinbaren Bremsmanövern nur um Verschnaufpausen auf dem Marathon Richtung zerlegtem Finanzmulti.

Am Grundsätzlichen scheint sich jedenfalls nichts geändert zu haben. Die Spitze der Bank glaubt  immer weniger daran, dass sie aus der Schweiz heraus zu konkurrenzfähigen Löhnen und Preisen ihre Services und Produkte anbieten kann.

Dafür ist die Nummer 1 des Landes bereit, das wichtigste Gut in Frage zu stellen: die Sicherheit der Daten.

Zwar betont sie bei jeder Gelegenheit, dass es keinerlei Kompromisse beim Schutz der Privatsphäre und den Daten ihrer Millionen von Kunden gebe.

Gleichzeitig lassen die UBS-Verantwortlichen aber die Schweizer Pensionskassen, Familiy Offices und übrigen Profikunden sogenannte „Waiver“ unterzeichnen.

Die Folgen reichen weit. Die betroffenen Pensionskassen und übrigen Gross- und Firmenkunden geben der UBS mit ihrem Einverständnis das Recht, ihre durch das Bankgeheimnis geschützten Daten im Ausland zu bearbeiten.

Es handle sich nur um einen geringfügigen Eingriff, meint dazu die Bank. Die im Ausland stationierten eigenen Mitarbeiter oder die fremden der Partnerfirmen hätten nur ein „Leserecht“.

Zudem sei der Datenzugriff „nach strengen Vorgaben und Einschränkungen“ geregelt, es gelte das Prinzip „need to know“. Gemeint ist, dass nur wenige Daten im Ausland sichtbar würden.

Das wirkt blauäugig. Die UBS hat schon vor Jahren durch das Bankgeheimnis geschützte Daten nach Indien verschoben. Dort erlebte sie dann ihr blaues Wunder.

Scharfe Daten von Kunden waren plötzlich bei indischen Partnergesellschaften gelandet. Die Bank sprach zwar nur von wenigen Datensätzen.

Ob das stimmt, bleibt offen. Sicher ist, dass die UBS durch ihren offenbar lockeren Umgang mit Daten, die sie statt ausschliesslich in der Schweiz auch im Ausland lagert, viel Schaden angerichtet hat.

In Deutschland flogen unzählige Kunden auf, weil die Grossbank deren Daten in Frankfurt gelagert hatte. Betroffen waren auch Schweizer Kunden.

Bis heute ist nicht klar, warum sie das getan hatte. Trotzdem fordert sie erneut grünes Licht von ihren grossen Schweizer Kunden für einen Datenzugriff aus dem Ausland.

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37 Kommentare zu “UBS lagert Filetstücke aus: Luxemburg, Indien

  1. UBS ist schon lange keine „Bank“ mehr. 1/4 der Belegschaft kann problemlos abgebaut werden (nur 12 …??)!! Zu viele Leute haben ungenügende Fachkenntnisse (es ist zum Schreien!), andere sind so verängstigt, dass sie nichts ohne im Compliance Rückfragen zu stellen machen (dann lasst doch Compliance die Arbeit machen) und der gesunde Menschenverstand … nun der ist bei UBS ein Fremdwort. Dieser ist bei zu vielen Mitarbeitern dauerhaft ausgeschaltet (UBS-Politik ist: denken verboten). Und wenn man die Mitarbeiter darauf anspricht kommt die Antwort: you know….rules. Da wir umorganisiert….es ist bewiesenerweise ein Graus (gibt aber Arbeit -noch-unnötigerweise). Dass die UBS Drohbriefe verschickt, Reklamationen nicht beantwortet sind weitere traurige Kapitel ….

  2. Als Arbeitsloser IT-ler hatte ich Hoffnung, dass die UBS wieder die IT nach Biel und Schauffhausen bringt, nachdem sie festgestellt hatten, dass die IT im Ausland eigentlich teurer als im Inland geworden wird.
    Anscheinend wird es dann nichts.

  3. Na super, siehe den aktuell bekannt gewordene Equifax Hack (Kreditrating-Firma) wo über die Hälfte der Amerikaner (auch viele Nicht-Kunden von Equifax) sowie ausländische Personendaten gestohlen wurde!

    Mit diesen Daten können nun recht einfach digitale Identitäten generiert werden: Und plötzlich gibt es mehrere ‘John Doe’s’, mit legitimer Sozialversicherungsnummer und Drivinglicence.. diese Identitäten können auch Bankkonten eröffnen.. Kredite beantragen…

    Und damit dann auch Gelder von Grosskunden, Pensionskassen, Familiy Offices abzügeln!

    Auslagerung mag ja finanztechnisch sinnvoll erscheinen. Nur sind Hacker öfters erfolgreich, wenn sie via IT Systeme von angeschlossenen Dritten (wie Partner, Zulieferer, ja sogar via dem PizzaService) in die komplexen Hauptsysteme gelangen können.

    Je mehr ausgelagert wird desto verstreuter sind MEINE / DEINE Daten gespeichert, nun also in der Schweiz, in Luxemburg und Polen, auch in Indien, und den USA…

    Wer hat da die Sicherheit der Kundendaten wirklich noch im Griff? Vor allem, wer ist verantwortlich für die Informations- und IT-Sicherheit der Partner, er selbst oder derjenige der auslagert?

    Und wer kontrolliert dies.. in Luxemburg, Polen, Indien?

    Nun gut, in der EU gilt bald die neue EU Datenschutz Grundverordnung (DSGVO).

    Man verspricht sich davon, dass ab Mai 2018 der Schutz personenbezogener Daten innerhalb der Europäischen Union besser sichergestellt werden wird.

    Mal sehen inwieweit dies dann auch wirklich durchgesetzt wird (ganzheitliches Sicherheitskonzept zum Schutz von Unternehmens- und Kundendaten); ich denke wohl ernsthaft erst bei den ersten Strafen bei Nichteinhaltung: bis zu 20 Mio Euro bzw. 4% des Firmenumsatzes…

    Zeit sich vorzubereiten bleibt nicht mehr viel.

  4. Schlecht bezahlte Aushilfen wühlen in den Dossiers & Korrespondenzen von Familienstiftungen und den angeblich so wertgeschätzten Ultra High Net Worth Individuals. So weiss jeder wie ein Prinz jeden Monat 100.000 in Dubai und sonstwo verprasst. Die Schweizer Banken sollten diesen Schatz gewinnbringend gemeinsam mit Magazinen wie Closer verwerten. Oder geschieht dies schon?

  5. Wenn sich der Herr Hässig mal mit dem Custody Geschäft vertraut gemacht hätte wüsste er dass es gar nicht mehr anders geht. Der Druck auf den Fees ist so gross dass man nur noch mit Kampfpreisen am Markt mithalten kann. Zudem kommen mit den neuen Regulierungen weitere kosten auf die Depotbanken zu somit ist dieser Schritt mehr als verständlich

    • Fee Druck…. Fee Druck…. Hört doch mal endlich auf… Das haben alle Länder im Ausland diesen Fee Druck und diese Jammern nicht.
      Fakt ist in der heutigen Zeit steuern wir nun mal auf das Digitale Zeitalter da gibt es keine Zauberformel die Margen werden kleiner.
      INNOVATION heisst die Antwort. Wenn einer dieser Manager Innovativ wäre könnten Sie anstelle ihren Kommissionen nachzurennen vorausschauende Strategien entwickeln. Der Internationale Markt Druck war schon immer da… Da einzige auf war wir uns einstellen müssen ist das Digitale Zeitalter…
      zbsp Herr Brabeck von der Nestle ist zBsp. ein guter Manager er hat Visionen…

  6. Wer am Wochenende ins nahgelegen Ausland fährt um Fleisch, Milch, Bekleidung und dergleichen zu erwerben, sollte sich nicht wundern, wenn unsere Banken es uns nachtun.. Custody ist ein low-margin-Geschäft. Wer die niedrigsten Kosten hat „gewinnt“. Bitter für die Betroffenen aber letztendlich folgerichtig und im Sinne unserer Banken, denn die müssen sparen wo es nur geht, sonst geht’s (noch schneller) ans Eingemachte! Die Tiraden gegen das „Management“ sind emotional natürlich gerechtfertigt, in der Sache vermutlich nur gelegentlich.. aber keine Sorge -> die kommen auch noch dran.. aber was machen wir dann nur?! Gegen wenn wollen wir dann unseren Neid und Hass versprühen?? Vielleicht kommt uns eine Idee, wenn wir in Konstanz an der Kasse stehen!

    • Liebe Irina
      Wie kann frau nur Käufe im Ausland mit dem Schweizer Bankgeschäft in Zusammenhang bringen? Ist es nicht immer eine Frage des Preises? Und die Preise in der Schweiz sind doch noch das Einzige, was in der Schweiz noch Weltspitze ist. Ist es nicht höchste Zeit, dass sich die Schweizer gegen die Abzocker in Politik und Chefetage zur Wehr setzen. Aber, liebe Irina, Du weisst ja, es gibt nichts Dümmeres als Schweizer!

  7. 35 Sahnestücke konfrontien 8 Obrigkeiten. Wer erhält das letzte Stück? Die Diebe oder die Eisheiligen?

    *1887 Salome „SaBa“ Bordiga

  8. Na gut, ich gehe einmal davon aus, dass in der UBS GL – wie im Direktorium der SNB übrigens auch – keine Leute mit vertieften Accounting-Kenntnissen sitzen. Die verstehen wohl ihre eigene Bilanz- und Erfolgsrechnung nicht wirklich. Egal, ist eh nicht bonusrelevant, also kann das ja auch gut ausgelagert werden. – Mir wird übel! Der Furz, der diese Leute täglich verlässt, hat sie zuvor restlos ausgefüllt!

  9. Wenn UBS alle Arbeiten im Ausland erledigen lässt, kann ich meine Assets gleich zu einer ausländischen Bank transferieren. Gebühren sind tiefer, Qualitätsunterschied wird es spätestens nach der Auslagerung auch keinen mehr geben. .

  10. Jean-Claude Junker würde vermutlich seine Augen reiben, wenn er hier lesen sollte, dass er in einem Billiglohnland zu Hause ist.

  11. „keinerlei Kompromisse beim Schutz der Privatsphäre und den Daten ihrer Millionen von Kunden gebe“. Daten können nur mit Kompromissen extern gegeben werden, alles kann gehackt werden, überall gibt es Typen die an Daten interessiert sind. Die Aussage der UBS von keinen Kompromissen verdeutlicht einfach wie doof sie Kunden hält!

  12. Mal wieder typisch anstatt zu optimieren und kostengünstig in der Schweiz zu betreiben mal wieder alles auslagern. Ja wen wundert es wenn der Finanzplatz Schweiz in 10 Jahren kaum mehr an Bedeutung hat

  13. Outsourcing aller Art kann, wenn falsch gemacht, am Ende sogar teuerer werden.

    Amerikaner machten schon vor 15 Jahren Untersuchungen dazu. Selbst bein den, damals spotttiefen, Löhnen in Indien kann die Ersparnis nur 20% betragen, oder alles am Ende teuerer sein.

    Die meisten Manager ignorieren einfach diese alten Untersuchungen.

    • Da ist etwas Wahres daran:

      In diesen Ländern steigen die Löhne teilweise mit 5% bis 10% p.a.

      Der chinesische Renminbi ist definitiv keine Schwachwährung mehr, die indische Rupie auf dem Weg dorthin.

      Zumal es jeweils auch noch sichere Zinsen gibt, die zum Ausgleich temporärer Währungsverluste eingesetzt werden können, was bei den Hartwährungen des Westens inzwischen nicht mehr der Fall ist.

      Daraus ergibt sich auch die zukünftige Verletzlichkeit des Westens.

      Beispiel Japan:

      2012: 80 Yen für 1 US-Dollar bei 1% Zins p.a.
      2017: 110 Yen für 1 US-Dollar bei 0% Zins p.a.

  14. Die überflüssigen Spezialisten in Zürich sollen ein Treuhand-Büro eröffnen. Es besteht ein Bedarf für Fachkräfte, die sich auskennen in der Rückforderung von „Zusätzlicher Steuerrückbehalt USA“, „Deutsche KEST“, „Pauschale Steueranrechnung“, usw.

  15. Seit 1971 sind die beiden Clearing-Stellen Cedel und Euroclear in Luxemburg. Cedel wurde 2002 von Eurostreaming übernommen.
    Eine Verlagerung des Global Custody nach Lux vereinfacht die Abläufe und macht deshalb Sinn.

    • Eurostreaming? ist das nun der Rhein, die Rhone oder Donau? Clearstream sitzt offiziell in Luxembourg, die „billigen“ Arbeiten werden in Tschechien in billigstger Qualität erledigt… Eine Abwicklung in der Schweiz macht Sinn, wenn die Automatisierung 60:40 oder 80:20 erreicht. Das spart enorm Zeit und Manpower und was vom Band fällt kann mit der gewohnten Swissness erledigt werden. Es macht keinen Sinn, repetitive langweilige Arbeiten auszulagern, man muss sie automatisieren!

  16. Die UBS Schweiz würde besser von den 1200 unprofitablen Sesselhockern von Direktionsmitarbeitern 200 entlassen und den Lohn der restlichen um 35 % reduzieren. Banken setzten auf zu viele Chefs, die lediglich durch Sitzungen Aufmerksam auf sich lenken können.

    • Dem kann ich nur beipflichten. Die meisten Firmen haben einen zu grossen und überteuerten Overhead. Im besten Fall dient die teure Garde dazu das Fussvolk noch anzutreiben.

  17. Das ist mal eine Ansage: „Investment Reporting“ und „Accounting“ seien im Insti-Geschäft also von untergeordneter Bedeutung. Wow! Wer diese Meinung vertritt, hat absolut keine Ahnung vom Geschäft. Das Investment Reporting ist absolut essentiell für PK’s. Schon eine saubere Performanceattribution bringen die wenigsten zustande, obwohl das Kundenbedürfnis glasklar ist. Accounting, also das richtige Verbuchen, ist ebenfalls essentiell. Noch lange nicht alle Hedge Funds sind in der Lage, richtige Abrechnungen zu erstellen. Sie verwechseln Class X mit Z und der Storno ist wieder falsch. Wer also der Ansicht ist, dass seien minderwertige Arbeiten, versteht sein Geschäft nicht und hat keinen blassen Schimmer, was Kunden benötigen. Aber eben: Grossbanken aus dieser Welt sind nicht dazu da, Kundennutzen zu stiften. Das war mal. Und wie liederlich man mit Kundendaten umgeht, sollte hinlänglich bekannt sein – siehe Entschuldigungsschreiben dieser Bank an Schweizer Kunden, dass ihre Daten in Deutschland aufgetaucht seien, obwohl sie keinen Bezug zur Steueraffäre hatten. Konsequenz: Sell on any rally, falls es denn noch irgend wann in meinem Leben eine solche gibt.

    • Genau – Das bringt es auf den Punkt!
      Und das im unverändert hart umkämpften Global Custody CH Insti Business, wobei gerade die Schweizer PK’s und grossen Firmenkunden eben genau Wert auf diese „Swissness“ legen, von der nun eindeutige Kernstücke ausgelagert werden sollen. Denn Sie wissen nicht was sie tun…Eigentlich sollte die Bank ja „UUPS“ und nicht „UBS“ heissen…

  18. das ist der courant normal, was immer im ausland billiger erbracht werden kann al in der CH, soll dorthin verlagert werden, die UBS ist da noch weit vom ziel weg. waiver w bankgeheimnis? wofür? der AIA ist standard und die UBS kümmert sich um das CH bankgeheimnis eh nicht mehr, am liebsten würde sie standleitungen zu den steuerämtern einrichten, warum denn auch? datensicherheit? equifax wurde auch gehackt, lebt bestens weiter, was soll’s.

  19. Es ist nur verständlich, daß Einheiten dorthin verlagert werden, wo die Kosten niedrig sind, nennenswertes Wachstum stattfindet und Neukunden zu erwarten sind.